Todtnauberg ist aufgrund der Verwaltungsreform seit dem 1. April 1974 ein Stadtteil der Stadt Todtnau im baden-württembergischen Landkreis Lörrach.

Geographie Geographische Lage Todtnauberg liegt am Südwesthang des Feldbergs in einem nach Süden offenen Hochtal. Der Ort ist nach der Gemeinde Feldberg (Schwarzwald) der zweithöchstgelegene Ort in Baden-Württemberg.

Gliederung des Stadtteils Zu Todtnauberg gehören die Wohnplätze Büreten, Ennerbach, Hangloch, Hornmatt, Radschert und Rütte sowie der abgegangene Wohnplatz Ebenehof.

Nachbargemeinden und -stadtteile Todtnauberg grenzt im Norden an die zum Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gehörige Gemeinde Oberried und im Osten an die Todtnauer Ortsteile Fahl und Brandenberg. Im Süden liegt die Kernstadt von Todtnau und im Westen die Todtnauer Stadtteile Muggenbrunn und Aftersteg.

Geschichte In einer Urkunde aus dem Jahr 1283 wird „ein Vogt auf dem Berge“ erwähnt, was als Bezug auf den Ort interpretiert wird.

Im Mittelalter wurde in Todtnauberg wie in der gesamten Region Bergbau betrieben. Nach dem Ende des mittelalterlichen Bergbaus war Todtnauberg von Abwanderung geprägt, im 16. Jahrhundert lebten nur noch zehn Familien im Ort. Erst im frühen 19. Jahrhundert etablierte sich im Ort das Bürstenhandwerk, das Todtnauberg weit über die Region hinaus bekannt machte. Ab 1870 begann sich zudem der Fremdenverkehr in der Gemeinde zu entwickeln, zahlreiche Sommerfrischler zog es in den hochgelegenen Ort, ab 1906 etablierte sich auch der Wintersport.

Politisch war Todtnauberg ein geteilter Ort: Todtnauberg-Dorf gehörte zum Kloster St. Blasien, Todtnauberg (bestehend aus den Höfen an den Berghängen, u. a. Ennerbach und Rütte) gehörte zur Talvogtei Todtnau und damit zu Vorderösterreich. Nach der Säkularisation fielen beide Teile von Todtnauberg an Baden, bildeten aber noch bis 1914 zwei getrennte Gemarkungen. In Baden gehörte Todtnauberg bis 1924 zum Bezirksamt Schönau, nach dessen Auflösung zum Bezirksamt Schopfheim. 1936 wurde Todtnauberg dem Landkreis Neustadt zugeschlagen, 1945 kam der Ort schließlich zum Landkreis Lörrach.

Am 1. April 1974 wurde Todtnauberg in die Stadt Todtnau eingemeindet.

Wappen Blasonierung: In gespaltenem Schild vorn das österreichische Wappen, hinten in Silber ein schwarzes Eisen mit rotem Stiel.Huber: Wappenbuch Landkreis Lörrach. S. 126. Das österreichische Wappen (rot-weiß-rot) erinnert an die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich, das schwarze Eisen an den jahrhundertelang betriebenen Bergbau.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Hauptfall des Todtnauberger Wasserfalls Bauwerke Die 1970 geweihte römisch-katholische Pfarrkirche St. Jakobus der Ältere ist ein expressiver Betonbau mit markanter Zeltdachkonstruktion.

Natur Der Todtnauberger Wasserfall ist mit 97 Metern Fallhöhe in fünf Fallstufen einer der höchsten Wasserfälle Deutschlands.

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 2002 findet in Todtnauberg alle zwei Jahre im April das Schwarzwälder Kirschtortenfestival statt. Professionelle Zuckerbäcker und Hobbykonditoren konkurrieren mit ihren individuellen Kreationen der Schwarzwälder Kirschtorte. Aufgrund der Corona-Krise wurde das Festival 2020 auf 2021 verschoben.Schwarzwälder Kirschtortenfestival.

Die Trachtenkapelle TodtnaubergHomepage der Trachtenkapelle Todtnauberg e. V. veranstaltet jährlich ein Pfingstkonzert (Jahreskonzert) im Kurhaus Todtnauberg.

Wirtschaft und Infrastruktur

Tourismus und Wintersport

Todtnauberg entwickelte sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert zunehmend vom landwirtschaftlich geprägten Bergdorf zum Fremdenverkehrs- und Wintersportort im Hochschwarzwald.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 174–184. Nach der Eröffnung der ersten bekannten Wirtschaft im Jahr 1769 entstanden weitere Gasthäuser und Privatpensionen.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 78, 174–177. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich ein früher Sommerfrische- und Erholungstourismus.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 177.

Zu den frühen Beherbergungsbetrieben gehörten unter anderem der Gasthof Engel, der Gasthof Sternen sowie die Pension Kaiser.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 181.

Auch der Wintersport gewann früh an Bedeutung. 1906 wurde der Ski-Club Todtnauberg gegründet.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 135. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Todtnauberg zunehmend zu einem bekannten Wintersportort im Hochschwarald.Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966, S. 181–184.

Verkehr

Verkehrstechnisch ist Todtnauberg nur über eine Stichstraße (Kreisstraße K 6307) zu erreichen, die zwischen Muggenbrunn und Aftersteg von der Landesstraße L 126 abzweigt, die Todtnau über den Notschrei mit Freiburg im Breisgau verbindet. Im Stadtteil befinden sich drei Haltestellen der Regionalbuslinie 7215 (Todtnau–Kirchzarten) der SBG Südbadenbus GmbH, die Todtnau mit Kirchzarten verbindet.

Persönlichkeiten Persönlichkeiten, die im Ortsteil gewirkt haben Der Philosoph Martin Heidegger hatte seit 1922 eine Hütte in Todtnauberg, wo er sich oft aufhielt, Gäste empfing und an seinen Werken arbeitete. Der Martin-Heidegger-Panorama-Rundweg führt rund um Todtnauberg. Er ist mit Informationstafeln über Heidegger und dessen Beziehung zu Todtnauberg ausgestattet.Panorama Themenrundweg zu Martin Heidegger auf der Homepage der Schwarzwald Tourismus; abgerufen am 26. Mai 2026. Der Lyriker Paul Celan besuchte Heidegger im Juli 1967 auf seiner Hütte und schrieb im August das Gedicht „Todtnauberg“ in Erinnerung an diesen Besuch.Roland Bothner: Zu Paul Celans Gedicht „Todtnauberg“; mit der Wiedergabe des Gedichtes und einer Interpretation; planetlyrik.de, abgerufen am 1. August 2020. Der Politiker Heinz Eyrich wohnte in Todtnauberg.

Literatur

AG Minifossi, Friedrich-Ebert-Schule Schopfheim: Der Kreuz- und Schibefelsen, auch „Schatzstein von Todtnauberg“ genannt. In: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland. Jahrgang 116, 1997, S. 7–28 (Digitalisat der UB Freiburg). Werner Störk: Nach über 500 Jahren montanhistorischer Geheimcode geknackt: Die Schatzkarte vom Todtnauberger Kreuz- oder Scheibenfelsen. In: Das Markgräflerland. Band 2016, S. 157–185. (Digitalisat der UB Freiburg). Martin Himmelheber: Geschichte der Bürstenmacherei in Todtnauberg und Umgebung. In: Schau-ins-Land: Jahresheft des Breisgau-Geschichtsvereins Schauinsland. Jahrgang 107, 1988, S. 145–171 (Digitalisat der UB Freiburg). Alfons Schäfer: Geschichte des Dorfes Todtnauberg – von der mittelalterlichen Bergbausiedlung zum modernen Kurort. Selbstverlag der Gemeinde Todtnauberg, 1966. Ortsverwaltung Todtnauberg (Hrsg.): Todtnauberg in Geschichte und Gegenwart. 2016. Hartmut Sommer: Das Sein und die Eigentlichkeit : Heideggers Heimatort Meßkirch und seine Hütte in Todtnauberg. In: Der philosophische Reiseführer: auf den Spuren großer Denker. Darmstadt 2005, S. 149–163. Anita Fertl: Schwarzwälder Kirschtorte. Allererstes Sahnestückchen. Die Schwarzwälder geht um die Welt: Alfred Boch aus Todtnauberg erklärt warum die Torte so gut ankommt bei den Schleckermäulern. In: Badische Zeitung. 5. Juli 2020 (badische-zeitung.de).

Weblinks

Website von Todtnauberg

Reliefkarte von Todtnauberg im Geoportal Baden-Württemberg

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Todtnau) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Lörrach) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974