Little Dorrit (in Übersetzungen meist: Klein DorritDiese Form des Namens ist missverständlich, denn „Klein Dorrit“ suggeriert normalerweise etwas Kindliches, was aber so im Roman nicht angelegt ist; sie ist einfach die jüngste und kleinste in der Familie, daher „Little Dorrit“, also die Kleinste der Dorrits; sie wird im Roman nicht etwa mit einem verkleinernden Vornamen angesprochen!) ist ein Roman von Charles Dickens, der zuerst als Fortsetzungsroman von 1855 bis 1857 veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Amy Dorrit, das jüngste Kind der Familie Dorrit, geboren und aufgewachsen im Schuldgefängnis Marshalsea in London. In dieser Institution war auch Dickens’ Vater eingesperrt gewesen. Little Dorrit begegnet Arthur Clennam, der nach 20-jähriger Abwesenheit in die Heimat zurückgekehrt ist und ein neues Leben beginnen möchte.

Der Roman befasst sich in Form einer Satire mit den Mängeln von Staat und Gesellschaft, insbesondere auch mit der Institution des Schuldgefängnisses, in dem Schuldner eingesperrt sind, bis ihre Schulden bezahlt sind, während sie selbst nicht arbeiten dürfen.

In dem Roman wird das Fehlen sozialer Sicherheit kritisiert, ebenso die Arbeits- und Lebensbedingungen der Industriearbeiter, ferner die Bürokratie des britischen Schatzamtes, das im Gewand des fiktiven „Circumlocution Office“ erscheint, eines Amtes für „Umschweife und Patentanmeldungen“.Felix Sprang, Professor in englischer Literaturwissenschaft, FAZ, 30. Dezember 2020, S. 9: Sie wollten niemals, niemals Sklaven sein. Nostalgie, Selbsttäuschung, Dünkel und nüchternes Kalkül: Was die Briten in den Brexit trieb. In der Form der Satire behandelt Dickens die Klassenstruktur der britischen Gesellschaft seiner Zeit.

Zusammenfassung der Handlung 1. Teil: Armut Der Roman beginnt in Marseille „vor dreißig Jahren“ (also etwa 1826). Der berüchtigte Mörder Rigaud erzählt seinem Zellengenossen John Baptiste Cavalletto, wie er seine Frau umgebracht hat.

Arthur Clennam wird derweil mit einer Gruppe von Reisenden in Marseilles in Quarantäne festgehalten. Bei dieser Gelegenheit lernt er neue Freunde kennen. Arthur hat 20 Jahre zusammen mit seinem Vater in China gelebt. Sie haben dort die Geschäfte betrieben, die der Familie Clennam gehören. Der Vater ist in China gestorben, Arthur fährt nun nach London, um seine Mutter zu besuchen. Auf dem Sterbebett hatte der Vater ihm eine geheimnisvolle Botschaft mitgegeben, indem er „deine Mutter“ murmelte und ihm eine Taschenuhr übergab.

Im Gehäuse der Uhr befindet sich ein altes Stück Seidenpapier mit den mit Perlen darauf gestickten Buchstaben „DNF“ (als Abkürzung für „Do Not Forget“, dt.: „Nicht vergessen!“).

mini|Mr. Flintwinch hat einen leichten Anfall von Gereiztheit

Die unerbittliche Mrs Clennam, die jetzt einen Rollstuhl nutzte, weigert sich, die Bedeutung dieser Botschaft zu erklären. Das führt zu einer Entfremdung zwischen Mutter und Sohn.

In London ist William Dorrit inzwischen seit mehr als zwanzig Jahren Gefangener im Marshalsea-Schuldgefängnis. Er hat drei Kinder: Edward, Fanny und Amy. Amy, genannt Little Dorrit, wurde im Schuldgefängnis geboren. Ihre Mutter starb, als Amy acht Jahre alt war. Ihr Onkel, Williams älterer Bruder Frederick, wohnt mit Amys Schwester Fanny in Freiheit. William Dorrits erwachsene Kinder können das Gefängnis nach Belieben betreten und verlassen.

Little Dorrit bringt sich und ihren Vater mit Näharbeiten außerhalb des Schuldgefängnisses durch. Dem Vater gegenüber erwähnt sie das nicht, da dieser seine finanzielle Situation verdrängt und verleugnet. Ebenso wenig erwähnt sie ihm gegenüber die Tatsache, dass er das Gefängnis nicht verlassen darf. William Dorrit gefällt sich in der Rolle des „Vaters des Marshalsea“, von den übrigen Insassen wird er allgemein respektiert.

Arthur teilt seiner Mutter mit, dass er das Familiengeschäft nicht übernehmen will. Daraufhin entscheidet sich Mrs. Clennam für Jeremiah Flintwinch als Teilhaber. Arthur erfährt, dass seine Mutter Little Dorrit als Näherin beschäftigt. Sie legt dabei eine für sie ungewöhnliche Freundlichkeit an den Tag. Arthur fragt sich, ob das junge Mädchen etwas mit dem Geheimnis der Taschenuhr zu tun haben mag. Arthur folgt dem Mädchen bis zum Marshalsea-Gebäude. Er versucht, über das Circumlocution Office etwas über die Schulden von William Dorrit herauszufinden, jedoch vergeblich. In dem Gebäude dieser Behörde trifft er den erfolgreichen Erfinder Daniel Doyce. Dieser sucht einen Teilhaber und Wirtschaftskundigen für seine Fabrik; Clennam findet sich bereit, diese Rolle zu übernehmen. Amy Dorrit verliebt sich in Arthur, der jedoch davon nichts bemerkt.

Arthur trifft seine ehemalige Verlobte Flora Finching, deretwegen er nach China geschickt wurde. Diese ist jetzt eine unattraktive Witwe, stets in Begleitung der Tante ihres verstorbenen Mannes. Ihrem Vater, Mr. Casby, gehören zahlreiche Mietshäuser. Mr. Pancks treibt für ihn die Mieten ein. Der unermüdliche Pancks macht eine Entdeckung: William Dorrit ist der bisher unbekannte Erbe eines enormen Vermögens, das es ihm ermöglichen würde, dem Schuldgefängnis zu entkommen und das Ansehen der ganzen Familie zu verbessern.

2. Teil: Reichtum Die Familie Dorrit, nunmehr wohlhabend, beschließt, man müsse eine Europa-Tour machen, den Kontinent bereisen. Sie reisen über die Alpen und lassen sich eine Zeit lang in Venedig und schließlich in Rom nieder. Die Dorrits zeigen ihren neuen Reichtum und ihre gesellschaftliche Stellung stolz vor, über die Vergangenheit reden sie nicht gern mit ihren neuen Bekannten. Little Dorrit hat Mühen, sich in die neue Rolle hineinzufinden und neue Orte und Ansichten schön zu finden. Ihre Schwester Fanny dagegen macht sich rasch die Regeln der guten Gesellschaft zu Eigen. Sie wird von Edmund Sparkler umworben, der schon in London in ihrer Zeit der Armut um sie war, nun jedoch einen Neuanfang wagt und mit der Zustimmung seiner Mutter rechnen kann. Während einer Gesellschaft, die die Familie in Rom gibt, erkrankt Mr. Dorrit und stirbt. Dessen ängstlicher Bruder Frederick stirbt noch am selben Abend. Amy Dorrit, nunmehr ganz allein, kehrt nach London mit der frischvermählten Fanny und deren Ehemann, dem etwas verblödeten Edmund Sparkler, zurück.

mini|links|Engraving of „Little Dorrit“, 1856

Merdle, Edmund Sparklers Stiefvater, geht mit seinem Finanzinstitut bankrott, er begeht Selbstmord. Der finanzielle Zusammenbruch reißt die Ersparnisse der Dorrits, der Firma von Doyce und Clennam, von Arthur Clennam und von Pancks mit in den Abgrund. Der nun überschuldete Arthur Clennam wird im Marshalsea eingesperrt, er wird dort krank. Nachdem Amy nach London zurückgekehrt ist, pflegt sie ihn wieder gesund.

Cavalletto findet heraus, dass sich der schurkische Rigaud unter dem Namen Blandois in London aufhält. Er bringt ihn zu Arthur Clennam. Dieser schickt den unerwünschten Mann zu seiner Mutter, die inseriert hatte, um ihn zu finden. Rigaud alias Blandois versucht, Mrs. Clennam mit seinen Kenntnissen über ihre Vergangenheit zu erpressen. Mrs. Clennam hatte Arthur aufgezogen und seiner Mutter verboten, ihn zu sehen. Mrs. Clennam fühlt sich berechtigt, auf diese Weise andere zu bestrafen, die sie verletzt hatten. Arthurs leibliche Mutter war gestorben, als Arthur nach China reiste. Sie lebte zusammen mit Flintwinchs Zwillingsbruder im Ausland.

Clennams reicher Onkel, geplagt von Schuldgefühlen, hat testamentarisch Arthurs leibliche Mutter und deren jüngste Tochter als Erben eingesetzt bzw., falls es keine Tochter gibt, das jüngste Kind seines Bruders. Der Wohltäter war Frederick Dorrit, der freundliche Musiker, der mit Arthurs leiblicher Mutter befreundet war, die Begünstigte ist seine Nichte, Amy Dorrit. Blandois hinterließ im Marshalsea eine Abschrift des Dokuments für Little Dorrit.

Mrs. Clennam weiß von dieser Erbschaft, verheimlicht sie aber zunächst gegenüber Amy, auch erzählt sie Arthur nichts über seine leibliche Mutter. Nicht bereit, der Erpressung nachzugeben und von Schuldgefühlen geplagt, erhebt sich die im Rollstuhl steifgewordene Frau und geht wankend aus dem Haus, um Little Dorrit im Marshallsea das Geheimnis zu offenbaren. Sie bittet Amy um Vergebung, die ihr freigebig gewährt wird. Auf dem Heimweg stürzt Mrs. Clennam, sie kann weder sprechen noch die Gliedmaßen bewegen. Ihr Haus stürzt ein und begräbt Rigaud unter sich. Affery wird verschont, sie hatte das Haus verlassen, um ihre Herrin zu suchen; Jeremiah hatte London fluchtartig verlassen mit so viel Geld, wie er in der Eile an sich raffen konnte. Amy entschließt sich, nichts davon Arthur zu erzählen; nachdem er genesen ist, bittet sie ihn, die Kopien zu verbrennen. Auf der Suche nach den Originalen befragt Mr. Meagles auch Miss Wade. Diese hat die Dokumente in Verwahrung, was sie ihm gegenüber jedoch ableugnet. Jedoch entweicht Tattycoram mit den Dokumenten nach London und übergibt sie Mr. Meagles, der sie an Amy weiterreicht. Mr. Meagles spürt dann noch Arthurs Teilhaber Daniel Doyce auf. Dieser kehrt als erfolgreicher und wohlhabender Mann zurück. Er begleicht Arthurs Schulden, was diesen aus dem Schuldgefängnis befreit. Arthur hat wieder ein Vermögen, seine geschäftliche Stellung an der Seite von Doyce ist gesichert. Arthur und Amy heiraten.

Nebenstränge der Handlung Der Roman Little Dorrit beinhaltet zahlreiche Nebenstränge. In einer Nebenhandlung treten Arthur Clennams Freunde auf, die freundliche Meagles-Familie, deren Mitglieder darüber aufgebracht sind, dass die Tochter Pet den Künstler Henry Gowan heiratet; sie sind auch darüber verärgert, dass ihre Dienerin und Pflegetochter von der undurchsichtigen Miss Wade abgeworben wurde, die wiederum mit dem Verbrecher Rigaud gut bekannt ist. Miss Wade, die ehemalige Geliebte Gowans, war von diesem sitzen gelassen worden.

Ein anderer Nebenstrang handelt vom Italiener John Baptist Cavalletto. Dieser war in Marseilles der Zellengenosse Rigauds gewesen. Er saß dort eine Strafe für ein geringeres Vergehen als dieser ab. Er kommt nach London, wo er zufällig Clennam trifft. Dieser bürgt für ihn und erlaubt es ihm damit, ein Gewerbe für Holzschnitzarbeiten aufzubauen und im Bleeding Heart Yard, einem Wohnviertel, akzeptiert zu werden. Er revanchiert sich, indem er nach Blandois/Rigaud fahndet. Bei dieser Gelegenheit werden die Geheimnisse von Mrs. Clennam aufgedeckt.

Ein anderer wichtiger Nebenstrang stellt in Form einer Satire die britische Bürokratie dar, hier in Gestalt des Circumlocution Office, dessen Spezialität das Verhindern von sinnvollen Aktivitäten ist.

Die Figuren des Romans Rigaud: Ein Mann, der im Gefängnis von Marseilles auf seinen Prozess wegen des Mordes an seiner Ehefrau wartet. Er verlangt von seiner Umgebung, dass man ihn als Gentleman behandelt, obwohl er seinerseits die anderen nicht so behandelt. Unter dem Namen Lagnier steigt er in Frankreich in einer Gastwirtschaft ab. Zwar ist es ihm gelungen, das Schwurgericht von seiner Unschuld zu überzeugen, jedoch halten ihn die meisten Franzosen für schuldig. In England ist er als Blandois bekannt, er plant eine Erpressung. John Baptist Cavalletto: Ein Italiener, der in Marseille auf seinen Prozess wegen Schmuggels wartet. Er wurde in dieselbe Zelle wie Rigaud gesperrt. Er schafft es, nach England zu kommen, wo er sich in Bleeding Heart Yard niederlässt, gefördert von Arthur Clennam. Arthur Clennam: Auf der Rückfahrt aus China musste er mehrere Wochen in Marseilles in Quarantäne verbringen, da er auf der Reise durch einen Ort gekommen ist, in dem die Pest wütete. Er ist 40 Jahre alt und Junggeselle; in der Quarantäne schließt er neue Freundschaften. Er ist ehrenhaft, freundlich und geschäftstüchtig.