Diese kalendarische Übersicht stellt eine Chronologie des Westfeldzuges 1940 dar. Sie ist keine eigenständige Darstellung, sondern dient vorrangig dem Auffinden von Wikipedia-Artikeln zu einem Datum oder Ereignis bzw. dessen Zuordnung zu einem Zeitraum.
Vorgeschichte → Siehe Hauptartikel: Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs in Europa
1939 mini|Europa nach dem Überfall auf Polen (Oktober 1939) mini|Französische Soldaten während der Saar-Offensive südlich von Saarbrücken (September 1939) mini|Britische und französische Soldaten vor einem Verschlag mit der Bezeichnung „Downing Street No. 10“ (November 1939)
1. September: Ohne vorherige Kriegserklärung marschiert die deutsche Wehrmacht in Polen ein (Überfall auf Polen). In seiner Rede vor dem Reichstag rechtfertigt Reichskanzler Adolf Hitler den Schritt als Verteidigungskrieg. 3. September: Nach Ablauf eines Ultimatums, auf Grundlage der gemeinsamen Garantie vom 31. März 1939, erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Die Botschafter Nevile Henderson und Robert Coulondre überreichen dem Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop entsprechende Noten ihrer Regierungen. Der britische Premierminister Neville Chamberlain bildet eine Kriegsregierung. Mit Winston Churchill, der bereits während der 1930er Jahre vor einer militärischen Bedrohung durch den NS-Staat gewarnt hatte,Klaus Larres: Churchill’s Cold War. The Politics of Personal Diplomacy. New Haven 2002, S. 31 f. ernennt er einen Kritiker seiner Appeasement-Politik zum Ersten Lord der Admiralität. Beginn der Atlantikschlacht. Der wichtigste deutsche Bündnispartner, das faschistische Königreich Italien, erklärt sich als „nicht kriegführend“. 4. September: Die britische Royal Air Force (RAF) fliegt mit dem Luftangriff auf Wilhelmshaven den ersten Angriff auf eine deutsche Stadt (siehe: Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg). 5. September: Die Vereinigten Staaten erklären ihre Neutralität. 9. September: Einschließlich der Festungstruppen in der Maginot-Linie kann die französische Armee nach Abschluss der Mobilmachung insgesamt 108 Divisionen und 2.700 Panzer ins Feld führen. Den Oberbefehl übernimmt Generalstabschef Maurice Gamelin und bezieht im Schloss Vincennes das fernab der Front gelegene Hauptquartier. An der deutschen Westgrenze steht lediglich die 1. Armee (GenOb. Erwin von Witzleben) mit 23 einsatzbereiten Divisionen,Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 66. die Verteidigungsstellungen entlang des Westwalls besetzt. In Erwartung einer Offensive wird die deutsche Zivilbevölkerung aus dem Grenzgebiet in das Landesinnere evakuiert. Hitler scheut das Risiko eines Zweifrontenkriegs und fürchtet einen alliierten Schlag gegen das kriegswichtige Ruhrgebiet. Er befiehlt:
Beginn der Saar-Offensive. Ohne auf Widerstand zu stoßen, dringen Einheiten der französischen Heeresgruppe 2 (Gen. André-Gaston Prételat) im Warndt sowie zwischen Mosel und Pfälzerwald bis zu acht Kilometer auf deutsches Staatsgebiet vor.Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 2. Stuttgart 1979, S. 272. Während der zaghaften Operation kommt es zu keinen nennenswerten Kampfhandlungen, ein Angriff auf den Westwall erfolgt nicht. 12. September: Zur militärischen Unterstützung Frankreichs entsendet die britische Regierung die ersten vier Divisionen einer Expeditionsstreitmacht. Bis zum Mai 1940 erreicht die British Expeditionary Force (BEF) eine Stärke von 394.000 Soldaten (zwölf Divisionen). Sie steht unter dem Oberbefehl (General Officer Commanding) von General Lord Gort, als Stabschef fungiert Lieutenant-General Henry Royds Pownall. Die Royal Air Force verlegt rund ein Drittel ihres Gesamtbestandes auf den Kontinent (456 Kampfflugzeuge). 21. September: Gamelin bricht die Saar-Offensive ab und zieht seine Verbände wieder in ihre Ausgangsstellungen hinter der stark befestigten Maginot-Linie zurück. In Überschätzung der Kampfkraft der Wehrmacht und vor allem der Luftwaffe, scheut Frankreichs konservativ denkende Armeeführung einen Angriff im Westen. Somit unterbleibt eine wirksame militärische Unterstützung Polens. Die französische Militärdoktrin bleibt strikt defensiv und sieht erst für das Jahr 1941 eine Offensive vor. Zunächst soll die Kriegswirtschaft des rohstoffarmen Deutschen Reiches durch Seeblockaden geschwächt werden. Gleichzeitig soll die technische Aufrüstung Frankreichs mit Panzern und Flugzeugen forciert werden. 6. Oktober: Nach der Kapitulation der polnischen Streitkräfte hält Hitler vor dem Reichstag eine „Friedensrede“. Den Westmächten bietet er die Einberufung einer Friedenskonferenz, Rüstungsbegrenzungen sowie freien Handel an und fordert im Gegenzug die Wiederherstellung deutscher Kolonien. Trotz seines öffentlichen Friedensbekenntnisses lässt Hitler die Wehrmacht in die Bereitstellungsräume entlang der Westgrenze verlegen. An der Westfront beginnt die passive Phase des Sitzkriegs (La Drôle de Guerre, Phoney War), der die Form einer wechselseitigen Propagandaschlacht annimmt. 9. Oktober: Noch bevor die Antwort auf seine „Friedensrede“ erfolgt ist, legt Hitler in der „Weisung Nr. 6“ die Grundzüge der militärischen Operationen im Westen fest und terminiert den Angriff auf den 12. November. Unter Hinweis auf die mangelnde Einsatzbereitschaft und die unzureichende Munitionsversorgung der Wehrmacht äußern der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Walther von Brauchitsch und Generalstabschef Franz Halder massive Bedenken. 19. Oktober: Der ausgearbeitete Operationsplan des OKH für den Angriff auf Frankreich ähnelt sehr stark dem im Ersten Weltkrieg gescheiterten Schlieffen-Plan. Demnach sieht dieser, in Anlehnung an 1914, eine Schwerpunktbildung am rechten Flügel und einen massiven Vorstoß durch die neutralen Staaten Belgien und Niederlande vor (Fall Gelb). 5. November: Wegen einer Auseinandersetzung mit Brauchitsch über die Leistungsfähigkeit der Wehrmacht, vergisst Hitler nach einem Wutanfall, den Angriffsbefehl für den 12. November zu bestätigen.Raymond Cartier S. 37 / John Keegan S. 83. Aufgrund der schlechten Wetterlage und des kalten Winters verschiebt Hitler den Angriffstermin insgesamt 29-mal. 9. November: An der deutsch-niederländischen Grenze werden zwei britische Geheimdienstoffiziere durch ein SS-Sonderkommando entführt (Venlo-Zwischenfall). Die Aktion macht weite Teile des britischen Spionagenetzes in West- und Mitteleuropa nahezu wertlos. 14. November: Für den Fall einer deutschen Offensive verständigen sich die Generalstäbe Frankreichs und Belgiens nach langwierigen Verhandlungen auf eine gemeinsame Verteidigungsstrategie. Die Franzosen wollen einem deutschen Vormarsch so früh wie möglich, außerhalb der eigenen Landesgrenzen, entgegentreten. Daher wird die Masse der mobilen französischen Einheiten der Heeresgruppe 1 (Gen. Gaston Billotte) im Norden unterstellt. Diese soll im Angriffsfall schnellstmöglich auf belgisches Territorium einrücken, um gemeinsame Verteidigungspositionen entlang des Flusses Dijle einnehmen (Dijle-Plan). 23. November: In einer Ansprache vor den Oberbefehlshabern der Wehrmacht verkündet Hitler seine Absicht, Westeuropa „zum günstigsten und schnellsten Zeitpunkt“ anzugreifen. 18. Dezember: Wegen hoher Verluste im Luftgefecht über der Deutschen Bucht stellt das britische RAF Bomber Command seine Tageseinsätze gegen Ziele im Deutschen Reich weitgehend ein und verlegt sich auf Angriffe während der Nacht.Robin Holmes: The Battle of the Heligoland Bight, 1939: The Royal Air Force and the Luftwaffe's Baptism of Fire. Grub Street, London 2010, ISBN 978-1-906502-56-0.
1940 mini|Grafische Darstellung des Sichelschnittplans mini|Karte der französischen Maginot-Linie mini|Lagebesprechung zwischen Keitel, von Brauchitsch, Hitler und Halder (von li. nach re.)
6. Januar: Generalstabschef Gamelin ernennt General Alphonse Georges zum Oberbefehlshaber der Nordostfront und trennt die beiden Stäbe. Diese dezentrale Aufteilung wirkt sich negativ auf die französische Befehlsstruktur aus.Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 66ff. 10. Januar: Durch die Notlandung eines deutschen Kurierflugzeugs in Belgien, gelangen verbotenerweise mitgeführte Geheimdokumente der geplanten deutschen Westoffensive an die dortigen Behörden (Mechelen-Zwischenfall). 13. Januar: Alarmiert durch den Mechelen-Zwischenfall und in Erwartung einer deutschen Offensive beginnt die Mobilmachung der belgischen Armee. König Leopold III. übernimmt den militärischen Oberbefehl. 16. Januar: Nach dem Mechelen-Zwischenfall verschiebt Hitler den angesetzten Angriffstermin am Folgetag. 17. Februar: Während einer Zusammenkunft in der Neuen Reichskanzlei unterbreitet Generalleutnant Erich von Manstein, ehemaliger Stabschef der Heeresgruppe A, Hitler eine alternative Angriffsoperation für den Westfeldzug. Demnach soll der Schwerpunkt des deutschen Angriffs nicht im Norden liegen, sondern weiter südlich im zentralen Abschnitt der Front („Plan Sedan“). Er schlägt vor, die Niederlande zu besetzen und den Gegner dadurch zu verleiten, seine starken Verbände nach Norden in Marsch zu setzen. Die eigenen motorisierten Einheiten sollen dagegen zusammengefasst werden und die Westmächte mit einem Stoß durch das Waldgebirge der Ardennen überraschen. Anschließend sollen sie im Rücken der feindlichen Linien zügig die Kanalküste erreichen und diese von ihrer Ausgangsbasis abschneiden. Das konservativ denkende OKH äußert starke Zweifel an einem erfolgreichen Vorstoß durch die Ardennen und lehnt Mansteins Planungen aufgrund offener Flanken und logistischer Bedenken als zu „abenteuerlich“ ab. 24. Februar: Trotz der mit dem „Plan Sedan“ verbundenen Risiken akzeptiert Hitler den Vorschlag Mansteins und befiehlt dem OKH, den Fall Gelb entsprechend abzuändern. Unter größter Geheimhaltung wird die Ausarbeitung der Operationspläne bis zum 7. März abgeschlossen. Mit sieben Panzerdivisionen und drei motorisierten Divisionen wird der Großteil der mobilen Verbände der Heeresgruppe A im Zentrum zugewiesen. 3. März: Nachdem der zögernde Hitler seine Pläne mehrmals geändert hat, beschließt er das Unternehmen Weserübung vor dem Westfeldzug zu beginnen. 18. März: Treffen zwischen Hitler und Benito Mussolini am Brenner. Der italienische Diktator erklärt, sein Land werde zu einem „günstigen Zeitpunkt“ in den Krieg eintreten.John Keegan. The Times Atlas of the Second World War. London: The Times. pp. 16–17. |access-date= requires |url= (help) 19.–21. März: Regierungswechsel in Frankreich. Aufgrund seiner zögerlichen Haltung während des finnisch-sowjetischen Winterkrieges wird Ministerpräsident Édouard Daladier gestürzt. Er wird durch den bisherigen Finanzminister Paul Reynaud ersetzt, der als „Symbol des Krieges auf Leben und Tod“Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 1. Lingen Verlag, 1967, S. 89. sowie Gegner der Appeasement-Politik seines Vorgängers gilt. Reynaud erhält in der Abgeordnetenkammer lediglich die Mehrheit von einer Stimme und belässt Daladier als Kriegsminister in seinem Kabinett. In den folgenden Wochen behauptet sich Daladier mehrfach gegen Reynaud, der vergeblich die Absetzung des Generalstabschefs Gamelin durchsetzen will. 28. März: Auf einer Tagung des Obersten Alliierten Kriegsrats in London unterzeichnen die Vertreter Großbritanniens und Frankreichs eine gemeinsame Erklärung. Diese schließt einen Sonderfrieden oder Waffenstillstand mit dem Deutschen Reich ohne gegenseitiges Einvernehmen aus. 29. März: Der sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Molotow verkündet die Neutralität seines Landes im Konflikt des Deutschen Reiches mit den Westmächten. 9. April: Die Wehrmacht besetzt das neutrale Dänemark. Zur Sicherung der Nachschubwege der kriegswichtigen Erzlieferungen landet sie auch in Norwegen (Unternehmen Weserübung) und kommt einer geplanten Landung der Westmächte zuvor (Operation Wilfred).