mini|Yed Vashem – Der Garten der „Gerechten unter den Völkern“ Die Liste der Gerechten unter den Völkern aus Belarus führt in alphabetischer Reihenfolge diejenigen Belarussen auf, die von der Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel Gerechter unter den Völkern geehrt wurden.

Hintergrund Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg gehörte der westliche Teil des heutigen Belarus zu Polen, der östliche zur Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik, die 1922 Gründungsmitglied der Sowjetunion war. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs erfolgte die Besetzung Ostpolens durch die Rote Armee. Im geheimen Zusatzprotokoll des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes wurden die Gebiete zwischen Slutsch und Bug (also ganz Belarus) der sowjetischen Interessensphäre zugeschlagen und am 2. November 1939 offiziell in die Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik eingegliedert.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte in Belarus eine bedeutende Anzahl jüdischer Bürger. Bei der sowjetischen Volkszählung von 1939 wurden in der damaligen Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik 375.092 Juden gezählt. Nach der sowjetischen Besetzung und Eingliederung der zuvor zu Polen gehörenden westbelarussischen Gebiete im September 1939 erhöhte sich die jüdische Bevölkerung des nun vergrößerten sowjetischen Belarus erheblich. Unmittelbar vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion lebten nach Schätzungen etwa 690.000 Juden im östlichen und westlichen Belarus.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 wurde Belarus innerhalb weniger Wochen weitgehend von deutschen Truppen besetzt. Teile des besetzten Landes wurden dem Reichskommissariat Ostland unterstellt, andere Gebiete verblieben unter deutscher Militärverwaltung oder wurden anderen Besatzungsgebieten zugeschlagen. Die deutschen Solaten führten nach der Besetzung einen Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung. Von den etwa 9 Millionen Einwohnern, die den deutschen Besatzern in die Hände fielen, ermordeten von der Wehrmacht und SS geführte Verbände von 1941 bis 1944 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen, darunter 700.000 Kriegsgefangene, 500.000 bis 550.000 Juden, 345.000 Opfer der sogenannten Partisanenbekämpfung, denen ganz überwiegend Zivilisten zum Opfer fielen und ungefähr 100.000 Angehörige sonstiger Bevölkerungsgruppen.Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrußland 1941 bis 1944. Hamburger Edition, Hamburg 1999, S. 1158. Es wurden mehr als 200 Städte und 9000 Dörfer zerstört. Vielfach trieben die deutschen Soldaten die Dorfeinwohner in Scheunen und brannten diese nieder, wie 1943 in Chatyn (nicht zu verwechseln mit Katyn). Allein in Minsk ermordete die deutsche Besatzungsmacht mehr als 100.000 Einwohner.

Die jüdische Bevölkerung der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik wurde fast vollständig ermordet. Die Besatzungsmacht errichtete in zahlreichen Städten und Ortschaften Ghettos und begann bereits 1941 mit systematischen Massenerschießungen. In Minsk entstand eines der größten Ghettos in den besetzten sowjetischen Gebieten; dort wurden zunächst etwa 80.000 Juden zusammengepfercht. Zusätzlich wurden etwa 24.000 Juden aus Deutschland, Österreich und dem Protektorat Böhmen und Mähren nach Minsk deportiert. Insgesamt wurden auf dem Gebiet der Weißrussischen Sozialistischen Sowjetrepublik während der deutschen Besatzung Hunderttausende Juden ermordet. Schätzungen gehen von etwa 600.000 bis 800.000 Opfern aus; zu ihnen gehörten neben den einheimischen Juden auch aus anderen Teilen Europas nach Belarus deportierte Menschen. Die Morde fanden in mehr als 500 Ghettos, Lagern und Massenerschießungsstätten statt. Zu den bedeutendsten Vernichtungsorten gehörte Maly Trostinez bei Minsk. Damit stammten etwa acht bis neun Prozent aller ermordeten europäischen Juden aus Belarus.

Trotz der damit verbundenen Lebensgefahr unterstützten zahlreiche Belarussen verfolgte Juden, indem sie diese versteckten, mit Lebensmitteln oder falschen Papieren versorgten, bei der Flucht aus Ghettos halfen oder ihnen den Anschluss an Partisanengruppen ermöglichten.

Israel hat nach der Staatsgründung 1948 den Ehrentitel Gerechter unter den Völkern () eingeführt, um nichtjüdische Einzelpersonen zu ehren, die unter nationalsozialistischer Herrschaft während des Zweiten Weltkriegs ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.

Yad Vashem hat bis zum 1. Januar 2024 insgesamt 683 Menschen aus Belarus für solche Rettungstaten als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt.

Liste

Die Liste ist alphabetisch nach Nachnamen geordnet. Hinter dem Namen ist – soweit bekannt – das Geburts- und das Sterbedatum angegeben sowie der Ort der Rettung, der Grund und das Jahr der Ehrung. Quelle der Informationen ist die Righteous Among the Nations Database der Gedenkstätte Yad Vashem.

A NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrGorbatsevichiMatriona Adamovich, die als Kindermädchen für die vierköpfige jüdische Familie Finkelshtein in Minsk arbeitete, floh nach dem deutschen Einmarsch in die UdSSR mit den Finkelshteins nach Osten. Nachdem Naum Finkelshtein und seine Frau Riva Finkelshtein zur Roten Armee eingezogen wurden, kümmerte sich Matriona Adamovich um die beiden Töchter der Finkelshteins. Sie ging mit den Kindern in das Dorf Gorbatsevichi und wurde dort von der Familie Vasilchonok beherbergt. Sie gab die beiden Mädchen als ihre Kinder aus und schützte sie vor allen Anfeindungen. Die dreizehnjährige Ania Finkelshtein wurde von Adamovich betreut, bis diese sich den Partisanen anschloss. Die jüngere Schwester Zoya Finkelshtein blieb bis zur Befreiung des Gebiets im Juni 1944 bei ihrer Beschützerin.2005GomelAnna Alekseev versteckte gemeinsam mit Peotr Alekseev und Lidia Pitsunik die Jüdin Anna Demyankova.1998Mezhdurechye, Rajon PuchowitschiAleksander Androsik versteckte den jüdischen Rotarmisten und entflohenen Kriegsgefangenen David Yankilevich im Haus seiner Eltern.2000RechytsaOlga Anischenko versteckte ihre ehemalige jüdische Schülerin Maria/Masha Raikhlina sieben Monate in ihrem Haus.1997DunilowiczeCelina Aniszkiewicz und ihre Kinder Bolesław, Jozef und Wanda retteten die vierköpfige jüdische Familie Slavin.1990Skoldichi, Rajon SlonimAnastasia Antonik versteckte Angehörige der siebenköpfigen jüdischen Familie Bandt.2014Svyatoye, Rajon SchlobinChristina und Gavriil Anufrijev versteckten die Jüdin Musya Belenkaya und ihre beiden Töchter Anna und Nina Zaitseva.1998Nizhniya MarozyLidia Anufriyeva versteckte, gemeinsam mit ihrer Mutter Vera Karatkevich, die Jüdin Ida Lekach und ihre Kinder Tzila und Schlomo.2008MinskOlga Apazkaja und ihr Sohn Wladimir Apazkaja versteckten in Minsk die Jüdin Dora Liwschiz, ihre Tochter Schanna Liwschiz und ihre Mutter Chawa Liwschiz.1998GluskNadezhda Archiptsova und ihre Tochter Lubov Archiptsova versteckten in ihrem Haus in Glusk und einer Lehmhütte im Wald die elfjährige Jüdin Olga Shulman.1998LepelDie 61-jährige Belarussin Varvara Ardynovich versteckte in Lepel von 1941 bis 1944 die dreijährige Jüdin Alla Schur, die Tochter von Raisa Schur, für die sie auch gefälschte Ausweispapiere besorgte.2000Ugly und MedvednyaMaria Astreika aus dem Dorf Medvednya und ihre Schwester Anna Lych aus dem Dorf Ugly versteckten die jüdischen Familien Elkin und Gelfand, versorgten sie mit Kleidung und Essen und halfen ihnen, ein Versteck im Wald zu bauen.2000 B NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrGluskMaria Babak konnte mehrere Juden der Stadt Glusk vor dem Tod retten. Sie versteckte zehn jüdischen Mitbürger, die das Massaker an den Juden in Glusk überlebt hatten, drei Tage und Nächte in ihrem Haus. Die Überlebenden verließen heimlich Glusk, überquerten den zugefrorenen Fluss und die Hauptstraße und begaben sich in den Wald, in der Hoffnung, sowjetische Partisanen zu finden. Alle überlebten die folgenden zweieinhalb Jahre bis zur Befreiung.2007199620001998199819941994199719971999199919971997201219981997199719972011200120052020202019992020202019972019201919972011201819951995199519981998201420142007200719961996200019951995199519952016Iosif Bykov, seine Frau Elizaveta Bykov und ihre Tochter Ludmila (später Machulenko) aus Minsk versorgten ihre jüdische Freundin Asja Tretjakowa und ihren zweijährigen Sohn Igor im Ghetto mit Lebensmitteln, verhalfen ihnen zur Flucht und besorgten ihnen ein Versteck am Stadtrand. Die Bykovs versteckten außerdem ihre halbjüdischen Enkelkinder und sorgten für deren Unterhalt.19961996 C NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrKlimovichiZot und Yelizaveta Chaikov, ein kinderloses Ehepaar aus dem Dorf Klimovichi, versteckten gemeinsam mit anderen Bewohnern des Dorfes, das siebenjährige jüdische Mädchen Klara Maryasina und versorgten des mit Nahrung und Kleidung. Das Kind blieb drei Jahre lang in der Obhut der Chaikovs.199919962019201920081996201519962016201619972022202220221993199319931993 D NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrVilniusStefania und Aleksander Danilevich, ein Lehrerehepaar aus Wilna (heute Vilnius), und ihre Adoptivtochter Anna versteckten 1941 die Jüdin Roza Kellner und deren siebenjährige Tochter Milya und beschafften gefälschte Dokumente für Roza Kellner. 1944 versteckten sie außerdem Bluma Krasner und ihre sechsjährige Tochter für zwei Wochen auf dem Dachboden.20012021201320131994200520052005201020102010200520052005200719981998199819991990199019941994199419942016199320212021199719961996199619962006 F NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrMinskMikhail Filipovich, der Leiter der städtischen Autowerkstatt in Minsk, und seine Frau Maria Kalinina, eine Lehrerin, versteckten befreundete Juden in einem Zimmer ihrer Wohnung, besorgten gefälschte Ausweispapiere und brachten jüdische Kinder in einem russischen Kinderheim unter. Außerdem unterstützten sie zahlreiche jüdische Familien im Minsker Ghetto mit Lebensmitteln und Medikamenten.1997199920191996 G NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrGliniczeAntonina Gabis, eine arme Bäuerin und sechsfache Mutter aus dem Dorf Glinicze, half ihrer guten jüdischen Freundin Etel Krawiec und deren im Ghetto internierten Familienmitgliedern. Sie versorgte die Familie Krawiec regelmässig mit Lebensmitteln und schlich sich, nachdem die restlichen Familienmitglieder deportiert worden waren, ins Ghetto, befreite ihre Freundin und versteckte sie in ihrem Haus.1967199719971997199719941994201020192019199719972000200020012001199720041996199819981998200720051997201220002000199719972004200419971997199019952004 H NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrShchedrinJadviga Petrashko und ihre 18-jährige Tochter Aleksandra (später Hamutova) aus Shchedrin versteckten die Jüdin Sofia Akselrod und ihre sechsjährige Tochter Bella, die aus dem Ghetto Bobruisk geflohen waren und tagelang die umliegenden Dörfer auf der Suche nach einer Unterkunft durchstreift hatten.1995200520052005 I NameGeborenGestorbenOrt der RettungGrund der EhrungJahrGornaIvan Igolko, ein Bauer baptistischen Glaubens aus Gorna, versteckte den jüdischen Jungen Chaim Rotman auf seinem Bauernhof und kümmerte sich bis 1946 um ihn. Da die örtliche Polizei Igolko verdächtigte, ein jüdisches Kind zu beherbergen, mußte er diese immer jedes Mal bestechen, wenn sie ihm mit Verhaftung drohten. 19971996199619962008199219922008200819941994 K