mini|Richard Lugner (2019) rahmenlos|zentriert|class=notpageimage|Unterschrift Richard Lugner (Autogramm) österreichischer Geschäftsmann Richard „Mörtel“ Siegfried Lugner (* 11. Oktober 1932 in Wien; † 12. August 2024 ebenda) war ein österreichischer Bauunternehmer, Projektentwickler, Entertainer und Reality-TV-Darsteller. Lugner erlangte Bekanntheit in der Boulevardpresse durch sein Einkaufszentrum Lugner City in Rudolfsheim-Fünfhaus, seinen alljährlichen Besuch am Wiener Opernball, seine zahlreichen Liebesbeziehungen und Eheschließungen sowie als Kandidat für die Bundespräsidentenwahl und die Nationalratswahl. Er war Teil der sogenannten Seitenblickegesellschaft, wurde als „Society-Löwe“ und Wiener Original bezeichnet.

Leben mini|Richard Lugner (2011) Herkunft und beruflicher Werdegang Richard Lugners Eltern, der Rechtsanwalt Richard Lugner senior (* 29. November 1898 in Wien-Margareten) und Leopoldine Schenk (* 27. August 1905 in Wien-Leopoldstadt; † 30. März 1996 in WienLeopoldine Schenk. In: Genealogische Datenbank Adler abgerufen am 2. September 2025.) heirateten am 31. Mai 1931 im Wallfahrtsort Maria Schutz. Richard Lugners Großeltern mütterlicherseits stammen aus Mähren und Niederösterreich, väterlicherseits aus Böhmen und Wien. Am 1. April 1948 veröffentlichte die Wiener Zeitung eine Meldung, dass auf Ansuchen von Leopoldine Lugner ein Verfahren zur Todeserklärung kriegsvermisster Personen für ihren Ehemann eingeleitet worden sei. Richard Lugner sen. war seit März 1944 als Hauptmann der deutschen Wehrmacht im Anschluss an die Kämpfe bei Nowy Bug (Beresnegowatoje-Snigirjower Operation) in Kriegsgefangenschaft geraten und galt seitdem als verschollen. Laut Standesamt Wien-Innere Stadt und Mariahilf wurde das Todesdatum von Richard Lugner sen. mit 30. Juni 1944 festgesetzt. Der in Wien-Leopoldstadt aufgewachsene Richard Lugner jun. hatte einen jüngeren Bruder Roland (1934–2022), der bis zu seinem Ruhestand als Polier in dessen Bauunternehmen gearbeitet hatte.

Nach Absolvierung seiner allgemeinen Schulausbildung legte Richard Lugner 1953 an der Technisch-Gewerblichen Bundeslehranstalt, Fachrichtung Hochbau, in der Schellinggasse im 1. Wiener Gemeindebezirk seine Matura ab. Die ersten Jahre seiner Berufslaufbahn absolvierte der als schüchtern bezeichnete Lugner bei einer Wiener Baufirma und wechselte dann in die Bauabteilung des Mineralölunternehmens Mobil Oil Austria, die zum US-Konzern Mobil Oil gehörte. Am 26. April 1962 erhielt er die Baumeisterkonzession und stellte noch im selben Jahr zwei Arbeiter und zwei Angestellte in seinem eigenen Unternehmen ein. Zwei Jahre später wurde am 19. September 1964 die Theresianische Akademie, an der Lugner mit seinem Unternehmen mitgearbeitet hatte, vom damaligen Bundespräsidenten Adolf Schärf im Beisein von Außenminister Bruno Kreisky eröffnet.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Lugner bereits zwei Standbeine aufgebaut; so spezialisierte er sich auf die Renovierung von Altbauten und die Errichtung von Tankstellen und Service-Stationen. Während sich der Großteil der Konkurrenz in dieser Zeit um die zahlreichen Großaufträge der Wiederaufbauzeit und der Wirtschaftsexpansion bemühte, konnte sich Lugner mit seinem Unternehmen mit verhältnismäßig kleinen Aufträgen durchsetzen. Als die Revitalisierung die Neubauten auf der Grünen Wiese ablöste, konnte Lugner mit seinem Team zum Marktführer in diesem Bereich und zugleich zum größten gewerblichen Bauunternehmer in Wien avancieren. Für Aufsehen sorgten der Bau der Wiener Moschee und die Renovierung des Stadttempels der jüdischen Kultusgemeinde Wien.

Im Laufe der Jahre erhielt er zahlreiche Revitalisierungsaufträge diverser Banken und Sparkassen und war in den 1980er-Jahren auch an der Umgestaltung des Deutschmeister-Palais für den OPEC Fund (OFID) hauptbeteiligt. In dieser Zeit arbeitete er mit zahlreichen namhaften Architekten – darunter etwa Georg Lippert oder Wilhelm Holzbauer – zusammen. 1982 wurde eine steirische Filiale der Baufirma Lugner in Graz eröffnet. Diese kümmerte sich vorrangig um den österreichweiten Tankstellenausbau sowie um Innenstadtrevitalisierungsprojekte. In den auftragsschwachen Jahren weitete er seine Bautätigkeit auf Bürohäuser mit angeschlossenen Tiefgaragen aus, während sein Unternehmen in dieser Zeit auf rund 600 Mitarbeiter anwuchs. Im Jahr der Grazer Filialeröffnung wurde der Baufirma Lugner das Recht zur Führung des Staatswappens von Handelsminister Josef Staribacher verliehen.

Lugner City mini|Das Einkaufszentrum Lugner City (2009) alternativtext=Überblick der zentralen Halle in der Lugner City mit großem Portrait-Foto von Richard Lugner und Hashtag #gemmalugner4ever |mini|Richard Lugner verstarb am 12. August 2024, die Lugner City gedenkt seiner in der zentralen Halle. (2024) Im September 1990 eröffnete er mit Eröffnungsgast Dagmar Koller die Lugner City in Wien, das damals siebtgrößte Einkaufszentrum in Österreich.

Ab 1997 zog sich Lugner sukzessive aus dem operativen Baugeschäft zurück und übergab die Leitung des Bauunternehmens, das jedoch weiterhin zu 100 % in seinem Eigentum blieb, an seine Söhne. 2003 wurde die Lugner City mittels einer Sale-Lease-Back-Variante der Volksbanken-Immoconsult übereignet. Zehn Jahre später erfolgte zum vertraglich frühestmöglichen Zeitpunkt im Wege eines Share Deals der Rückkauf. Im September 2005 wurde die Lugner Kino City eröffnet, ein Multiplex-Kino, das in elf Sälen Platz für 1840 Besucher bietet.

Seit 2007 wird jedes Jahr bei einem Casting in der Lugner City eine „Opernball-Prinzessin“ von einer Jury gekürt.

Lugner versuchte gemeinsam mit seinem Hausanwalt Adrian Hollaender, für seine Lugner City die Begrenzungen der Ladenöffnungszeiten zu kippen. Dafür, und für die schlechten Arbeitsbedingungen, wurde Lugner vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) mehrfach kritisiert. Lugner hat sich stets gegen einen Betriebsrat gewehrt und ließ sogar einen Mitarbeiter des ÖGB von einem Sicherheits-Beamten aus der Lugner City entfernen.

Obwohl er selbst Nichtraucher war, wandte er sich gegen das Rauchverbot in Lokalen.

Nach dem Tod Lugners sind Gerald Friede und Jacqueline Lugner Geschäftsführer. Ein Arbeitsverhältnis mit Simone Lugner als Geschäftsführerin wurde zum 15. Oktober 2024 aufgelöst. Am 11. Oktober 2025 wurde in der Lugner City ein Gedenkstein in Erinnerung an Richard Lugner enthüllt, gestaltet vom bayerischen Label Rokstyle und entworfen vom deutschen Steinmetz Alexander Hanel. Ein Zylinder wurde dafür aus schwarzem Granit gefertigt.

Privatleben

Seinen Spitznamen „Mörtel“ erhielt er bereits als arrivierter Baumeister vom österreichischen Boulevardjournalisten Michael Jeannée.

Lugner war sechsmal verheiratet und führte zahlreiche Beziehungen. Mit drei Frauen hatte er insgesamt vier Kinder. Lugners Privatleben war regelmäßig Gegenstand medialer Berichterstattung. Mit einigen der Partnerinnen trat er auch in Reality-Shows auf. Bei der Partnerwahl ließ er sich häufig von der Astrologin Gerda Rogers beraten.

+Übersicht der bekannten Partnerinnen Partnerin Kosename Ehe Nr. Ehe- oder BeziehungsdauerBemerkungen Gemeinsame Kinder Christine Gmeiner 1 1961–1978 (Trennung)Mit seiner Jugendliebe Gmeiner (* 1939) blieb Lugner nach der Trennung beruflich verbunden. In: lookalive.at, 10. März 2015, abgerufen am 21. April 2017. Alexander (* 1963)Andreas (* 1966) Cornelia Laufersweiler 2 1979–1983 Sonja Jeannine 1983–1984 Nadine (* 1984),Elke Eschberger: Richard "Mörtel" Lugner und das Geheimnis seiner Prominenz – PDF-Datei, abgerufen am 15. Januar 2025, S. 78.später Nadin Jeannine Cutter Susanne Dietrich 3 1984–1989Dietrich (1956–1990) fiel infolge einer Schönheitsoperation ins Koma und starb. Christina Haidinger Mausi 4 1991–2007 Jacqueline (* 1993) Bettina Kofler Hasi 2008 Sonja Schönanger Käfer 2008–2009 Nina Bruckner Bambi 2009 Anastasia Sokol Katzi 2009–2013 Bahati Venus Kolibri 2013–2014 Cathy Schmitz Spatzi5 2014–2016⚭ 13. September 2014 im Wiener Schloss SchönbrunnAltersunterschied 57 JahreNach der Scheidung erhielt Schmitz von Lugner monatlich finanzielle Zuwendungen im Sinne eines Einkommens. In: kurier.at, 30. November 2016, abgerufen am 14. August 2024. In: news.at, 24. September 2014, abgerufen am 15. April 2020. „Andrea vom Badesee“ Goldfisch 2017 Karin Karrer Zebra 2017–2020 Moni Kulig Rehlein 2019 Daniela Ried-Kennedy Babyelefant 2021 Lydia Kelovitz Wildsau 2021 Irina Jovanka Schmetterling 2022 Elisabeth Schmidt Täubchen 2023 Simone Reiländer Bienchen6 2024⚬ 11. Oktober 2021 (Bekanntgabe der Beziehung: Juli 2021)⚭ 1. Juni 2024 im Wiener Rathaus Altersunterschied 49 Jahrestellvertretende Baumarkt-Filialleiterin

Krankheit und Tod Lugner machte jährlich über 30 Jahre lang die F.-X.-Mayr-Kur und unterzog sich Blutwäschen.Lugner in Putins geheimer Blutwäsche-Klinik, abgerufen am 19. September 2023 2016 wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert, den er aber durch eine mehrmonatige Strahlentherapie im Frühjahr 2017 für besiegt erklärte. Nachdem er sich 2020 bei einem Urlaub auf den Malediven verletzt hatte, folgte kurz danach durch den Schönheitschirurgen Artur Worseg die Diagnose Hautkrebs.Krebsdiagnose – Sorge um Baulöwe Richard Lugner, abgerufen am 19. September 2023So geht es Richard Lugner nach seiner Krebs-OP: "Ich stecke das weg", abgerufen am 19. September 2023 Danach wurde er operiert und für krebsfrei befunden. 2021 kehrte die Erkrankung zurück, was eine abermalige Operation erforderlich machte.Wieder Krebsdiagnose für Richard Lugner, abgerufen am 19. September 2023 Dem vorausgegangen war ein schwerer Sturz mit nachfolgender Operation und einem wochenlangen Krankenhausaufenthalt. mini|Begräbnis am Grinzinger Friedhof: Einsegnung (Verabschiedung) durch Anton Faber

Im Juli 2024 unterzog sich Lugner einer Herzoperation. Am 12. August 2024 starb Richard Lugner im Alter von 91 Jahren in seiner Villa in Wien-Döbling. Am 31. August 2024 fand am Vormittag im Wiener Stephansdom unter der Leitung von Dompfarrer Anton Faber eine Trauerfeier für Richard Lugner statt, bei welcher der Dritte Nationalratspräsident Norbert Hofer (FPÖ), der Präsident des Landtages von Niederösterreich, Karl Wilfing (ÖVP) und die Schauspielerin Edith Leyrer Reden hielten. Am Nachmittag wurde er auf dem Grinzinger Friedhof beigesetzt. Das Grab umfasst zwei Grabparzellen und befindet sich in der Gruppe EW ("An der westlichen Einfriedung") auf den Nummern 17 und 18.

Ende 2024 wurde „Lugner ist immörtal“ zum Spruch des Jahres gewählt.

Politische Ambitionen Im Jahr 1998 wurde Lugner bei der Bundespräsidentenwahl mit 9,91 Prozent der Stimmen vierter von fünf Kandidaten. Bei der Nationalratswahl 1999 erhielt er mit „Die Unabhängigen“ 1,02 Prozent der Stimmen.

Bei der Bundespräsidentenwahl 2016 erzielte er im ersten Wahlgang 2,26 Prozent. Lugner schloss danach, als ältester Kandidat der Zweiten Republik,Heuer ältester Kandidat und große Auswahl. In: Wiener Zeitung, abgerufen am 20. Juli 2016. eine weitere Kandidatur aus.Richard Lugner: Abgang zwischen Trotz und Tränen. In: News.at, abgerufen am 20. Juli 2016.

Kontroversen In einer öffentlichen Kontroverse Anfang Februar 2007 warfen Abtreibungsgegner Lugner vor, mit der Vermietung von Raum in der Lugner City an das sexualmedizinische Zentrum VenusMed auch mitverantwortlich für die dort durchgeführten Abtreibungen zu sein. Dies führte zu einem öffentlichen Konflikt mit Weihbischof Andreas Laun.„Kirchenherren sollen sich zurückhalten“. In: Der Standard. 6. Juni 2007, abgerufen am 21. April 2017.Debatte um Abtreibungen in Lugner-City: Schönborn will 'Mörtel' nicht exkommunizieren. In: News, abgerufen am 21. April 2017.

Lugner stellte 2002 Scientology für eine Woche ein Grundstück für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. 2011 wünschte er in einem E-Mail an den Präsidenten der L.-Ron-Hubbard-Stiftung der Organisation „auch für die Zukunft alles Gute“, was als Sympathisantentum interpretiert wurde.