mini|hochkant=1.0|Stolpersteine in Malmö Die Liste der Stolpersteine in Schweden listet alle Stolpersteine, die in Schweden verlegt worden sind. Die Stolpersteine liegen in der Regel vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers und erinnern an das Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden vom Kölner Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden im Regelfall von ihm selbst verlegt.
Stolpersteine werden auf Schwedisch Snubbelstenar genannt. Sie liegen zumeist vor einem früheren selbst gewählten Wohnsitz. In Schweden liegen derzeit Stolpersteine in Malmö und in der Hauptstadt Stockholm. Die ersten Verlegungen fanden im Juni 2019 statt.Stockholms första snubbelstenar (Stockholms erste Stolpersteine) (20. Mai 2019) (schwedisch), abgerufen am 7. Juli 2019My News Desk: Snubbelstenar invigdes i Stockholm, 14. Juni 2019, abgerufen am 5. Juli 2019
Lage der Juden in Schweden mini|150px|Judereglementet Zahlenmäßig waren die jüdischen Gemeinden in Skandinavien stets sehr klein. Im 17. Jahrhundert noch mussten sich jüdische Einwanderer taufen lassen und Mitglied der Schwedischen Kirche werden. Erst 1718, während der Regentschaft von Karl XII., wurde das Recht auf freie Religionsausübung gewährt. Die Juden waren in Schweden nie ihres Lebens bedroht, jedoch jahrhundertelang einer Reihe von Einschränkungen unterworfen. Lange Zeit dominierte Ambivalenz die Beziehung des Staates zu seinen jüdischen Mitbürgern. Einerseits waren Juden insbesondere im Finanzsektor gefragte Geschäftspartner, andererseits unterlagen sie allen möglichen Einschränkungen. Beispielsweise beschränkte das Judereglementet von 1782 die Ansiedlung von Juden auf drei Städte: Stockholm, Gothenburg, Norrköping. Wenn Juden zum Protestantismus konvertierten, wurden sie rasch integriert. Ein Beispiel dafür war die Sopranistin Lovisa Augusti (1751–1790), die 1773 zur Hovsångare (Hofsängerin) und 1788 zum Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie ernannt wurde.
Laut einer statistischen Erhebung von 1890 lebten damals im Königreich Schweden 3.402 Juden.Jewish Encyclopedia 1906: Schweden, abgerufen am 6. Juli 2019 Zwischen 1850 und 1920 waren mehrere Einwanderungswellen von aschkenasischen Juden aus Polen und Russland zu verzeichnen und die Zahl der jüdischen Bewohner erhöhte sich auf 6.500. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Einwanderung strikt reglementiertJewish-heritage: Schweden, abgerufen am 6. Juli 2019 und es wurden nur mehr kleinere Gruppen deutscher, tschechischer und österreichischer Juden ins Land gelassen.worldjewishcongress.org: Schweden, abgerufen am 6. Juli 2019 Die schwedische Flüchtlingspolitik der 1920er und 1930er Jahre war (ausgenommen die skandinavischen Nachbarländer) äußerst restriktiv. Das Land nahm nur eine begrenzte Anzahl politischer Flüchtlinge auf. Jude in Deutschland zu sein, war in Schweden kein anerkannter Fluchtgrund. Wer ohne Aufenthaltsgenehmigung ins Land kam, wurde abgeschoben.
Die Neutralität Schwedens führte während der NS-Okkupation weiter Teile Europas im Zweiten Weltkrieg zu einem "Paradox zwischen Widerstand und Kollaboration". Einerseits versorgte das Land das deutsche NS-Regime mit wichtigen Rohstoffen, andererseits war Schweden an der Rettung vieler Juden beteiligt. Dieses "diplomatische Doppelspiel sollte Schweden mit allen Mitteln aus dem Krieg halten."Paul A. Levine von der Universität Uppsala in: Skandinavien in der Zeit des Nationalsozialismus und die ”Aktion Bernadotte”. Ereignisse und Erinnerung, Artikel von Jens-Christian Hansen, Mai 2010 Nach den deutschen Niederlagen bei Stalingrad und in Nordafrika im Jahr 1943 wurde die schwedische Politik modifiziert: Der Transit zwischen Norwegen und Deutschland wurde unterbunden, alliierte Bomber durften über schwedisches Hoheitsgebiet fliegen und die norwegische Exilregierung wurde anerkannt.Schweden während des Zweiten Weltkrieges – „beretskapstiden“, abgerufen am 6. Juli 2019
Schwedische Rettungsaktionen mini|hochkant=1.18|links|Dänische Juden kommen in Schweden an miniatur|hochkant=1.2|links|Weiße Busse des Schwedischen Roten Kreuzes Im Oktober 1943 erfolgte die Rettung der dänischen Juden in das neutrale Schweden, welches nicht von deutschen Streitkräften besetzt war. So konnten 7.742 jüdische Menschen, von denen 1.376 nicht dänischer Staatsangehörigkeit waren, in Sicherheit gebracht werden, denn sie bekamen ein dauerndes Aufenthaltsrecht bis zum Untergang des NS-Regimes. Georg Ferdinand Duckwitz (1904–1973), ein deutscher Diplomat, der sich schon lange vom Nationalsozialismus abgewandt hatte, informierte umgehend den Sozialdemokraten Hans Hedtoft, nachdem er erfahren hatte, dass für die Nacht vom 1. auf den 2. Oktober 1943 die Deportation der dänischen Juden über Deutschland in die Konzentrationslager geplant war. So konnten rechtzeitig nahezu alle Juden, die sich in Dänemark aufhielten, in das neutrale Schweden in Sicherheit gebracht werden. Nur knapp 1 % der jüdischen Population Dänemarks fielen den Nationalsozialisten in die Hände und wurden in der Folge Opfer der Shoah.Spiegel.de How Denmark Saved Its Jews from the Nazis, abgerufen am 6. Juli 2019
Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg konnte als erster Sekretär der schwedischen Gesandtschaft im Jahr 1944 mehrere Tausend jüdische Bürger Ungarns vor dem Holocaust retten, indem er schwedische Schutzpässe ausstellte. Im internationalen Ghetto rund um die Große Synagoge in Budapest, in dem sich etwa 30.000 Menschen befanden, richtete er zahlreiche Krankenstationen ein. Das Budapester Ghetto, in dem mehr als 80.000 Juden zusammengepfercht waren, ließ er mit Lebensmitteln beliefern.Yad Vashem: Raoul wallenberg, abgerufen am 6. Juli 2019deutschlandfunk.de: Schutzpässe für verfolge Juden, abgerufen am 6. Juli 2019
Die Rettungsaktion der Weißen Busse, auch Aktion Bernadotte genannt, war eine humanitäre Rettungsaktion ab März 1945, in deren Rahmen 15.000 Häftlinge aus deutschen Konzentrationslagern nach Skandinavien in Sicherheit gebracht werden konnten. Die Häftlinge stammten überwiegend aus Dänemark und Norwegen. Die Rettungsaktion wurde vom Vize-Präsidenten des Schwedischen Roten Kreuzes, Folke Bernadotte mit den NS-Repräsentanten Walter Schellenberg und Heinrich Himmler persönlich vereinbart.Eine Annäherung an das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück, abgerufen am 6. Juli 2019ndr.de: Die Rettung mit den "Weißen Bussen", abgerufen am 6. Juli 2019
Verlegte Stolpersteine Die Tabellen sind teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Malmö In Malmö wurden drei Stolpersteine verlegt. Die Stolpersteine liegen an der Stelle, wo sich früher das Zollhaus befand, erste Ankunftsstelle für Flüchtlinge.Sydsvenskan: Snubbelstenar hedrar Förintelsens offer, 31. August 2022
Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIERHER KAMSCHULIM BÜRGERGEBOREN 1887 OLEJOWAUSGEWIESEN DEZ. 1938INTERNIERT IN DRANCYDEPORTIERT 1942ERMORDETAUSCHWITZ PosthusplatsenMalmö wurde am 14. März 1887 in Olejow geboren. Er wurde Exportreisender für den Firma Thomas & Co, eine Wäschenwarenfabrik, und lebte in Wien. Bürger kam am 3. Dezember 1938 in Malmö an, kommend aus Kopenhagen und wurde sofort wieder nach Kopenhagen zurückgeschickt. Er wurde schließlich im Sammellager Drancy interniert und von dort am 9. September 1942 mit dem Transport 30 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Schulim Bürger hat die Shoah nicht überlebt.Historiska källor, abgerufen am 17. Oktober 2022Yad Vashem: Salomon Schulim Buerger, abgerufen am 17. Oktober 2022 120px HIERHER KAMWALTER GERSONGEBOREN 1882 DANZIGAUSGEWIESEN JUNI 1939ERMORDET 12.9.1939MSZANA DOLNA PosthusplatsenMalmö wurde am 12. Dezember 1882 in Danzig geboren. Seine Eltern waren Julius Gerson und dessen Frau Henrieta. Walter Gerson wurde Anwalt und heiratete Martha Schapira. Das Paar hatte zumindest zwei Kinder: Fritz (geboren 1920) und Eva. Walter Gerson wurde Vertreter der Danziger Juden. Frühzeitig erkannte er die geplante Massenvernichtung der Juden, teilte dies zum Beispiel Gerhart Riegner bei einem Besuch in Genf im Jahr 1939 mit.TAZ: Ich war vorbereitet, abgerufen am 21. Oktober 2022 Er selber bemühte sich aktiv um eine Ausreise nach Palästina. Am 12. Juni 1939 kam Gerson, von Kopenhagen kommend, in Malmö an. Noch am selben Tag wurde er abgewiesen und nach Kopenhagen zurückgeschickt. Dann ging er mit seiner Familie nach Rabka-Zdrój, sie wollten dort auf ihre Papiere für Palästina warten. Als die Deutschen dort einmarschierten, wurden er, sein Sohn und sein Schwager verhaftet. Walter Gerson, sein Sohn und sein Schwager wurden am 12. September 1939 in Mszana Dolna von den Deutschen erschossen.Yad Vashem: FRITZ GERSON, abgerufen am 21. Oktober 2022Yad Vashem: VALTER GERSON, abgerufen am 21. Oktober 2022Yad Vashem: MARTA GERSON, abgerufen am 21. Oktober 2022Walter Gerson, Erinnerungen von Dr. Erwin Lichtenstein, abgerufen am 21. Oktober 2022
Seine Frau wurde im Mai 1942 in Rabka-Zdrój bei einem Massaker erschossen. Seine Tochter konnte kurz nach Schulabschluss mit einem Zertifikat nach Palästina fliehen, sie nannte sich später Khava Meron. 120px SIEGFRIED GUTMANNGEBOREN 1885 OSTERATHAUSGEWIESEN DEZ. 1938INTERNIERT IN WESTERBORKDEPORTIERT 1943ERMORDET 20.3.1943SOBIBOR PosthusplatsenMalmö wurde am 11. September 1885 in Osterath geboren. Er war verheiratet und hatte zumindest einen Sohn, Heinz Leo Gutmann. Im November 1938 kam er über Amsterdam kommend in Malmö an. Er wurde wenige Tage später, im Dezember 1938, wieder ausgewiesen. Im weiteren Verlauf wurde Gutmann im Durchgangslager Westerbork interniert und am 17. März 1943 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Siegfried Gutmann wurde dort am 20. März 1943 ermordet.Yad Vashem: Siegfried Gutmann, abgerufen am 21. Oktober 2022
Stockholm In Stockholm wurden drei Stolpersteine an drei Adressen verlegt. Stolpersteine Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEERICH HOLEWAGEBOREN 1896 BERLINFLOH NACH SCHWEDENAUSGEWIESEN SEPT. 1938DEPORTIERT 1942ERMORDETAUSCHWITZ Kungsholmstorg 6Stockholm wurde am 22. Februar 1896 in Berlin geboren. Er war der Sohn von Leopold und Johanna, geborene Kleineibst. Sein Vater war Kaufmann, seine Mutter Hausfrau mit musischen Interessen. Holewa hatte mehrere Geschwister, darunter Erna (geboren 1899), Maria (geboren 1902), Hans (geboren 1905).Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit: Hans Holewa, abgerufen am 2. Juli 2019 und Rudolf (geboren 1907). Erich Holewa heiratete Lotte, geborene Salomon (geboren am 26. September 1898 in Berlin). Das Paar hatte zumindest einen Sohn: Peter (geboren am 21. Dezember 1921 in Berlin). Bruder Hans und dessen Frau Alice zogen in den 1930er Jahren nach Stockholm. Die ganze Familie war wegen ihrer jüdischen Herkunft in Deutschland und in den besetzten Gebieten massiv gefährdet. Im August 1938 beantragte Erich Holewa eine Aufenthaltserlaubnis, reiste nach Stockholm und lebte bei seinem Bruder und dessen Familie. Die Holewas versuchten auch, Erichs Frau und Sohn eine Einreiseerlaubnis zu verschaffen. Erich Holewas Aufenthaltsantrag wurde jedoch abgelehnt und er musste im September 1938 Schweden verlassen. Er stellte weitere Anträge, sich in Schweden niederlassen zu dürfen, zuerst von Berlin aus, später aus Antwerpen in Belgien.Henrik Rosengren: Från tysk höst till tysk vår: Fem musikpersonligheter i svensk exil i skuggan av nazismen och kalla kriget, Nordic Academic Press 2013, S. 270 Im Mai 1940 wurde er gemeinsam mit seinem Sohn von der belgischen Polizei auf offener Straße festgenommen und einige Monate später den Deutschen übergeben. Vater und Sohn wurden in das Konzentrationslager Camp de Noé in Südfrankreich gebracht wurden. Sein Sohn Peter Holewa verlor am 20. Februar 1942 in diesem Lager sein Leben.Die Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer hat vier Einträge über Peter Holewa, alle abgerufen am 2. Juli 2019: