Kollerup () ist ein Ortsteil der Gemeinde Großsolt im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein.
Lage Kollerup ist ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf, von Äckern umgeben. Das recht kompakt gewachsene Dorf besteht aus mehreren Wohnhäusern und Bauernhöfen. Die zentrale Dorfstraße trägt den Straßennamen Kollerup. Die zweite Straße des Dorfes heißt Süderballig. Sie umrahmt westlich, östlich und südlich das Dorf. Des Weiteren durchläuft die Alte Landstraße, die vom westlich gelegenen Estrup kommt,Der Anfang der Mühlenstraße ist offensichtlich klar Estrup zugeordnet. Vgl. Briefkasten: Standorte in Deutschland. Briefkasten Mühlenstr. 7. 24991 Großsolt (Estrup), abgerufen am: 9. Dezember 2019 das Dorf, um von dort weiter zum östlich gelegenen Kollerupholz (Kollerupskov) zu führen (), wo einige weitere Gebäude stehen. Ein Feldbereich bei Kollerup wurde übrigens früher, heutzutage offenbar weniger, Kollerupfeld (Kollerupmark) genannt.Peter Paulsen: Versuch einer Schulstatistik des Herzogthums Schleswig, S. 204 sowie hinsichtlich des Vornamens des Verfassers Paulsen: Gemeinsamer Verbundkatalog. Versuch einer Schulstatistik des Herzogthums Schleswig, abgerufen am: 19. August 2018 Das Dorf Großsolt liegt ungefähr zwei Kilometer westlich von Kollerup. Südöstlich von Kollerup liegt in drei Kilometer Entfernung der Ort Satrup. Die Stadt Flensburg liegt ungefähr zehn Kilometer weiter nördlich entfernt. Direkt südlich des Dorfes Kollerup fließt die Bondenaue, die ein Teil der Treene darstellt, entlang.Johannes von Schröder: Geographie und Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein, Kiel 1844, S. 8
Geschichte Anfänge Das Suffix -rup des Ortsnamens weist darauf hin, dass es sich bei der Siedlung um ein Dorf handelt.Vgl. hinsichtlich der Bedeutung von -rup auch das Wort Dorf: dänisch: torp, niederdeutsch: Dörp, Dorp, englisch auch: thorp(e); Quelle: Ursula Pülschen: Ein zügiger Marsch durch 2000 Jahre unserer Dorfgeschichte im Kirchspiel von Groß- und Kleinsolt. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln. 2014, S. 182 sowie Flensburger Straßennamen. Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, Flensburg 2005, Artikel: Tremmerupweg sowie Wolfgang Lindow: Plattdeutsches Wörterbuch. Schuster, Leer 1998, Artikel: Dorf sowie Judy Persall: The New Oxford Dictionary of English, 2001, Artikel: thorpe Bei „Kolle“ handelt es sich um einen Personennamen. Möglicherweise war „Kolle“ der Gründer des Dorfes „Kollerup“.Ursula Pülschen: Ein zügiger Marsch durch 2000 Jahre unserer Dorfgeschichte im Kirchspiel von Groß- und Kleinsolt. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln. 2014, S. 182
Kollerup gehörte offenbar schon seit Jahrhunderten zum Kirchspiel von Großsolt. Wie die anderen umliegenden Dörfer gehörte es ursprünglich zur Uggelharde.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, Flensburg 1841, Band III. S. 947Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig, Flensburg 1844, Band I. S. 315 f. 1867 wurde Kollerup offenbar ein Teil der Landgemeinde Bistoft des Kreises Flensburg-Land.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 62; dort die Karte im Vergleich zur Karte: Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 2, Flensburg 1991, Seite 30 Der Offizier und Topograph Johannes von Schröder beschrieb in den 1830er Jahren das Dorf Kollerup mit folgenden Worten: „[...] enthält 2 Dreiviertelhufen, 6 Halbhufen, 2 Kathen, 7 Instenstellen und 1 Hufparzelle, welche Kollerupfeld genannt wird. Eine Vollhufe ist parzelliert und gehört nebst einer Kathe zum Gut Schwensbye. Unter den Einwohnern waren 1834: 1 Krüger, 1 Schmied, 1 Radmacher und 1 Zimmermann. Schuldistrikt Estrup.“Johannes von Schröder: Topographie des herzogthums Schleswig, Bände 1-2, Schleswig 1837, S. 491; ähnlich auch 1853: Topographie des herzogthums Schleswig, Bände 1-2, Kiel 1853, S. 268
Ereignisse während und zum Ende des Zweiten Weltkrieges Während des Zweiten Weltkrieges, vom September bis November 1944, diente Kollerup als Standort einer Kompanie.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 121. Im April 1945 waren auf dem Kolleruper Hof der Familie Christiansen offenbar hundert junge Rekruten, im Alter von 16/17 Jahren untergebracht, die offenbar in der Estruper Schule auf ihren Einsatz vorbereitet wurden. Gedrillt wurden sie aber auch auf den Wiesen an der Bondenau bei Kollerup. Dort sollten sie den Fluss überspringen, was vielen misslang. Hin und wieder kamen offenbar Mütter der Jugendlichen zu Besuch nach Kollerup. Ende April wurde die aufgestellte Einheit aus Jugendlichen abkommandiert, ihr Verbleib ist unklar.Ursula Pülschen: Kollerup zur Zeit der Kapitulation 1945. Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln. 1981, S. 182Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 120
Zum Ende des Krieges musste die Deutsche Wehrmacht vor den Alliierten Armeen immer weiter zurückweichen. Für die Berliner Reichsregierung, Reichsministerien und den Sicherheitsapparat waren schon seit Februar 1945 Evakuierungsmaßnahmen vorbereitet worden, die aber erst ab April 1945 zur Ausführung kamen, da mit ihnen die Niederlage nicht frühzeitig eingestanden werden sollte.Stephan Link: „Rattenlinie Nord“. Kriegsverbrecher in Flensburg und Umgebung im Mai 1945. In: Gerhard Paul, Broder Schwensen (Hrsg.): Mai ’45. Kriegsende in Flensburg. Flensburg 2015, S. 20 f. Noch Ende April, also noch vor dem 1. Mai, soll Generalfeldmarschall Ernst Busch, der zum Oberbefehlshaber Nordwest ernannt worden war, im kleinen Dorf Kollerup den Christiansen-Hof besucht haben. Dem Landwirt Christiansen wurde für den Besuch keine Begründung gegeben, eine Benachrichtigung wurde ihm für die anschließenden drei Tage angekündigt. Am Abend des 1. Mai verkündete der Reichssender Hamburg, dass Hitler gefallen sei und Karl Dönitz zum Nachfolger bestimmt wurde. Die darauffolgenden Tage siedelte sich in Flensburg-Mürwik die letzte Reichsregierung unter Karl Dönitz an. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) wurde dabei mit nach Mürwik verlegt.Die falsche Behauptung „das Oberkommandos der Wehrmacht hätte im Dorf Kollerup residiert“, kann offenbar auf Grund falscher Schlüsse gezogen werden; siehe beispielsweise: General-Anzeiger: Kriegsende in Flensburg: Das Nachspiel an der Förde, vom: 6. Mai 2015; abgerufen am: 27. Dezember 2019 Generalfeldmarschall Ernst Busch, der zum Oberbefehlshaber Nordwest ernannt worden war, schlug offenbar gleichzeitig im 10 Kilometer entfernten Kollerup auf dem Hof Christiansen sein Hauptquartier auf.Heinz Jensen: Die roten „Wanderer“-Sitze aus Kollerup in: Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, Sörup 2017, Seite 171Flensborg Kabinettet/Dönitzregeringen 21.April-23.maj 1945 (deutsche Google-Übersetzung), abgerufen am: 27. Dezember 2019 Ihn begleiteten sein Adjutant und Leibarzt. Auf dem Christiansen-Hof waren zuvor schon Kriegsgefangene aus Polen, Serbien, der Ukraine sowie Evakuierte untergebracht worden. Einige dieser Personen wurden auf Grund der Neuankömmlinge ausquartiert. Räumlichkeiten des Hofes wurden zu Büros und einer Telefonzentrale umfunktioniert. Dem eigentlichen Hausherren, dem Landwirt Christiansen, wurde der Zutritt teilweise oder sogar vollständig verwehrt. Es sollte strenge Geheimhaltung gewahrt werden. Auf dem benachbarten Hof der Familie Jacobsen wurden Schlafräume, ein Aufenthaltsraum sowie ein Kartenraum für den zugehörigen Generalstab eingerichtet.Ahnenforscher - Stammtisch Flensburg, Stichwort: Kollerup, abgerufen am: 31. März 2018 Kollerups Häuser und Gehöfte wurden von den Offizieren belegt. Die Mannschaften bezogen die Scheunen. Ungefähr 350 Offiziere und Mannschaftssoldaten hatten sich im Dorf niedergelassen. Das gesamte Dorf wurde von der Außenwelt abgeschirmt. An der Dorfeinfahrt und -ausfahrt wurden Schlagbäume aufgestellt. Bewaffnete Posten kontrollierten die Ausweise von Soldaten und Zivilisten.
Zwischen dem 3. und 7. Mai 1945 besuchte auch Karl Dönitz das Dorf, vermutlich um Ernst Busch zu treffen. Am 4. Mai 1945 unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz die Kapitulation aller deutschen Truppen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemark. (PDF, 16. S.; 455 kB) Am 5. Mai wurden Busch die Bedingungen der Kapitulation mitgeteilt. Busch fand sich mit der Niederlage nur schwer ab. Die Verhandlungs- und Kapitulationszeremonien am 4. Mai empfand er als entehrend, dennoch musste er die Kapitulationsbedingungen akzeptieren.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 120 und 123 Der britische Oberbefehlshaber Bernard Montgomery forderte, dass der Stab Busch, dem die deutsche Armee im Nordraum unterstand, an die britische Kommandobehörde angekoppelt würde. Am 6. Mai besprachen Busch, Wilhelm Keitel und Eberhard Kinzel den Aufbau von Verbindungsstäben zu den Engländern. Die besagte Besprechung fand vermutlich ebenfalls in Kollerup statt. Am 7. Mai 1945, also kurz nach der Teilkapitulation, ließ Karl Dönitz auch die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht erklären.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Flensburg in Geschichte und Gegenwart. Flensburg 1972, S. 409 Montgomery befahl Busch die Entwaffnung und Auflösung der deutschen Truppen. Von Kollerup aus setzte der Stab Busch den Befehl, der tausende deutscher Soldaten betraf, zunächst nur schleppend um. Nach einem Gespräch am 13. Mai 1945 zwischen Generaloberst Alfred Jodl, für das OKW, und dem US-Generalmajor Lowell W. Rooks, dem Leiter der Kontrollkommission des Alliierten Oberkommandos (das in Mürwik auf der Patria einquartiert war), arbeitete Busch die ihm gestellte Aufgabe in Zusammenarbeit mit der britischen 21. Heeresgruppe ab.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 123 Derweil wurde in Kollerup eine Schreibstube eingerichtet, von der aus deutsche Soldaten aus Norwegen und Dänemark nach Süden geschleust wurden.In dem Gebäude Kollerup 4 (), in dem die Schreibstube eingerichtet wurde, befand sich Anfang der 1980er Jahre die Gastwirtschaft von Hans Christophersen, die den Namen „Zum Wilden Dachs“ trug. Ende der 1980er Jahre, nach dem Tod des Gastwirts, schloss die Gastwirtschaft offensichtlich. Quelle: Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867-1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 123