mini|hochkant=0.4|Wappen derer von Bennigsen-Foerder. Albert von Bennigsen-Foerder, vollständig Albert Friedrich Gustav Karl von Bennigsen-Foerder (* 9. April 1838 in Salzwedel; † 1. Februar 1886 in Berlin) war ein preußischer Gutsbesitzer und Verwaltungsbeamter.
Leben Albert von Bennigsen-Foerder entstammte der Linie Bennigsen-Foerder des Adelsgeschlechts von Bennigsen. Er war das dritte Kind des gleichnamigen BürgermeistersVerhandlungen des fünften Provinzial-Landtags der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz, gehalten zu Berlin im Jahre 1834. Nauck, Berlin 1835, S. 11.Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Magdeburg. Nro. 145, Eigenverlag, Magdeburg, den 12. April 1834, S. 101. von Salzwedel Albert von Bennigsen-Foerder (1800–1847) und dessen Frau Mathilde geb. Thorwirth (1818–1874).Familienangaben nach: Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 2, Berlin 1893, S. 58 f. Der Landrat Gustav Rudolf von Bennigsen-Foerder war sein Großvater.
Seine Schulbildung erhielt er auf dem Gymnasium Salzwedel, dem Francisceum Zerbst und dem Stephaneum (Realgymnasium) in Aschersleben. Er studierte an der Georg-August-Universität Göttingen Rechtswissenschaft und wurde Ostern 1857 im Corps Saxonia Göttingen aktiv.Karl Rügemer (Hrsg.): Kösener Korps-Listen von 1798 bis 1910. Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg 1910, 85/178. Er wurde am 8. Februar 1858 recipiert und Ostern 1859 inaktiviert.Wolfgang von der Groeben: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Saxonia zu Göttingen 1844 bis 2006, Nr. 174, S. 23. Seine Versuche in der Gutsbewirtschaftung, erst auf dem mütterlichen Gut Plate in der Altmark bis 1864 und auf Striche, Kreis Birnbaum, bis 1875, scheiterten beide. 1875 trat er in den preußischen Verwaltungsdienst ein. Ende Mai 1875 begann er seine Laufbahn im Landratsamt für den Kreis Stormarn in Wandsbek. 1875/76 war er kurzzeitig Vertreter des erkrankten Hardesvogts in Kappeln. Zunächst kommissarisch, dann 1877 regulär wurde er Kirchspielvogt in Reinbek. In dieser Zeit entwickelte sich die Bekanntschaft mit Otto von Bismarck, der im nahen Friedrichsruh wohnte. Bismarck versprach sich von einer Förderung Bennigsen-Foerders eine Verbindung zu und Einfluss auf dessen Cousin Rudolf von Bennigsen.Siehe: Hans Fenske (Lit.), Dettelbach 2002, S. 568. Außerdem sah er ihn als geeignetes Werkzeug, die Borussifizierung des Kreises voranzutreiben und den noch bestehenden Einfluss der Ritter- und Landschaft des Herzogtums zu beseitigen.
So sorgte Bismarck dafür, dass der prinzipientreue lauenburgische Landrat Andreas von Bernstorff, als Gutsherr von Stintenburg selbst Teil der Ritterschaft, eigens nach Berlin versetzt wurde und Bennigsen-Foerder als dessen Nachfolger im Juni 1880 Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg wurde. Bennigsen-Foerder verwaltete das Amt zunächst kommissarisch; im Juli 1881 erhielt er seine reguläre Berufung. Weiteres Ziel der Besetzung der Stelle mit ihm war ein Versuch Bismarcks, die Reichstagswahl 1881 im Wahlkreis Schleswig-Holstein 10 (Herzogtum Lauenburg), seinem Heimatwahlkreis, im Sinne der Konservativen zu beeinflussen. Der Plan „mittels einer von ihm ungenügend inszenierten Intrige“Tobias C. Bringmann: Reichstag und Zweikampf. Die Duellfrage als innenpolitischer Konflikt des Kaiserreichs 1871–1918. Freiburg 1996, ISBN 3-8107-2249-9, S. 156. den wichtigsten Vertreter der Liberalen im Kreis, den Kammerrat und Mitglied des Landschaftskollegiums Heinrich Berling, mit Hilfe eines offiziösen Flugblatts des Landrats und an die Presse gestreuten Falschmeldungen zu diskreditieren, um damit Karl von Schrader, Freund der Familie Bismarck und Corpsbruder von Herbert von Bismarck, zu einem Reichstagsmandat zu verhelfen, endete in einem Skandal. Tatsächlich gewählt wurde mit großer Mehrheit der liberale Kandidat August Westphal. Bennigsen-Foerder, der am Wahltag persönlich in der liberalen Hochburg Lauenburg (Elbe) erschienen war, um Wähler einzuschüchtern, sah sich mehreren Gerichtsverfahren vor dem Landgericht Lübeck gegenüber. Das Verfahren wegen öffentlicher Beleidigung, das Bertling angestrengt hatte, endete außergerichtlich, nachdem Bennigsen-Foerder eine Ehrenerklärung abgegeben hatte. Wegen der Ereignisse in Lauenburg wurde er zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt, die in eine Geldstrafe umgewandelt wurde.Siehe: Hans Fenske (Lit.), Dettelbach 2002, S. 571.
Die Ereignisse wurden am 15. Dezember 1881Stenographische Berichte über die Verhandlungen des Reichstages. Vl. Leg.-Periode. I. Session 1881/1882. Verlag der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung (Pindter), Berlin 1882. Mit: Reichtstags-Protokoll. 17. Sitzung am 15. Dezember 1881. und am 24. Januar 1882 Thema von Debatten im Reichstag. Neben der Beeinträchtigung der Wahlfreiheit ging es auch um die Politischen Beamten und um die Neutralität der Landräte bei Wahlen.Näheres siehe Literatur: Hans Fenske, Dettelbach 2002.
Bennigsen-Foerder wurde am 28. Januar 1882 in die Gefängnisverwaltung der Provinz Posen strafversetzt. Sein Nachfolger als Landrat wurde Oskar von Dolega-Kozierowski. Bennigsen-Foerder war Direktor der Strafanstalt im brandenburgischen Luckau und ab 1885 Direktor des Stadtvogteigefängnisses am Molkenmarkt in Berlin. Im Jahr darauf starb er im selben Alter wie sein Vater.
Verheiratet war er seit dem 20. April 1868 mit Klara Julie geb. von Tresckow (* 1847) aus dem Hause Kade. Von den bei seinem Tod sechs minderjährigen Kindern wurde Gertrud (* 1872) im Jahr 1901 eine der ersten Gewerbeinspektorinnen in Preußen.Vgl. Michael Karl: Fabrikinspektoren in Preußen: Das Personal der Gewerbeaufsicht 1845–1945. Professionalisierung, Bürokratisierung und Gruppenprofil. In: Studien zur Sozialwissenschaft. 126, Springer, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-322-93599-1, S. 249 f. Über den jüngsten Sohn Rudolf Johann Alexander von Bennigsen–Foerder (* 1879 in Reinbek), der Rechtsanwalt und Syndikus bei Borsig in Berlin wurde, war er der Großvater des Rudolf von Bennigsen-Foerder.
Literatur Marcelli Janecki: Handbuch des Preußischen Adels. Band 2, Hrsg. Königliches Herolds-Amt, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1893, S. 58 f. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. (Uradel). 1900. Erster Jahrgang, Justus Perthes-Druck 16. August 1899, Gotha Januar 1900, S. 76 f. Hans Fenske: Der Landrat als Wahlmacher. Eine Fallstudie zu den Reichstagswahlen von 1881. In: Ernst Forsthoff (Hrsg.): Die Verwaltung. Zeitschrift für Verwaltungsrecht und Verwaltungswissenschaften. 12 (1979), Duncker & Humblot, Berlin 1979, , S. 433–456. In: Preußentum und Liberalismus. Aufsätze zur preußischen und deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Hrsg. Hermann Joseph Hiery, Röll, Dettelbach 2002, ISBN 3-89754-196-3, S. 561–579.
Einzelnachweise
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