Der Rudolph-Wilde-Park (früher: Stadtpark Schöneberg) liegt im Berliner Ortsteil Schöneberg. Die öffentliche Grün- und Erholungsanlage trägt den Namen des ersten Oberbürgermeisters Rudolph Wilde, auf dessen Initiative zwischen 1911 und 1914 das Rathaus der damals noch selbstständigen Stadt Schöneberg gebaut wurde.
Der langgestreckte, schmale Park mit einer Fläche von 6,6 Hektar beginnt am Rathaus und zieht sich von der Martin-Luther-Straße über rund 650 Meter nach Westen bis zur Bezirksgrenze am Volkspark Wilmersdorf an der Kufsteiner Straße. Baumbestandene Spazierwege, Spiel- und Liegewiesen, das Baudenkmal Carl-Zuckmayer-Brücke mit dem oberirdischen U-Bahnhof Rathaus Schöneberg und der Hirschbrunnen im Kurpark-ähnlich angelegten Ostteil prägen das Bild des stark frequentierten Parks.
Eiszeitliche Abflussrinne mini|links|Sanft geschwungene Liegewiesen mini|links|Carl-Zuckmayer-Brücke mit U-Bahn-Eingang mini|links|Ostteil, Blick zur Brücke mit dem darunterliegenden U-Bahnhof
Geologisch liegt das Gartendenkmal Rudolph-Wilde-Park in einem Nebenarm der glazialen Rinne der Grunewaldseenkette. Das Gebiet gehörte zu einem morastigen Fenn, das am Ende der letzten Eiszeit entstanden war und ursprünglich vom Nollendorfplatz entlang des Teltowrückens bis zum Lietzensee floss. Eine Informationstafel vor Ort führt dazu aus:
Diese verbliebene Abflussrinne begann südlich des ehemaligen Mühlenbergs, auf dem das Rathaus errichtet wurde. Der Ententeich vor dem U-Bahnhof Rathaus Schöneberg stellt heute das letzte östliche Gewässer der Niederung dar, die sich als insgesamt rund Kilometer langer und rund 150 Meter breiter innerstädtischer Grünzug nach Westen über den benachbarten Volkspark Wilmersdorf und den Fennsee bis zum Stadtring erstreckt. Die Nebenrinne setzt sich nach ihrer Unterbrechung durch Sportplätze und umbautes Gelände am Hubertussee fort und trifft mit dem Herthasee am Koenigssee senkrecht auf die Grunewaldrinne.
Der Park heute
Allgemeine Beschreibung Die sanft geschwungenen Liegewiesen im Westteil und die gerne von Joggern genutzten und baumbestandenen Wege in erhöhter Randlage zeigen auch heute noch die Rinne der Schmelzwässer an. Besonders deutlich ist der Talcharakter des Parks am U-Bahnhof Rathaus Schöneberg zu sehen.
Carl-Zuckmayer-Brücke mini|Gedenktafel für Carl Zuckmayer am Grundstück Fritz-Elsas-Straße 18
Die U-Bahn-Linie U4 teilt den Park in einen östlichen und einen westlichen Abschnitt. Die Ingenieure nutzten die gesamte Parkbreite für die Anlage des U-Bahnhofs, der hier mit seinen beiden verglasten Seiten offen zum Park liegt und zu den schönsten U-Bahnhöfen der Stadt zählt. Die U-Bahn fährt unterirdisch bis zur Parkrinne und tritt im Park an die vom Bahnhof umbaute Oberfläche, um auf der anderen Bahnhofs- und Parkseite wieder unter die Erde zu tauchen. Trotz der offenen Lage ist der Bahnhof nicht zu ebener Erde, also von den beiden Parkseiten aus zugänglich, sondern muss wie jeder U-Bahnhof von oben über Treppen begangen werden. Dieses „Oben“ beziehungsweise das Dach des Bahnhofs bildet die historische Carl-Zuckmayer-Brücke mit steinernen Figuren und Vasen auf einer kunstvollen Brüstung, von der breite Treppen in die beiden Parkteile hinunterführen. Die Brücke verbindet den nördlichen und südlichen Teil der Innsbrucker Straße über die Parkniederung hinweg, ist allerdings für den Durchgangsverkehr gesperrt und bleibt Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Sie trägt ihren Namen nach dem Schriftsteller Carl Zuckmayer, der 1924 zusammen mit Bertolt Brecht als Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin tätig war und unmittelbar beim südlichen Ende der Brücke wohnte.
Die Brücke und der U-Bahnhof erfuhren zwischen 1995 und 2005 eine langwierige und aufwendige Sanierung, die durch den nach wie vor morastig-sumpfigen Untergrund erschwert wurde. Bei dem Neubau der Treppenaufgänge stellte sich beispielsweise heraus, dass die Eichenpfähle im Sumpf unter den Treppen faulten und zu kurz waren. Als Ersatz wurden 21 Meter lange Betonpfähle tief in den Untergrund getrieben. Die Notwendigkeit zu den umfangreichen Sanierungen ergab sich aus einer Absackung des Gebietes vor dem Bahnhof um rund sechzig Zentimeter; der Hirschbrunnen und das Milchhäuschen im Ostteil des Parks drohten gleichfalls im Untergrund zu versinken.
Ententeich und Trauerweiden mini|links|Fische und Algen im Ententeich
Westlich direkt vor der Brücke beziehungsweise vor der Verglasung des U-Bahnhofs liegt der kleine Ententeich, der – wie die anschließende Liegewiese – bereits auf das neue Niveau angehoben ist. Während der Ostteil des Parks inzwischen vollständig saniert wurde, dauerten die Arbeiten am Ententeich länger und waren erst im Oktober 2005 nach zehn Jahren Bauzeit endgültig abgeschlossen. Der Teich erhielt seine ursprüngliche Funktion als „spiegelnde“ Verbindung der Architektur des Bahnhofs zum Landschaftsgarten „im Stil einer Orangerie“ zurück. Nach einem Informationsblatt vor Ort plante das Bezirksamt:
mini|Umstrittene Trauerweide
In einer – für die Bevölkerung überraschenden – Aktion waren im April 2005 fünfzehn Bäume rund um den Ententeich gefällt worden. Zwei Trauerweiden mit Vogelnestern, um die ein heftiger Streit entbrannt war, blieben vorerst am Ufer stehen. Während Baustadtrat Gerhard Lawrentz (CDU) und auch die obere Denkmalschutzbehörde aus den beschriebenen Gründen nach wie vor für die Fällung eintraten, befürwortete Bezirksbürgermeister Ekkehard Band (SPD) ihre Erhaltung. Da die Sanierungsmaßnahmen und auch der „Kahlschlag am Ententeich“ (Berliner Morgenpost vom 23. April 2005) über „ökologische Ausgleichsmaßnahmen“ finanziert werden, erwägt der Bund für Umwelt und Naturschutz Berlin (BUND) eine Klage gegen das Bezirksamt wegen einer Zweckentfremdung der Mittel. Die schnell gebildete Parkinitiative Rettet die Trauerweiden brachte an einer Weide ein Plakat mit der Aufschrift „Dieser Baum bleibt stehen“ an. Ingrid Winkler von der Initiative protestierte laut Berliner Morgenpost vom 26. April 2005 unter anderem gegen „die zynische Fällbegründung der Denkmalbehörde, die Bäume störten die Wirkung des Baudenkmals U-Bahnhof im Wasserspiegel des Teichs.“
Zum Ende des Jahres 2005 kamen die Bauarbeiten am Ententeich zum Abschluss. Eine naturnahe Abdichtung aus Lehm ersetzt das bisherige Asphaltbecken des Teiches. Die Wasserversorgung erfolgt nun aus einem Tiefbrunnen am südlichen Ende des U-Bahnhofs. Das Frischwasser und am Ufer abgesaugtes Teichwasser kann über Umwälzpumpen mit Luft-Sauerstoff angereichert werden. Zusammen mit einem biologisch arbeitenden Filtersystem, dem sumpfigen Schilfgürtel am Nordufer, soll diese Maßnahme die Nährstoffkonzentration im Teich in Grenzen halten und so der Veralgung vorbeugen.
Kurparkcharakter im Ostteil mini|Ostteil des Parks mini|links|Parkbeginn am Rathaus Schöneberg mini|Großes Fenn und Mühlenberg, 1860
Während die Arbeiten am Ententeich im westlichen, eher „naturlandschaftlich geprägten Parkteil“ längere Zeit in Anspruch nahmen, ist die Sanierung des kleineren, rund ein Drittel der Gesamtfläche einnehmenden östlichen Teils seit 2001 beendet. Dieser Teil beginnt unmittelbar am Rathaus Schöneberg und gilt als der „architektonische Teil“ oder auch „geometrische Teil“ mit repräsentativem Kurparkcharakter.
mini|links|hochkant|Hirschbrunnen
An einem historischen und sanierten Milchhäuschen führt eine breite Treppe hinunter zu einer großen Brunnenanlage mit Fontänen, in dessen Mitte sich eine 8,80 Meter hohe Säule erhebt, die ein goldener Hirsch, das Wappentier von Schöneberg, krönt. Der Hirsch ist ein Werk des Bildhauers August Gaul. Im Milchhäuschen wurde im Jahr 2001 ein Biergarten eingerichtet.Cay Dobberke: "Platzhirsch": Gerstensaft aus dem alten Milchhäuschen. In: Der Tagesspiegel, 29. März 2001, abgerufen am 10. Februar 20201.
mini|Goldener Hirsch
Eine weite Brüstung fasst bis zur Carl-Zuckmayer-Brücke im Halbrund eine Wiese ein, die von breiten baumbestandenen Wegen gesäumt ist. Auf dieser Wiese wurde 1951 eine öffentliche FernsehübertragungErste öffentliche Fernsehübertragung im Schöneberger Stadtpark, Foto Max Schirner; Deutsches Historisches Museum veranstaltet. Viele Bänke und im Sommer ein Biergarten am Milchhäuschen laden zum Verweilen ein.
Neben der Stabilisierung von Milchhäuschen und Brunnenanlage auf dem morastigen Untergrund sowie ihrer Renovierung umfasste die Sanierung umfangreiche Neupflanzungen und die Anlage von Blumenbeeten. Die Sanierungsgesamtkosten betrugen für diesen etwa 200 Meter langen Parkteil rund fünf Millionen Euro. Die Sanierung des direkten Bahnhofsbereichs oblag ihrem Besitzer, der BVG.
Gründungsgeschichte des Parks
Namensgebung Um 1900 stellte Stadtbaurat Friedrich Gerlach einen Bebauungsplan für Schöneberg auf, der im rund 7,5 Hektar großen Talfenn eine Parkanlage vorsah, die sich in der Nachbarstadt nach Westen bis zum ehemaligen Wilmersdorfer See fortsetzen sollte, der zwischen der heutigen Bundesallee und der Uhlandstraße lag und ab 1915 zugeschüttet wurde. Der Volkspark Wilmersdorf hieß daher lange „Seepark“, während der Schöneberger Abschnitt ursprünglich als „Stadtpark Schöneberg“ angelegt war.
mini|links|Alter Stationsname
Auch der U-Bahnhof trug den Namen Stadtpark. Die Umbenennung in Rudolph-Wilde-Park erfolgte ersatzweise, als drei Tage nach der Ermordung Kennedys zu dessen Ehren und zur Erinnerung an seine berühmte Rede auf dem Rathausvorplatz vom 26. Juni 1963 mit dem legendären Bekenntnis „Ich bin ein Berliner“ der Platz am 25. November 1963 in John-F.-Kennedy-Platz umbenannt wurde – bis dahin hatte der Rathausvorplatz den Namen Rudolph-Wilde-Platz getragen.
Planung und Baudaten Das Konzept der Parkgestaltung ging aus verschiedenen preisgekrönten Arbeiten eines überregionalen Wettbewerbs von 1906 hervor, deren Ausführungsplanung Stadtbaurat Gerlach übernahm. Gewinner des Wettbewerbs war der Gartenarchitekt Otto Kruepper. Gerlach übernahm allerdings keinen Wettbewerbsentwurf in reiner Form, sondern erarbeitete eine Kombination aus verschiedenen Beiträgen, die dem Entwurf des zweiten Preisträgers Fritz Encke am nächsten kam.Entlang der U-Bahn-Linie 4: Kiezspaziergang vom 19.07.2014 mit Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, auf www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg. Abruf am 10. Februar 2021. (Nach dem Kölner Gartendirektor Encke ist der Fritz-Encke-Volkspark in Köln-Raderthal benannt). Die noch heute bestehende Teilung des Schöneberger Parks in den westlichen Teil mit landschaftlichem und den östlichen Teil mit repräsentativem Charakter geht auf die ursprünglichen Planungen zurück, die Ruhe und Naturbeobachtung in den Vordergrund stellten und damit entgegen der späteren Nutzung Spiel und Sport ausschlossen. Spielplätze, soweit unumgänglich, sollten möglichst unauffällig integriert werden. Für die Begrünung pflanzten die Gartenarchitekten rund 500 bis zu 20 Meter hohe Bäume.
Die Anlage des Parks stellte die Planer vor erhebliche Probleme, denn ein bis zu 30 Meter tiefer Sumpf war trockenzulegen und mit Sand aufzufüllen. Zur Verankerung im morastigen Boden mussten sämtliche Bauten im Parkgelände auf Eichenpfähle gestellt werden. Die Arbeiten wurden zwischen 1910 und 1912 durchgeführt und mit dem Bau der U-Bahn koordiniert, indem der Aushub der Bahnschächte in einem Gesamtvolumen von rund 850.000 m³ zur Aufschüttung im Fenn verwendet wurde. Die Informationstafel gibt die Erinnerung eines Schöneberger Bürgers wieder, der als Kind den Bau hautnah miterlebte:
Bis zu 500 Arbeiter waren an einem derartigen Tagwerk beteiligt. Die Landschaftsteile waren im Wesentlichen zur U-Bahn-Eröffnung 1910 fertig, der Hirschbrunnen und die Treppenanlagen zum Rathaus folgten 1912.
mini|Figurengruppe Triton mit Nymphe