Der Medizinische Kompressionsstrumpf (MKS) ist ein Kompressionsstrumpf, der als medizinisches Hilfsmittel im Rahmen der Kompressionstherapie durch definierten Druck eine Verengung der Gefäße bewirkt. Die dadurch verbesserte Durchblutungssituation der Extremitäten ist Grundlage der Therapie von Krampfadern (Varizen), Beinvenenthrombosen, der Chronisch-venösen Insuffizienz und des Postthrombotischen Syndroms. Darüber hinaus werden MKS als Gewährleistung der Therapieergebnisse der Manuellen Lymphdrainage bei Patienten mit Lymphödemen und bei Lipödemen eingesetzt. Die Kompressionstherapie hat eine rückflussfördernde Wirkung, die bis in die tiefen Gefäße reicht, ermöglicht den Abtransport von Abfall- und Schlackenstoffen und reduziert Ödeme.PKerstin Protz: Moderne Wundversorgung. Praxiswissen, Standards und Dokumentation. 9. Auflage. Elsevier Verlag, München 2019, ISBN 978-3-437-27886-0, S. 24. Letzteres führt zudem zu einer Schmerzlinderung und Volumenminderung der Beine, was für den Patienten in mehrfacher Hinsicht eine Erleichterung bedeutet. Allerdings wird nur die Hälfte der in Deutschland verordneten medizinischen Kompressionsstrümpfe auch getragen.Kerstin Protz: Kompression nach Maß. In: Heilberufe Das Pflegemagazin, 2012, 64 (7-8), S. 36–39; . 300px|rechts

Material Im Gegensatz zu anderen Materialien der Kompressionstherapie, wie Kurzzugbinden, Adaptiven Bandagen oder der Intermittierenden pneumatischen Kompression sind Medizinische Kompressionsstrümpfe zur Langzeit- oder Dauerbehandlung von Menschen mit Venen- oder Lympherkrankungen geeignet. Es handelt sich um eine Therapieform, die somit die Lebensqualität der Betroffenen dauerhaft, oft ein Leben lang, beeinflusst. Daher sind medizinische Kompressionsstrümpfe heute in zahlreichen Farben und mit einer Vielzahl an Mustern erhältlich – so ist es möglich, die jeweilige Versorgung an den individuellen Kleidungsstil des Betroffenen anzupassen.Kerstin Protz: Moderne Wundversorgung. Praxiswissen, Standards und Dokumentation. 9. Auflage. Elsevier Verlag, München 2019, ISBN 978-3-437-27886-0, S. 148–149

Kompressionsklassen Der Druck, den Medizinische Kompressionsstrümpfe auf das jeweilige Bein ausüben, orientiert sich am Gesundheitszustand des Patienten und wird in die Kompressionsklassen („CCL“, „Ccl“ oder „KKL“) I–IV eingeteilt.Deutsche Gesellschaft fürü Phlebologie und Lymphologie: Leitlinie: Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit Medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), auf der Website der AWMF (www.awmf.org), aufgerufen am 28. August 2026

mini|hochkant|Kompressionsstrümpfe. Faltenbildung wie hier am linken Bein (im Bild: rechts) sollte vermieden werden. + Kompressionsklassen KKL Intensität Druck in mmHg in KPaI leicht 18–21 2,4–2,8II mittel 23–32 3,1–4,3III kräftig 34–46 4,5–6,1IV sehr kräftig 49 und größer mind. 6,5

Es gibt verschiedene internationale Standards, obige Tabelle entspricht dem Standard RAL-GZ 387, der sich in mitteleuropäischen Ländern, mit Ausnahme von Frankreich, durchgesetzt hat. Die angegebenen Druckbereiche beziehen sich auf den Basisdruck, der an den Fesseln – genauer: Messpunkt „B“ – ausgeübt wird; herzwärts (beinaufwärts) nimmt der Druck ab. Strumpfmodelle unterschiedlicher Hersteller können innerhalb einer Kompressionsklasse deutlich voneinander abweichen. Dies gilt umso mehr, da für die weiteren Messpunkte wiederum relative Bereiche gelten, die sich auf den Basiswert beziehen. So muss z. B. der Druck am Messpunkt „B1“ zwischen 70 und 100 % des Basisdrucks (bei Messpunkt „B“) entsprechen. Die Kompressionsklassen beschreiben nur den sogenannten Ruhedruck, der auf das Gewebe im Ruhezustand, also im Liegen, ausgeübt wird.

Für Betroffene, die aus physischen Gründen, wie mangelnder Beweglichkeit oder geringer Körperkraft, nicht in der Lage sind, einen medizinischen Kompressionsstrumpf mit einer hohen KKL anzulegen, kommt die Verordnung von zwei medizinischen Kompressionsstrümpfen mit geringerer KKL in Frage. Werden diese übereinander gezogen, addieren sich die Kompressionsklassen auf. Eine weitere Möglichkeit der Versorgung dieser Patienten ist das Verordnen einzelner Bestandteile, wie Vorfußkappe, Strümpfe und Capri/Radlerhose.Kerstin Protz, Joachim Dissemond, Knut Kröger: Kompressionstherapie Ein Überblick für die Praxis. Springer Verlag, Berlin u. a. 2016, S. 102

Medizinische Kompressionsstrümpfe kommen in der zweiten Phase der Kompressionstherapie zum Einsatz. In dieser Phase ist die Extremität durch Kompressionsbandagierungen oder Adaptive Kompressionsbandagen bereits weitestgehend entstaut und es geht darum, diesen Zustand durch eine angepasste Kompressionsstrumpfversorgung zu erhalten. Kompressionsstrümpfe und Kompressionsverbände dienen als Widerlager für die Muskelbewegung, etwa so wie eine Muskelfaszie, erhöhen deren Wirksamkeit und somit den Blutrückfluss aus den Beinen zum Herzen. Somit kann Kompression nur dann Wirkung in der Erhaltungstherapie haben, wenn der Träger des Kompressionsstrumpfs sich ausreichend bewegt. Bei immobilen Menschen können Kompressionsstrümpfe nur eingeschränkt wirksam sein und ihr Einsatz wird beispielsweise durch Intermittierende pneumatische Kompression ergänzt. Zur Gewährleistung der ungestörten arteriellen Durchblutung wird bei der Verordnung von Medizinischen Kompressionsstrümpfen der Knöchel-Arm-Druckindex (KADI) mit einem Taschen-Doppler bestimmt werden. Der KADI sollte über 0,6 liegen.Stefanie Reich-Schupke, Markus Stücker (Hrsg.): Moderne Kompressionstherapie. Ein praktischer Leitfaden. Viavital Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-934371-50-7, S. 40. Bei Patienten mit Peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Polyneuropathie kommt eine Kompressionstherapie nur eingeschränkt zum Einsatz. Inzwischen werden medizinische Kompressionsstrümpfe auch speziell für diese Patientengruppe angeboten – solche Produkte haben einen geringen Ruhedruck (z. B. KKL I) und einen hohen Arbeitsdruck (z. B. analog KKL III).

Weitere Materialeigenschaften Neben der Stärke des Kompressionsdrucks gibt es weitere Parameter, die zwar nicht Bestandteil der Norm sind, aber für die Wirkung der Kompression von Relevanz sein können. So hat in den letzten Jahren die Bedeutung der Steifigkeit (oder Festigkeit; engl. stiffness oder slope; der englische Begriff „Stiffness“ wird oft auch in deutscher Literatur verwendet) des Materials an Bedeutung gewonnen. Genauer beschrieben wird diese durch Druck-Dehnungs-Kurven.Stefanie Reich-Schupke, Markus Stücker (Hrsg.): Moderne Kompressionstherapie. Ein praktischer Leitfaden. Viavital Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-934371-50-7, S. 30–32. Material hoher Steifigkeit ist fester, wandstabiler, kurzzugiger und weniger elastisch (weniger dehnbar) als solches geringerer Steifigkeit. Bei gleicher Kompressionsklasse (also bei gleichem Ruhedruck) bieten Strümpfe höherer Steifigkeit einen höheren Arbeitsdruck. Dieser wird erzeugt bei Bewegung (Gehen) durch die Muskelanspannung. Die Ausdehnung der Muskeln nach außen wird durch die höhere Wandstabilität des Strumpfes stärker verhindert, so dass der „Massageeffekt“ in der Tiefe des Gewebes erhöht wird. Umgekehrt haben die Muskeln bei größerer Dehnbarkeit des Strumpfes mehr Spielraum, sich nach außen auszudehnen, was eine geringere Tiefenwirkung bedeutet. Hoher Arbeitsdruck ist bei der Kompressionstherapie von Bedeutung, da ihre Wirkweise durch Bewegung erheblich erhöht wird. Da die Steifigkeit derzeit nicht zur Norm von medizinischen Kompressionsstrümpfen gehört und daher von den Herstellern auch nicht angegeben wird, ist bei Auswahl eines speziellen Strumpfs der Grad der Steifigkeit für den Anwender nicht offensichtlich. Fachkundige Beratung ist daher wichtig. Zudem gibt es noch den weiteren Parameter Biegesteifigkeit; eine hohe Biegesteifigkeit erschwert das Hineinrutschen in Gewebefalten. Hohe Materialfestigkeit ist insbesondere für die Kompressionstherapie von Ödempatienten relevant und meist von Vorteil.

Fertigung Medizinische Kompressionsstrümpfe bestehen aus natürlicher Baumwolle oder künstlichen Materialien, wie Mikrofaser, Polyamid oder Polyester. Diese Fasern umwinden einen Kern aus künstlichem Elastan, oder – seltener – Naturkautschuk, wodurch das Strumpfgewebe seine Elastizität erhält. Der Kern des Schussfadens ist deutlich dicker als der des Kettfadens. Somit ist die Elastizität des medizinischen Kompressionsstrumpfs in erster Linie durch den Kern des Schussfadens bestimmt, während alle anderen Komponenten nur marginalen Einfluss haben.Stefanie Reich-Schupke, Markus Stücker (Hrsg.): Moderne Kompressionstherapie. Ein praktischer Leitfaden. Viavital Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-934371-50-7, S. 16–22. Die Herstellung erfolgt grundsätzlich nach zwei unterschiedlichen Strickverfahren: Rund- oder Flachstrick.

Rundstrickverfahren mini|Rundgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe

Rundgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe werden auf einem Zylinder mit einer definierten Anzahl an Stricknadeln gefertigt. Dadurch entsteht ein nahtloser Strumpf, dessen Passform aufgrund der vorgegebene Anzahl an Maschen allerdings nicht variabel an jede mögliche Umfangsdifferenz anpassbar ist. Aus diesem Grund wurden Kompressionsstrümpfe bis in die 50er Jahre ausschließlich im Flachstrickverfahren produziert. Erst die technische Entwicklung im Zuge der Einführung des Fournisseurs ( für „Lieferant“) ermöglichte die Regelung der Fadenspannung im Fertigungsprozess, so dass in der Knöchelregion das Gestrick nunmehr fester zusammengezogen werden kann, als an der breiteren Wade. Seither ist eine geringfügige Anpassung der rundgestrickten Produkte durch weitere oder kleinere Maschen möglich, aber bei Patienten mit erheblichen Beinumfängen, oder großen Differenzen zwischen den Umfängen einzelner Bereiche, ist eine Versorgung mit rundgestrickten Kompressionsstrümpfen nicht geeignet.

Flachstrickverfahren mini|Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe mit Naht

Flachgestrickte Kompressionsstrümpfe werden als Stoffbahnen gefertigt, wobei es möglich ist, die Anzahl der Stricknadeln zu variieren und das Produkt so auch an außergewöhnliche Umfangsdifferenzen der Extremitäten anzupassen. Durch das abschließende Zusammennähen entsteht eine Naht entlang der Wade. Flachgestrickte medizinische Kompressionsstrümpfe werden ausschließlich nach Maß gefertigt und kommen wegen ihrer Materialeigenschaften in erster Linie bei der Versorgung von Menschen mit Lymph- oder Lipödemen, aber auch bei schweren VenenleidenStefanie Reich-Schupke, Markus Stücker (Hrsg.): Moderne Kompressionstherapie. Ein praktischer Leitfaden. Viavital Verlag, Köln 2013, ISBN 978-3-934371-50-7, S. 107. mit Ödemneigung, zum Einsatz. Im Gegensatz zu rundgestrickten medizinischen Kompressionsstrümpfen ist das Material dieser Produkte gröber, aber auch fester und dicker. Flachgestrickte Modelle sind zudem weniger elastisch, haben also eine höhere Steifigkeit. Einige Materialien zeichnen sich durch eine gröbere Struktur aus, die eine höhere Luftdurchlässigkeit zulässt und die Mikrozirkulation unterstützt. Dadurch wird ein wesentlich höherer therapeutischer Nutzen gegenüber dem Rundstrickverfahren erreicht. Da sie deutlich kostspieliger sind als rundgestrickte Strümpfe, zudem in dem Ruf einer geringeren Ästhetik und eines geminderten Tragekomforts stehen, haben flachgestrickte gegenüber rundgestrickten medizinischen Kompressionsstrümpfen eine geringere Verbreitung und einen Marktanteil von lediglich 10 % (2013). Zur Indikation heißt es im Hilfsmittelverzeichnis:

Die Leitlinie gibt folgende Empfehlung aus:

Ausführungen Kompressionsstrümpfe gibt es heute in vielen Standard- und Trendfarben; rundgestrickte Modelle leichter Kompression sind in ihrer Transparenz oft kaum von Nylonstrümpfen zu unterscheiden; bei stärkerer Kompression und beim Flachstrick sind die Strümpfe meist blickdicht.