alt=Ferdinand Schildhauer, ca. 65 Jahre alt|mini|hochkant|Ferdinand Schildhauer als Pensionär Ferdinand Schildhauer (* 6. Februar 1855 in München; † 1926 in Lindau) war ein deutscher Architekt des Historismus und königlich bayerischer Baubeamter.
Leben und Werk Ferdinand Schildhauer war das dritte Kind der Eheleute Balthasar Schildhauer und Anna von Hofmihlen. Der Beruf seines Vaters wird in zeitgenössischen Quellen mit „Kassa-Offiziant“ bezeichnet.
Schildhauer besuchte in den 1860er Jahren die Knabenschule der Dom-Pfarrei an der Fingergasse 2 in München. In historischen Schulverzeichnissen wird er mehrfach als Empfänger von Auszeichnungen erwähnt, etwa im Schuljahr 1863/64, als er eine „rühmliche Bekanntmachung“ erhielt und einen ersten Preis im Singen gewann.„Schildhauer, Ferdinand“. In: Verzeichniß der sämmtlichen Schüler und Schülerinen, welche im Schuljahre 1863/64 in den deutschen Werktags-Schulen der Königlichen Haupt- und Residenzstadt München sich öffentlicher Preise oder rühmlicher Bekanntmachung würdig gemacht haben: nebst einem Vorberichte über den Zustand dieser Schulen. Hübschmann’sche Buchdruckerei, München, 29. Juli 1864, S. 5. u. 7; bavarikon.de
Anschließend studierte er an der Königlich Bayerischen Polytechnischen Schule zu München, der Vorgängerinstitution der heutigen Technischen Universität München. Im Studienjahr 1875/76 bestand er im Rahmen der Absolutorialprüfungen die Vorprüfung für das Ingenieur-, Hochbau- und mechanisch-technische Fach.„Schildhauer, Ferdinand“. In: Bericht über die Königl. Polytechnische Schule zu München für das Studienjahr 1875–1876. Akademische Buchdruckerei von F. Straub, München 1876, S. 44. Im Personalstandsverzeichnis des Sommersemesters 1877 wird er noch als Studierender der Hochbauabteilung geführt.„Schildhauer, Ferdinand“. In: Personalstand der Königlich Bayerischen Polytechnischen Schule zu München im Sommer-Semester 1877. Pössenbacher’sche Buchdruckerei, München 1877, S. 33, lfd. Nr. 808; mediatum.ub.tum.de (PDF; 21 MB).
Nach erfolgreichem Abschluss des zweiten Staatsexamens war Schildhauer zunächst als Bauamtsassessor beim Königlichen Landbauamt in Passau tätig. Prinzregent Luitpold beförderte ihn zum 23. April 1893 zum Regierungs- und Kreisbauassessor für das Landbaufach bei der Königlichen Regierung – Kammer des Innern – von Schwaben und Neuburg in Augsburg.„Dienstes- und sonstige Nachrichten.“ In: Amtsblatt des k. Staatsministeriums des Innern. Königreich Bayern. Nr. 12, München, 1. Mai 1893, S. 107; google.de/books 1898 wurde er zum Bauamtmann und Leiter des Königlichen Landbauamts in Kempten ernannt; 1906 erhielt er den Titel eines Baurats. mini|hochkant|Der Pfarrhof, Titelblatt (1922) Besonders in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts und im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstanden nach Schildhauers Entwürfen zahlreiche Sakralbauten in Schwaben. Neben seiner planerischen Tätigkeit verfasste er mehrere Fachpublikationen. 1899 erschien in der Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg sein rund 80 Seiten umfassender Beitrag über die Baugeschichte des Augsburger Doms. Ein komprimierter Vortrag zu diesem Thema, den er drei Jahre zuvor im Rahmen der Monatsversammlung der regionalen Gruppe des Bayerischen Architekten- und Ingenieurvereins gehalten hatte, war anschließend im Juni und August 1896 in zwei Teilen in der Süddeutschen Bauzeitung abgedruckt worden.Vereins-Nachrichten. Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verein (Kreisgesellschaft Schwaben und Neuburg). In: Süddeutsche Bauzeitung, München, 11. Juni 1896, Nr. 24, S. 200–201; digitale-sammlungen.deDie Baugeschichte des Domes in Augsburg. Vortrag des kgl. Kreisbauassessor F. Schildhauer in Augsburg in der Monatsversammlung des schwäbischen Architekten- und Ingenieur-Vereins vom 4. März 1896 in Augsburg. (Schluss). In: Süddeutsche Bauzeitung, München, 20. August 1896, Nr. 34, S. 286–288; digitale-sammlungen.de
Spätere Schriften Schildhauers befassten sich überwiegend mit Kemptener Themen, etwa der Architektur und Ausstattung der Basilika St. Lorenz oder der Kemptener Malerfamilie Hermann. Für Band 21 des Thieme-Becker-Künstlerlexikons schrieb er den Text über Leben und Werk des letzten Kemptener fürstäbtlichen Hofmalers (Johann) Michael Koneberg. 1923 verfasste er eine zweibändige handschriftliche Monografie zur Geschichte des Klosters und Stiftes Kempten.
Im Frühjahr 1922 trat Ferdinand Schildhauer mit dem Titel eines Oberregierungsbaurats in den Ruhestand. Er starb 1926 in Lindau am Bodensee.
Ehe und Nachkommen Im August 1885 bewilligte der Magistrat der Stadt München die Ausstellung des erforderlichen Verehelichungszeugnisses, wonach Ferdinand Schildhauer die aus Amberg stammende Maria Schuch (* 2. September 1859; † 28. April 1920) heiraten konnte.60. Sitzung des Magistrats vom 7. August 1885. In: Münchener Gemeinde Zeitung, 9. August 1885, Nr. 64, S. 901. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Emma (* 1886; verh. Permann), Otto (1887–1914; unverheiratet), Hildegard (* 1888; verh. von Weittenhiller, verwitwet 1915Todesanzeige „Dr. Karl Ritter von Weittenhiller“. In: Innsbrucker Nachrichten, 16. Juli 1915, Nr. 353, S. 10 ; ulb-digital.uibk.ac.at (PDF; 5,6 MB).), Hermann (1891–1914/15; verh. mit Pauline, geb. Pfaudler), Hermine (* 1893; verh. mit Friedrich Gagel, verwitwet 1914/15). Sowohl die beiden Söhne als auch zwei Schwiegersöhne starben in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs.
Bauten (Auswahl) mini|hochkant|St. Anton, Kempten 1897/1898: evangelische Stadtpfarrkirche in MindelheimJahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, Band 24, Augsburg 1990, S. 213. 1895–1896: katholische Pfarrkirche St. Gordianus und Epimachus in Winterbach 1898: Friedhofskapelle St. Andreas in Nesselwang 1898–1899: katholische Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin in Schretzheim 1901: Kirchturm der Kirche St. Martin und Alexander in WaltenhofenFaltblatt St. Martin Waltenhofen. (PDF) bistum-augsburg.de 1904–1906: St. Andreas in NesselwangJahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte, Band 24, Augsburg 1990, S. 214. 1908: Anbau des Kirchenschiffs und Turmaufstockung der katholischen Filialkirche St. Jodok in Senden (Bayern) 1909: evangelische Christuskirche in Haunstetten 1911–1912: St. Anton in Kempten
Schriften (Auswahl) Baugeschichte des Augsburger Domes mit besonderer Berücksichtigung der romanischen Periode. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg, 26, Jahrgang 1899, S. 1–80; Residenzgebäude und Pfarrkirche St. Lorenz. In: Festzeitung für das zwölfte Bayerische Turnfest in Kempten 1905, Nr. 1/2. Der Pfarrhof. Ein Bauratgeber für Pfarrpfründebesitzer. Verlagsanstalt vorm. G. J. Manz, Regensburg 1922. Die Kemptener Malerfamilie Hermann. In: Sonntagsbeilage zur Augsburger Postzeitung, Jahrgang 1923, Nr. 14–20. Geschichte des Klosters und Stiftes Kempten. 2 Bände. Unveröffentlichtes Manuskript mit Fotos und Zeichnungen, Kempten 1923, Bestand der Bayerischen Staatsbibliothek München, Codices germanici, Neue Reihe, Nr. 7242, S. 394; google.de/books
Literatur Michael A. Schmid: Moderner Barock und Stilimitatoren. Sakraler Neubarock und denkmalpflegerische Rebarockisierungen in der Diözese Augsburg. Utz, München 2007, ISBN 978-3-8316-0670-2, S. 304–307 (Die Projekte von 1904–06 Schildhauer, Schurr und Sticht). Bernard Kühling: Allgäuer Künstlerlexikon. Kempten 2012, ISBN 978-3-00-042566-0.
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