297px|mini|Wolfstein aus der Luft
Wolfstein ist eine Stadt im Landkreis Kusel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein an, in der sie die nach Einwohnern zweitgrößte Ortsgemeinde ist. Zudem ist sie die einwohnermäßig siebtgrößte im Landkreis und die kleinste, die Stadtrecht besitzt. Wolfstein ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen. Gemessen an der Einwohnerzahl zählt Wolfstein zu den kleinsten Städten Deutschlands.
Geographie Lage Wolfstein liegt im nordwestlichen Teil der Pfalz im Nordpfälzer Bergland (sogenanntes „Königsland“) zwischen Idar-Oberstein und Kaiserslautern im Nordosten des Landkreises Kusel. Im Gebiet der Gemeinde kommen die Minerale Analcim, Grossular und Prehnit vor. Das Stadtgebiet umfasst 13,74 km². Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Heinzenhausen, Hohenöllen, Oberweiler-Tiefenbach, Einöllen, Relsberg, Niederkirchen, Kreimbach-Kaulbach, Rutsweiler an der Lauter, Eßweiler, Aschbach, Offenbach-Hundheim und Lohnweiler.
Stadtgliederung Wolfstein gliedert sich in die beiden Stadtteile Wolfstein mit den Ortsteilen Pfingstweide, Reckweilerhof und Schwanenhof sowie Roßbach mit den Ortsteilen Immetshausen, Mühle und Stahlhausen.
Erhebungen und Gewässer Durch die Stadt fließt die Lauter in Süd-Nord-Richtung; von links mündet in diese der Selbach und von rechts der Roßbach sowie der Breitbach. Ausgeprägte Berge sind der Königsberg () im Südwesten und der Eisenknopf () im Norden der Stadt.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 729 mm.
Geschichte Wolfstein wurde 1275 auf Anweisung von Rudolf I. von Habsburg gegründet und erhielt sofort das Stadtrecht. Wolfstein ging 1357 unter Kaiser Karl IV. an die Pfalzgrafen (später Kurpfalz). Während dieser Zeit gehörte die Stadt zu Pfalz-Lautern, das von 1559 bis 1592 ein eigenständiges Territorium innerhalb des Heiligen Römischen Reiches bildete. Im Anschluss war Wolfstein bis Ende des 18. Jahrhunderts Sitz eines kurpfälzischen Unteramtes, das zum Oberamt Lautern zählte.
Nach 1792 hatten französische Revolutionstruppen die Region besetzt und nach dem Frieden von Campo Formio (1797) annektiert. Von 1798 bis 1804 gehörte Wolfstein zur Ersten Französischen Republik und im Anschluss zum Napoleonischen Kaiserreich. Die Stadt war Bestandteil des Departement Donnersberg und war Hauptort (chef-lieu) des gleichnamigen Kantons.
Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und eines Tauschvertrags mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Ab 1818 war Wolfstein dem Landkommissariat Kusel im bayerischen Rheinkreis zugeordnet, ehe dies 1862 in ein Bezirksamt umgewandelt wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Wolfstein zu einem der Zentren des Westpfälzer Wandermusikantentums; mehr als 200 Musikanten dieses Wandergewerbes stammten aus der Stadt. Nach der Pfälzischen Erhebung 1848/49 wanderten viele Bürger nach Amerika aus. 1866 wurde die evangelische Kirche erbaut.
1915, mitten im Ersten Weltkrieg, fungierte Wolfstein für die unmittelbaren Umlandgemeinden als Ortssammelstelle für Liebesgaben.
1939 wurde die Stadt in den Landkreis Kusel eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Rechtenbach innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde am 7. Juni 1969 die bis dahin selbständige Gemeinde Roßbach eingemeindet. Seit 1971 war die Stadt Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde gleichen Namens, die 2014 mit der Verbandsgemeinde Lauterecken zur neuen Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein mit Sitz in Lauterecken fusionierte.
Bevölkerungsentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl von Wolfstein bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Stadt Wolfstein. In: Mein Dorf, meine Stadt. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, abgerufen am 16. Mai 2022 (Regionaldaten).
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Wolfstein besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU FDP FWG Gesamt 2024 7 3 – 6 16 Sitze 2019 5 4 1 6 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 4 5 2 5 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2009 4 3 3 6 16 Sitze 2004 4 5 2 5 16 Sitze
Bürgermeister Christian Nickel (parteilos) wurde am 11. Juli 2024 Stadtbürgermeister von Wolfstein. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er ohne Gegenkandidat 55,8 % der Stimmen erreicht. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,1 %.
Nickels Vorgänger Herwart Dilly (FWG) hatte das Amt 2009 übernommen. Zuletzt bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit einem Stimmenanteil von 74,57 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt worden. Bei der Direktwahl 2024 trat Dilly nicht mehr an. Gerhard Kirch (FWG) hatte als Vorgänger von Dilly das Amt von 1984 bis 2009 ausgeübt.
Städtepartnerschaften Seit dem Jahr 2000 unterhält Wolfstein eine Städtepartnerschaft mit Verdun-sur-le-Doubs in Burgund (Frankreich).
Wappen
Bauwerke mini|Kupferstich nach Matthäus Merian
Der Stadtkern, die Ruinen der Burgen Alt-Wolfstein, die Keimzelle der Stadt war, und Neu-Wolfstein, das Kalkbergwerk am Königsberg und das Kriegerdenkmal im Stadtteil Roßbach sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Hinzu kommen 14 Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Ein Zeugnis der industriellen Vergangenheit ist das Historische Besichtigungs-Kalkbergwerk in Wolfstein. Eine Grubenbahn führt den Besucher unter sachkundiger Führung in das Kalkbergwerk am Königsberg, in dem noch bis 1967 unter Tage Kalksteine gebrochen und am Ort verarbeitet wurden. Sämtliche Einrichtungen sind im Original vorhanden. Das Kalkbergwerk am Königsberg gilt als ein Industriedenkmal von besonderem Rang und ist einmalig in Deutschland. Neben dem Kalkbergwerk am Königsberg gibt es im Gebiet von Wolfstein zahlreiche weitere Gruben. Inzwischen ist der Bergbau zum Erliegen gekommen. Wichtigster Arbeitgeber und mit einer langen Geschichte mit Wolfstein verbunden ist die Karl Otto Braun GmbH & Co. KG, die seit 2010 zur Hartmann Gruppe gehört. Die Instrumentenbauerfamilie Sander besaß früher in der Stadt eine Werkstatt. Die Volksbank Lauterecken unterhält in der Stadt eine Filiale. Die Kreissparkasse Wolfstein ging 1959 in der Kreissparkasse Kusel auf.
Verkehr mini|Zug im Jahr 2008 im Bahnhof Wolfstein mini|Jugendherberge
Wolfstein liegt an der Lautertalbahn. Im Stadtgebiet gibt es drei Schienenverkehrhaltestellen, der wichtigste ist der Bahnhof Wolfstein mit dem höchsten Fahrgastaufkommen der Strecke. Im Zuge seiner Entstehung kam es zu Konflikten, da er sich auf der Gemarkung der damals selbständigen Gemeinde Roßbach befand; die Streitigkeiten setzten sich bis 1906 fort, als die Lautertalbahn bereits mehr als 20 Jahre lang in Betrieb war. Seit 2000 weist der Bahnhof keinen Güterverkehr mehr auf; er war zu diesem Zeitpunkt der letzte Gütertarifpunkt entlang der Bahnlinie. 2005 wurden die Bahnsteige behindertengerecht ausgebaut. Darüber hinaus verfügen die Stadtteile Roßbach und Reckweilerhof jeweils über Schienenverkehrshaltestellen. Ebenfalls auf der Gemarkung der Stadt liegt mit dem Eisenknopf-Tunnel der einzige Tunnel der Bahnstrecke. 2000 wurde die Stadt Teil des neu gegründeten Westpfalz-Verkehrsverbundes (WVV), ehe dieser 2006 im Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) aufging, dem Wolfstein seither angehört.
Durch Wolfstein führt die Bundesstraße 270. Die Umgehungsstraße der B 270 wurde am 17. November 2006 nach knapp fünfjähriger Bauzeit für den Verkehr freigegeben. Durch den Stadtteil Roßbach verläuft zudem die Kreisstraße 48. Die Stadt selbst ist über die Buslinie 274 und 275 des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar an das Nahverkehrsnetz angebunden, die sie beide mit der Kreisstadt Kusel verbinden. Seit 2011 führt der circa 100 Kilometer lange Pfälzer Höhenweg von Winnweiler über Rockenhausen nach Wolfstein. Außerdem war die Stadt Station des Westpfalz-Wanderweges.
Institutionen Während der Zugehörigkeit zu Frankreich war die Stadt Sitz eines Friedensgerichts, das dem Tribunal erster Instanz Kaiserslautern unterstand. Da die Gebäude des Landgericht Kaiserslautern 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fielen, verlegte es seinen Sitz provisorisch nach Wolfstein, bis in Kaiserslautern ein neues Gebäude fertiggestellt war. Bis 1966 war Wolfstein Sitz eines Amtsgerichts sowie 1971 bis 2014 Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde; seither hat die Stadt eine zweite Verwaltungsstelle der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein.
Wolfstein hat eine Regionale Schule und ein Heimat- sowie ein Druckereimuseum. Hinzu kommen eine Jugendherberge, die von 1978 bis 1980 errichtet wurde sowie ein Seniorenzentrum.
Persönlichkeiten Ehrenbürger
Heinrich Rheinheimer, Oberlehrer Hans Braun (1899–1987), Fabrikant Karl Hönes, Stadtbürgermeister Franz Braun (1923–2009), Fabrikant Kurt Dreger, Stadtbürgermeister Pauline König (1868–1938), Heimatdichterin 2009, 17. Dezember: Gerhard Kirch, Stadtbürgermeister von 1984 bis 2009 2009, 17. Dezember: Ernst Vogt (1938–2010), Kommunalpolitiker 2025, 17. Dezember: Herwart Dilly (* 1957/58), Kommunalpolitiker, Stadtbürgermeister von 2009 bis 2024, für seine Verdienste um die Stadt
Söhne und Töchter der Stadt Friedrich Jakob Sander (* 1809; † 1876 in Kaiserslautern), Instrumentenbauer Ludwig Schmitt (1810–1871), Generalstaatsprokurator der Pfalz Franz Schmitt (1816–1891), Maler Ernst Krieger (1867–1943), Schachkomponist Alfred Lehmann (1867–1919), Bayerischer Landtagsabgeordneter und Winzer Pauline König (1868–1938), Heimatdichterin Karl Groß (1883–1949), Politiker (FDP) Fritz Zolnhofer (1896–1965), Maler Friedrich Jossé (1897–1994), Maler und Graphiker Erich Koch (1924–2014), Bildhauer Ernst-Rainer Hönes (* 1942), Denkmalpfleger und Jurist
Personen, die mit der Stadt verbunden sind Heinrich II. von Sponheim-Starkenburg (1292/95–1323), Adeliger, starb in Wolfstein. Loretta von Sponheim (1300–1346), Gräfin, hatte ab 1323 ihren Wohnsitz in Wolfstein. Georg Philipp Schmitt (1808–1873), in Wolfstein aufgewachsen. Hippolyt August Schaufert (1834–1872), war zeitweise beim Wolfsteiner Notariat tätig. Philipp Hammer (1837–1901), Priester, war ab 1865 Pfarrer in Wolfstein. Rudolf Sander (1866–1942), Instrumentenbauer, starb in Wolfstein.
Literatur
Weblinks
Webpräsenz der Stadt Wolfstein Ortsgemeinde Wolfstein. Seiten der Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein. Wolfstein. regionalgeschichte.net
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Kusel Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Stadt in Rheinland-Pfalz Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1275 Kategorie:Gegründet 1275