Dies ist eine Liste der neuhochdeutschen starken Verben, das heißt jener, deren Formen sich zum Teil im Stammvokal voneinander unterscheiden (vgl. Ablaut).

Die grobe Einteilung erfolgt nach dem Muster der historischen Ablautklassen, die jedoch in die heute vorhandenen Subklassen untergliedert werden.

Zur Abgrenzung sind zusätzlich am Schluss einige Verben des Deutschen aufgeführt, die keine starken Verben sind, aber fälschlich dafür gehalten werden könnten, weil sie scheinbar Stämme starker Verben im Wortinneren enthalten.

Einführung Es werden jeweils vier Stammformen angegeben: Infinitiv Präsens, gleicher Stamm wie: Partizip I Konjunktiv I 1. Person Singular & 1./2./3. Person Plural Indikativ 2. Person Singular Imperativ Präsens (außer in der 2.–5. Ablautklasse) 2. Person Plural Imperativ Präsens 3. Person Singular Indikativ Präsens, gleicher Stamm wie: 2. Person Singular Indikativ Präsens 2. Person Singular Imperativ Präsens (in der 2.–5. Ablautklasse) 1./3. Person Singular Indikativ Präteritum, gleicher Stamm wie: im ganzen Präteritum im Konjunktiv II wenn möglich mit umgelautetem Vokal, auch bei den schwer einzuordnenden Verben im letzten Teil der Liste; bei eindeutig schwachen Verben wird nicht umgelautet; vor dem Dentalsuffix -t- kann im Konjunktiv ein -e- eingeschoben werden Partizip II

Die folgende Tabelle zeigt, welcher der aufgeführten Stämme (1–4) welcher Verbform zur Bildung zugrunde liegt. Fett dargestellt sind die unten angegebenen Formen: + Deutsche Verbstammformen Infinitiv Tempus Partizip Modus Singular Plural 1. 2. 3. 1. 2. 3. 1 Präsens 1 Indikativ 1 2 2 1 1 1 Konjunktiv 1 1 1 1 1 1 Imperativ 1 (2) 1 Präteritum 4 Indikativ 3 3 3 3 3 3 Konjunktiv 3̈ 3̈ 3̈ 3̈ 3̈ 3̈

Abweichende Bildungen werden zusätzlich aufgeführt, nicht aufgeführt werden jedoch für gewöhnlich Formen, die sich nur durch ein -e- oder -et in einer unbetonten Silbe unterscheiden, z. B. gehen/gehn, flicht/flichtet; im Allgemeinen gilt die Regel, dass bei Verbformen mit vom Infinitiv abweichendem Stammvokal ein -e- in der letzten Silbe immer fortgelassen bzw. eingeschoben werden kann, wenn nicht das Dentalsuffix darauf folgt: schleußet/schleußt, lädst/lädest; wenn dieses -e- zwischen zwei -s- oder zwischen -ß- und -s- steht, so wird bei einer solchen Wegnahme der zweite dieser Konsonanten unterdrückt: liesest/liest, stößest/stößt; der Infinitiv und das starke Partizip II können (außer bei tun und sein) immer auf silbisches -en bzw. -et ausgehen: stehn/stehen, verderbt/verderbet; in dichterischer Sprache sind weitere Kürzungen oder Einschübe möglich.

Verbformen in eckigen Klammern markieren Formen, die vom Bildungsschema abweichen (meistens schwache Bildungen). Beachte, dass in den folgenden Listen einige Wörter enthalten sind, die vom Standarddeutschen abweichen.

Es gibt darüber hinaus eine kleine Anzahl von rein schwachen Verben, die als Wortbildungsprodukte starker Verben fehlinterpretiert werden können. Sie werden in einem Abschnitt am Ende dieses Artikels behandelt.

1. Ablautklasse: ei – i(e) – i(e) ei – ie – ie Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

ei/ö - i - i Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

2. Ablautklasse: äu/eu – o – o

äu/eu – ō – ō Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

äu/eu – ŏ – ŏ Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

3. Ablautklasse: i – a/o/u – o/u

i – a/u – u Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

i – a/o – o Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

4. Ablautklasse: i(e)/ö – a/o – o

i(e)/ö – a – o Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

ie – o – o Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

5. Ablautklasse: i(e) – a – e Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

6. Ablautklasse: ä/e/ö – u/a/o – a/o Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

7. Ablautklasse: Verben mit ehemaliger Reduplikation im Präteritum

ei – ie – ei Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

e – i – a Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

ö/au/äu – ie – o/au Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

ä – i(e) – ă Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

u – ie – u Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

ä – ie – ā Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

Reduplikation des Anlautkonsonanten im Präteritum noch vorhanden Infinitiv Präsens 3. Pers. Sg. Ind. Präs. 1./3. Pers. Sg. Ind. Prät. Partizip II Kommentar, Bedeutung

Schwache Verben, die nur indirekt starke Verbstämme enthalten

Es gibt komplexe Verben, die zwar den Stamm eine starken Verbs irgendwo in ihrem Inneren enthalten, aber nicht auf direktem Weg von diesem starken Verb abgeleitet sind. Typische Fälle dieser Art entstehen dadurch, dass eine Substantivierung eines starken Verbs dazwischengeschaltet ist. Bei Ableitung eines neuen Verbs von dieser Substantivierung entsteht ein schwaches Verb, wie bei allen denominalen Verben des Deutschen. Solche Bildungen sind eine Fehlerquelle beim Erwerb von Deutsch als Fremdsprache (DaF) und beim kindlichen Spracherwerb. Beispiel: „beinhalten“ hat nicht „halten“ als Basis, sondern: Verbstamm: halt(en) → Substantiv: der In-halt → Verb: be-inhalt(en) Entsprechend sind die Präteritumsformen zwar halt(en) → hielt (stark), aber beinhalt(en) → beinhalt-ete (schwach).

In manchen Fällen ist auch die Bildung eines Nominalkompositums (zusammengesetztes Hauptwort) dazwischengeschaltet. Wiederum ist die Eigenschaft, starkes Verb zu sein, überdeckt, und verbale Ableitungen von einem solchen zusammengesetzten Substantiv werden schwach flektiert. Beispiel: „wallfahren“ hat nicht direkt „fahren“ als Basis,dwds.de, s. v. „Wallfahrt“; dieses Substantiv ist im Mittelhochdeutschen belegt, die Verbableitungen erst aus dem 16. Jahrhundert. sondern: Verbstamm: fahr(en) → Substantiv Fahrt → Kompositum: Wall+fahrt → Verb wallfahr(t)en, hier als Ableitung des gesamten Kompositums zu einem Verb (→ wallfahrt-en) oder als Rückbildung (→ wallfahr/#/-en).

Die zweite Spalte der folgenden Liste zeigt Fälle solcher schwacher Verben, bei denen fälschlich starke Flexion erwartet werden könnte.Nach Heinz Griesbach, Gudrun Uhlig: Das deutsche Verb. Form, Gebrauch, Funktion, Stellung. Max-Hueber-Verlag, München 1980, ISBN 3-19-001338-1, S. 13. Häufig ist der Fall einer Verbableitung aus Verbalpräfix und nominalem Stamm; die verschiedenen anderen Herleitungen werden hier aber nicht aufgeschlüsselt.

Scheinbares Basisverb (stark) Scheinbares Wortbildungs-Produkt (schwach) Tatsächliche Ableitungsbasis Konjugation (Präteritum / Partizip II) fahren (fuhr, gefahren) wallfahren die Wallfahrt wallfahrte, ist gewallfahrt (Variante auch: wallfahrten (Inf.), wallfahrtete (Prät.), gewallfahrtet (Partizip)) haben (hatte, gehabt) handhaben die Handhabe handhabte, hat gehandhabt halten (hielt, gehalten) beinhalten der Inhalt beinhaltete, hat beinhaltet haushalten der Haushalt haushaltete, hat gehaushaltet lassen (ließ, gelassen) veranlassen der Anlass veranlasste, hat veranlasst leiden (litt, gelitten) bemitleiden das Mitleid bemitleidete, hat bemitleidet raten (riet, geraten) bevorraten der Vorrat bevorratete, hat bevorratet schlagen (schlug, geschlagen) beaufschlagen der Aufschlag beaufschlagte, hat beaufschlagt beratschlagen der Ratschlag beratschlagte, hat beratschlagt veranschlagen der Anschlag veranschlagte, hat veranschlagt tragen (trug, getragen) beantragen der Antrag beantragte, hat beantragt beauftragen der Auftrag beauftragte, hat beauftragt

Anders einzuordnen sind die Fälle einiger schwacher Verben, die zu einer Rückführung auf starke Verben verleiten könnten, aber wo dies auf reiner Mehrdeutigkeit beruht:

Schwaches Verb Gleichlautendes starkes Verb Tatsächliche Ableitungsbasis Erläuterung einpreisen (preiste ein, eingepreist)ebenso: bepreisen etc. preisen (pries, gepriesen) der Preis vgl. Mehrdeutigkeit zu zahlender Preis / Lobpreis; im heutigen Deutsch hat das einfache Verb preisen keine Verbindung zur ersten Lesart heiraten (heiratete, geheiratet) raten (riet, geraten) die Heirat Heirat ist ursprünglich Zusammensetzung mit Rat im Sinne von Ansammlung, Ausstattung, vgl. Hausratdwds.de s. v. „heiraten“ verleiden (verleidete, verleidet) leiden (litt, gelitten) leid (Adj.) Zusammenhang des Adjektivs zum Substantiv Leid und von da zum Verb leiden ist unklar, da historisch sehr weit zurückreichend.dwds.de s. v. „leid“, Abschnitt „Etymologie“, Absatz 2.

Siehe auch

Liste unregelmäßiger Verben im Deutschen

Einzelnachweise

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