Waleri Alexandrowitsch Gawrilin (, wiss. Transliteration ; * 17. August 1939 in Wologda, Oblast Wologda, Sowjetunion; † 28. Januar 1999 in Sankt Petersburg, Russland) war ein russisch-sowjetischer Komponist.

Leben Gawrilins Vater war Lehrer und kam als Freiwilliger bei der Belagerung Leningrads 1942 ums Leben, seine Mutter war Leiterin eines Kinderheims und wurde 1950 inhaftiert. Waleri Gawrilin kam daraufhin in ein Waisenhaus bei Wologda, wo er das Klavierspiel bei Tatjana Tomaschewskaja erlernte – erst nach dem Tod Stalins wurde seine Mutter rehabilitiert. Auf Empfehlung von Iwan Belosemzew konnte Gawrilin die Musikfachschule in Leningrad bei Sergei Wolfenson besuchen. Von 1958 bis 1963 studierte er dann am Leningrader Konservatorium Komposition bei Orest Jewlachow und 1963 bis 1964 Folkloristik bei Feodossi Antonowitsch Rubzow. Schon während des Studiums landete er als Komponist mit seinem Vokalzyklus Немецкая тетрадь (Deutsches Heft, 1962) nach Heinrich Heine einen ersten Erfolg.Lebenslauf auf: Mariinski-Theater (englisch)

Von 1965 bis 1974 lehrte Gawrilin selbst an der Musikfachschule des Konservatoriums und arbeitete 1969 auch als Redakteur des Fachmagazins Sowjetski kompozitor. Mit dem Liederzyklus Русская тетрадь (Russisches Heft, 1965) feierte er seinen Durchbruch als Komponist und erhielt dafür 1967 den Staatlichen Glinka-Preis.Biographie auf compozitor.spb (englisch) Sein Ballett Анюта (Anjuta, 1982) nach Anton Tschechow, komponiert für die prominenten Tänzer Jekaterina Maximowa und Wladimir Wassiljew, lief erfolgreich am Bolschoi-Theater und wurde verfilmt. Viel Aufmerksamkeit erregte auch Gawrilins Werk Перезвоны (Glockenläuten 1978–1982), eine „rituelle Sinfonie“ oder „Chor-Sinfonie-Aktion“, die mit archaischen Rhythmen und Ostinati Popularität erreichte.

Nach seinem Tod 1999 wurde im Jahr 2000 der Asteroid 7369 Gavrilin nach ihm benannt.Asteroid 7369 Gavrilin Ebenso tragen Festivals in WologdaValery Gavrilin in Vologda FestivalThe Gavrilin International Music Festival und Sankt PetersburgGavrilin Russian Music Festival seinen Namen, nach ihm benannt sind auch ein Musikwettbewerb und die Philharmonie Wologda.Gawrilin-Philharmonie Wologda

Stil Gawrilin komponierte Opern, Ballette, Orchesterwerke, Kantaten, Kammermusik, Chor- und Vokalwerke sowie Theater- und Filmmusik. Stilistisch blieb er gemäßigt modern und tonal orientiert, sein Credo war es, zugängliche und verständliche Musik zu schreiben. Dabei vermischte er ernste und leichte Genres, Ironie und Groteske, Humor und Tragik. Vor allem mit seinen Gesangszyklen war er im Gefolge von Georgi Swiridow einer der prägenden Vertreter eines melodischen, neoromantischen Stils, der seit den 1960er Jahren in der Sowjetunion unter den Bezeichnungen „Neuer Folklorismus“, „neue Folklore-Welle“Biographie auf cultinfo (englisch) oder „third stream“Nicht zu verwechseln mit dem Third Stream von Gunther Schuller, vgl. bekannt wurde. Diese „neue Folklore-Welle“ galt in der Tauwetter-Periode als musikalisches Pendant zur literarischen „Dorfprosa“ – ihr gehörten Autoren wie Wassili Below an, der ebenfalls aus der Region Wologda stammte, aber auch Wassili Schukschin und Wiktor Astafjew, Schriftsteller, auf deren Texte sich Gawrilin als Komponist ausdrücklich bezog.

Auszeichnungen 1967: Staatlicher Glinka-Preis der RSFSR für Русская тетрадь (Russisches Heft) 1979: Verdienter Kunstschaffender der RSFSR 1980: Lenin-Komsomol-Preis 1985: Volkskünstler der RSFSR 1985: Staatspreis der UdSSR für Перезвоны (Glockenläuten)

Literatur

Weblinks Biographie auf cultinfo (englisch) , Internet Edition compiled by Onno van Rijen 2006 (englisch) Werkauswahl auf kino-teatr (russisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Komponist klassischer Musik (20. Jahrhundert) Kategorie:Komponist (Russland) Kategorie:Filmkomponist Kategorie:Absolvent des Sankt Petersburger Konservatoriums Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Russe Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Gestorben 1999 Kategorie:Mann