mini|Logo des FSC
Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale Non-Profit-Organisation ( ‚Verantwortung‘, ‚Verwalteramt‘). Das Unternehmen mit Sitz in Bonn wurde 1993 gegründet.
Obwohl als Non-Profit-Organisation bezeichnet, ist das Unternehmen, das in Deutschland als GmbH eingetragen ist, nicht als gemeinnützig anerkannt. Es erwirtschaftet u. a. aus Lizenzeinnahmen für das FSC-Markenzeichen in den letzten Jahren durchschnittliche Gewinne von ca. 1 Mio. Euro vor Steuern (bei einem Umsatz von 25,67 Mio. Euro),Veröffentlichte Jahresabschlüsse 2015–2018 Bundesanzeiger wobei die Bezüge der Geschäftsführung unter Hinweis auf § 286 Abs. 4 HGB nicht veröffentlicht werden. Das Council (Kollegium, Rat; Ratsversammlung) schuf das erste System zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft, betreibt es und entwickelt es weiter.
Der Ausdruck FSC wird auch benutzt für das FSC-Zertifizierungssystem für das FSC-Zeichen (auch FSC-Logo, FSC-Zertifikat oder FSC-Gütesiegel genannt). Letzteres kennzeichnet Waldprodukte als Erzeugnisse von Forstbetrieben, die nach FSC-Kriterien zertifiziert sind. Außer Holz können auch Nebenprodukte des Waldes, wie Harz, Reisig, Beeren oder Pilze, zertifiziert werden. Inzwischen gibt es drei FSC-Siegel: FSC Recycelt, FSC Mix und FSC 100 %.greenpeace.de 11/2015, Das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) (PDF; 474 kB), abgerufen am 11. Juli 2021. Das Recycelt-Siegel spielt in Deutschland kaum eine Rolle, da es für Papierprodukte mit dem Blauen Engel ein strengeres Zeichen gibt.Initiative Pro Recycling Papier 11/2018, Papier: Warum der Blaue Engel anspruchsvoller ist als FSC (PDF; 59 kB) abgerufen am 11. Juli 2021.
Das FSC-System zur Zertifizierung von Forstwirtschaft wurde gegründet zur Sicherung der nachhaltigen Waldnutzung; diese beinhaltet die Wahrung und auch Verbesserung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen der Forstbetriebe. Hierzu entwickelte der FSC einen allgemeinen und länderübergreifend einheitlichen Standard, der aus zehn Prinzipien und Kriterien besteht und den man nur anwenden kann, wenn man diese zehn für eine nationale Ebene konkretisiert (siehe unten).
Im weiteren Sinne umfasst die Zertifizierung von Waldprodukten nach FSC auch die Produktkette (chain of custody). Hierfür wurde ebenfalls ein System geschaffen.
Geschichte International Der Forest Stewardship Council geht auf eine Initiative von Menschenrechtsorganisationen, Umwelt-NGOs sowie einer Gruppe von Händlern und Industriebetrieben im Jahre 1990 in Kalifornien zurück.fsc.org: (englisch) Entscheidende Unterstützung kam der Initiative im Rahmen des Umweltgipfels von Rio zu, auf welchem die Leitprinzipien Nachhaltiger Entwicklung verbindlich formuliert wurden. Dort war es jedoch nicht möglich, sich auf ein rechtlich bindendes Instrument zum Erhalt bzw. zur nachhaltigen Nutzung der Wälder zu einigen, obwohl im Kapitel 11 der Agenda 21 ein faktischer 4-Punkte-Plan zur Umsetzung nachhaltiger Forstwirtschaft formuliert wurde. Aufgrund der aus Sicht großer internationaler Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder WWF unbefriedigenden Ergebnisse beim Schutz von Wäldern hielt man die Idee des FSC für geeignet, zu einer besseren Forstwirtschaft beizutragen. Die Entwicklung der Organisation FSC basiert maßgeblich auf dem Engagement von WWF, von Greenpeace, Gewerkschaften und Interessensvertretern indigener Völker, die gemeinsame Interessen identifizierten.
Im Oktober 1993 fand die Gründungsversammlung des FSC in Toronto (Kanada) statt. Bis zur Mitte des Jahres 1994 erfolgte nach der Einrichtung eines Büros in Oaxaca (Mexiko) die Entwicklung des internationalen Standards und der Statuten der Organisation, die im Sommer 1994 von der Vollversammlung genehmigt wurden. Ebenfalls in Oaxaca erfolgte die Registrierung des Vereins im Februar 1996. Im Januar 2003 wurde der Sitz des FSC International nach Bonn (Deutschland) verlegt.
Obwohl auch einige Vertreter der Forst- oder Holzwirtschaft die Ideen des FSC von Beginn an unterstützten, zeichnete sich Mitte der 1990er Jahre ab, dass vielerorts insbesondere die betroffenen Forstbetriebe sie aus unterschiedlichen Gründen ablehnten. Hierzu zählen nicht nur in Deutschland auch staatliche oder kommunale Forstverwaltungen.
Forstbetriebe und -verwaltungen in unterschiedlichen Ländern und Regionen entwickelten selbst Zertifizierungssysteme, die mit dem FSC in der Regel bis heute konkurrieren. Zu betrachten sind zwei Märkte: Zertifizierungsinstitutionen konkurrieren um Zertifizierungskunden (z. B. Forstbetriebe); das Zertifikat konkurriert mit anderen Zertifikaten, Gütesiegeln o. ä. um Ansehen und Anerkennung bei Entscheidern und Kunden, die unzertifizierte Produkte kaufen. In Europa entstand so das Programme for Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC)., Abschnitt The emergence of fishery and forestry eco-labelling schemes
Heute zählt der FSC international mehr als 1000 Mitglieder. Weltweit nach den Prinzipien und Kriterien des FSC zertifiziert sind bis heute (Stand Juni 2020) 211.519.496 ha Wald. 2010 waren über 120 Millionen Hektar Wald (100 ha = 1 Quadratkilometer ⇒ 1,335 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht einer Fläche von 1.000 × 1.335 km).
In Deutschland In Deutschland wurde 1997 die Entwicklung eines nationalen Standards eingeleitet; 2001 wurde er mit der Akkreditierung vollendet.fsc-deutschland.de: In Deutschland sind heute 1.438.868 ha Waldfläche zertifiziert (Stand Juni 2020). Im Januar 2018 waren 1.195.193,5 ha zertifiziert (ohne Bundesforsten).FSC-zertifizierte Forstbetriebe in Deutschland (PDF) FSC Deutschland, Stand 25. Januar 2018. Im Mai 2010 waren es noch 755.739 hafsc.org: , dies entsprach 2010 etwa 7 % der Waldfläche in Deutschland, im Januar 2013 noch knapp 5,3 %. In Deutschland existieren 2.249 COC (Chain-of-Custody) – Zertifikate.
Organisation Das FSC ist in einem 3-Kammer-System organisiert: Wirtschaft, Umwelt und Soziales. Einem Beschluss muss jede Kammer zustimmen. Damit haben auch die Umweltschutzorganisationen sowie soziale Gruppen wie indigene Völker oder Gewerkschaften die Möglichkeit direkter Einflussnahme, und ihre Position kann nicht überstimmt werden. Dies gilt genauso auch für die Interessen der Wirtschaftsvertreter, zu welchen neben Vertretern der Forstbetriebe auch Vertreter der holzverarbeitenden Industrie zählen.
Es gilt: „Der Verein strebt an, Entscheidungen im Konsens zu treffen.“ (Satzung § 27th). Es wird nach einem 3-Kammerprinzip abgestimmt.
Entscheidungen des Vorstandes sind gültig, wenn mehr als 10 von 12 Vorstandsmitgliedern anwesend sind, davon mindestens 2 Mitglieder aus jeder Kammer mindestens 7 Vorstandsmitglieder positiv stimmen, davon mindestens 2 Mitglieder aus jeder Kammer
Ziele Die Hauptzielsetzung ist die Gewährleistung einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Dies soll durch Schaffung weltweit einheitlicher Standards zur Bewirtschaftung von Wald gewährleistet werden.
FSC versucht, einen wesentlichen Anteil aller Wälder der Welt unter nachhaltige Bewirtschaftung zu stellen. Dabei soll es sich voraussichtlich um mindestens 30 % aller bewirtschafteten Wälder handeln. Weiterhin soll das System zur Vermeidung von umstrittenen Holzquellen (Controlled Wood Standards) auf den Märkten und für Einkaufsrichtlinien von beispielsweise Einzelhändlern oder Regierungen etabliert werden.
FSC als Prozess Als zivilgesellschaftlicher Prozess besteht der erste Schritt zu Zertifizierungen in einem Land in der Gründung einer nationalen Arbeitsgruppe. Diese wird von einer Privatperson eingeleitet, die von der internationalen Organisation des FSC akzeptiert wurde und mit ihr in Kontakt steht. Diese Privatperson organisiert in der Folge die nationale Arbeitsgruppe nach den internationalen Richtlinien. Vor allem muss ein 3-Kammer-System wie bei FSC-International geschaffen werden.
Die Kernaufgabe der nationalen Arbeitsgruppe besteht in der Entwicklung eines nationalen Standards zur Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft. Wenn sich die nationale Arbeitsgruppe im 3-Kammer-System auf einen solchen Vorabstandard geeinigt hat, wird der Entwurf FSC International zur Prüfung vorgelegt. Sollte der Entwurf gebilligt werden, kann eine Zertifizierung nachhaltiger Forstwirtschaft gemäß diesem nationalen Standard in einem Land durchgeführt werden. Alle 5 Jahre wird ein nationaler Standard evaluiert und, wenn nötig, revidiert.
Ein wichtiger Aspekt bei der Entwicklung von FSC auf nationaler Ebene ist der Demokratisierungsprozess, der damit einhergeht. In einigen waldreichen Ländern sind kaum demokratische zivilgesellschaftliche Strukturen wie z. B. Gewerkschaften, Landeigentümervereinigungen, Umweltverbände usw. vorhanden. Forstbetriebe, die eine Zertifizierung anstreben, müssen die Organisation von Arbeitnehmerschaft und anderen Beteiligten fördern bzw. zulassen.
Zertifizierung von Forstbetrieben mini|FSC-zertifiziertes Fichtenholz mit Kennzeichnung (Schwarzwald)
Die Zertifizierung von Forstbetrieben richtet sich nach Standards, die vom FSC entwickelt wurden. Die weltweit gültigen Standards decken zehn Prinzipien ab, welche verschiedene Kriterien beinhalten, die auf nationaler Ebene durch eine Vielzahl von Indikatoren ergänzt werden. Anhand dieser Indikatoren soll die Einhaltung der Kriterien nachvollzogen werden können. Demnach sind die Prinzipien nachhaltiger Forstwirtschaft:Prinzipien nach FSC-AG Deutschland
Prinzip 1 – Einhaltung der Gesetze Prinzip 2 – Arbeitnehmerrechte und Arbeitsbedingungen Prinzip 3 – Rechte indigener Völker Prinzip 4 – Beziehungen zur lokalen Bevölkerung Prinzip 5 – Leistungen des Waldes Prinzip 6 – Auswirkungen auf die Umwelt Prinzip 7 – Management Prinzip 8 – Monitoring und Bewertung Prinzip 9 – Besondere Schutzwerte Prinzip 10 – Umsetzung von Bewirtschaftungsmaßnahmen
Im Gegensatz zu den internationalen Standards unterscheiden sich die im Rahmen der zehn Prinzipien und Kriterien entwickelten nationalen Zertifizierungssysteme auf operativer Ebene. Dies betrifft beispielsweise die Anwendung von Kahlhieben oder Pestiziden. Die Unterschiede der nationalen Standards zueinander sind auf die Zuweisung von Indikatoren durch die jeweilige nationalen FSC-Arbeitsgruppen zurückzuführen, die es ermöglichen sollen, die Standards den jeweiligen regionalen Gegebenheiten anzupassen. Bevor ein nationaler Standard zur Vergabe von Zertifikaten legal angewandt werden kann, ist die Akkreditierung durch FSC International erforderlich. In der Schweiz wurde z. B. die Behandlung von geschlagenem Holz mit Cypermethrin in den Wäldern erlaubt.
Produktkettenzertifizierung mini|Endprodukt aus FSC-zertifiziertem Holz im Handel
Durch eine Produktkettenzertifizierung des FSC wird der Holzfluss durch die Verarbeitung und den Handel zwischen Wald und Endkunden kontrolliert. Holzprodukte werden mit dem FSC-Logo gekennzeichnet und für den Verbraucher kenntlich gemacht. Hierbei sind zwei Regeln zu unterscheiden:
Produkte aus 100 % FSC-zertifiziertem Holz tragen lediglich das FSC-Zeichen, einen Erklärungssatz sowie die Zertifizierungsnummer des Herstellerbetriebes. Produkte aus weniger als 100 % FSC-Holz können das FSC-Zeichen, einen Erklärungssatz und die Herstellernummer tragen, wenn der Inhalt an FSC-Holz in Prozent angegeben ist.
Einzigartig im Vergleich zu allen anderen Zertifizierungen ist beim FSC der Ansatz, im Falle einer Produktkettenzertifizierung mit einem Anteil nicht FSC-zertifizierten Holzes im Endprodukt auch für den Nicht-FSC-Anteil Mindestanforderungen zu stellen. Diese sind im Controlled Wood Standard formuliert. Der nicht-zertifizierte Anteil darf demnach nicht aus illegalem Einschlag, aus Gebieten mit Menschenrechtsverletzungen oder sozialen Konflikten, aus gentechnisch veränderten Bäumen oder aus schützenswerten Wäldern stammen.