300px|mini|Matchbox-Modelle aus verschiedenen Epochen, mittig die Krönungskutsche und Modell Nr. 1, der Road Roller (in grün)

Der Name Matchbox ist eine Markenbezeichnung für Spielzeugautos, die ab 1953 von Lesney Products & Co. Ltd. in London produziert und vermarktet wurden. Seit 1997 gehört das Unternehmen zum US-amerikanischen Spielwarenkonzern Mattel, der unter anderem durch die Barbie-Puppe bekannt ist.

Der Name leitet sich vom englischen Wort für Streichholzschachtel (matchbox) ab, da die Pappboxen der historischen Fahrzeugmodelle in Größe und Aussehen stark an eine solche erinnern. Aufgrund der langen Tradition der Marke werden Spielzeugautos anderer Hersteller im gleichen Maßstab oft verallgemeinernd ebenfalls Matchbox-Autos genannt (Gattungsname).

Geschichte Gründungsjahre und Einstieg in die Spielzeugproduktion

mini|Die kleine Krönungskutsche

Nach der Gründung von Lesney Products 1947 und der Produktion von einigen großformatigen Blechspielzeugen begann man ab dem Weihnachtsgeschäft 1952/53 mit der Produktion von Spielzeugen im Matchbox-Format. Mit einem Miniaturmodell der Krönungskutsche von Königin Elisabeth II. konnte dabei mit etwa einer Million verkauften Exemplaren ein für die damalige Zeit großer Erfolg erzielt werden.

mini|Das erste „echte“ Matchbox-Modell, der Road Roller von 1953 1953 verließ darauf das erste „echte“ Matchbox-Auto die Lesney-Produktionsstätten: Weil nur Spielzeuge, die kleiner als eine Streichholzschachtel waren, in britische Schulen mitgebracht werden durften, entwickelte Jack Odell als inzwischen leitender Angestellter der Entwicklungsabteilung bei Lesney für seine Tochter Anne eine kleine grüne Dampfwalze, den Aveling Road Roller. Der Name Matchbox war geprägt und der Grundstein für die erfolgreiche Regular-Wheels-Reihe gelegt, die bis 1969 fortgeführt werden sollte.

Bereits 1953 erschienen mit einem Feuerwehrauto, einem Kipplaster, einem kleinen Standzementmischer und einem Massey-Harris-Traktor die nächsten vier Modelle der neuen Spielzeugreihe. Alle vier waren dabei verkleinerte Modelle von Fahrzeugen, die bereits in großem Maßstab als Early Lesney Toys vermarktet wurden. Zu diesen frühen Nutzfahrzeugen kamen im späteren Verlauf der 1950er-Jahre jährlich neue Modelle, darunter auch die ersten Pkw-Modelle, auf den Markt. So erschienen neben britischen Klassikern (Aston Martin, Vauxhall Cresta oder auch Jaguar D-Type) zusätzlich Volkswagen-Modelle (VW Käfer, VW-T1-Kastenwagen) oder ein Citroën DS 19. Diese frühen unverglasten Modelle sind ebenso wie die Early Lesney Toys nur noch selten im guten Zustand zu finden und erzielen hohe Sammlerpreise. Eine vorhandene Originalverpackung erhöht den Wert wie bei allen Fahrzeugmodellen dabei deutlich, weiteres dazu im Abschnitt Sammlerwerte.

Aufgrund von Einwänden der Spielwarenhändler gegen die Flut an Neuerscheinungen in den ersten Jahren wurde 1960Information im Matchbox-Katalog von 1966 entschieden, die Anzahl der Fahrzeuge über die Jahre bei den bis dato 75 erschienenen Modellen zu belassen. Ab 1959 wurde in jedem Jahr eines der alten Modelle durch ein neues ersetzt, das die gleiche Nummer erhielt und als B-, C- oder sogar D-Variante gelistet wurde. Das neue Modell konnte entweder eine neuartige Variante des Vorgängermodells (wie bei den Road Rollern RW 1A bis RW 1D der Fall) oder ein völlig anderes Modell sein. Fortan wurde die Regular-Wheels-Reihe auch unter dem Namen 1-75 bekannt.

Im Jahr 1956 erschienen zudem die Models of Yesteryears zum ersten Mal. Die frühen Modelle dieser Reihe waren größtenteils Pferdekutschen und Fahrzeuge aus den Anfangsjahren der Motorisierung. Später wurden die Modelle auf Fahrzeuge aus den Jahren von etwa 1910 bis 1930 umgestellt und bis in die 1990er-Jahre fortgeführt. Heute erscheinen nur noch zu besonderen Anlässen neue MOYs, die vor allem für Sammler dieser Reihe attraktiv sind.

Erstmals auf den Markt gebracht wurden im Jahr 1956 beziehungsweise 1957 zusätzlich die Modelle der sogenannten Accessory Packs und der Major Packs. Während die Accessory Packs aus Zubehör für die kleinen Fahrzeuge bestanden (zum Beispiel Tankstellen, ein kleiner Laden aus Metall oder Zapfsäulen für die Tankstellen), waren die Major Packs eine eigene neue Palette an Fahrzeugmodellen. Vor allem LKW oder auch ein großer BP-Renntransporter für zwei Regular-Wheels-Rennwagen gehörten zur Serie, welche die 1960 folgende King-Size-Reihe einläuten sollte.

Diese King-Size-Reihe folgte dem Prinzip der Major Packs und hatte vor allem große Modelle im Angebot: Neben Nutzfahrzeug-Klassikern (Foden-Betonmischer, Claas-Mähdrescher oder auch einem Tieflader) waren auch einige Personenwagen im ungefähren Maßstab 1:43 Bestandteil der King-Size-Serie. Das erste Modell war der Mercury Cougar (K-21), dem im Laufe des Jahres 1969 ein Dodge Charger (K-22), ein Mercury-Polizeiwagen (K-23) und ein Lamborghini Miura (K-24) folgten.Matchbox Sammler-Katalog, Deutsche Ausgabe 1969. Später wurde auch ein Mercedes-Benz-Krankenwagen mit Binz-Sonderaufbau und herausnehmbarer Krankentrage angeboten.

Im weiteren Verlauf der 1960er-Jahre stiegen die Unternehmenskapazitäten bei Lesney aufgrund des anhaltenden Erfolges weiter an. In einem 1962 in der New York Times veröffentlichten Interview mit Jack Odell berichtete dieser, dass Matchbox pro Woche eine Million Spielzeugautomobile auf den Markt bringe. Spätestens mit der Fertigstellung der Lesney Factory in Hackney im Jahr 1963 war es nun möglich, erstens deutlich größere Mengen an Modellen zu produzieren und zweitens diese auch logistisch in alle Welt zu verteilen. Mit unternehmenseigenen LKW wurden die mit Modellen gefüllten Container zu Schiff und Bahn geschafft.

Auch die Zahl der Mitarbeiter, die Produktionsmenge und die Anzahl der weiteren Werke erhöhte sich nach dem Bau der neuen Fabrik deutlich. Während im 1966er-Sammelkatalog noch von weltweit 3500 Mitarbeitern und zwei Millionen Modellen pro WocheInformation im Matchbox-Katalog von 1966, S. 14 und 17 die Rede ist, sind Ende der 1960er-Jahre bereits 6000 Angestellte in 13 Fabriken tätig. In einem internen Designbüro mit rund 160 Werkzeugmachern im Jahr 1963 wurden die neuen Regular-Wheels-Modelle nach vorangegangener Fotorecherche durch Experten modelliert und nach der Zustimmung von Leslie Smith an die Fertigung gegeben. Dort waren sämtliche Maschinen vom Unternehmen selbst entwickelt worden und produzierten deshalb Modelle, die genau den Vorgaben und Vorstellungen von Leslie Smith und Jack Odell entsprachen.

Genau diese Modelle waren es, die mit dem technologischen Fortschritt der 1960er-Jahre immer besser und detaillierter wurden: Anfang der 1960er-Jahre hielten die Verglasungen und die Inneneinrichtungen Einzug und in den kommenden Jahren wurde immer mehr Wert auf möglichst hohen Spielwert gelegt. Zu öffnende Türen, klappbare Kranauslieger oder auch eine lenkbare Vorderachse bei Modellen der späten 1960er-Jahre (bei Matchbox autosteer genannt, erstmals 1967 in einem Modell verbaut und 1968 verbessert und patentiert) zählten dabei zu den Innovationen dieser Zeit. Einige Modelle, meist Nutzfahrzeuge, erhielten außerdem kleine Zubehörteile wie Kühe, Pferde oder Gerüst-Teile. Das erste Modell mit Zubehörteilen war der 1963 auf den Markt gebrachte Studebaker Wagonaire mit einem Jäger und zwei Hunden.

Erste Krise und Superfast-Ära (ab 1968) Die neu auf den Markt gebrachten Hot-Wheels-Modelle von Mattel, die mit ihren dünnen Leichtlaufrädern deutlich schneller waren als die herkömmlichen Regular Wheels, machten ab 1968/1969 ein Umdenken bei Matchbox erforderlich. Mit dem Regular-Wheels-Modell 75B Ferrari Berlinetta endete in diesem Jahr deshalb die Regular-Wheels-Ära. Als Antwort auf die Hot-Wheels-Autos brachte Matchbox ab 1969 die ersten Superfast-Modelle auf den Markt, die den Modellen aus dem Mattel-Konzern dank ebenfalls sehr dünnen Rädern und dem schnellen Freilauf (daher der Name Superfast) Paroli bieten konnten.

Viele alte Regular-Wheels-Modelle wurden daraufhin auf die neuen Superfast-Räder umgerüstet und sind heute als Übergangsmodelle (oder auch Transitionals) bekannt. Einige alte Fahrzeuge wurden dabei 1:1 übernommen und einfach in anderen 1970er-Jahre-typischen Farben lackiert, wiederum andere Fahrzeuge wurden jedoch komplett neu entwickelt. So gelangte unter anderem der BMC-Prototyp 1800 Pininfarina, der die Form des Citroën CX vorwegnimmt, zu größerem Ruhm, als er als eines der ersten neuen Superfast-Modelle die Modellreihe einläutete.

Im weiteren Verlauf der 1970er-Jahre wurden immer ausgefallenere, dem Zeitgeist entsprechende Modelle in die Superfast-Reihe aufgenommen. Auch hierbei blieb sich Matchbox dem Prinzip der Regular-Wheels-Reihe treu, höchstens 75 Modelle gleichzeitig anzubieten. Neben einigen Realmodellen wie dem VW Golf I oder dem Ford Cortina gehörten dabei auch viele Fantasiemodelle mit großen Motoren oder überdimensionierten Rädern zum Programm. Damit gelang Matchbox die richtige Antwort auf die vielen ausgefallenen Fahrzeuge von Hot Wheels, die ebenfalls oftmals durch zahlreiche auffällige Details gekennzeichnet waren. Wie Konkurrent Hot Wheels bediente sich Matchbox bei der Namensgebung der Fahrzeuge dabei oft mit leicht eingängigen Wortspielen, die meist eine Referenz auf die Eigenschaften des jeweiligen Fahrzeuges waren. So existiert mit dem Gruesome Twosome ein flacher Sportwagen mit jeweils einem Motor vorn und hinten, der Name bedeutet in diesem Fall Die grausamen Zwei.

Alle Fahrzeuge behielten jedoch stets ihre englischsprachigen Bezeichnungen und wurden meist nur auf den länderspezifischen Boxen mit einem jeweils in Landessprache übersetzten Namen betitelt. Während beispielsweise die Nummer 43e Steam Locomotive auch im deutschsprachigen Raum diesen Namen auf der Bodenplatte trägt, ist sie für den deutschen Spielzeugmarkt auf der Verpackung mit Dampflokomotive bezeichnet.

Zu den weiteren Serien der Superfast-Ära gehören unter anderem die Speedkings und die Superkings (im Grunde Superfast-Modelle im Großmaßstab und die Nachfolgereihen der King-Size-Reihe), die BattleKings (Militärmodelle im größeren Maßstab), die Skybusters (Flugzeugmodelle ab 1973) oder die SeaKings (Schiffsmodelle ab 1973). Eine Besonderheit stellen die sogenannten Rolamatics, bei denen herkömmlichen Superfast-Modellen über eine Achse angetriebene bewegliche Teile hinzugefügt wurden. So „verwandelt“ sich der zivile Kennel Truck mit vier Jagdhunden im Heck unter dem Namen Wild Life Truck in einen gelben Safari-Pickup mit einem beweglichen Löwen auf der Ladefläche.

Superfast-Rennbahn Passend zu den Superfast-Modellen brachte Lesney ab etwa 1969 eine Rennbahn heraus. Diese bestand aus gelben Fahrbahn-Schienen, blauen Kurven sowie zahlreichen, meist roten Zusatzelementen. Anfänglich trugen diese Elemente die Bezeichnung SF (für Superfast). Dies wurde aber ab 1971 in TA (für Track Accessory) geändert, um eine Verwechslung mit den Superfast-Automodellen zu vermeiden. Eine Erweiterung zur elektrischen Rennbahn stellte das Scorpions-System dar, bei dem die Fahrzeuge batteriebetrieben auf der Superfast-Rennbahn fahren konnten.

Matchbox Powertrack Als Ergänzung zu den analogen Superfast-Bahnen kam im Jahr 1977 zuerst in den Vereinigten Staaten das elektrisch betriebene Slotcar-Bahnsystem Matchbox Powertrack, anfangs noch unter dem Namen Speedtrack, auf den Markt. Das System dieser Bahnen ähnelte dabei stark dem der Konkurrenzprodukte von Faller oder Carrera und war Matchbox’ Versuch, auch in diesem Segment eine größere Marktposition einzunehmen.

Im Jahr 1978 folgte mit den Sets PT 1000, PT 2000, PT 3000 und PT 4000 die Einführung der Bahnen in Europa, bereits ein Jahr später kam die PT 6000 genannte Verfolgungsjagd-Bahn auf den Markt, mit der der Durchbruch auf diesem Gebiet gelang.