Walter Herbert Drum (* 26. November 1897 in Stettin; † 8. Juni 1987 in Rabel, Schleswig-Holstein) war ein deutscher Zahnarzt, ehemaliger Schriftleiter der Zahnärztlichen Rundschau, Herausgeber sowie Redakteur der Zeitschrift Quintessenz und Autor zahlreicher zahnmedizinischer Fachbücher. Er gehörte zu den eifrigsten deutschen Befürwortern der Fluoridanwendung zur Kariesprophylaxe, speziell der Trinkwasserfluoridierung.

Leben und Werk Drum studierte an den Universitäten Greifswald, Berlin und Heidelberg.Dominik Groß: Drum, Walter Herbert. In: Lexikon der Zahnärzte & Kieferchirurgen im >>Dritten Reich<< und im Nachkriegsdeutschland. Praktiker und Standespolitiker (A–E). Hentrich & Hentrich, Berlin/Leipzig 2024. In Heidelberg legte er das Staatsexamen ab und promovierte im Jahr 1923 zum Dr. med. dent. Nach drei Jahren Aufenthalt in Nord-Norwegen praktizierte er von 1926 bis 1936 als Zahnarzt in seiner Geburtsstadt, ab 1936 in Berlin.Dr. Walter Drum 75 Jahre. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 62, 1972, S. 1186. Als Sohn eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter galt er im „Dritten Reich“ gemäß der NS-Ideologie als „Halbjude“ und wies keine politische Nähe zum Nationalsozialismus auf.

Mit der Entwicklung der schulterlosen Porzellankrone („Drum-Krone“) machte er 1931 zum ersten Mal von sich reden und löste lebhafte Diskussionen wegen Bedenken in statischer Hinsicht aus.Persönliches. Er hat das Ansehen des Standes gefördert. Dr. Walter Drum 70 Jahre. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 57, Nr. 23, 1967, S. 1173 Im November 1946 übernahm er von Heinrich Blum die Schriftleitung der Zahnärztlichen Rundschau, die seit Juli des Jahres erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder herausgebracht worden war. Diese Zeitschrift betreute Drum bis Ende 1950. Er hatte aber schon Anfang 1950 die Herausgabe der Quintessenz eingeleitet, ein Referate-Blatt für alle Gebiete der Zahnheilkunde, das sich zu einer der am meisten gelesenen deutschen zahnärztlichen Fachzeitschriften entwickelte.Dr. Walter Drum 60 Jahre. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 45, Nr. 23, 1957, S. 808. Den Begriff Parafunktionen prägte Drum im Jahr 1949 und verstand darunter Aktivitäten des mastikatorischen Systems außerhalb der Kaufunktion. Sie können zur Schädigung bzw. Zerstörung des Kiefergelenks führen (Autodestruktion des mastikatorischen Systems).Walter Drum: Klassifikation von Parafunktionen. Vortrag anlässlich der wissenschaftlichen Tagung der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Parodontopathien (ARPA) am 22. September 1961 in Kassel. In: Forum Parodontologicum (Beilage der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift). Band 12, Nr. 1, 1. März 1962, S.1; bzw. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Band 17, 1962, S. 411 und S. 424. 1965 stellte er beim 15. Deutschen Zahnärztetag in Stuttgart die Drum-Miniplast-Schiene vor.Else Mann: Bericht über den 15. Deutschen Zahnärztetag vom 15. bis 19. September 1965 in Stuttgart. In: Zahnärztliche Welt/Reform. Band 66, 1965, S. 738.Walter Drum: Die Drum-Miniplast-Schiene. In: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Band 21, 1966, S. 109. Ein laut Drum bereits 1946 mit behördlicher Genehmigung gegründetes „Dental-Test-Institut Berlin“,Mitteilungen und Berichte. Die Vereinigung für Dental-Materialkunde e.V. und Das Dental-Test-Institut. In: Zahnärztliche Welt. Band 4, 1949, S. 446. das später auch als Hauptbüro für die „Vereinigung für Dental-Materialkunde (VDM)“ diente,Das Programm der Vereinigung für Dental-Materialkunde (VDM). In: VDM.-Nachrichten. Nr. 2, 5. Februar 1950, Beilage der Zahnärztlichen Rundschau. Band 59, Nr. 3, 1950, S. 58. ließ er 1948 mit seiner Frau Ruth (geb. Werner) als Gesellschafterin in Form einer GmbH ins Berliner Handelsregister eintragen. Es diente u. a. zur Koordinierung von Wissenschaft, Praxis und Industrie.Handelsregister. B.2840/Nz. Dental-Test-Institut. In: Verordnungsblatt für Groß-Berlin. 4. Jahrgang, Teil II, Nr. 5, 3. August 1948, S. 68. Im Arbeitsplan des Instituts war auch die Heilmittelprüfung vorgesehen, deren Notwendigkeit sich schon bald zeigte.Walter Drum: Zur Organisation der zahnärztlichen Heilmittelprüfung. In: V.D.M. Nachrichten. Nr. 3, 5. August 1949, Beilage der Zahnärztlichen Rundschau. Nr. 15, 1949, S. 291. Drum gehörte seit 1950 zu den korrespondierenden Mitgliedern der Deutschen Fluorkommission und war als Gründungsmitglied an der konstituierenden Sitzung der Europäischen Arbeitsgemeinschaft für Fluorforschung und Kariesprophylaxe 1953 in Konstanz beteiligt.Fluorkommission. In: Zahnärztliche Rundschau. Band 60, 1951, S. 74.Hans Joachim Schmidt: 10 Jahre ORCA. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 53, 1963, S. 593. Verdienste um die Standespolitik erwarb er sich als 1. Vorsitzender des Bezirks Charlottenburg im Verband der Zahnärzte von Berlin, eine Funktion, die er 18 Jahre lang ausübte. Am 9. April 1975 erlitt Drum einen Schlaganfall, war seither gelähmt und konnte durch Verlust des Sprachzentrums keinen Kontakt mehr zu seiner Umgebung aufnehmen. Er verstarb am 8. Juni 1987 im 90. Lebensjahr.K. Eichner: Nekrolog für Dr. med. dent. Walter Drum. In: Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Band 42, 1987, S. 933.

Energischer Aufruf zur Zahnschutzhärtung Nachdem infolge des Zweiten Weltkriegs die deutsche Zahnmedizin von der übrigen wissenschaftlichen Welt isoliert war, gründete Drum zusammen mit Georg Axhausen und dessen Oberarzt Hans Joachim Schmidt (* 1912) am 17. Juni 1948 die Zahnärztliche Gesellschaft an der Universität Berlin als Forum für die Verbreitung und Diskussion wissenschaftlicher Erkenntnisse.Universitätsnachrichten. Gründung der Zahnärztlichen Gesellschaft an der Universität Berlin. In: Zahnärztliche Rundschau. Band 57, Nr. 13, 1948, S. 210. Bei ihrer Vortragsveranstaltung im Juli 1948 sorgte „Besuch aus Amerika“ für Aufbruchstimmung mit Aussichten auf einen erfolgreichen Kampf gegen die Zahnkaries mit Fluorverbindungen.Walter Drum: Besuch aus Amerika. In: Zahnärztliche Rundschau. Nr. 16, 1948, S. 245.Walter Drum: Kariesprophylaxe durch Fluorverbindungen. In: Zahnärztliche Rundschau. Nr. 16, 1948, S. 246. Drum war Vorstandsmitglied der Zahnärztlichen Gesellschaft und von dem, was er von den amerikanischen Kollegen zu hören und zu lesen bekam, überschwänglich begeistert. Schon 1949 rief er dazu auf, die „Zahnschutzhärtung in allen Schulen Deutschlands“ energisch zu beginnen, auch wenn Zweifler erst Beweise für die Wirksamkeit der Fluoridierung zu sehen wünschten. „Ein Schaden kann durch die Zahnschutzhärtung auf keinen Fall entstehen.“Walter Drum: Aufruf zur Zahnschutzhärtung. In: Zahnärztliche Rundschau. Band 58, Nr. 9, 1949, S. 135. „Zahnschutzhärtung“ definierte er als Laien-tauglichen Begriff für die Kariesprophylaxe mit Fluorid, bei der im Zahnschmelz Hydroxylapatit teilweise durch Fluorapatit ersetzt würde. In einem 52 Seiten umfassenden Werk erzählte Drum 1949, was er über die Vorgeschichte der Fluoridierung in den USA wusste.Walter Drum: Die wissenschaftlichen Grundlagen der Zahnschutzhärtung. Berlinische Verlagsanstalt, 1949 Es erschien in zweiter Auflage 1953 bereits unter dem Titel „Sieg über die Zahnkaries durch Fluor“Walter Drum: Sieg über die Zahnkaries durch Fluor. Quintessenz, Berlin 1953 und wurde als bedenklich einseitig kritisiert, weil es sich nur mit den Stimmen beschäftigt, die die Kariesprophylaxe durch „Fluoranwendung“ als völlig gelöst ansehen.Kurt Maretzky: Weitere Stimmen zum Fluorproblem und ein Vorwort der Schriftleitung. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 41, Nr. 24, 1953, S. 724. Zu diesem Zeitpunkt bildete er mit den Zahnärzten Rudolf Schill und Hans-Jürgen Siehe den „Fluorausschuss im Verband der Zahnärzte von Berlin“, der Auskunft über alle Fragen der „Fluorprophylaxe“ geben würde.Anschriften-Liste in: Walter Drum: Sieg über die Zahnkaries durch Fluor ...

Als praktikable Methoden sah er sowohl die lokale Fluorid-Applikation an als auch die „Fluormedikation“ durch Tablettengabe oder als Trinkwasserfluoridierung.Walter Drum: Fluormedikation zur Kariesprophylaxe. In: Zahnärztliche Mitteilungen. Band 39, Nr. 21, 1951, S. 526. Es sei dabei unbedingt zu vermeiden, dass „durch fluorhaltige Präparate irgendwie Vergiftungserscheinungen auftreten und das Vertrauen auf die segensreiche Wirkung der Zahnschutzhärtung gefährden.“ Deshalb sollten alle Firmen, die beabsichtigten „fluorhaltige Präparate herauszubringen“, sich vorher mit seinem Dental-Test-Institut in Verbindung setzen, um „von vornherein behördliche Zwangsmaßnahmen zu verhüten.“Walter Drum: Zahnschutzhärtung und Dental-Test-Institut. In: Zahnärztliche Rundschau. Band 58, Nr. 14, 1949, S. 254. Unter den inzwischen im Handel befindlichen Fluor-Präparaten fand sich auch ein Mundwasser, von dem laut Werbung ein einziger Tropfen bereits wirksam gegen Paradentose und Zahnkaries sei. Drum kritisierte 1950 neben dem Fehlen klinischer Tests vor allem die Werbepraxis der Hersteller, die das Mittel in der Laienpresse offerierten und nicht in erster Linie die Zahnärzte ansprachen.Walter Drum: Fluorhaltige Mittel zur Kariesprophylaxe. In: Berliner Gesundheitsblatt. Nr. 16, 25. August 1950, S. 401. „Zwangsmaßnahmen waren gegen diese Art von Reklame nicht möglich,“ die Firma erkannte aber nach kurzer Zeit, „dass ein mundtherapeutisches Mittel nicht nur durch Laienreklame ohne Duldung oder Begünstigung durch die Zahnärzte eingeführt werden kann.“Walter Drum: Reklame für Heilmittel. In: Berliner Gesundheitsblatt. Band 2, Nr. 4, 25. Februar 1951, S. 77.siehe auch: Die Fortschritte in der Zahnmedizin. In: Apotheker-Zeitung. Band 4, Nr. 10, 1952, S. 201 und Erwiderung von Walter Drum in Nr. 12, 1952, S. 252

Temperamentvolle Fluorid-Debatten