Das zweitürige Coupé Alfa Romeo Giulia GT, das in der Öffentlichkeit vielfach als Alfa Bertone bekannt ist, ergänzte von 1963 bis 1975 die viertürige Limousine Alfa Romeo Giulia und gehört wie sie zur Baureihe Tipo 105. Der mit einer eigenständigen, von Bertone entworfenen Karosserie versehene GT war im Laufe der Jahre mit Motoren von 1,3 bis 2,0 Liter Hubraum erhältlich. Zur Differenzierung setzte Alfa Romeo scheinbar wahllos Zusatzbezeichnungen wie Sprint, Junior, Veloce oder GTV ein. Zu den GTs kamen die besonders sportlichen GTA-Versionen sowie das sehr seltene Cabriolet GTC hinzu. Der Alfa Bertone gilt als Stilikone, die den Mythos der Marke Alfa Romeo mitgeprägt hat. Alle Modelle der GT-Reihe sind mittlerweile begehrte Klassiker.Stephen Bayley: Cars: Freedom, Style, Sex, Power, Motion, Colour, Everything. Hachette UK, 2012, ISBN 978-1-84091-606-5. Nicht zu dieser Baureihe gehört das Giulietta-Derivat Giulia Sprint (ohne Namenszusatz GT), das auf dem Vorgänger-Coupé der Baureihe Tipo 101 basiert und dessen Karosserie hat.
Der Giulia GT im Überblick Entstehungsgeschichte mini|Vorgänger der GT-Reihe: Giulietta Sprint mit Scaglione-Karosserie (Tipo 101), ab 1963 als Giulia Sprint (ohne Zusatz „GT“) bezeichnet
Mit dem 1954 vorgestellten Giulietta (Tipo 750, ab 1959: Tipo 101) festigte das Mailänder Unternehmen Alfa Romeo seine Position in der Großserienherstellung, der es sich erst zu Beginn der 1950er-Jahre zugewandt hatte. Neben der viertürigen Giulietta Berlina gab es eine Reihe von Sonderversionen, darunter das von Franco Scaglione für Bertone gestaltete Coupé Giulietta Sprint.Roger Gloor: Alle Autos der 50er-Jahre. Motorbuch Verlag, 2007, ISBN 978-3-613-02808-1, S. 51.
1962 wurde der viertürige Giulietta durch die modernere Limousine Giulia (Tipo 105) ersetzt. Ein Coupé auf der Giulia-Bodengruppe erschien nicht zeitgleich. Stattdessen blieb zunächst das bisherige Coupé der Tipo-101-Reihe im Programm. Es erhielt den 1,6-Liter-TI-Motor der Giulia, blieb äußerlich aber unverändert. Dieses Übergangsmodell mit Giulietta-Karosserie und Giulia-Motor wurde ab 1962 als Giulia Sprint (ohne den Namenszusatz GT) vermarktet und blieb in dieser Form bis 1963 im Programm.Johnny Tipler: Alfa Romeo Giulia Coupé GT & GTA. Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-78711-226-1, S. 23.
Das zweitürige Coupé auf der Giulia-Plattform debütierte dann im September 1963 auf der Frankfurter IAA. Das als Giulia Sprint GT bezeichnete Auto erhielt eine eigenständige Bertone-Karosserie. Mit seiner Einführung stellte Alfa Romeo die Produktion des (alten) Giulia Sprint mit dem 1,6-Liter-Motor ein.In 12 Monaten wurden 7083 Exemplare des Giulia Sprint 1,6 mit der Scaglione-Karosserie produziert. Der Bertone-GT war in den ersten drei Jahren nur mit dem 1,6-Liter-TI-Motor erhältlich. Die Abrundung nach unten übernahm der Giulia Sprint mit der alten Scaglione-Karosserie und dem bekannten 1,3-Liter-Motor, der nach einjähriger Pause wieder ins Programm aufgenommen wurde, sodass das alte und das neue Coupé vorübergehend parallel produziert wurden. Als 1966 auch die letzte Variante des alten Coupés eingestellt wurde, übertrug Alfa Romeo dessen 1,3-Liter-Motor auf den Bertone-GT. Das Giulia GT 1300 Junior genannte Auto war nun das neue Einsteigermodell. Schrittweise schob Alfa Romeo in den nächsten Jahren weitere Motorisierungen nach, die die Reihe nach oben (1,75 und 2,0 Liter) erweiterten, sodass aus dem Giulia GT im Laufe der Jahre eine eigene Modellfamilie wurde. Mit den beiden großen Motoren hob sich der GT von der Giulia Berlina ab, denn sie waren in der viertürigen Giulia nicht erhältlich; sie waren den beiden größeren Limousinen 1750 Berlina bzw. (ab 1971) 2000 Berlina vorbehalten. Kurzzeitig gab es mit dem GTC auch eine offene Version des Bertone-Entwurfs, sie konnte sich allerdings nicht etablieren. Ihre Rolle übernahm ab 1966 der wiederum eigenständige Alfa Romeo Spider mit Pininfarina-Karosserie. Eine Sonderstellung haben die GTA-Modelle, die unter der Leitung von Carlo Chiti von Autodelta aufgebaut wurden. Sie haben eine deutlich leichtere Karosserie und im Fall des 1300 GTA auch einen eigenständigen Motor. Nachfolger des Giulia GTV war der ebenfalls von Giugiaro gestaltete Alfetta GTV mit keilförmiger Karosserie, der 1974 debütierte und drei Jahre lang parallel zum Giulia GT produziert wurde.
Einige Hersteller kopierten das Konzept des Giulia GT in den 1960er-Jahren. Die Modelle Invader und Genie des walisischen Herstellers Gilbern orientierten sich auch stilistisch am Bertone-GT.A.R.M.: Road Impressions: Gilbern Invader. Motorsport Magazine, Heft 12/1971, S. 38.
Bedeutung für die Marke Alfa Romeo Der Giulia GT war ein wichtiges Auto für Alfa Romeo. Er bot ein außerordentlich attraktives Design und sportliche Fahrleistungen zu einem vergleichsweise niedrigen Preis und prägte damit den Mythos der Marke wesentlich mit. Wegen seines Designs gilt der Wagen als Stilikone. Viele rückblickende Berichte zum Giulia GT spielen mit dem Bild vom bezahlbaren Traumwagen für junge Männer.Eckhard Eybl: Bella Donner. In: Bernd Wieland (Hrsg.): Italienische Sportwagenklassiker. Motorbuch Verlag, 2001, ISBN 3-613-02162-5.Dieter Günther: Dauersprinter. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT und seine Nachfolger. In: Oldtimer Markt. Heft 5/1989, S. 12.
Nomenklatur mini|Ohne Giulia im Namenszug: Alfa Romeo 2000 GT Veloce
Mit dem Namen Giulia (deutsch: Julia), der auf den beim Vorgängermodell Tipo 101 verwendeten Namen Giulietta (deutsch etwa: Julchen) folgt, wollte Alfa Romeo zum Ausdruck bringen, dass die neue Tipo-105-Reihe im Vergleich zum Tipo 101 gleichsam erwachsen, das heißt weiterentwickelt oder perfektioniert war.Johnny Tipler: Alfa Romeo Giulia Coupé GT & GTA, Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-78711-226-1, S. 25.
Innerhalb der Tipo-105-Coupés ist die Nomenklatur „verwirrend“ und folgt keiner einheitlichen Struktur.Frank Oleski, Hartmut Lehbrink: Seriensportwagen. Könemann, Köln 1993, ISBN 3-89508-000-4, S. 232. Die zuerst vorgestellte Version mit 1,6 Liter Hubraum (1963–1966) wie auch die kleinere 1,3-Liter-Version wurden als Giulia GT bezeichnet. Bei der 1,6-Liter-Version gab es anfänglich keinen ergänzenden Hinweis auf den Hubraum; ihr wurde stattdessen die Zusatzbezeichnung Sprint hinzugefügt, die später bei keiner anderen Ausführung der Tipo-105-Coupés mehr verwendet wurde. Bei der 1,3-Liter-Version des Giulia GT führte Alfa Romeo als Ergänzung vierstellige Zahlen ein, die den (gerundeten) Hubraum wiedergaben; in diesem Fall „1300“. Dieses System wurde bei allen weiteren Varianten der GT-Coupés (1600, 1750 und 2000) beibehalten, wobei speziell im Fall des 1750 der Zahlencode ungenau war. Die 1,3-Liter-Version des Giulia GT trug zusätzlich noch die Bezeichnung Junior, die Alfa Romeo bei der dritten 1,6-Liter-Variante (1972–1975) wieder aufgriff. Die zweite 1,6-Liter-Variante (1966–1968) hingegen erhielt den Zusatz Veloce (italienisch für schnell), die später auch die 1750- und 2000-Modelle übernahmen. Die bis 1967 produzierten Modelle schließlich wurden formal als Giulia geführt; ab 1968 entfiel für die Coupés der Name Giulia, sodass die einzelnen Varianten von nun an nur noch durch verschiedene Kombinationen aus Zahlenblöcken und Zusatzbegriffen bezeichnet wurden.
Ungeachtet dieser unübersichtlichen Bezeichnungen ist das Auto in der Öffentlichkeit vielfach nur als Alfa Bertone bekannt.Dieter Günther: Dauersprinter. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT und seine Nachfolger. In: Oldtimer Markt. Heft 5/1989, S. 11.John Tipler: Alfa Romeo Giulia Sprint GT - Der Bertone. Heel Verlag, 2014, ISBN 978-3-86852-940-1. Im deutschen Sprachraum ist es außerdem nicht unüblich, dieses Modell mit dem weiblichen Artikel als die Giulia zu bezeichnen.
Karosserie und Technik mini|Designdetail der „Kantenhauber“: Stufe zwischen Frontverkleidung und Motorhaube
Karosserie Die Karosserie des Giulia GT entstand im Turiner Studio von Bertone; verantwortlich war dessen Designchef Giorgetto Giugiaro.Giles Chapman: The Classic Car Book: The Definitive Visual History. Dorling Kindersley Ltd, 2016, ISBN 978-0-241-28747-7, S. 264. Das Design wird durchgängig als gelungen angesehen. Die Linienführung des GT wird als zeitlos und harmonisch beschrieben; die Proportionen sind ausgewogen. Die Fahrzeugsäulen sind sehr dünn; sie ermöglichen eine gute Rundumsicht und lassen das Passagierabteil leicht wirken.Dieter Günther: Dauersprinter. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT und seine Nachfolger. In: Oldtimer Markt. Heft 5/1989, S. 7. Ein besonderes Designmerkmal der frühen GT-Modelle ist der waagerecht verlaufende Spalt zwischen der Frontverkleidung und der Motorhaube, der wie eine Kante wirkt. Im Hinblick darauf werden die GTs der ersten Jahre auch „Kantenhaube“ genannt.Dieter Günther: Dauersprinter. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT und seine Nachfolger. In: Oldtimer Markt. Heft 5/1989, S. 14. Der 1968 eingeführte 1750 GT Veloce hat als erster GT eine überarbeitete Frontgestaltung, bei der die Kante entfällt; zugleich sind die Blinker aus den Kotflügelkanten in die Wagenfront unter die Kühlerverkleidung verlegt. Mit Ausnahme des GTA erhielten bis 1972 auch alle anderen GT-Modelle die glatte Frontpartie. Die stärksten Modelle (1750 GTV und 2000 GTV) haben Doppelscheinwerfer, die schwächeren nur Einzelscheinwerfer. Der Luftwiderstandsbeiwert des Giulia GT beträgt 0,37.John Tipler: Alfa Romeo Giulia Sprint GT - Der Bertone. Heel Verlag, 2014, ISBN 978-3-86852-940-1, S. 26. Der senkrechte Heckabschluss erinnert einige Beobachter an das Kammheck des Giulietta SZ Coda Tronca von Zagato.
Die Karosserie besteht aus gepresstem Stahlblech. Anders als bei früheren Modellen stellte Alfa Romeo die Karosserien selbst her. Sie entstanden in dem neu errichteten Werk im Mailänder Vorort Arese.Johnny Tipler: Alfa Romeo Giulia Coupé GT & GTA. Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-78711-226-1, S. 19. Die mechanischen Komponenten baute Alfa Romeo dagegen weiterhin im alten Werk im Stadtteil Portello.Georg Amtmann, Halwart Schrader: Italienische Sportwagen. (Von Abarth und Alfa Romeo bis Vignale und Zagato. Marken, Geschichte, Technik, Daten). Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-01988-4, S. 45. Die Karosserien gelten als außergewöhnlich rostanfällig.
Zahlreiche Anbauteile fanden sich auch bei den Modellen unterschiedlicher Kleinserienhersteller wieder. Die Heckleuchten etwa wurden auch am Iso Grifo und am Lotus Elan eingebaut, die Türgriffe an einigen bei Saturn in Italien aufgebauten Fahrzeugen von Stutz Motor Car of America, unter anderem dem Blackhawk III und dem IV Porte.
Fahrwerk Der Giulia GT hat die verkürzte Bodengruppe der Giulia Berlina. Mit 2350 mm ist sein Radstand 160 mm kürzer als der der Limousine. Die vorderen Räder sind einzeln an doppelten Querlenkern aufgehängt, hinten ist es eine Starrachse an Längslenkern und einem Reaktionsdreieck. Vorn und hinten haben die Giulia GT Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfer. Von Beginn an wurde vorn außerdem ein Querstabilisator eingebaut, ab 1968 auch hinten.Dieter Günther: Dauersprinter. Der Alfa Romeo Giulia Sprint GT und seine Nachfolger. In: Oldtimer Markt. Heft 5/1989, S. 10. Dadurch reduzierte sich die Neigung des Autos zum Untersteuern; sein Fahrverhalten wurde nun als neutral beschrieben.Frank Oleski, Hartmut Lehbrink: Seriensportwagen. Könemann, Köln 1993, ISBN 3-89508-000-4, S. 236. Die Verzögerung übernehmen vier servounterstützte Scheibenbremsen.Johnny Tipler: Alfa Romeo Giulia Coupé GT & GTA. Veloce Publishing, 2013, ISBN 978-1-78711-226-1, S: 27.
Motor und Kraftübertragung mini|Doppelnockenwellenmotor (Bialbero) im 1750 GTV