HateAid (von und ) ist eine gemeinnützige GmbH zur Beratung und Unterstützung von Betroffenen von Online-Hassrede und Hasskommentaren mit Sitz in Berlin. Sie wurde im Jahr 2018 von den Nichtregierungsorganisationen Campact und Fearless Democracy zusammen mit Anna-Lena von Hodenberg ins Leben gerufen und wird von Hodenberg sowie Josephine Ballon geführt. Ihrem Selbstverständnis nach bzw. laut Gesellschaftsvertrag ist die Organisation unabhängig und überparteilich, setzt sich für Menschenrechte im Netz ein und klärt über gesamtgesellschaftliche Gefahren im digitalen Raum für Demokratie und Meinungsfreiheit auf.
Ziele HateAid ist eine gemeinnützige Organisation für Menschenrechte im Netz. Mit der Sensibilisierung von Politik und Gesellschaft für digitale Gewalt will HateAid demokratische Grundwerte stärken. Die Organisation bietet von digitaler Gewalt Betroffenen bei Hasskommentaren und anderen Formen stabilisierende und aufbauende Beratungen sowie gegebenenfalls Prozesskostenübernahme an. Über einen Fonds zu deren Finanzierung führt sie Zivilprozesse gegen digitale Straftaten. Durch die erstrittenen Schadensersatzansprüche sowie Spenden möchte sie weitere Prozesse gestalten. HateAid ist es wichtig, die Rahmenbedingungen von Betroffenen langfristig zu verbessern.
HateAid ist im Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung eingetragen und nimmt wie andere akkreditierte Nichtregierungsorganisationen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren, indem Gutachten und Stellungnahmen an Fraktionen, Gruppen und Abgeordnete gesendet werden. Bislang (Stand Ende 2025) war dies in 23 konkreten Regelungsvorhaben der Fall.
Auch auf europäischer Gesetzgebungsebene ist HateAid als Lobbyorganisation registriert mit einem beim Europäischen Parlament akkreditierten Vertreter.
Seit 2022 gehört die Website Dickstinction.com zur HateAid gGmbH, die Betroffene unterstützt, ungewollte Penisbilder zur Anzeige zu bringen.
Im Juni 2025 wurde die HateAid gGmbH von der Bundesnetzagentur zum Trusted Flagger, also zur vertrauenswürdigen Hinweisgeberin, ernannt. Damit unterstützt die Organisation mit ihrer Expertise in digitalem Recht dabei, dass der Digital Services Act von den Plattformen wirklich umgesetzt wird.
Mandanten Zu den ersten Betroffenen, die durch HateAid vertreten wurden, zählte die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer. Im Rahmen der Prozesskostenfinanzierung von HateAid bekam sie 2021 vor dem Landgericht Frankfurt eine Entschädigungszahlung von 6000 Euro zugesprochen, nachdem Akif Pirinçci sie auf Facebook sexistisch und erniedrigend angegriffen hatte.Luisa Neubauer erzielt Erfolg gegen rechten Autor. In: Spiegel Online, 3. Dezember 2021. Abgerufen am 3. Dezember 2021. Das Geld floss zurück in den solidarischen Fonds für Betroffene digitaler Gewalt.
Im Juli 2019 wurde Renate Künast vor dem Landgericht Berlin durch HateAid vertreten, um von Facebook die Herausgabe von Nutzerdaten zu erwirken. Ziel war es, die Identität der Urheber mutmaßlich strafbarer Hasskommentare zu ermitteln, um anschließend Strafanzeige stellen zu können. Der Antrag wurde im September 2019 abgewiesen. Nach einer Beschwerde Künasts beim Kammergericht Berlin änderte das Landgericht sein Urteil dahingehend ab, dass sechs der 22 Kommentare als Beleidigungen eingestuft wurden. Im Oktober 2022 schätzte das Bundesverfassungsgericht auch die restlichen Kommentare als Beleidigungen nach § 185 StGB ein. Das Kammergericht Berlin erkannte im November 2022 alle 22 Kommentare als Straftat an.
Am 27. April 2021 unterstützte HateAid die Klage von Renate Künast gegen Facebook zur Löschung illegaler Inhalte am Beispiel eines verleumdenden Memes. Es handelte sich dabei um den ersten Grundsatzprozess gegen eine Plattform in dieser Form. In erster und zweiter Instanz wurde geklärt, dass Facebook identische und kerngleiche Memes selbst gezielt suchen und löschen muss.
Auch die Kulturwissenschaftlerin Madita Oeming fand Unterstützung bei HateAid: Im August 2019 hatte sie per Twitter darüber informiert, dass sie von der FU Berlin einen Lehrauftrag erhalten hatte und ein Seminar mit dem Titel Porn in the USA geben werde. Ein Retweet mit abschätzigem Kommentar durch Beatrix von Storch wurde von 250.000 Nutzern gesehen, und Oeming erlebte einen intensiven Shitstorm.
Gemeinsam mit der jüdischen Studierendenorganisation European Union of Jewish Students hat HateAid am 24. Januar 2023 Klage vor dem Landgericht Berlin gegen X (damals Twitter) eingereicht. Gegenstand der Klage gegen strafbare, antisemitische und volksverhetzende Tweets ist auch die Holocaustleugnung. X hatte auf Nichtzuständigkeit der deutschen Justiz plädiert. Das Gericht folgte dieser Argumentation; HateAid legte Berufung ein. Mit Urteil vom 10. Juli 2025 wies das Kammergericht Berlin die Berufung ab.Pressemitteilung des Gerichts vom 11. Juli 2025
Igor Levit, Nicole Diekmann, Louisa Dellert, Gollaleh Ahmadi und die Elevator Boys sind weitere Klienten, die öffentlich dazu sprechen.
Im Jahr 2024 hat das Team von HateAid 1877 Betroffene in 7688 Vorfällen betreut und 326 Strafanzeigen finanziert sowie 143 Abmahnungen und 49 Zivilklagen.
Finanzierung mini|Geschäftsführerin Anna-Lena von Hodenberg bei einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung (2021) Die Gründung von HateAid wurde von der Robert Bosch Stiftung unterstützt.Alexandra Wolters: „Wer bist du auf der digitalen Bühne?“ bosch-stiftung.de vom April 2019, abgerufen am 5. März 2020
Im Jahr 2024 bestand die Finanzierung aus privaten (58,3 %) und öffentlichen Förderungen (25,2 %), freien Spenden (13,2 %) und sonstigen Einkünften wie Geldauflagen (3,3 %). Die größten Förderungen kamen 2024 von der Alfred Landecker Foundation, dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Bundesministerium der Justiz.
Für das Jahr 2025 sind im Bundeshaushalt, Einzelplan 07 für das Justizministerium, 600.000 Euro als Zuschuss an HateAid eingestellt. Über das Förderprogramm Demokratie leben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend erhält HateAid im selben Jahr weitere 424.823 Euro aus Bundesmitteln für die Beteiligung an dem Projekt „toneshift - Netzwerk gegen Hass im Netz und Desinformation“.
HateAid wird auch von bekannten Förderern unterstützt: So spendeten die Journalisten der Parlamentsredaktion der Süddeutschen Zeitung, Boris Herrmann und Nico Fried, ihr Preisgeld vom Erhalt des Medienpreises des Deutschen Bundestages, und Rechtsanwalt Chan-jo Jun spendete sein Preisgeld des Max-Dortu-Preises für Zivilcourage und gelebte Demokratie der Landeshauptstadt Potsdam.Max-Dortu-Preis für Zivilcourage Potsdam ehrt Anwalt für Kampf gegen Hass im Netz, Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ), abgerufen am 15. Mai 2023
Auszeichnungen
2023: Theodor-Heuss-Medaille 2025: Rothenburger Preis für Erinnerung und Zukunft 2025: Wertepreis für Demokratie der Werte-Stiftung 2025: For.Net Award der Technischen Universität München 2026: Günter-Wallraff-Preis für Pressefreiheit und MenschenrechteGegen digitale GewaltHateAid erhält Günter Wallraff-Preis 2026
Sanktionen Die beiden Leiterinnen von HateAid wurden im Dezember 2025 vom Außenministerium der Vereinigten Staaten sanktioniert: Sie dürfen nicht mehr in die USA einreisen. Hintergrund der Maßnahme ist der seit Monaten eskalierende politische Konflikt zwischen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump und der Europäischen Union über die Regulierung großer Online-Plattformen. Die US-Regierung unterstellt europäischen Akteuren, unter dem Vorwand der Bekämpfung von Hassrede die Redefreiheit einzuschränken.
Konkret begründeten die USA die Einreiseverbote mit dem „Schutz der Meinungsfreiheit“ und stellten die Arbeit von HateAid und die EU-Regulierung – insbesondere den Digital Services Act (DSA) – als Zensur dar. Dagegen wendet sich eine Petition von WeAct mit vier Forderungen an die Bundesregierung unter Friedrich Merz.Petition von WeAct: Solidarität mit HateAid - Angriff der Trump-Regierung stoppen
Filme und Dokumentationen Die ZDF-Dokumentation „Hass im Netz: Eine bessere Welt – Die Doku“https://www.zdf.de/dokus/hass-im-netz-eine-bessere-welt--die-doku-movie-100 thematisiert reale Bedrohungen und Gewalt in Online-Medien sowie die Arbeit von HateAid.
Weblinks Website von HateAid Porträt Anna-Lena von Hodenbergs auf der Website der NGO Ashoka.
Einzelnachweise
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