Groupe Brandt SAS mit Sitz in Rueil-Malmaison bei Paris war ein französischer Hausgerätehersteller. Als ehemaliger Marktführer in Frankreich war das Unternehmen nach mehreren Insolvenzen und Restrukturierungen seit 2014 Teil der algerischen Cevital-Gruppe. Ende 2025 musste die verbleibende französische Gesellschaft Insolvenz ankündigen und wurde in der Folge liquidiert. Cevital produziert jedoch weiter Haushaltsgeräte unter den verschiedenen Marken der ehemaligen Brandt-Gruppe außerhalb Frankreichs.
Geschichte Der elsässische Unternehmer Edgar Brandt gründete 1924 die Société des Etablissements Brandt, die u. a. in der Herstellung von Rüstungsgütern tätig war und durch die Volksfront Ende 1936 verstaatlicht wurde. Edgar Brandt investierte die Abfindungssummen und begann nach dem Ende der Volksfrontregierung wieder mit der Waffenproduktion. Während des Zweiten Weltkriegs floh er in die Schweiz. Nach dem Krieg wurde die Produktion zunehmend auf zivile Produkte umgestellt, vornehmlich Haushaltsgeräte und -utensilien (Kühlschränke, Waschmaschinen, Caravans usw.). Im Jahr 1956 wurde das Unternehmen mit Hotchkiss zu Hotchkiss-Brandt fusioniert; es bestand eine Fabrik zur Herstellung von Waschmaschinen (SGAE Lyon) und Kühlschränken (SCOMAM Laval). Im Jahr 1966 fusionierte Hotchkiss-Brandt mit der Compagnie Française Thomson-Houston (CFTH), welche danach in Thomson-Brandt umfirmierte. Die Geschäftstätigkeit der Gruppe in der industriellen und militärischen Elektronik wurde im Jahr 1968 mit dem Unternehmen Compagnie générale de la télégraphie sans fil (CSF) zu Thomson-CSF fusioniert. Thomson-Brandt konzentrierte sich fortan auf das Geschäft mit Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik unter den Marken Brandt und Thomson. 1982 wurden Thomson-Brandt und Thomson-CSF von der neuen Regierung unter François Mitterrand verstaatlicht und unter der Firma Thomson SA verschmolzen. Innerhalb des Konzerns wurden 1987 die Geschäfte von Thomson-Brandt in der Thomson Consumer Electronic Company Division (TCE) zusammengefasst.
TCE vergrößerte sich in den 1980er und 1990er Jahren insbesondere im Bereich der Unterhaltungselektronik durch unzählige neue Aufkäufe weiterer teils sehr bekannter Unternehmen wie Telefunken, Nordmende, SABA und RCA. Der Bereich Haushaltsgeräte mit den Marken Brandt, De Dietrich und Sauter wurde 1992 an den italienischen Konkurrenten El.Fi verkauft; alle damaligen französischen Gerätemarken der Gruppe (De Dietrich, Brandt, Vedette, Thomson, Springen, Thermor) wurden in einer neuen Tochtergesellschaft, Brandt SA, zusammengelegt.
Unter dem Druck der französischen Regierung übernahm El.Fi im Jahr 2000 den beinahe bankrotten Hersteller Moulinex. El.Fi fusionierte Moulinex mit Brandt und wurde damit zu 74,3 % Eigentümer des erweiterten Unternehmens namens Moulinex-Brandt, das mehr als 20.000 Mitarbeiter hatte. In der neuen Gruppe war Brandt für Haushaltsgroßgeräte zuständig.
Schon wenig später, im September 2000, meldete El.Fi Konkurs an; die Marke Moulinex und der Bereich Haushaltskleingeräte (Mikrowellenherde, Kaffeemaschinen, Staubsauger usw.) wurde danach von SEB übernommen. Der Bereich Großgeräte (Kühlschränke, Herde, Waschmaschinen usw.) sowie Marken und Produktionsstandorte in Italien und Frankreich wurden von der israelischen Gruppe Elco übernommen. Die französische Tochter Brandt SA wurde in Elco-Brandt S.A. umfirmiert; das Unternehmen war das führende Unternehmen im französischen Markt und hatte zu diesem Zeitpunkt fünf Marken in Frankreich (Brandt, De Dietrich, Thomson, Vedette, Sauter) und drei in Italien (Ocean, SAMET und San Giorgio).
Im Jahr 2005 wurde Elco-Brandt von der spanischen Gruppe Fagor für 162,5 Mio. Euro erworbenUsine Nouvelle: Fagor rachète Brandt, 13. April 2005 (franz.) und in Fagor Brandt umfirmiert; zum damaligen Zeitpunkt hatte die Gruppe über 940 Mio. Euro Umsatz. Mit Schulden von rund 800 Mio. Euro, die zum Teil noch aus der Übernahme und Integration von Brandt stammten, musste Fagor im Oktober 2013 Konkurs anmelden; Anfang November erklärten auch die Töchter in Polen (Fagor Mastercook) und in Frankreich (Fagor Brandt) Insolvenz. Ein Großteil der französischen Aktivitäten, der weitaus größte Teil der ehemaligen Fagor-Gruppe mit ca. 1200 Mitarbeitern und die Marke Brandt wurden im April 2014 von Cevital, einem algerischen Konglomerat, übernommen, das vom bedeutendsten algerischen Privatunternehmer, Issad Rebrab, geführt wurde. Unter Cevital wurde die Produktion auf zwei Standorte in Frankreich (Einbaugeräte, vor allem Herde und Öfen) und einem neuen Standort in Algerien (Waschmaschinen und Kühlschränke) konzentriert, in den bis 2020 300 Mio. Euro investiert werden sollten, um von den niedrigen algerischen Löhnen zu profitieren und um vor allem Exportmärkte zu bedienen.BFMTV: Comment l'homme le plus riche d'Algérie a redressé Brandt, 10. Februar 2017 (franz.)
Die Brandt-Gruppe, zu der die Marken Brandt, Sauter, Vedette und De Dietrich gehörten, war zuletzt der letzte französische Hersteller von Haushaltsgroßgeräten. Im Oktober 2025 wurde das Unternehmen jedoch unter Insolvenzverwaltung (redressement judiciaire) gestellt. Brandt suchte daraufhin erfolglos nach Investoren, um den Fortbestand zu gewährleisten. Am 11. Dezember 2025 wurde die Liquidation angeordnet, was den Verlust von 700 Arbeitsplätzen zur Folge hatte. In der algerischen Presse wurde der Niedergang von Brandt als „Spiegelbild der französisch-algerischen Beziehungen“ sowie als Folge der „chronischen Verluste“ des französischen Standorts gesehen, an deren Unterstützung in Algerien kein Interesse mehr bestand. Dies stand auch im Kontext einer Annäherung der Cevital-Gruppe an die algerische Regierung nach der Verhaftung und Verurteilung des Eigners Issad Rebrab. Die Aktivitäten unter der Marke Brandt außerhalb Frankreichs sind von der Insolvenz nicht betroffen; Cevital produziert weiter Haushaltsgeräte unter den verschiedenen Marken der ehemaligen Brandt-Gruppe von seinen nichtfranzösischen Standorten.
Produktionsstandorte Standort von Cevital nach Insolvenz der ehemaligen Muttergesellschaft: Sétif (Algerien): Herstellung von Waschmaschinen und Trocknern
Ehemalige Standorte: Orleans (Frankreich): Herstellung von Kochgeräten Vendôme (Frankreich): Herstellung von Küchengeräten und Abzugshauben Lyon (Frankreich): Produktion von High-End-Waschmaschinen Aizenay (Frankreich): Herstellung von Mikrowellenherden La Roche sur Yon (Frankreich): Produktion von hochwertigen Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Geschirrspülern Verolanuova (Italien): Herstellung von Kühlschränken Nevers (Frankreich): Herstellung von Bauteilen (im Wesentlichen Motoren) Lesquin (Frankreich): Herstellung von Kühlschränken, Gefriergeräten und Weinschränken
Weblinks Website der Groupe Brandt (englisch/französisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Haushaltsgerätehersteller Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Frankreich) Kategorie:Unternehmensgründung 1924 Kategorie:Unternehmen (Île-de-France) Kategorie:Rueil-Malmaison Kategorie:Organisation (Département Hauts-de-Seine)