Die Tomondo war ein Heckraddampfer des kaiserlichen Gouvernements von Deutsch-Ostafrika, der als Raddampfschlepper eingesetzt wurde.

Geschichte Das Schiff wurde 1908 mit der Baunummer 232 auf der Meyer-Werft in Papenburg für den Einsatz auf dem Rufiji in Deutsch-Ostafrika gebaut.Fritz W. Achilles: Seeschiffe im Binnenland – Der kombinierte Binnen-Seeverkehr in Deutschland. Kabel, Hamburg 1985, ISBN 978-3-921-90924-9, S. 605. Finanziert wurde der Bau des Schiffes aus Mitteln des Kommunalverbandes Mohoro. Es wurde in Einzelteilen mit einem Schiff der DOAL in die Kolonie befördert und dort wieder zusammengesetzt.Reichstag (Hrsg.): Heckraddampfer. In: Verhandlungen des Reichstages, Band 271, Berlin 1911, S. 406 f. (Digitalisat).

Einsatz Als flachgehendes Schiff konnte die Tomondo über das Delta des Rufiji hinaus den Fluss aufwärtsfahren. Die Tomondo fuhr ab November 1908 Dörfer und Plantagen am Unterlauf an. Zweimal pro Monat pendelte sie zwischen Salale im Rufiji-Delta und Utete. Sie stellt damit die Anbindung des Küstenverkehrs mit dem näheren Hinterland her.Eschrich: Das Verkehrswesen im ehem. Deutsch-Ostafrika (= D.O.A.). In: Westdeutsche Arbeitsgemeinschaft der Sammler Deutscher Kolonial-Postwertzeichen (Hrsg.): Berichte für Kolonialmarkensammler, Heft Nr. 11, Mai 1955, S. 161–165 (hier: S. 162), PDF (ca. 5,5 MB) online unter kolonialmarken.de. Auf der Fahrt landeinwärts wurden unter anderem Maschinenteile befördert. Auf der Rückfahrt zur Mündung transportierte sie teilweise Baumwolle.Ohne Verfasser: Deutsch-Ostafrika. In: Marine-Rundschau, Band 21, Teil 1, 1910, S. 396. Die geringe Fahrwassertiefe beschränkte dabei die Ladefähigkeit der Tomondo, sodass man zwei Stahlleichter längsseits neben dem Schiff herschleppte, die zusätzliche Ladung beförderten (jeweils 15 Tons mit 80–100 Personen Beförderungskapazität). Die Leichter hatten eine Länge von 20 Metern, eine Breite von 4,5 Metern und – bei maximaler Ladung – einen Tiefgang von 0,275 Metern.Josef L. Meyer: Heckraddampfer für den Rufidji-Fluß in Ost-Afrika. In: Schiffbau. Zeitschrift für die gesamte Industrie auf schiffbautechnischen und verwandten Gebieten. Nr. 4, X. Jahrgang (1908), S. 140. Der Schiffsführer war berechtigt, weitere kleine Boote (Einbäume) gegen Gebühr in Schlepp zu nehmen.Albrecht von Rechenberg: Tarif des Heckraddampfers Tomondo. In: Amtliche Anzeigen für Deutsch-Ostafrika. XI. Jahrgang, Ausgabe Nr. 33 vom 2. Oktober 1910, S. 1.

Die Tomondo selbst war zum Schleppen bestimmt und konnte nur wenige Personen oder Lasten aufnehmen.Kurt von Schleinitz (Hrsg.): Militärisches Orientierungsheft für Deutsch-Ostafrika. Deutsch-Ostafrikanische Rundschau, Daressalam 1911, Kap. X, S. 7 (Digitalisat: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main 2018). Der Schiffskörper bestand aus sechs wasserdichten Abteilungen. Die Höchstgeschwindigkeit des Heckraddampfers betrug 8 kn. Mit dem Strom und zwei voll beladenen Leichtern konnte er 5,29 kn erreichen und gegen den Strom 2,45 kn. Die Besatzung bestand aus einem europäischen Maschinisten und afrikanischem Personal.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges im August 1914 wurde die Tomondo ab September 1914 zur Versorgung des im Rufiji liegenden Kreuzers Königsberg genutzt.Reinhard K. Lochner: Kampf im Rufiji-Delta – Das Ende des Kleinen Kreuzers »Königsberg«. Die deutsche Marine und Schutztruppe im Ersten Weltkrieg in Ostafrika. Heyne Verlag, München 1987, ISBN 3-453-02420-6, S. 203.

Verbleib Am 9. Oktober 1916 wurde die Tomondo im Rufiji selbstversenkt, um nicht in die Hände der in die Kolonie vorrückenden britischen Truppen zu fallen. Im August 1923 wurde das Wrack vom Tanganyika Territory Government zum Abbruch angeboten.A. Bertram Smith: General Notice No. 704. In: Kenya Gazette, Band XXV, Ausgabe Nr. 902 vom 2. September 1923, S. 736 (Google Books). 1929 wurde die Tomondo von einem afrikanischen Werftunternehmen erworben und wieder fahrtüchtig gemacht. Der Rufiji war aber inzwischen so stark verlandet, dass er selbst für flachgehende Schiffe zu seicht war.Kjell J. Havnevik: Tanzania – The Limits to Development from Above. Nordic Africa Institute, Uppsala 1993, ISBN 91-7106-335-8, S. 75. Über das Endschicksal des Schiffes ist nichts Genaues bekannt.

Literatur Erich Gröner: Die deutschen Kriegsschiffe 1815–1945. Band 7, Bernard & Graefe, Koblenz 1990, S. 220 f. Wilhelm Methner: Meereskunde – Die Häfen Deutsch-Ostafrikas. Heft 170, Band XV, E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1927, S. 13 f.

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Einzelnachweise

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