Die Heilig-Kreuz-Kirche in Srokowo () ist ein Backsteinbau, der 1409 errichtet wurde. Nach mehr als hundertjähriger vorreformatorischer Zeit wurde sie von der Reformation bis 1945 das zentrale Gotteshaus des evangelischen Kirchspiels Drengfurth in Ostpreußen. Seit 1945 ist sie römisch-katholische Pfarrkirche von Srokowo in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.
Geographische Lage Die Ortschaft liegt in der historische Region Ostpreußen, an der Omet. Durch den Ort verläuft die Woiwodschaftsstraße 650, die Stara Różanka (Alt Rosenthal) unweit der Stadt Kętrzyn () mit Węgorzewo (Angerburg) und Gołdap (Goldap) verbindet.
Der Standort der Kirche befindet sich im nordöstlichen Ortsgebiet an der ulica Traugutta. mini|150px|Der auf quadratischem Grundriss errichtete massive Turm der Kirche mini|150px|Die Vorhalle an der Südseite der Kirche mini|200px|Innenansicht der Kirche
Kirchengebäude Im Jahre 1409 wurde in Drengfurth eine Kirche errichtet,Kirche in Drengfurth bei ostpreussen.net die sich als chorloser verputzter Backsteinbau auf Feldsteinfundament bis heute erhalten hat.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 78–79, Abb. 291 Der Bau mit seinem massiven Westturm entspricht gotischer Architektur. Die Saalkirche wurde 1577 erneuert, wobei man vermutlich den Turm erhöhte. 1637 erfolgte eine neuerliche Renovierung, und im Jahre 1657 erfolgte nach dem Tatarensturm nahezu ein Wiederaufbau, bei dem man die Turmhöhe auf 31 Meter reduzierte. Dabei wurde auch das Kreuzgewölbe im Schiff durch eine flache Bretterdecke mit Pfeilern ersetzt, und der Innenraum erhielt Emporen. Drei Brüstungsfragmente mit bemalten Füllungen sind noch vorhanden. 1897 wurde eine neue Decke eingezogen.
Die Vorhalle im Süden und die Sakristei im Norden behielten ihre alten Kreuzgewölbe. Den Turm restaurierte man 1708/1709, wobei die Strebepfeiler an seinem Fuß 1712 von Maurermeister Matz aus Königsberg (Preußen) (heute ) angebracht wurden. Den Giebel der Vorhalle erneuerte man 1718. Eine weitere Renovierung der gesamten Kirche erfolgte 1824. 1897 wurde eine neue Decke eingezogen.
Der Altar wurde 1824 von Bildhauer Wilhelm Biereichel aus Rößel () – möglicherweise unter Verwendung älterer Teile – geschaffen. Die Bilder stammen von Johannes Strunge, ebenfalls aus Rößel. Die Kanzel entstand 1897, die Taufkammer aus dem zu Ende gehenden 17. Jahrhundert. Zur Innenausstattung gehört eine Skulptur der Mutter Gottes mit Kind im Altar von etwa 1410, außerdem eine achteckige Taufschale aus Messing von 1664. In der Turmhalle befindet sich ein Weihwasserbecken aus Granit aus dem 15. Jahrhundert.
Im Jahre 1769 erhielt die Kirche eine Orgel. Sie war das Werk des Königsberger Orgelbauers Johann Preuß. Das Instrument war damals einmanualig und verfügte über 13 Register. Der Prospekt ist bis heute erhalten. 1882 erfolgte der Einbau eines Pedals durch den Orgelbaumeister Max Terletzki aus Königsberg. 1897 wurde ein Orgelneubau durch Wilhelm Sauer vorgenommen. Das Instrument verfügte dann über zwei Manuale mit Pedal bei 18 Registern.
Die Glocken der Kirche stammten aus den Jahren 1870, 1871 und 1873.
1945 übernahm die Römisch-katholische Kirche das dann dem Heiligen Kreuz gewidmete Kirchengebäude im Tausch ihrer Drengfurther Kapelle mit der Evangelischen Kirche. In den Folgejahren wurde das Gebäude mehrfachen Restaurierungen unterzogen und seine Ausstattung den veränderten liturgischen Bräuchen angepasst.Katholische Pfarrei Srokowo 1974 fand eine Orgelrenovierung statt, 1975 wurde das Kirchendach erneuert. In den 2000er Jahren standen mehrfache Renovierungsmaßnahmen an, 2008 noch eine Überarbeitung der Orgel.
Auf dem Dachboden der Kirche in Radzieje () fand man 2017 die Holztafel mit Namen der Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus der Drengfurther Kirche. Sie ist auf ihren angestammten Platz zurückgekehrt.
Kirchen-/Pfarrgemeinde Die Gründung der Kirche in Drengfurth erfolgte in vorreformatorischer Zeit. Mit der Reformation hielt die lutherische Lehre Einzug in die kleine Stadt und ihr Umland an der Omet.
Evangelisch Kirchengeschichte Bereits in den 1540er Jahren amtierte an der Drengfurther Pfarrkirche ein evangelischer Geistlicher, von 1569 an bis 1926 von einem zweiten unterstützt.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 32–33 Die Kirchengemeinde war der Inspektion Rastenburg zugeordnet, später dann bis 1945 dem gleichnamigen Kirchenkreis in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. In Drengfurth lebte vor 1945 eine überwiegend evangelische Einwohnerschaft: so waren 1816 von 1217 Einwohnern 1211 evangelisch, 1858 waren es von 1739 Einwohnern 1659,Adolf Schlott, Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, Königsberg 1861, S. 205, Ziffer 52 und 1925 von 1618 Einwohnern 1613.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 473
Die Zahl der Gemeindeglieder im gesamten Kirchspiel Drengfurth belief sich 1925 auf 4650. Sie wohnten in der Stadt und etwa 30 Dörfern, Orten und Wohnplätzen. Das Kirchenpatronat oblag dem Magistrat der Stadt Drengfurth.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ließ nach 1945 die Zahl der evangelischen Einwohner erheblich schrumpfen. Man entschloss sich zwischen den beiden Konfessionen die Kirchengebäude zu tauschen. Die kleinere katholische Kapelle übernahm die jetzt zuständige Pfarrei in Kętrzyn als Filialkirche. Sie ist der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen zugehörig.
Kirchspielorte Zum Kirchspiel Drengfurth gehörten bis 1945 die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Bergensee Pieczarki Ivenhof Leśny Rów Nordenort Oparczyska * Drengfurth, Stadt(mit: Drengfurthshof und Waldhaus Drengfurth) Srokowo Jäglack Jegławki * Salzbach Solanka * Drengfurth, Vorstadt Knipprode Chojnica Schönthal Rybakowo Eulenhof Sówka Kollkeim Kolkiejmy * Schülzen Silec Friedenthal Suchodoły Leitnerswalde Osikowo Serwillen Surwile Friedrichsberg Wilcza Wólka Louisenhof Podlasie Stein, Forst Kamień Fürstenau Leśniewo * Marienthal Kosakowo Terra Siemkowo Fürstenhof Księży Dwór Marschallsheide Marszałki Waldenthal Lesieniec Fürstenwalde Kaczory (Adlig) Mühlbach Młynowo *Wolfshagen Wilczyny Hochberg Wysoka Góra Nordenhof Pyszki
Pfarrer Als evangelische Geistliche amtierten an der Kirche in Drengfurth: NN., bis 1545 Michael Eusebius, 1541–1545 Johann Kaunitz, 1551 Andreas Kallamanski, 1561–1568 Alexander Wüsthaupt, ab 1568 Bartholomäus Cortanus, 1569–^597 Leonhard Wendt, 1576/1579 Georg Rasch, 1583–1595 Philipp Tinctorius, 1595–1615 NN., 1597 Caspar Danowius, 1599–1619 Peter Tinctorius, 1612–1621 Andreas Gille, 1624 Andreas Großmann, 1624 Peter Prilowius, bis 1625 Johann Bachius, 1625/1629 Abraham Mansuetus Johann Christoph Rehfeld, 1653–1657 Christoph Bielau, 1659–1672 Andreas Nockius, ab 1661 Andreas Friederici, 1672–1684 Matthäus Cörber, ab 1685 Leopold Mrosovius, 1698–1737 Johann Georg Passarge, 1723–1761 Thomas Dombrowski, 1736–1737 Christian Swonckowski, 1738–1743 Georg Matth. Cucholowius, 1743–1747 Friedrich Ludwig Boretius, 1749–1754 Johann Gottfried Krakau, 1754–1787 Johann Ernst Henne, 1761–1793 Georg Alb. And. Skopnick, 1788–1791 Johann Wilhelm Gisevius, 1792–1796 Theodor Benjamin Schenkel, 1794–1816 Paul Sonnenberg, 1797–1798 Johann Friedrich Grawert, 1799–1813 Friedrich Wilhelm Willimzig, 1814–1817 Johann Gotthard Mertens, 1816–1830 Friedrich Otterski, ab 1822 Simon Mäckelburg, ab 1830 Ernst Julius Otterski, 1839–1883 Wilhelm August Simon, 1856–1867 Gustav Peter Westphal, 1868–1890 Rudolf A.K. Otterski, 1888–1898 Richard O.H. Schweitzer, 1890–1895 Berthold Gustav Schallenberg, 1896–1917 Albert Jackson, 1899–1911 Otto Meyhöfer, 1911–1913 Wilhelm Albert Olschewski, 1913–1920 Kurt Toball, 1916–1930 Helmut Lappoehn, 1922–1926 Johann Albert H. Klein, 1930–1939 Herbert Braun, 1940–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarre Drengfurth haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Kirchenbucharchiv Drengfurth Taufen: Deutsche Gemeinde: Stadtbezirk: 1766–1830, Landbezirk: 1766–1788 und 1815–1830, Militärbereich: 1767–1782, Gesamtpfarrei: 1831–1890 Polnische Gemeinde: Stadtbezirk: 1792–1822, Landbezirk: 1792–1821, Gesamtpfarrei: 1749–1771, 1822–1890
Trauungen: Deutsche Gemeinde: Stadtbezirk: 1729–1825, Landbezirk: 1765–1825, Gesamtpfarrei: 1825–1890 Polnische Gemeinde: Stadtbezirk: 1792–1796, 1804–1822, Landbezirk: 1792–1804, Gesamtpfarrei: 1750–1771, 1822–1890 Begräbnisse: Deutsche Gemeinde: Stadtbezirk: 1737–1808, Landbezirk: 1765–1808, Gesamtpfarrei: 1809–1891 Polnische Gemeinde: Gesamtpfarrei: 1750–1890
Katholisch Kirchengeschichte Im Jahre 1937 errichtete die Pfarrei St. Katharina in Rastenburg in Drengfurth eine Kapelle, um den Nordosten der weitflächigen Parochie gottesdienstlich zu entlasten. Die Zahl der Mitglieder der Pfarrei war gering, und sie mussten weite Wege zum Gottesdienst in Kauf nehmen. Bis 1945 gehörte die Rastenburger Pfarrei mit der Drengfurther Kapelle zum Dekanat Masuren II, das seinen Sitz in Johannisburg (polnisch Pisz) innerhalb des damaligen Bistums Ermland hatte.
Die Neuansiedlung zahlreicher meist aus Polen und der Ukraine stammender Neubürger ließ die Zahl der Katholiken nach 1945 in dem jetzt „Srokowo“ genannten Ort rapide ansteigen. Die Kapelle wurde zu klein, und man arrangierte sich mit der evangelischen Kirche, die ihre Pfarrkirche der katholischen Kirche übereignete. 1962 wurde in Srokowo die Pfarrei „Heiligkreuz“ errichtet, die nun zum Dekanat Kętrzyn II (Nordost) im jetzigen Erzbistum Ermland gehört.
Orte der Pfarrei Zur Pfarrei Srokowo gehören neben dem Dorf Srokowo zahlöreiche kleinere Dörfer, Orte und Wohnplätze: Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Bajory Małe Klein Bajohren1938–1945 Kleinblankenfelde Księży Dwór Fürstenhof Skandławki Skandlack Bajory Wielkie Groß Bajohren1938–1945 Großblankenfelde Łęknica Löcknick Solanka Salzbach Brzeźnica Birkenfeld Leśniewo Fürstenau Srokowski Dwór Drengfurthshof Jegławki Jäglack Leśny Rów Ivenhof Suchodoły Friedenthal Kałki Sechserben Lipowo Surwile Serwillen Karłowo Karlswalde Osikowo Leitnerswalde Szczeciniak Stettenbruch Kąty Langeneck Rydzówka Rehsau Wilczyny Wolfshagen Kolkiejmy Kollkeim Silec Schülzen Wólka Jankowska Marienwalde Kosakowo Marienthal Siniec Groß Blaustein1928–1945 Blaustein Wysoka Góra Hochberg
Pfarrer An der Heilig-Kreuz-Kirche in Srokowo amtier(t)en die Geistlichen: Krzysztof Bors seit dem 1.7.2022 Kazimierz Sawostianik (1986-2022) Mariusz Roman (2007–2010) Paweł Kaczmarczyk (2010–2013) Adam Brończyk (2013–2016) Adrian Dynda (2016–2018) Piotr Brygoła (seit 2018)
Verweise Literatur Drengfurth, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Drengfurth (meyersgaz.org). Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 71–73 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 229–230 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 287–289 (Google Books).
Weblinks
Historische Fotos aus Drengfurth mit seinen Kirchen Drengfurt und seine Nachbarorte Drengfurt Srokowo
Einzelnachweise