Simomylodon ist eine ausgestorbene Gattung der Faultiere aus dem Verwandtschaftskreis der Mylodontidae. Sie kam im Zeitraum vom ausgehenden Oberen Miozän bis zum Ende des Pliozän vor 5,3 bis 2,8 Millionen Jahren in Südamerika vor. Das bedeutendste Fundmaterial stammt vom zentralen Altiplano in Bolivien und umfasst mehrere Schädel und Gebissreste sowie zahlreiche Teile des Bewegungsapparates. Dadurch ist das bisher dokumentierte Körperskelett das am besten bekannte und aussagekräftigste eines miozänen Vertreters der Mylodontidae. Anhand der Reste kann auf einen eher kleinen Angehörigen der Faultiergruppe geschlossen werden. Innerhalb des Schädelmaterials lassen sich eine robuste und grazile Form auseinanderhalten, die wohl mit männlichen und weiblichen Tieren in Verbindung stehen. Die im Detail teils unterschiedlichen Schädelausprägungen ermöglichen Rückschlüsse auf abweichende Verhaltensweisen. Der Bau der Gliedmaßen unterstützt eine bodenlebende Fortbewegung, die aber gelegentliches Graben oder Klettern nicht ausschließt. Die Gattung wurde im Jahr 2010 wissenschaftlich eingeführt. Momentan wird ihr eine Art zugewiesen.
Merkmale Schädel- und Gebissmerkmale Simomylodon war ein eher kleiner Vertreter der Mylodontidae, dessen Körpergewicht je nach Messmethodik schätzungsweise bei rund 228 kg oder 370 kg lag. Funde der Gattung umfassen mehrere Schädel und zusätzlich postcraniale Skelettelemente. Der Schädel war langgestreckt, Schädeldecke und Schädelbasis verliefen in Seitenansicht nahezu parallel zueinander, der vordere Abschnitt lag aber etwas tiefer als der hintere. In Aufsicht war der hintere Schädelabschnitt im Vergleich zur Gesamtlänge auffallend breit. Dies erinnert an Pleurolestodon, weicht aber von anderen Mylodonten wie Glossotherium und Paramylodon ab. Das Rostrum war kurz. Das Nasenbein zeigte kurz vor den Augenfenstern eine scharfe Einschnürung und verbreiterte sich sowohl nach vorn als auch nach hinten zunehmend. Der vordere Rand verlief weitgehend konvex. Die sich in Aufsicht nach vorn verbreiternde Schnauze ist ein typisches Kennzeichen der Mylodonten. In seitlicher Ansicht wurde die Schnauze vom Oberkiefer dominiert, der auf nahezu der gesamten Länge mit dem Nasenbein fusionierte. Der Mittelkieferknochen besaß eine V-förmige bis stärker geschwungene Gestalt. Stirn- und Scheitelbein waren flach. An den Scheitelbeinen erhoben sich leichte Temporalgrate, die parallel verliefen, sich aber nicht zu einem Scheitelkamm vereinten. Der Jochbogen war nicht geschlossen. Der vordere, am Jochbein ansetzende Bogenabschnitt bestand wie üblich bei den Faultieren aus drei Fortsätzen, einem aufsteigenden, einem horizontalen und einem absteigenden. Der größte war der aufsteigende Fortsatz, der an der Basis breit begann und in einer gerundeten Spitze endete. Der horizontale Fortsatz hatte eine dreieckige Form und traf sich mit dem langschmalen hinteren Bogenabschnitt des Schläfenbeins. Die extrem lange Form des hinteren Jochbogenabschnitts kann als untypisches Merkmal der Mylodonten aufgefasst werden. Der absteigende Fortsatz endete teilweise hakenförmig. Das Tränenbein war breit und bildete einen Teil des Orbitarandes, wobei der am Augenfenster beteiligte Abschnitt den des Gesichtes übertraf. Das Hinterhauptsbein stand senkrecht bis schräg nach hinten abfallend. Der Hinterhauptswulst war durchgehend stark entwickelt. Die Gelenke zur Artikulation mit der Halswirbelsäule standen prominent hervor und waren deutlich voneinander getrennt. An der Schädelbasis zeigten die Flügelbeine deutliche Aufblähungen. Das Gaumendach verbreiterte sich analog zum Rostrum nach vorne und besaß so eine V-förmige Gestalt.
Der Unterkiefer wurde rund 24 cm lang und war unterhalb der molarenartigen Zähne rund 5,5 cm hoch. Dadurch wirkte er kurz und gedrungen. An der Unterkante verlief der horizontale Knochenkörper nahezu gerade, ein Charakteristikum der Mylodonten. Nach vorn zog die Symphyse faultiertypisch zu einem Fortsatz aus, der bei Simomylodon kurz und breit war und in einer geraden Kante endete, vergleichbar zu Glossotherium und Lestodon, aber abweichend zu Paramylodon. Im seitlichen Profil verlief die Unterkante der Symphyse durch verschiedene Ausdellungen und Einbuchtungen irregulär. Bemerkenswert ist die variable Ausbildung der Foramina mentalia mit ein bis sechs Öffnungen, wobei Größe und Anzahl selbst bei einzelnen Individuen stark schwankte. Das Foramen mandibulae öffnete sich auf der Innenseite des Unterkiefers deutlich hinter dem letzten Zahn und unterhalb des Kronenfortsatzes. Am aufsteigenden Ast kamen alle drei Fortsätze (Kronen-, Gelenk- und Winkelfortsatz) deutlich voneinander getrennt vor. Der vordere Rand des aufsteigenden Astes überdeckte nicht den letzten molarenartigen Zahn. Das stimmt mit Paramylodon überein, weicht aber von Pleurolestodon und Mylodon ab. Der Kronenfortsatz stieg steil auf und hatte ein hakenförmiges Ende. Der Gelenkfortsatz saß etwa auf Höhe der Kauebene der Zähne, das Gelenk selbst war breiter als lang. Der Winkelfortsatz am hintersten Ende des Unterkiefers setzte sich durch seinen ausgebeulten Verlauf der Unterkante deutlich vom horizontalen Knochenkörper ab.
Das Gebiss von Simomylodon wies den für Faultiere typischen Aufbau auf. Die jeweilige obere Zahnreihe bestand aus fünf, die untere aus vier Zähnen, insgesamt waren somit 18 Zähne ausgebildet. Alle Zähne standen in Reihe mit Ausnahme des vordersten Zahns des Unterkiefers, der etwas seitlich nach außen verschoben war. Im oberen Gebiss divergierten die Reihen zueinander, im unteren waren sie eher parallel ausgerichtet. Sowohl im oberen wie auch im unteren Gebiss wies der jeweils vorderste Zahn eine eckzahnartige (caniniforme) Gestalt auf, alle anderen Zähne waren molarenartig (molariform). Das vereint Simomylodon mit den meisten Mylodonten ausgenommen etwa Mylodon, dessen vorderster Zahn in der oberen Gebissreihe reduziert war. Ein Diastema zwischen den caniniformen und den molariformen Zähnen war nicht ausgebildet, was einen Unterschied zu Lestodon mit seiner außerordentlich großen Zahnlücke darstellt. Der vordere, eckzahnartige Zahn wies einen halbkreisartigen bis dreieckigen Querschnitt auf. Er war relativ klein, was etwa mit Glossotherium und Pleurolestodon übereinstimmt, aber deutlich von Lestodon mit seinen stark vergrößerten vorderen Zähnen abweicht. Die molarenartigen Zähne hatten die für Mylodonten charakteristische ebene Kaufläche gebildet aus zwei lappartigen (bilobaten) Strukturen, die im Umriss rauten- oder T-förmig wirkten. Lediglich der vordere obere molarenartige Zahn war oval im Querschnitt. Die obere Zahnreihe war zwischen 9,0 und 10,4 cm lang, davon nahmen die molariformen Zähne zwischen 7,5 und 8,6 cm ein. Der größte Zahn war jeweils der hinterste.
Skelettmerkmale Vom Körperskelett von Simomylodon sind hauptsächlich die Elemente der Vorder- und Hintergliedmaßen überliefert. Das in Aufsicht dreieckige Schulterblatt glich weitgehend dem anderer Mylodonten und besaß eine massige Schultergräte. Diese verlängerte sich bauchwärts und ging in das Acromion oder die Schulterhöhe über, das sich wiederum mit dem Rabenschnabelfortsatz (Processus coracoideus) verband. Dadurch entstand ein charakteristischer Bogen, der sogenannte „Acromiocoracoid-Bogen“, ein auffallendes Kennzeichen der Faultiere. Der Oberarmknochen maß 20,8 bis 25,8 cm in der Länge und wies einen halbkugeligen Gelenkkopf auf, an dem direkt der kleine Vorsprung (Tuberculum minus) ansaß. Der große Vorsprung (Tuberculum majus) ging an der Schaftseite in eine ausgeprägte deltopectorale Leiste über, die als Muskelansatzstelle fungierte. Sie war markanter ausgeprägt als bei Glossotherium oder Lestodon. Das untere Gelenkende kragte charakteristisch heraus, die äußere Epikondyle war aber weniger auffällig entwickelt als bei Glossotherium. Die Speiche erreichte eine Länge von 18,9 bis 20,1 cm und zeigte sich vergleichsweise kürzer und kompakter als etwa bei Paramylodon. Die Elle ist bisher nur fragmentarisch überliefert, wobei es am aussagekräftigen oberen Gelenkfortsatz, dem Olecranon, fehlt. Sie war aber vergleichsweise kurz gestaltet. Der Oberschenkelknochen wurde 30,7 bis 34,3 cm lang. Er war wie bei den meisten Bodenfaultieren brettartig flach. Sein Schaft krümmte sich leicht seitlich. An der äußeren Längskante befand sich eine aufgeraute Stelle, die den dritten Rollhügel anzeigte und stärker entwickelt war als bei Glossotherium. Der Große Rollhügel war breit und tief, aber wenig erhaben und lag so unterhalb des Gelenkkopfes. Dieser saß wiederum auf einem kurzen Hals. Mit nur 15,4 bis 18,8 cm Länge war das Schienbein nur knapp halb so lang wie der Oberschenkelknochen. Dies ist typisch für Mylodonten und ein deutlicher Gegensatz etwa zu den Megatheriidae mit ihren auffallend längeren unteren Beinabschnitten. Die Gelenkenden zeigten sich bei Simomylodon robust und breit, das obere übertraf das untere an Weite, was typisch für bodenlebende Faultiere ist. Neben dem schlanken Wadenbein war auch eine Cyamella ausgebildet, ein Sesambein von kugeliger Gestalt. Hände und Füße sind mit einzelnen Wurzelknochen, Metapodien und Phalangen überliefert. Rekonstruiert bestand die Hand aus fünf Strahlen, krallenbewehrt waren aber nur die ersten drei Finger, was anhand der entsprechenden spitzen Endglieder erkennbar ist. Diese Konfiguration tritt auch bei den späteren Mylodonten üblicherweise auf. Die Mittelhandknochen waren schlank und langgestreckt gebaut. Der dritte Mittelhandknochen erreichte bis zu 7,2 cm Länge und war in einzelnen Fällen mit dem Kopfbein verwachsen. Der zweite und erste Mittelhandknochen wurden 5,5 beziehungsweise 3,8 cm lang. Den längsten bildete der vierte mit rund 8 cm, während der äußere die Ausmaße des dritten aufwies. Vom Fuß sind bis auf das Sprung- und Fersenbein und weiteren Wurzelknochen lediglich einige wenige Mittelfußknochen dokumentiert, die ebenfalls relativ schlank und grazil wirkten.
Osteoderme Als einzige Faultiergruppe besaßen Mylodonten knöcherne Hauteinlagerungen, sogenannte Osteoderme, die heute nur noch bei Gürteltieren vorkommen. Bekannt ist dieses vor allem von Mylodon, Glossotherium und Paramylodon. Für Simomylodon sind ebenfalls einzelne Knochenplättchen überliefert, die zu den frühesten Nachweisen innerhalb der Mylodonten gehören. Eine größere Konkretion, die zusammen mit einem Schädel aufgefunden wurde, besteht aus mehreren rund 4 mm langen Osteodermen. Ein isoliert geborgenes Stück maß wiederum rund 17 mm im Durchmesser. Bemerkenswert ist die große Variationsbreite in den Dimensionen. Für die kompakte Ansammlung wird eine Position nahe am Kopf oder Nacken vermutet.
Fossilfunde