mini|Eingang der Zoologie des Museums der Natur Hamburg Das Museum der Natur Hamburg, ehemals Centrum für Naturkunde (CeNak), umfasst die zoologischen, mineralogischen und geologisch-paläontologischen Sammlungen der Universität Hamburg. Seit der Zusammenführung mit dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn am 1. Juli 2021 ist es Teil der Leibniz-Gemeinschaft und gehört zum Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB). Kernaufgabe des LIB ist es, standortübergreifend den globalen Biodiversitätswandel zu erforschen und die Erkenntnisse aufklärend in die breite Gesellschaft zu tragen.

Die wissenschaftlichen Sammlungen gehen auf das 1943 im Zweiten Weltkrieg zerstörte Naturhistorische Museum zurück und umfassen zusammen über zehn Millionen naturkundliche Objekte.Matthias Glaubrecht: HAMBURG: The Centrum für Naturkunde on Its Way Toward Reestablishing a Natural History Museum in Hamburg. Erschienen in: Lothar A. Beck (Hrsg.): Zoological Collections of Germany – The Animal Kingdom in its Amazing Plenty at Museums and Universities, Springer Verlag, 2018, S. 435. Sie liefern eine wichtige Grundlage für die am LIB betriebene national und international vernetzte Evolutions- und Biodiversitätsforschung.

Generaldirektor des LIB ist seit 2021 Bernhard Misof, der somit auch die Leitung des Museum der Natur Hamburg innehat. Für die Sammlungen und Forschungslabore ist geplant, in den kommenden Jahren in der Hamburger HafenCity einen Neubau zu schaffen, der mit Ausstellungen einen Dialog für die Naturwissenschaften in der Hansestadt ermöglichen soll.

Geschichte Das Museum der Natur Hamburg, insbesondere die Zoologie, geht auf eine Anzahl an naturkundlichen Sammlungen aus dem frühen 19. Jahrhundert zurück, die von Hamburger Kauf- und Seeleuten zusammengetragen wurden. Dadurch unterscheidet sich das Hamburger von vielen anderen naturhistorischen Museen, die von regierenden Fürsten- und Königshäusern begründet wurden.Matthias Glaubrecht: HAMBURG: The Centrum für Naturkunde on Its Way Toward Reestablishing a Natural History Museum in Hamburg. Erschienen in: Lothar A. Beck (Hrsg.): Zoological Collections of Germany – The Animal Kingdom in its Amazing Plenty at Museums and Universities, Springer Verlag, 2018, S. 436 Im Jahr 1843 gründete Hamburg mit den Sammlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins„In der Verfassung des naturhistorischen Museums und seine Konsolidierung mit den Sammlungen des naturhistorischen Vereins“, die der erbgesessenen Bürgerschaft am 11. Mai 1843 vorgelegt wurde, ist von einem „naturhistorischen Verein“ die Rede. Der richtige Name muss „Naturwissenschaftlicher Verein in Hamburg“ lauten. das Naturhistorische Museum. Ergänzend kamen Teile des Museum für Gegenstände der Natur und Kunst von Peter Friedrich Röding, das bis 1846 bestanden hatte, und des Museum GodeffroyVerkäufer der Teile des Museum Godeffroy war nicht Cesar Godeffroy, sondern Wilhelm Godeffroy, der letzter Eigentümer gewesen ist. 1885 durch Ankauf hinzu.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 36 ff.

Naturhistorisches Museum Hamburg

mini|Naturhistorisches Museum am Steintorwall im Jahr 1891 Am Steintorwall bekam die Sammlung 1891 ein neues Gebäude. Eigens für das Naturhistorische Museum wurde ein imposanter Hallenbau als eine „Kathedrale der Wissenschaft“Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 62 errichtet.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 54 Das Museum mit seinen 7.100 m² AusstellungsflächeSusanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 60 war zeitweise mit bis zu 165.000 Besuchern im Jahr 1893 das besucherstärkste Deutschlands.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 83 Das Museum wurde auch aktiv für Forschungszwecke genutzt.

Im Zweiten Weltkrieg konnten Teile der Sammlung im Juli 1943 evakuiert werden. Zuerst wurde die Alkoholsammlung aufgrund ihrer Brandgefahr in einem nahegelegenen und nicht genutzten U-Bahnhof (Lindenstraße) ausgelagert, während Trockenpräparate, insbesondere der entomologischen Sammlung, und Teile der Bibliothek im Keller des Museums untergebracht wurden.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 227 Darunter befand sich auch der Narwalschädel mit zwei Stoßzähnen, der das Wahrzeichen des CeNak wurde. Kurz nach der Evakuierung, am 30. Juli 1943, brannte das Museum bis auf die Außenmauern nieder und mit ihm auch die Exponate der Ausstellung.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 227–229 Nur die ausgelagerten Alkoholpräparate und die Insektensammlung sowie einige weitere gelagerte Stücke blieben erhalten.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 231

Die Sammlungen im 20. Jahrhundert

Nach 25 Jahren hatten die Sammlungen ungefähr ihren alten Umfang wieder erreicht. Während dieser Zeit waren die Sammlungen provisorisch untergebracht, unter anderem in einem umgebauten Hochbunker am Bornplatz. 1969 kamen die Sammlungen in den Besitz der Universität Hamburg. Die zoologische Sammlung wurde 1974 am heutigen Standort auf dem Campus Martin-Luther-King-Platz im Hamburger Stadtteil Rotherbaum untergebracht, die geologisch-paläontologische Sammlung bezog drei Jahre später eigene Räume in unmittelbarer Nähe auf dem Gelände der Universität Hamburg. Für beide Sammlungen wurde jeweils ein Museum eingerichtet.

Neubau Naturkundemuseum Im 21. Jahrhundert entwickelten sich Initiativen zur Neugründung eines Naturhistorischen Museums in Hamburg.Angela Grosse: Ein Museum für die Zukunft, abgerufen am 23. Februar 2017. Der Wissenschaftsrat empfahl, die in der Hansestadt vorhandenen naturwissenschaftlichen Sammlungen langfristig zu erhalten.Naturkundemuseum in Hamburg kommt nicht voran. In: Hamburger Abendblatt, 28. November 2012.

Als Schritt zur Schaffung eines einheitlichen Museums für Naturkunde wurde 2014 das „Centrum für Naturkunde“ (CeNak) als organisatorische Zusammenfassung des Zoologischen Museums, des Geologisch-Paläontologischen Museums und des Mineralogischen Museums gegründet. Ziel des CeNaks war bereits zu Beginn die Errichtung eines Naturkundemuseums in Hamburg, das diese drei Forschungsbereiche an einem Standort wieder vereint. Um die Umsetzung eines solchen Großbauprojekts voranzubringen, wurde 2017 die Stiftung Naturkunde Hamburg gegründet. Im Jahr 2021 konnte eine Förderung durch die Leibniz-Gemeinschaft erreicht werden, indem das Hamburger CeNak mit dem Museum Koenig in Bonn zu einem gemeinsamen Forschungsmuseum mit dem Namen „Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels“ fusioniert wurde. Das LIB fördert unter anderem die Erforschung von Veränderungen der Artenvielfalt; eines der Ziele ist aber weiterhin, die drei Sammlungen des CeNak wieder unter einem Dach zu vereinen. Ein Jahr später wurde das CeNak in die heutige Bezeichnung Museum der Natur Hamburg umbenannt. Der Direktor des CeNaks war in der gesamten Zeit Matthias Glaubrecht, der seitdem wissenschaftlicher Projektleiter am Leibniz-Institut zur Umsetzung des neuen Naturkundemuseums ist.

Der Nachfolgerbau des Naturhistorischen Museums Hamburg mit dem vorläufigen Namen „Evolutioneum“ sollte nach Plänen von 2022 in Hamburgs HafenCity entstehen. Nach einer Standortanalyse wurde dafür das Baufeld 51 zwischen Shanghaiallee, Hongkongstraße und Überseeallee vorgesehen.

Im Jahr 2024 wurde bekannt, dass Gespräche über eine mögliche Unterbringung des Museums im Elbtower geführt werden. Demnach könnten insbesondere die unteren Geschosse des Hochhausprojekts für Ausstellungs- und Sammlungsflächen genutzt werden. Im Dezember 2025 wurde bekannt, dass der Elbtower, in dem die unteren Geschosse für das Evolutioneum genutzt werden sollen, bis 2029 vollendet sein soll.

Forschung → siehe Artikel: Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB).

Sammlungen Das Museum der Natur Hamburg zählt insgesamt über zehn Millionen Präparate, die in elf Sammlungen aufbewahrt sind.Susanne Köstering: Ein Museum für Weltnatur, Dölling und Galitz Verlag, 2018, S. 315 Aufgrund der historischen Bestände von zum Teil bereits ausgestorbenen Tierarten, besitzt die Sammlung einen sehr hohen Wert für die Evolutions- und Biodiversitätsforschung. Die Sammlungen werden nunmehr am Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) erforscht und kuratiert. Das Eigentum an den naturkundlichen Sammlungen verblieb im Umfang des Bestands am 30. Juni 2021 bei der Universität Hamburg. mini|Käfer aus der entomologischen Sammlung des Museums der Natur Hamburg

Zoologische Sammlung Die meisten Präparate gehören zur zoologischen Sammlung, die wiederum in neun weitere Sammlungen unterteilt ist. Dazu zählt Deutschlands größte Fischsammlung der Abteilung Ichthyologie mit rund 260.000 Objekten und etwa 8.000 ArtenMatthias Glaubrecht: HAMBURG: The Centrum für Naturkunde on Its Way Toward Reestablishing a Natural History Museum in Hamburg. Erschienen in: Lothar A. Beck (Hrsg.): Zoological Collections of Germany – The Animal Kingdom in its Amazing Plenty at Museums and Universities, Springer Verlag, 2018, S. 443 = sowie die weltweit größte Sammlung von Regenwürmern (Oligochaeta).Anna Priebe: An der Universität Hamburg gibt es die weltweit größte Regenwurmsammlung. Newsroom der Universität Hamburg, 27. März 2018, zuletzt abgerufen am 26. Februar 2019 Die Sammlungen werden international auch von anderen wissenschaftlichen Einrichtungen für Forschungszwecke genutzt.

In den wissenschaftlichen Sammlungen des Museums sind mehr als 10 Millionen Exemplare archiviert:

Arachnologie: Insgesamt etwa 1.200.000 Sammlungsobjekte. Crustacea: Insgesamt etwa 850.000 Sammlungsobjekte. Entomologie: Insgesamt etwa fünf Millionen Sammlungsobjekte. Chelicerata, Myriapoda und Pararthropoda: etwa 860.000 Exemplare und 36.000 mikroskopischen Präparate, hauptsächlich Milben. Insecta: mit mehr als 80.000 Arten (mehr als 3 Millionen Individuen). Herpetologie: Insgesamt etwa 90.000 Sammlungsobjekte. Mehr als 3.520 Arten. Ichthyologie: Insgesamt etwa 260.000 Sammlungsobjekte. Mehr als 9.000 Arten. Malakologie: Insgesamt etwa 1.530.000 Sammlungsobjekte. Mehr als 10.000 Arten und 120.000 Serien. Mammalogie: Insgesamt etwa 34.000 Sammlungsobjekte. Ornithologie: Insgesamt etwa 71.000 Sammlungsobjekte. Mehr als 3.500 Vogelarten und 15.000 Eier. Wirbellose Tiere: Insgesamt etwa 925.000 Sammlungsobjekte. Biobank: In diesem Spezialarchiv werden alle DNA- und Gewebeprobe aufbewahrt und langfristig verwaltet. Untergebracht ist diese Sammlung in einem Raum mit eigener Kühlung, Spezialausstattung und Kühlzellen verschiedener Formate (−20 °C und −80 °C).

Mineralogische Sammlung