Mark Brandis: Weltraumpartisanen ist eine Reihe von deutschsprachigen Science-Fiction-Jugendbüchern, verfasst von Nikolai von Michalewsky unter dem Pseudonym Mark Brandis. Die Serie, die zwischen 1970 und 1987 erschien, umfasst 31 Bände. Der Kernsatz der Reihe lautet: „Woran du glaubst, dafür sollst du leben und sterben.“

Die Bücher Die Serie beginnt im Zukunftsjahr 2069 und beschreibt die Abenteuer des Berliner Astronauten Mark Brandis (deswegen auch deutsch auszusprechen, nicht „Brändis“). Den Namen des Titelhelden leitete von Michalewsky von der Mark Brandenburg ab, in der er geboren wurde. Brandis ist von Berufs wegen Kommandant für neu zu testende Raumschiffe der Weltraumbehörde VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik), ab Band 22 dann Vormann der an die DGzRS angelehnten Raumnotrettungsgesellschaft UGzRR. Die Welt ist dreigeteilt, und zwar in die EAAU (Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union, unter die auch die VEGA fällt), die VOR (Vereinigte Orientalische Republiken) und das mit der EAAU assoziierte Australien. Auf der Venus und dem Mars existieren kleinere EAAU-Exklaven, und der politisch neutrale Mond ist ein Hyper-Las Vegas geworden, in dem die Sünde regiert.

Kennzeichnend ist der humanistische Charakter der Serie. Obwohl die Serie Elemente einer Space Opera enthält, steht nicht die Technik, sondern der Mensch im Vordergrund der Geschichten. Fortschritt wird als blind gesehen, ein Segen in den Händen verantwortungsvoller Menschen, ein Fluch, falls Kriminelle ihn missbrauchen. Viele Geschichten übertragen Probleme der Gegenwart wie Faschismus, Rassismus, den Überwachungsstaat, Terror, Umweltverschmutzung und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in ein Science-Fiction-Umfeld. Die Teilung der Welt spiegelt die damalige strikte Teilung in Ost- und Westblöcke wider.

Dieser gesellschaftskritische Einschlag brachte dem Autor eine treue Leserschaft ein, auch wenn Kritiker anmerkten, dass das stark am Militär orientierte Ambiente heutzutage nicht mehr zeitgemäß sei. Mark Brandis war lange nach dem Ende der Buchserie auch als Hauptfigur für eine zweite Buchserie vorgesehen, die andere Akzente setzen und eher für Erwachsene geeignet sein sollte. Nach dem Erscheinen des ersten Bandes „Ambivalente Zone“ (2000) als Book-on-Demand sollte „Negativer Sektor“ erscheinen, dieser Band blieb durch Michalewskys Tod unvollendet.

Verlage

Die Reihe erschien zwischen 1970 und 1990 im Verlag Herder. Die Bücher erreichten bis 1987 eine insgesamte Auflagenhöhe von 437.000 Hardcover-Büchern. Beim E-Book-Anbieter dibi.de (dibi Medien Entwicklung und Vertrieb GmbH) konnten zwischen 2001 und 2004 die Bücher erstmals als digitale Ausgaben, zur Nutzung mit dem Adobe Reader und Microsoft Reader, online erworben werden. Von Oktober 2008 bis August 2013 wurde die Serie als Paperback und E-Book im Wurdack-Verlag neu aufgelegt, der 2024 seine Geschäftstätigkeit beendete.

Wirkung

Hauptcharaktere Durchgehende Helden Mark Brandis ist die Hauptfigur der Serie. Er kommt aus Berlin, ist Testpilot und war mehrere Jahre vor Beginn der Serie wegen eines katastrophalen Fehlstartes, für den er die Verantwortung trug und bei dem ein Besatzungsmitglied ums Leben kam, degradiert worden. Diese Schuld hat er sich nie verziehen. Unter Harris war er Pilot im Range eines Captain, ab Band 2 wieder Commander der VEGA. Seine Nervenstärke und Disziplin trugen ihm in späteren Jahren den Spitznamen „verfluchter Preuße“ ein. Obwohl er nach außen hin stets kühl und unnahbar wirkt, ist er im Inneren ein mitfühlender, warmherziger Mensch, der sich andauernd hinterfragt. John Harris ist Brandis’ Mentor. Er ist ein sperriger, kühler Engländer und sein Vorgesetzter, bis Brandis zur UGzRR wechselt. Noch mehr als Brandis gilt Harris als Einzelgänger, doch in den entscheidenden Momenten als unerschütterlicher Fels in der Brandung. Bei einem Kampf während der Machtergreifung von General Smith verlor er seinen rechten Arm, was ihn jedoch nicht davon abhielt, den Widerstand gegen den Diktator zu leiten und später kurzzeitig sogar Präsident der EAAU zu werden. Nachdem er das Amt freiwillig zurückgelegt hatte, ist er Leiter der VEGA. Ruth O’Hara ist Brandis’ irischstämmige Braut, die er zwischen Band 4 und 5 heiratet. Sie ist die Leiterin der PR-Abteilung der VEGA. Obwohl es ihr manchmal schwerfällt, Brandis ‚mit den Sternen zu teilen‘, steht sie zu ihm und ist ihm oftmals moralische Stütze. Iwan Stroganow ist ein mit allen Wassern gewaschener, wortkarger Navigator aus Sibirien, der bereits in der sogenannten „Windjammerzeit“ der Raumfahrt Dienst auf den ersten Phönix-Schiffen tat. Er wirkt erfahren, schwerfällig und melancholisch und ist ein Leben lang Brandis’ treue rechte Hand.

Weitere Helden Antoine Ibaka (Bände 1–4) war ein Ingenieur aus dem Kongo. Er war ein lebenslustiger, begeisterter Astronaut und Brandis’ bester Freund. Er hielt seine afrikanischen Wurzeln in hohen Ehren. Nachdem tragischerweise seine Frau und Kinder ermordet wurden und er tödlich verwundet wurde, opferte sich Ibaka, um die mitleidlosen Homo Factus von General Smith mit seiner Gehirnmasse zu infizieren. Robert Monnier (ab Band 2) war vor Beginn der Serie Brandis’ Freund und Besatzungsmitglied, als dieser vorschnell zu einer Rettungsaktion aufbrechen wollte und einen Fehlstart verursachte. Ein gemeinsamer Freund kam ums Leben. Jahre später wurde Monnier der Delta VII zugeteilt und stand Brandis persönlich und professionell sehr kritisch gegenüber. Mehrere Abenteuer hindurch kriselte es, und erst langsam erneuerte sich das Vertrauen und ihre Freundschaft. Monnier starb beim Versuch, einen Sprengsatz ins Innere des Kilimandscharo zu fliegen (Alarm für die Erde). Grigori „Grischa“ Romen (ab Band 7) ist ein lebenslustiger Zigeuner (der selbst auf dieser Bezeichnung seines Volkes besteht). Er wurde Brandis’ Kopilot und nahm nach Ibakas Tod dessen Stelle als Freund ein. Romen ist begeisterter Musiker (Geige/Mundharmonika). Er heiratete unter schweren politischen Verstimmungen Ko Ai, eine Frau aus den VOR, die als illegale Geburt zum Tode verurteilt worden war. Martin van Kerk war Südafrikaner. Er war bekennender Rassist – Produkt seiner Erziehung in der Apartheid – und ließ seinen schwarzen, ebenfalls südafrikanischen Kollegen Billy Xuma (s. u.) wissen, wie sehr er ihn hasste. (Auch hier ein sachlicher Fehler: Als Ausdruck von Rassismus bezeichnet van Kerk seinen Kollegen Billy als „Nigger“. In Afrika war im Gegensatz zu den USA dieser rassistische Begriff nicht verbreitet.) Doch als ihm Xuma das Leben rettete, gab er seinen Hass gegen Xuma auf. Van Kerk starb in „Raumsonde Epsilon“, nachdem er schwerer Weltraumstrahlung ausgesetzt worden war. William Xuma (ab Band 5) ist van Kerks Landsmann. Als Schwarzer hatte er es gegen ihn schwer, doch als er ihm das Leben rettete, gab van Kerk seinen Hass gegen ihn auf und wurde sein guter Freund.

Neutrale Charaktere Pietro Anastasia ist der superreiche, machtvolle und fadenscheinige Bürgermeister von Las Lunas, der Spielerhölle auf dem Mond. Er hat ausschließlich Luxus und Geld im Sinn und schert sich nicht um das Wohl der Menschheit. Elmar Busch ist Brandis’ Kollege in der UGzRR. Er ist ein bekennender Rassist, der die VOR hasst, weil einst ein VOR-Soldat seinen Sohn umbrachte. Das Verhältnis zwischen Busch und Brandis ist zeitlebens gespannt. Gaston Weygand ist Brandis’ Kollege in der UGzRR. Der blendend aussehende, hochbegabte Weygand galt einst als neuer Star in der Strategischen Raumflotte, bis er nach einer Weltraumexpedition alleine in einer Rettungskapsel zurückkam. Ihm wurde vorgeworfen, seine Besatzung im Stich gelassen zu haben, und seitdem war er ein Paria. Obwohl ihm nie etwas bewiesen werden konnte, blieb Weygand selbst in der UGzRR ein Außenseiter.

Antagonisten Gordon B. Smith ist ein Hitler-ähnlicher Usurpator, der die EAAU unterwarf und sämtliche Mittel der Wissenschaft (u. a. Gehirnwäsche, Eugenik und Giftgas) benutzte, um sich die Erde untertan zu machen. Nach dem Scheitern der Aufstellung einer bedingungslos gehorsamen Klonarmee und seinem darauffolgenden Sturz wird er auf der Flucht von Brandis gestellt und getötet (Bände 1–4). Friedrich Chemnitzer ist der Erzfeind von Mark Brandis. Zunächst Colonel der Pioniere der EAAU-Armee, ist er ein aalglatter, hochintelligenter Krimineller, ein Meister der Verwandlung und ein skrupelloser Killer (Band 11–14, 29, 30). John Malembo ist ein afrikanischer Kikuyu-Häuptling und Häuptling der „Fliegenden Löwen“, einer Terrororganisation. Er verachtet die Weißen genau wie „minderwertige“ schwarze Völker, die er als „Kaffer“ beschimpft, und versucht während der Unruhen rund um den Ausbruch des mit Atommüll gefüllten Kilimandscharos, die Macht an sich zu reißen (Band 11–12). Dr. Mildrich ist ein periodisch wiederauftauchender Politiker. Er ist ein mäßig intelligenter, aber sehr gut vernetzter Charakter, der nur seine Karriere im Kopf hat und wenig Verantwortung für Schutzbefohlene zeigt. Er ist nicht direkt kriminell, wird aber in den Büchern als der Prototyp des machtgeilen Funktionärs beschrieben, der wie Diederich Hessling in Der Untertan nach oben buckelt und nach unten tritt.

Die Bände der Reihe 1. Bordbuch Delta VII: Alarm im Weltraum (1970) 2. Verrat auf der Venus: Flucht in den Weltraum (1971) 3. Unternehmen Delphin: Machtkampf im Weltraum (1971) 4. Aufstand der Roboter: Duell im Weltraum (1972) 5. Vorstoß zum Uranus: SOS im Weltraum (1972) 6. Die Vollstrecker: Terror im Weltraum (1973) 7. Testakte Kolibri: Experimente im Weltraum (1973) 8. Raumsonde Epsilon: Meuterei im Weltraum (1974) 9. Salomon 76: Verschwörung im Weltraum (1974) 10. Aktenzeichen: Illegal: Menschenjagd im Weltraum (1975) 11. Operation Sonnenfracht: Wettlauf im Weltraum (1975) 12. Alarm für die Erde: Notstand im Weltraum (1976) 13. Countdown für die Erde: Gefahr aus dem Weltraum (1976) 14. Kurier zum Mars: Hetzjagd im Weltraum (1977) 15. Die lautlose Bombe: Schwarzer Tod im Weltraum (1977) 16. Pilgrim 2000: Hölle im Weltraum (1978) 17. Der Spiegelplanet: Erkundung im Weltraum (1978) 18. Sirius-Patrouille: Kalter Krieg im Weltraum (1979) 19. Astropolis: Kolonie im Weltraum (1980) 20. Triton-Passage: Schiffbruch im Weltraum (1981) 21. Blindflug zur Schlange: Verschollen im Weltraum (1981) 22. Raumposition Oberon: Schwarze Wochen im Weltraum (1982) 23. Vargo-Faktor: Loch im Weltraum (1982) 24. Astronautensonne: Falsches Spiel im Weltraum (1983) 25. Planetaktion Z: Treibjagd im Weltraum (1983) 26. Ikarus, Ikarus...: Falscher Kurs im Weltraum (1984) 27. Der Pandora-Zwischenfall: Versuchung im Weltraum (1984) 28. Metropolis-Konvoi: Geleitzug im Weltraum (1985) 29. Zeitspule: Geheimarchiv im Weltraum (1985) 30. Die Eismensch-Verschwörung: Horror im Weltraum (1986) 31. Geheimsache Wetterhahn: Revolution im Weltraum (1987)

Sonderbände

Aufbruch zu den Sternen (1983), Kurzgeschichtenband Testbuch (1982), Leseproben der Bände 1–9, 15–16, 20–22

Sammelbände

Bd. 1 und 2 als: Alarm im Weltraum – Bordbuch Delta VII / Verrat auf der Venus (1970/71) Bd. 3 und 4 als: Duell im Weltraum – Unternehmen Delphin / Aufstand der Roboter (1971/72) Bd. 5 und 9 als: SOS im Weltraum – Vorstoß zum Uranus / Salomon 76 (1972/74) Bd. 6 und 7 als: Experimente im Weltraum – Testakte Kolibri / Die Vollstrecker (1973) Bd. 8 und 10 als: Meuterei im Weltraum – Raumsonde Epsilon / Aktenzeichen Illegal (1974/75) Bd. 1, 14, 16 und 21 als: Weltraumpartisanen (1986) Bd. 1 und 2 als: Weltraumpartisanen – Bordbuch Delta VII / Verrat auf der Venus (1998) Bd. 3 und 4 als: Weltraumpartisanen – Unternehmen Delphin / Aufstand der Roboter (1998) Bd. 5 und 6 als: Weltraumpartisanen – Vorstoß zum Uranus / Die Vollstrecker (1998) Bd. 1–4 unter dem Titel: Raumschiff Delta VII

Paperback Sammler-Edition (ab Oktober 2008) Bd. 1: Bordbuch Delta VII ISBN 978-3-938065-39-6 Mit einem Vorwort von Reinhild von Michalewsky (Witwe des Autors).