Das Unternehmen Wirbelwind (auch: Wirbelwind (klein)Liste der Decknamen für Operationspläne und Hauptquartiere 1942. In: Percy Ernst Schramm (Hrsg.): Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht. Bonn o. J., Band 2, 2. Halbband, S. 1343. Siehe auch Decknamen deutscher Militäroperationen im Zweiten Weltkrieg) war eine gescheiterte deutsche Panzeroffensive vom 11. August 1942 bis 22. August 1942 am Mittelabschnitt der Ostfront im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Sie ist weitgehend unbekannt, da sie durch die deutsche Offensive im Süden überschattet wurde, die in der Schlacht von Stalingrad mündete.Robert Forczyk: Tank Warfare on the Eastern Front. Pen and Sword 2014, S. 217.
Zielsetzung Obwohl die Heeresgruppe Mitte 1942 lediglich defensiv agieren sollte, verblieben starke Panzerkräfte – bestehend aus acht Panzerdivisionen und vier motorisierten Divisionen – in ihrem Bereich. Die Heeresgruppe Süd, die eine raumgreifende Offensive durchführen sollte, verfügte mit neun Panzerdivisionen und fünf motorisierten Divisionen, verstärkt um vier Panzerabteilungen der Heeresgruppe Mitte, vergleichsweise nur über wenige schnelle Truppen mehr.Markus Pöhlmann: Der Panzer und die Mechanisierung des Krieges. Paderborn 2016, S. 363.
Durch einen Zangenangriff in Richtung Suchinitschi-Koselsk sollten ein sowjetischer Frontbogen („Suchinitschi-Bogen“) beseitigt und die sowjetische 10. und 16. Armee vernichtet werden, um so eine kräftesparende dauerhafte Verteidigungslinie zu gewinnen.Bernd Wegner: Der Krieg gegen die Sowjetunion 1942/43. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Stuttgart 1990, Band 6, S. 907. Dazu sollten Verbände der 4. Armee am 7. August nach Süden und Verbände der 2. Panzerarmee am 9. August nach Norden vorstoßen.Andreas Hillgruber: Vorwort zum Kriegstagebuch des OKW, Band 2, 1. Halbband, S. 74 f.
Die sowjetische Offensive vom 30. Juli in der Schlacht von Rschew erzwang jedoch den Abtransport von für das „Unternehmen Wirbelwind“ bereitgestellten Verbänden der 4. Armee. Daraufhin entschied Hitler am 7. August den Angriff nur mit dem Südarm durchzuführen.Hillgruber, S. 75. Tags darauf erging eine Weisung, die der 2. Panzerarmee befahl.Gedruckt in: Kriegstagebuch des OKW, Band 2, 2. Halbband, S. 1286, (Dokument 18).
Insgesamt griffen fünf Panzerdivisionen (9., 11., 17., 19., 20.)Namen der Panzerdivisionen entnommen der Karte bei Wegner, S. 901. mit 400Hillgruber, S. 75. Bagramjan spricht von fünf Panzerdivisionen mit 500 Panzern. Bagramjan, S. 126. Panzern sowie mehrere Infanteriedivisionen an.
Ablauf Wegen starken Regens begann die Offensive mit zwei Tagen Verspätung. Erfolgreich war die Offensive nur am ersten Tag, als der 11. Panzerdivision ein Vorstoß bis nach Uljanowo gelang. Die Panzerverbände kamen in den nächsten Tagen nur sehr langsam voran, da sie auf Kriegstagebuch OKW, Band 2, 1. Halbband, S. 578. Zit. n. Wegner, S. 909. stießen. Joseph Goebbels notierte am 20. August 1942 über die sowjetischen Befestigungen:
Nach Hermann Plocher, dem Generalstabschef des Luftwaffenkommandos Ost, gab es trotz effektiver Luft- und Luftabwehrunterstützung nur geringe Anfangserfolge.Hermann Plocher: The German Air Force versus Russia, 1942. Eschenburg Press 2017, S. 120. Generalstabschef Franz Halder notierte dazu am 17. August .Franz Halder: Kriegstagebuch. Tägliche Aufzeichnungen des Chefs des Generalstabes des Heeres 1939–1942. Stuttgart 1962, Band 3, S. 506. Die sowjetischen Truppen standen unter dem Eindruck des kurz zuvor erlassenen Befehls Nr. 227, der jeden Rückzug verbot und unter Strafe stellte.Wegner, S. 909.
Nachdem der Angriff sich drei Tage zuvor endgültig festgefahren hatte,Wegner, S. 909. unter Bezug auf das Kriegstagebuch des OKW, Eintrag vom 18. August. vermerkte das Kriegstagebuch des OKW am 21. August: Kriegstagebuch des OKW, Band 2, 1. Halbband, S. 617.
Am Morgen des 22. August traten starke sowjetische Panzerkräfte gegen die rechte Flanke zum Gegenangriff an und erzielten schwere Einbrüche.Kriegstagebuch OKW, Band 2, 1. Halbband, S. 526. und Halder: Kriegstagebuch, S. 508. Am selben Tag entschied Hitler laut Halder aus Einsicht, , den bis dahin erfolgten Vorstoß umzuwandeln, um gegnerische Kräfte zu binden.Halder: Kriegstagebuch, S. 508. Zit. n. Wegner, S. 910.
Bewertung Am 12. Dezember 1942 äußerte Hitler laut den Protokollen seiner Lagebesprechungen im Führerhauptquartier:
General Lothar Rendulic, Kommandeur der am Angriff beteiligten 52. Infanterie-Division, hielt in seinen Aufzeichnungen fest, dass er von vornherein nicht an den Erfolg glaubte, weil die angesetzten Kräfte viel zu gering gewesen seien. Für ihn eine Folge der durchgehenden Front, die Schwerpunktbildungen ausschloss.Lothar Rendulic: Soldat in stürzenden Reichen. München 1965, S. 290. Der Ic der Heeresgruppe Mitte Rudolf-Christoph von Gersdorff schreibt, dass Hitler die Operation gegen den Willen des Feldmarschalls Günther von Kluge durchsetzte, während die 2. Panzerarmee den Angriffsraum für Panzer als einschätzte. Für ihn trägt Hitler die Verantwortung für die und den .Rudolf-Christoph von Gersdorff: Soldat im Untergang. Frankfurt am Main 1977, S. 124.
Der sowjetische General I. CH. Bagramjan führt den Sieg auf die gestiegene Kampfkraft der Roten Armee und die hohe Kampfmoral durch den Befehl Nr. 227 Stalins zurück, der eingehend von Kommandeuren und Politarbeitern erläutert wurde, und nach seinen Worten ergriff.Bagramjan, S. 130.
Fortleben Gersdorff widmet dem gescheiterten Unternehmen in seinen Memoiren ausgiebig Raum und zitiert dort auch die Worte, die Hitler dem zögernden Kluge am Telefon gesagt haben soll: „Herr Feldmarschall, dieser Angriff wird durchgehen wie durch Butter. Ich befehle endgültig seine Durchführung.“Gersdorff, S. 123 Bereits der Film Der 20. Juli von Falk Harnack fiktionalisiert diese Episode, indem er Hitler zu dem anonymisierten Kluge in Gegenwart Henning von Tresckows – er war Ia der Heeresgruppe – dieselben Worte sagen und nach dem gescheiterten Angriff Tresckow gegenüber „Kluge“ bilanzieren lässt: „Herr Feldmarschall, 18.000 Mann in 72 Stunden für die Hirngespinste eines wahnsinnig gewordenen Dilettanten!“
Einzelnachweise
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