Bei den JS Ec 3/4 handelt es sich um eine Bauform des Dampfloktyps Mogul der ehemaligen Jura-Simplon-Bahn (JS). In der Bauform Ec 3/4 wurden insgesamt 37 Lokomotiven gebaut: JS 12 Stück; Serie 601-612, Nachbau SBB 17 Stück; Serie 6513–6529 und BN 8 Stück; Serie 1–8). Die Lokomotiven der Bern-Neuenburg-Bahn (BN) erhielten aufgrund der höheren Geschwindigkeit den Index b anstelle des c.
Von den 17 durch die SBB bestellten Lokomotiven des Typs Ec 3/4, Serie 6513–6529, wurden 15 Lokomotiven zu verlängerten Lokomotiven des Typs Ec 3/5, Serie 6601–6615, umgebaut.
Nach Auslösen der kriegsbedingten Reserve und aufgrund des Überbestands an Dampflokomotiven nach Ende des Zweiten Weltkriegs, wurden acht Lokomotiven des Typs Ec 3/4 und insgesamt nicht weniger als 42 Dampflokomotiven der SBB in die Niederlande an die Niederländische Staatsbahn verkauft.
Alle 37 Lokomotiven des Typs Ec 3/4, Ec 3/5 und Eb 3/4, inklusive den acht in die Niederlande verkauften Lokomotiven des Typs Ec 3/4, sind inzwischen ausrangiert und abgebrochen.
Die Lokomotiven der Bauarten Ec 3/4 der Gotthardbahn und Jura neuchâtelois, SLM Ed 3/4 sowie der Ec 3/5 der Thunerseebahn, sind nicht Teil dieses Artikels.
Bauart Ec 3/4 Typ JS
Geschichte Als Ersatz für die 3/3 gekuppelten Tenderlokomotiven aus Mulhouse (André Koechlin & Cie und SACM), gab die JS um die Jahrhundertwende der Schweizer Industrie einen Auftrag zum Bau von zwölf leistungsstarken Lokomotive mit drei Antriebsachsen für den Vorspann- und Personenzugdienst. Die Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik in Winterthur baute darauf den JS-Loktyp Ec 3/4, vorderhand B3, Serie 601–612 genannt. Im Bestand der SBB fiel die Bezeichnung dieser Lokomotiven gemäss dem neuen Bezeichnungssystem auf Ec 3/4. Die Nummerierung dieser Lokomotiven fiel auf die Serie 6501–6512.
Dieser Lokomotivtyp diente 1901 als Vorbild für acht, den Gegebenheiten der Bern-Neuenburg-Bahn angepassten, leicht schnelleren Lokomotiven der Bauart Eb 3/4, Seite 1–8. 1904 wurden von den SBB 17 weitere identische Lokomotiven des Typs Ec 3/4 bestellt.
Konstruktion Die Tenderlokomotiven des Typs JS Ec 3/4 entsprachen ziemlich genau den Abmessungen der JN-Lokomotiven Ec 3/4 von 1897. Bei der Dampfmaschine handelte es sich um eine Nassdampf-Zwillingsmaschine, welche mit einem Dampfdruck von 12 Atmosphären (12,159 bar) arbeitete. Der Kessel wurde mit einem Sicherheitsventil Typ Ramsbottom ausgestattet. Das Triebwerk war als Aussentriebwerk ausgebildet. Der Antrieb erfolgte auf die mittlere der drei gekuppelten Achsen. Die Steuerung erfolgte nach System Walschaerts. Die Zylinder wiesen einen Durchmesser von 420 mm auf. Auf den Schieberkästen befinden sich Ricour-Saugventile, welche ein Vakuum im Zylinder verhindern und dadurch besseren Leerlauf der Dampfmaschine erlauben. Fünf Lokomotiven dieser Serie wurden mit dem Langer’schen Rauchverbrenner und acht Lokomotiven mit dem vereinfachten SBB-Rauchverbrenner ausgerüstet. Die vorauslaufende Bissel-Laufachse wies einen Durchmesser von 850 mm auf und wurde mittels eines Pendellenker in die Mittellage rückgestellt. Da die Lokomotiven nur einseitig mit einer Laufachse versehen wurden, mussten sie – wo möglich – an den Endbahnhöfen auf einer Drehscheibe abgedreht werden. Wo dies nicht möglich war, fuhr die Lok rückwärts – und mit den Triebachsen voran – zurück. Dies führte unweigerlich zu einem unruhigen Lauf und einer erhöhten Abnutzung von Rad und Schiene.
Die Lokomotiven waren von Beginn an mit Westinghouse-Druckluftbremsen ausgestattet und besassen sechsklötzige Triebradbremsen. Im Verlauf der Karriere wurden die Lokomotiven 6502, 6510–6512 mit einer direkt wirkenden Rangierbremse ausgestattet, welche allerdings nur auf die Lok wirkte. Die 12 Ec 3/4 6501–6512 wurden zusätzlich mit einem Exterhebel versehen. Das Führerhaus wurde ringsum in geschlossener Bauweise ausgeführt. Der Sanddom befand sich auf dem Kessel, dessen Betätigung der Steuervorrichtung mit Handzug erfolgte.
Der Achsdruck dieses Loktyps lag bei 15 t. Die Belastungsnorm für diesen Loktyp betrug 140 t – 300 t für Personenzüge auf 0 - 25 ‰ Steigung und 160 t – 800 t für Güterzüge. Die Lokomotiven erbrachten eine Leistung von 500 PS bei 25 km/h.
Die JS konnte die Ec 3/4 zum Stückpreis von CHF 61‘000.— erwerben.
Einsatz Die unter Flagge der JS zogen die der Serie 601–612 zugeteilten Tenderlokomotiven zuerst auf dem normalspurigen Netz der JS, und nach Übernahme der JS durch die SBB ab 1902, Personenzüge gemäss der Depotzuteilung auf dem Netz der Schweizerischen Bundesbahnen SBB.
Verbleib Die 12 Ec 3/4 der ehemaligen Jura-Simplon-Bahn wurden zwischen 1934 und 1955 ausrangiert. Während acht Lokomotiven 1945 in die Niederlande verkauft wurden, fielen die übrigen Lokomotiven dieser Serie dem Schneidbrenner zum Opfer. Auch die acht an die NS verkauften Ec 3/4 wurden 1948–1949 verschrottet.
JS-Nummer SBB-Nummer Fabriknummer Baujahr Kreiszuteilung Werkstätte Überhitzer Ausrangiert Verbleib 601 6501 1294 1900 II Biel/Bienne 1927 1934 Abbruch 602 6502 1295 1900 II Biel/Bienne 1929 1947 Abbruch 603 6503 1296 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse SpoorwegenEinsatz als NS 56011949 Abbruch 604 6504 1297 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56021949 Abbruch 605 6505 1298 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56031949 Abbruch 606 6506 1299 1900 II Biel/Bienne – 1945 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56041949 Abbruch 607 6507 1300 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56051949 Abbruch 608 6508 1301 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56061948 Abbruch 609 6509 1302 1900 II Biel/Bienne – 1943 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56071948 Abbruch 610 6510 1303 1900 I Biel/Bienne 1934 1945 Abbruch 611 6511 1304 1900 I Biel/Bienne – 1943 Abbruch 612 6512 1305 1900 I Biel/Bienne – 1945 1945 Verkauf an die Nederlandse Spoorwegen NSEinsatz als NS 56081948 Abbruch
Bauart Ec 3/4 Typ SBB
Geschichte Die jungen SBB benötigten zur Ergänzung und zum Ersatz der vergleichsweise schwachen und in die Jahre gekommenen Lokomotiven der eingegliederten Bahngesellschaften, weitere leistungsstarke Personenzuglokomotiven. Aufgrund der guten Erfahrungen mit den Ec 3/4 6501–6512, bestellten die SBB bei den SLM schliesslich 17 weitere identische Lokomotiven. Konstruktion Die Konstruktion der Lokomotiven 6513–6529 war identisch mit derjenigen der Serie 6501–6512. Die Lok Nr. 6513 wurde analog den JS-Lokomotiven mit einer direkt wirkenden Rangierbremse ausgestattet, welche ebenfalls nur auf die Lok wirkte. Die Maschine Ec 3/4 Nr. 6526 erhielt während ihrer Laufbahn einen zusätzlichen Exterhebel. Alle Lokomotiven dieser Serie erhielten in den 1920er Jahren einen Schmidt’schen Überhitzer eingebaut. Mit der neu als Heissdampf-Zwillingsmaschine arbeitende Dampfmaschine, konnte eine Brennmaterialersparnis von 20 % erzielt werden. mini|links|Typenblatt der Ec 3/4 Nrn. 6513–6529 Einsatz Durch ihre relativ hohe Geschwindigkeit und Zugkraft kamen die Lokomotiven im Rayon des zugeteilten SBB-Kreises vor Personenzügen und vorzugsweise auf Nebenstrecken zum Einsatz. Verbleib Als einzige Lok der Serie 5613–5629 wurde die Nr. 5614 verkauft. Sie gelangt im Jahr 1938 an die Bulle-Romont-Bahn und wurde dort als Ec 3/4 Nr. 1 eingesetzt. 1958 erfolgte dann der Abbruch der Lok. Ein Jahr später fiel auch die Lok Nr. 6516 dem Schneidbrenner zum Opfer. Alle übrigen Lokomotiven wurden verlängert und zu Lokomotiven des Typ Ec 3/5 umgebaut.
SBB-Nummer Fabriknummer Baujahr Kreiszuteilung Werkstätte Überhitzer Ausrangierung Umbau zu Ec 3/5 … in SBB-Werkstätte Loknummer nach Umbau 6513 1615 1904 I Biel/Bienne 1928 1928 Biel/Bienne 6615 6514 1616 1904 I Biel/Bienne 1926 19331945 Verkauf an die Bulle – Romont Bahn Nr. 11958 Abbruch 6515 1617 1904 I Biel/Bienne 1924 1928 Biel/Bienne 6614 6516 1618 1904 I Biel/Bienne 1926 1959 6517 1736 1906 I Biel/Bienne 1927 1927 Biel/Bienne 6613 6518 1737 1906 I Biel/Bienne 1926 1926 Biel/Bienne 6612 6519 1738 1906 I Biel/Bienne 1926 1926 Biel/Bienne 6611 6520 1739 1906 I Biel/Bienne 1925 1925 Rorschach 6607 6521 1740 1906 I Biel/Bienne 1925 1925 Rorschach 6606 6522 1874 1907 I Biel/Bienne 1926 1926 Biel/Bienne 6609 6523 1875 1907 I Biel/Bienne 1926 1926 Biel/Bienne 6610 6524 1980 1909 IV Rorschach 1926 1926 Biel/Bienne 6608 6525 1981 1909 IV Rorschach 1924 1924 Rorschach 6604 6526 1982 1909 IV Rorschach 1924 1924 Rorschach 6605 6527 2068 1910 I Biel/Bienne 1923 1923 Rorschach 6602 6528 2069 1910 I Biel/Bienne 1927 1922 Rorschach 6601 6529 2070 1910 I Biel/Bienne 1923 1923 Rorschach 6603
Bauart Ec 3/5 Typ SBB
Geschichte Nach aufschlussreichen Versuchsfahrten während ca. eines Monats im Jahre 1921 auf der Tösstalbahn mit einer Lok der Gürbetalbahn des Typs Ec 3/5, bauten die SBB 15 Lokomotiven der Serie 6513–6529 auf die erstgenannte Bauform um.
Konstruktion Mit Einbau des Schmidt’schen Überhitzers arbeitete die Dampfmaschine nunmehr als Heissdampf-Zwillingsmaschine. Der Kasten wurde zwecks Aufnahme eines vergrösserten Kohletenders und einer zweiten Bissel-Laufachse verlängert. Die Bisselachse stammte von anderen ausrangierten Dampfloks und wurde unter dem Kohlekasten angeordnet. Ein Ausgleichshebel wurde zwischen Tragfeder der Bisselachse und der hintersten Kuppelachse eingebaut. Zudem wurden alle 15 Lokomotiven zusätzlich zur automatischen Bremse mit einer Regulierbremse ausgestattet. Der Achsdruck senkte sich bei den neuen Lokomotiven Ec 3/5 der Serie 6601–6615 auf 13 t.
Die Belastung dieser Lokomotiven lag bei 200 t für Personenzüge und 390 t Güterzüge auf 10 ‰ Steigung. Auf der Tösstallinie mit 30 ‰ Steigung lag die Belastung bei 105 t. Dank dem Einsatz des Schmidt’schen Überhitzers konnte eine Brennmaterialersparnis von 20 % erzielt werden.
Im Jahre 1929 wurden die Loks Nrn. 6608 und 6609 mit Abdampfinjektor versehen. Da sich diese Injektoren nicht bewährten, wurden sie 1932 und 1933 wieder entfernt. Zwischen 1931 und 1934 wurde der Kohlekasten mit Aufsätzen auf 5 t Fassungsvermögen vergrössert.
Einsatz Das Hauptgebiet dieser Lokomotiven waren steigungsreiche Nebenlinien mit schwächerem Oberbau. Dank der zusätzlichen Achse und der gesamtheitlichen Symmetrie, konnten die Lokomotiven Ec 3/5 auch rückwärts mit 65 km/h verkehren. Ein Abdrehen der Lokomotiven auf den Endbahnhöfen war nicht mehr notwendig. Diese Loks haben sich im Betrieb bestens bewährt.
Verbleib Alle 15 Lokomotiven wurden zwischen 1946 und 1961 ausrangiert und abgebrochen.
SBB-Nummer Fabriknummer (Ec 3/4) Umbau aus Ec 3/4 Nr. Umbaujahr Kreiszuteilung Werkstätte Überhitzer Ausrangierung Verbleib 6601 2069 6528 1922 IV Rorschach 1927 1954 Abbruch 6602 2068 6527 1923 IV Rorschach 1923 1957 Abbruch 6603 2070 6529 1923 IV Rorschach 1923 1961 Abbruch 6604 1981 6525 1924 IV Rorschach 1924 1950 Abbruch 6605 1982 6526 1924 IV Rorschach 1924 1950 Abbruch 6606 1740 6521 1925 IV Rorschach 1925 1961 Abbruch 6607 1739 6520 1925 IV Rorschach 1925 1952 Abbruch 6608 1980 6524 1926 I Biel/Bienne 1926 1958 Abbruch 6609 1874 6522 1926 I Biel/Bienne 1926 1954 Abbruch 6610 1875 6523 1926 I Biel/Bienne 1926 1959 Abbruch 6611 1738 6519 1926 I Biel/Bienne 1926 1959 Abbruch 6612 1737 6518 1926 I Biel/Bienne 1926 1950 Abbruch 6613 1736 6517 1927 I Biel/Bienne 1927 1946 Abbruch 6614 1617 6515 1928 I Biel/Bienne 1924 1949 Abbruch 6615 1615 6513 1928 I Biel/Bienne 1928 1949 Abbruch
Bauart Eb 3/4 Typ BN
Geschichte