Sumbulwurzel oder Moschuswurzel ist eine Droge, die aus der im Gebiet des ehemaligen Turkestan vorkommenden Pflanze Ferula moschata (Syn.: Ferula sumbul , Euryangium sumbul ) gewonnen wird.Robert Bentley und Henry Trimen. Medicinal plants. J. & A. Churchill, London 1880, Band 2, No 129 (Digitalisat)Henry Trimen. In: The Journal of Botany, 1875, S. 275 (Digitalisat) Die Pflanze ist eine Art aus der Gattung der Steckenkräuter (Ferula) innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung Die Sumbulwurzel ist eine Pflanze, die 50 bis 100 Zentimeter hoch wird. Die Stgängel sind verzweigt, wobei die oberen Äste wirtelig angeordnet sind. Die Blattspreite ist breit elliptisch-dreieckig und zweifach gefiedert. Die Segmente letzter Ordnung sind 20 bis 35 Millimeter lang und 10 bis 15 Millimeter breit, länglich-lanzettlich und ganzrandig oder eingeschnitten. Sie sind oberseits kahl, unterseits behaart. Die endständige Doppeldolde ist lang gestielt, die seitlichen 1–2 Dolden überragen die entständige Dolde etwas. Der Durchmesser der Dolden ist 4 bis 6 Zentimeter. Die Dolde besitzt 6 bis 12 Strahlen, aber keine Hülle. Die Döldchen haben 9 bis 12 Blüten und lanzettliche Hüllchenblätter. Die Frucht ist ellipsoidisch und etwa 7 Millimeter lang. Blütezeit ist Juni.

Vorkommen Die Sumbulwurzel hat ursprüngliche Vorkommen in Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan und Xinjiang.

mini|Habitus von Ferula moschata Taxonomie Die Sumbulkwurzel wurde 1846 als Sumbulus moschatus von dem deutschen Chemiker Hugo Reinsch in Jahrbuch für Practische Pharmacie und Verwandte Fächer Band 13 Seite 69 erstbeschrieben. Die Art wurde 1926 durch Boris Mikhailovic Koso-Poljansky in Byulleten Obshchestva Estestvoispytatelei pri Voronezhskom Gosudarstvennom Universitete (übersetzt: Bulletin der Gesellschaft der Naturforscher an der Staatlichen Universität Woronesch) Band 1 Seite 94 als Ferula moschata in die Gattung Ferula gestellt. Die Sumbulwurzel wurde auch 1871 von Nikolai Nikolajevich Kauffmann in Nouveaux Mémoires de la Société Impériale des Naturalistes de Moscou Band 13 Seite 258–259 als Euryangium sumbul neu beschrieben. Die Art wurde 1875 von Joseph Dalton Hooker in Botanical Magazine; or, Flower-Garden Displayed ... Band 101 Tafel 6196 als Ferula sumbul in die Gattung Ferula gestellt. Ferula sumbul ist aber nun ein Synonym von Ferula moschata

Nutzung Ersatz für Bisameibisch–Samen 1835/36 brachte ein persischer Kaufmann eine bedeutende Menge der Wurzel, angeblich aus Chokant, nach Moskau und verkaufte sie an die Drogerie der Gebrüder Thal. Diese verkauften die Wurzel anfänglich an Parfumeure, welche sie, wegen ihres feinen Moschus-Geruchs, anstatt der Bisameibisch–Samen (Abelmoschus moschatus Medik.) gebrauchten.Karl Heinrich Thielmann. Die Sumbulwurzel, ein neues sehr wirksames Arzneimittel. In: Medicinische Zeitung Russlands. 4. Jahrgang (1847), S. 1–2 (Digitalisat).

Bayern Gleichzeitig wurden auch kleinere Mengen der Wurzel ins Ausland verschickt.Flora oder allgemeine botanische Zeitung. Regensburg, No 42, 14. November 1840, Sitzungs-Protokolle der botanischen Section bei der achtzehnten Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte zu Erlangen im September 1840. Mitgetheilt von dem Sekretär der Section Prof. Dr. Fürnrohr. S. 665: … Hofrath Dr. v. Martius zeigt eine von Hrn. Staatsrath Ledebour eingeschickte, in Persien unter dem Namen Symbolis bekannte Wurzel, die daselbst als vorzügliches Mittel gegen Wassersucht und Atrophie gebraucht wird, sich besonders durch einen moschus- und kalamusartigen Geruch auszeichnet, und einer unbekannten Pflanze, wahrscheinlich einer Umbellifere, angehört. …Johann Heinrich Dierbach. Anhang, welcher die Beschreibung einiger rohen Pflanzentheile enthält, deren Abkunft bis jetzt unbekannt ist. … Radix Sumbul … Darin Dierbach: „… Herr Professor Erdmann in Dorpat hatte die Güte, mir diese seltene Droge durch Hrn. Staatsrath v. Ledebour vorzeigen zu lassen“. In: Handbuch der Pharmacie … von Philipp Lorenz Geiger. 2. Auflage, Winter, Heidelberg 1840, S. 1955. (Digitalisat)Journal de Pharmacie, Paris, Nov. 1840, S. 714–715: Extrait du procès-verbal de la séance de la Société de Pharmacie de Paris, du 7 octobre 1840. … M. Guibourt … montre des tronçons d’une racine qui lui a été envoyée par M. Dupray, pharmacien au Havre, et qui est remarquable par une odeur de musc très-prononcée. Cette racine est fournie par le sambolu ou sambola, espèce d’angélique gigantesque qui croit en Sibérie. In Bayern wurde die Wurzel zunächst mit den Methoden der analytischen Chemie untersucht, wobei die Identität der Stammpflanze und die therapeutische Wirkung der Wurzeln zunächst im Dunkeln blieben.Hugo Reinsch. Chemische Untersuchung der Radix Sumbulus oder Moschuswurzel. In: Jahrbücher für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 1843, Bd. VI, S. 297–310 (Digitalisat)Johann Heinrich Dierbach. Bemerkungen über die Radix Sumbul oder Moschuswurzel, in: Jahrbücher für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 1843, Bd. VII, S. 16–20 (Digitalisat)Hugo Reinsch. Nachträge zur chemischen Untersuchung der Radix Sumbulus oder Moschuswurzel, in: Jahrbücher für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 1843, Bd. VII, S. 79–86 (Digitalisat)Hugo Reinsch. Radix Sumbulus (Moschuswurzel) , in: Buchners Repertorium für die Pharmacie, 1843, Bd. 82, S. 210–215 (Digitalisat)Johann Andreas Buchner. Noch etwas über Radix Sumbul oder Persische Moschuswurzel, in: Buchners Repertorium für die Pharmacie, 1843, Bd. 82, S. 216–221 (Digitalisat)Adalbert Schnizlein und Albert Frickhinger. Über radix Sumbul, Muschuswurzel, in: Buchners Repertorium für die Pharmacie, 1844, Bd. 83, S. 25–32 (Digitalisat)Joh. B. Kallhofert. Beitrag zur Kenntnis der Sumbulwurzel, in: Buchners Repertorium für die Pharmacie, 1844, Bd. 84, S. 368–375 (Digitalisat)Hugo Reinsch. Verhalten des Angelikabalsams gegen Schwefelsäure und bei der trocknen Destillation, in: Buchners Repertorium für die Pharmacie, 1845, Bd. 89, S. 299–304 (Digitalisat)

1844 wurde die Wurzel im Selbstversuch in einem Gewicht von einer Drachme (ca. 3,7 Gramm) von zwei Personen eingenommen. Bei beiden stellten sich ca. 60 Minuten nach der Einnahme folgende Symptome ein: Zittern, Schwäche der Extremitäten, Eingenommenheit des Kopfes, angenehme Gefühlslage, angenehme Träume, vermehrte Magentätigkeit, Appetitanregung und eine leichte Erhöhung der Urinausscheidung.Schnizlein und Frickhinger 1844, S. 31–32. – J.B. Kallhofert 1844, S. 375

Im deutschen Sprachraum wurde die Sumbulwurzel nicht in amtliche Arzneibücher aufgenommen.Theodor Husemann. Handbuch der gesammten Arzneimittellehre. 2 Bände, Springer, Berlin 1873–1875. 2. Aufl., Springer, Berlin 1883. Band II, S. 965 (Digitalisat)

Russland Von 1844 bis 1847 verordnete Heinrich Thielmann im Peter-Paul-Hospital in Sankt Petersburg über 200 Mal Arzneien, die Sumbulwurzeln enthielten. Nach „glücklichsten Erfolgen“ bei der Behandlung des „nervösen Stadiums des Intestinaltyphus“ mit der Wurzel erweiterten er und seine Schüler den Indikationsbereich für das neue Mittel.Heinrich Thielmann. Jahresbericht vom Peter-Pauls-Hospitale in St. Petersburg für das Jahr 1844. In: Medicinische Zeitung Russlands, 2. Jahrgang (1845), S. 238 (Digitalisat)Heinrich Thielmann. Die Sumbulwurzel, ein neues sehr wirksames Arzneimittel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jahrgang (1847) S. 1–6 (Digitalisat) Zubereitungen aus der Sumbulwurzel setzten sie zur Behandlung der folgenden Krankheiten ein: Intestinaltyphus im nervösen Stadium Chronische Nervenkrankheiten Sensibilitäts-Neurosen des UnterleibsArcadius Wittkoff. Zur Pharmakodynamik der Sumbulwurzel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jg. (1847), No 11, S. 81–83 (Digitalisat) Motilitäts-Neurosen (2 Fälle von Chorea St. Vitii)Dr. Meinhard. Drei Fälle von Motilitäts–Neurosen, beobachtet im Peter-Pauls-Hospitale in St. Petersburg. In: Medicinische Zeitung Russlands, 3. Jg. (1846), No 43, S. 353–356 (Digitalisat) Anästhesie der Harnblasennerven. Enuresis und Harnverhaltung DurchfallA. Murawjeff. Über das Sumbulin. In: Medicinische Zeitung Russlands, 10. Jg. (1853), S. 249–251 (Digitalisat)Alexander Murawjew. Resina sumbuli, ihre Bereitung und therapeutische Anwendung. In: Medicinische Zeitung Russlands, 10. Jg. (1853), S. 321–324 (Digitalisat) Cholera sporadicaHeinrich Thielmann. Hartnäckiges Erbrechen mit großem Verfall der Kräfte, durch Radix sumbul geheilt. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jg. (1847), S. 103–104 (Digitalisat) Appetitlosigkeit und Magenblähung Heinrich Thielmann. Pneumatose des Magens und später Ischuria renalis, durch Radix sumbul geheilt. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jg. (1847), S. 93–94 (Digitalisat) Chronische BronchitisA. Murawjeff. Über das Sumbulin. In: Medicinische Zeitung Russlands, 10. Jg. (1853), S. 249–251 (Digitalisat)Alexander Murawjew. Resina sumbuli, ihre Bereitung und therapeutische Anwendung. In: Medicinische Zeitung Russlands, 10. Jg. (1853), S. 321–324 (Digitalisat) Delirium tremens Heinrich Thielmann. Delirium tremens, ein Beitrag zur Pharmakodynamik der Sumbulwurzel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jg. (1847), S. 124–125 (Digitalisat)Dr. Meinhard. Radix Sumbul gegen delirium tremens. In: Medicinische Zeitung Russlands, 7. Jg. (1850), S. 143–144 (Digitalisat)Theodor Wittmaack. Handbuch der rationellen Therapie vom heutigen Standpunkt wissenschaftlicher Forschung und klinischer Erfahrung für praktische und angehende Aerzte. Ernst Schäfer, Leipzig 1858, Bd. 1, S. 170 (Digitalisat) Heinrich Thielmann. Berichtigung. Dr. Theodor Wittmaack in Altona und die Sumbulwurzel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 16. Jg. (1859), S. 80 (Digitalisat) Veraltete FistelnHeinrich Thielmann. Heilung veralteter Fisteln. Ein Beitrag zur Pharmakodynamik der Sumbulwurzel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jg. (1847), S. 157–160 (Digitalisat)

Thielmann gab folgende Arzneiformen an, in denen er die Sumbulwurzel verabreichte: Aufguss, Abkochung und Tinktur. Die Tinktur bereitete er so: „Nimm grob gepulverte Sumbulwurzel fünf Unzen (150 Gramm), rectifizierten Weingeist zwei Pfund (720 Gramm). Maceriere acht Tage in einem verschlossenen häufig zu schüttelnden Gefäße, dann presse aus und filtriere. Gabe: 15–25 Tropfen alle 3–4 Stunden.“Heinrich Thielmann. Die Sumbulwurzel, ein neues sehr wirksames Arzneimittel. In: Medicinische Zeitung Russlands, 4. Jahrgang (1847) S. 5–6 (Digitalisat)

England Ab der 11. Auflage 1852 wurde die Sumbulwurzel in das „Londoner Arzneibuch“ als Mittel zur Stimulation des Nervensystems aufgenommen.Augustus Bozzi Granville. The Sumbul. A new Asiatic remedy of great power against nervous disorders, spasms of the stomach, cramp, hysterical affections, paralysis of the limbs, and epilepsy. With an account of its physical, chemical, and medicinal characters, and specific property of checking the progress of collapse-cholera, as first ascertained in Russia. Churchill, London 1850 (Digitalisat)Pharmaceutical Journal, Feb. 1852, S. 144: „To correspondents. … A.D.J. (Norwich). Tincture of Sumbul. In the absence of any formula published on authority, we have adopted the following: - Rp Sumbul drachme ij.; Proof Spirit, drachme XVj.. Macerate seven days and strain.“ (Digitalisat)Anthony Todd Thomson (1778–1849). The London dispensatory. Containing I. The elements of Pharmacy. II. The botanical description, natural history, chymical analysis, and medical properties, of the substances of the materia medica. III. The pharmaceutical preparations and compositions of the Pharmacopeeias of London, Edinburgh and Dublin. 11th Ed. 1852 S. 690–691 (Digitalisat)Robert Bentley und Henry Trimen. Medicinal plants. J. & A. Churchill, London 1880, Band 2, No 129 (Digitalisat) Noch 1934 wurde Sumbul im „British Pharmaceutical Codex“ als stimulierendes und krampflösendes Mittel bei „hysterischen Zuständen“ empfohlen.„The British Pharmaceutical Codex 1934“. London 1934, S. 1034–1035.