mini|Sims Reeves, circa 1889

John Sims Reeves (* 21. Oktober 1821 in London; † 25. Oktober 1900 in Worthing)Daten lt. The Life of J. Sims Reeves, Written by Himself (1888), S. 15: siehe ebenfalls Reeves, My Jubilee (1889), S. 20, '1839, als ich gerade 18 Jahre alt wurde …' (meint: Sein 17. Geburtstag war im Oktober 1838). Jedoch C. E. Pearce schreibt in Sims Reeves – Fifty Years of Music in England Seiten 17–18 (was von vielen übernommen wurde), dass eine Eintragung der Pfarre Woolwich für den 26. September 1818 eine Taufe (nicht Geburt) eines John Reeves anzeige. Wenn dies wirklich der Sänger sein sollte, macht dies Reeves’ Aussage und die seiner ältesten Freunde unglaubwürdig und verschiebt seinen Stimmbruch in das Alter von 16, entgegen seiner Behauptung, dies sei im Alter von 12 erfolgt (ibid. S. 20). John Reeves (1818) könnte aber auch ein Verwandter sein, der vor 1821 starb., meist Sims Reeves, war der berühmteste englische Opern-, Oratorien- und Balladen-Sänger der Mitte des viktorianischen Zeitalters.

Reeves begann seine Gesangskarriere im Jahr 1838, studierte jedoch weiter das Fach Gesang bis 1847. Er machte sich recht bald einen Namen auf Opern- und Konzertbühnen und trat besonders mit seinen Balladeninterpretationen hervor. Die Bühne begleitete ihn bis in die 1880er Jahre, danach verlagerte er seine Tätigkeiten auf das Schreiben über Musik und die Ausbildung.

Musikalische Anfänge Sims Reeves wurde in Shooter’s Hill, in Greater London, England geboren. Seine Eltern waren John Reeves, ein aus Yorkshire stammender Musiker, und Rosina Reeves. Er erhielt seine musikalische Früherziehung von seinem Vater, welcher Basssolist in der Musikband der Royal Artillery war. Und vermutlich auch von deren Bandleader George McKenzie.C. Pearce 1924, Seiten 18–22. Mit vierzehn Jahren wurde er zum Chorleiter der Kirche der Londoner Gemeinde North Cray ernannt und übte Organistenaufgaben aus.J. Sims Reeves, The Life of J. Sims Reeves, Written by Himself (Simpkin, Marshall & Co, London 1888, S. 16). Es scheint auch begonnen zu haben, Medizin zu studieren, änderte aber seine Meinung, als er in den Stimmbruch kam. Seine Stimmlage war Bariton und er bildete sie unter Anleitung des irischen Sängers und Komponisten Thomas Simpson Cooke weiter aus. Er erlernte auch das Oboenspiel, Fagott, Violine, Violoncello und weitere Instrumente. Später studierte er das Pianospiel unter Johann Baptist Cramer.Reeves 1888, S. 16.

mini|Reeves mit Catherine Hayes an der Scala, 1846

Reeves erster Auftritt war in Newcastle im Jahr 1838 oder 1839.Siehe Pearce 1924, Seiten 28–30. Er spielte den Zigeunerjungen in H. R. Bishops Guy Mannering und den Grafen Rodolfo in La sonnambula. Später trat er unter dem Namen „Johnson“ im Royal Grecian Theatre in London auf.Biddlecombe, George. "Reeves, (John) Sims (1818–1900)", Oxford Dictionary of National Biography, Oxford University Press, 2004, abgerufen am 28. Juni 2019 Mit Lehrern wie Hobbs und T. Cooke bildete er seine Stimme immer weiter aus. Er trat unter dem Management von William Charles Macready 1841 und 1843 am Drury Lane-Theater nicht nur in (gesprochenen) Nebenrollen auf, sondern auch in Henry Purcells King Arthur („Come if you dare“), Der Freischütz (als Ottokar) und Acis and Galatea.Pearce 1924, S. 44.

Im Sommer 1843 studierte Reeves am Pariser Konservatorium unter dem Tenor und Lehrer Marco Bordogni. Bordogni war für das Öffnen und Entwickeln der oberen Oktave seiner Stimme in die berühmten reichen und glänzenden Kopfnoten verantwortlich.Pearce 1924, S. 37. Von Oktober 1843 bis Januar 1844 trat Reeves in vielen verschiedenen Musikdramen auf, darunter in den Rollen des Elvino in La Sonnambula und Tom Tug in Charles Dibdins The Waterman am Theater Manchester und die nächsten zwei Jahre hatte er Engagements in Dublin, Liverpool und in kleineren Städten.Pearce 1924, Seiten 68–74. Gleichzeitig, insbesondere ab 1845, vervollständigte er seine Studien im Ausland. Hervorzuheben ist Alberto Mazzucato (1813–1877), der Komponist und Gesangslehrer am Mailänder Konservatorium.Reeves 1888, S. 32: Rosenthal & Warrack 1974, S. 331.

Sein Debüt in der Italienischen Oper gab er am 29. Oktober 1846 als Edgardo in Gaetano Donizettis Lucia di Lammermoor an der Mailänder Scala, zusammen mit Catherine Hayes. Hierfür erhielt er gute Kritiken und Giovanni Rubini gratulierte ihm persönlich.Reeves 1888, S. 33. (Es wurde Reeves’ größte Rolle und seine Frau nannte ihn fortan 'Gardie'.)Santley 1909, Seiten 83–87. Sechs Monate lang sang er an allen großen Häusern Italiens und zum Schluss auch in Wien, wo er seinen Vertrag beendete und nach England zurückkehren konnte.Pearce 1924, Seiten 83–84.

1844–48: Englische Debüts in Oper und Konzert Er kehrte zu Anfang 1847 nach London zurück und erschien im Mai bei einem Benefizkonzert für William Vincent Wallace und im Juni bei einem 'Antient Concert'. Im September 1847 sang er in Edinburgh mit Jenny Lind. Seine erste Hauptrolle auf einer englischen Opernbühne hatte er zusammen mit Doras Gras (Lucia) und Willoughby Weiss in der Oper „Lucia“, welche der französische Komponist Louis-Antoine Jullien (1812–1860), neben anderen verfassten Stücken, in englischer Sprache auf die eigens angemietete Bühne des Dury Lane Theatre brachte. (Was für Jullien allerdings zu finanziellen Fiasko wurde)Louis-Antoine Jullien auf Grandemusica.net Hector Berlioz, der Dirigent der Aufführung, gratulierte Reeves persönlich, hielt ihn fälschlicherweise aber für einen Iren.Reeves 1888, Seiten 60–65. In dieser von Louis-Antoine Jullien inszenierten Reihe sang er auch in Michael William Balfes The Maid of Honour (nach einem Motiv von Friedrich von Flotows Oper Martha), den Part des Lyonnel (Tenor).Reeves 1888, Seiten 65–68.

Im Mai 1848 wurde er Mitglied in Benjamin Lumleys (1811–1875) Ensemble des Her Majesty’s Theatres und sang in Linda di Chamounix zusammen mit Eugenia Tadolini, schied jedoch bald wieder aus, weil statt seiner Italo Gardoni den Edgardo in Lucia zusammen mit Jenny Lind singen sollte.Pearce 1924, Seiten 117–23. Aber noch im Herbst sang er wieder den Edgardo in Manchester und auch in La sonnambula, einige Tage nachdem Lind dort bereits auftrat und Reeves die besseren Häuser bevorzugte.Pearce 1924, Seiten 128–29. Reeves sang im Oktober La Sonnambula und Lucia auch im Covent Garden.

Reeves sang 1844 in Glasgow erstmals ein Oratorium (Messiah).Pearce 1924, S. 69. Im Februar 1848 sang er Händels Judas Maccabaeus in der Exeter Hall, Acis and Galatea im März und Jephtha im April und Mai.Reeves 1888, Seiten 80–81; Pearce 1924, Seiten 112–14. Er etablierte sich daneben als führender englischer Balladensänger. Im September 1848, anlässlich des Worcester Festival, übernahm er ein Solo in Elijah und sang in Beethovens Christus am Ölberge und füllte die Halle bei einem Oberon-Liederabend.Pearce 1924, Seiten 124–27. Beim Norwich-Festival brillierte er in Elijah und Israel in Egypt. Nach seinem Novemberauftritt an der Londoner Sacred Harmonic Society in Judas Maccabaeus schrieb ein Kritiker, dass der Umhang John Brahams bestimmt sei, um auf Reeves zu fallen.Reeves 1888, S. 82. Braham verabschiedete sich 1839 von seinen Publikum. Der Kritiker H. F. Chorley schrieb, dass Reeves eine positive Revolution in der Interpretation händelscher Oratorien schuf.Reeves 1888, S. 83.

Ereignis in Dublin 1849 hatte Reeves ein Engagement am Theatre Royal in Dublin. Nach dem Ende seiner erfolgreichen Auftritte besuchte er eine Aufführung des ihm wohlbekannten Stücks Lucia di Lammermoor und nahm in einer oberen Loge Platz. In dem Stück hatte die irische Sopransängerin Catherine Hayes ihr Debüt. Der Sänger, der den Part des Edgardo innehatte, der Tenor Sig. Paglieri, wurde während eines kläglichen Duetts mit Hayes (1. Akt), als ihm gegen Ende die Stimme versagte, von der Bühne gezischt. Reeves, der schon zuvor vom Publikum erkannt wurde, wurde mit lauten Rufen gebeten einzuspringen („Reeves! Reeves!“). Auch der Leiter des Theatre Royal, John William Calcraft, welcher auf die Bühne kam, um sich für die schwache Leistung des Tenors zu entschuldigen, bat Reeves zu singen. Da es aber eher wie eine Forderung, denn eine Bitte klang, lehnte Reeves deutlich ab. Als das lärmende Publikum nicht locker ließ, versprach Calcraft, dass Reeves singen werde. Prompt erschien der Angesprochene auf der Bühne und beklagte, dass er deshalb nicht auftreten wollte, weil er von Calcraft auf höchst autokratische Weise aufgefordert wurde zu singen. Calcraft bestritt dies und so entspann sich ein minutenlanger Streit auf der Bühne, bis man sich schließlich auf Wunsch des Publikums per Handschlag versöhnte und Reeves die Oper als Edgardo zu Ende sang.Annals Of Theatre Royal Dublin 1821 1880 in archive.orgReeves 1888, Seiten 125–34. In Zugaben wurde Reeves! ein weitverbreiteter Ruf.

Italienische Oper mini|hochkant|Reeves in der Titelrolle des Fra Diavolo, die er 1852 am Drury Lane spielte

1849 spielte er in Covent Garden den Elvino in Bellinis La sonnambula, zusammen mit Fanny Tacchinardi Persiani. Er trug die vollständige lyrische Deklamation in Tutto e sciolto… Ah! perche non-posso odiarti? mit großem Effekt vor. Kurz nach seinem Edgardo in Lucia, wurde Reeves’ Elvino als seine beste Rolle in der Italienischen Oper angesehen.Reeves 1888, Seiten 161–65. Im Winter des Jahres 1849 kehrte er zur Englischen Oper zurück, jedoch 1850, am Her Majesty’s, hatte er einen weiteren großen Erfolg in Giuseppe Verdis Ernani, zusammen mit Mademoiselle Parodi (Elvira) und Giovanni Battista Belletti (Carlo),Reeves 1888, Seiten 175–77. der kurz darauf im Begriff war, sich auf eine Tour in die USA einzuschiffen (auf Einladung Jenny Linds).

Privatleben Am 2. November 1850 heiratete er Charlotte Emma Lucombe (1823–1895), eine Sopransängerin, welche eine kurze, aber gefeierte Spielzeit bei der Sacred Harmonic Society hatte und auch im selben Ensemble wie Reeves am Covent Garden spielte.Reeves 1888, Seiten 177–78. Dort brillierte sie als Haydee in der gleichnamigen Oper von Daniel-François-Esprit Auber und blieb der Bühne noch vier bis fünf Jahre nach ihrer Heirat treu. Emma Reeves vergötterte ihren Ehemann zeitlebens.Santley 1909, Seiten 79–87: Mapleson 1888, I, Seiten 74–76. Im Februar 1851 kehrten sie zurück nach Dublin. Dort sollte Sims Reeves mit dem Sopran Giulia Grisi auftreten. Da die Sängerin jedoch indisponiert war, trat das Ehepaar somit gemeinsam auf die Bühne und verkörperten die jeweiligen Hauptrollen in Lucia di Lammermoor, La Sonnambula, Ernani und Bellinis I Puritani. Reeves spielte dort auch den Macheath in der The Beggar’s Opera.Reeves 1888, S. 190. Emma und Sims Reeves hatten fünf Kinder, von denen zwei ebenfalls Sänger wurden (Herbert und Constance).

Das Ensemble nahm gleich im Anschluss eine Verpflichtung beim Théâtre-Italien in Paris wahr, wo Reeves Ernani, Carlo in Linda di Chamounix (zusammen mit Henriette Sontag) und Gennaro in Donizettis Lucrezia Borgia sang.Reeves 1888, Seiten 201–02. 1851 Reeves übernahm er den Florestan in Fidelio zusammen mit Sophie Cruvelli, welche die Leonore spielte. Dabei meinten einige Beobachter, dass seine Leistung die seiner Bühnenpartnerin deutlich überstrahlte.Chorley 1862, II, S. 142.

Vermehrte Konzerttätigkeit ab 1850 Während der nächsten drei Jahrzehnte war Reeves der führende Tenor in Britannien. Er hatte die Ehre, privat vor Queen Victoria und Prince Albert zu singen. Michele Costa, Arthur Sullivan und andere führende, britische Komponisten jener Zeit schrieben Tenorstücke speziell für ihn. Reeves konnte Gagen von bis zu 200 Pfund pro Woche aufrufen.