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Katzhütte ist eine Gemeinde im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt. Die Gemeinde gehört der Verwaltungsgemeinschaft Schwarzatal an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Schwarzatal hat. Der Ort besteht aus den Ortsteilen Katzhütte und Oelze.

Geografie Die Gemeinde Katzhütte liegt im nordwestlichen Teil des Thüringer Schiefergebirges und bildet das Zentrum des oberen Schwarzatales. Der Ort hat sich auf Grund seiner Lage in Kerbtälern zu einem Straßendorf entwickelt. Auf einer Länge von 5,3 km ziehen sich die Häuser an der Schwarza entlang. Doch auch die Nebentäler wurden frühzeitig besiedelt. So beträgt die Entfernung vom Ortsausgang in Richtung Neuhaus am Rennweg bis zum letzten Haus in der Masserberger Straße 5,4 km.

Hohe und steile Berge umgeben den Ort. Zuerst wäre das Wurzelbergmassiv zu nennen, ein Gebirgsstock, dessen höchster Gipfel, der Große Farmdenkopf (868 m), dem Oberbecken des Pumpspeicherwerkes Goldisthal weichen musste. Die Höhe des Wurzelberges wird mit 843 m angegeben.Östlicher Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge (= Fritsch-Wanderkarte. 47). Maßstab 1:50.000. Fritsch Landkartenverlag, Hof (Saale) 1992, ISBN 3-86116-047-1. Auf der linken Seite der Schwarza flussabwärts folgen im Uhrzeigersinn Vorderer Schmiedebacher Kopf (630 m), Oelzer Rain (698 m), Oelzer Stieg (672 m) und Scheffelsberg (608 m). Daran schließen sich auf der rechten Seite der Schwarza flussaufwärts Hainberg (604 m) und Rosenberg (716 m) an.Neuhaus am Rennweg (= Topographische Karte. 5432). Maßstab 1:25.000. Freistaat Thüringen – Landesamt für Vermessung und Geoinformation, Erfurt 2009, ISBN 978-3-86140-421-7.

Zahlreiche Flüsse haben sich tief in das Gebirgsmassiv eingeschnitten. In der Ortslage Katzhütte münden flussabwärts von links Masse, Oelze, Schwemmbach und Amselbach in die Schwarza. Die größten Zuflüsse flussabwärts auf der rechten Seite sind Haspiseife, Katze und Weiße Schwarza.Masserberg – Katzhütte, Oberes Schwarzatal. Großbreitenbach, Mellenbach-Glasbach, Altenfeld, Goldisthal, Fehrenbach, Friedrichshöhe, Scheibe-Alsbach, Sachsenbrunn, Siegmundsburg, Limbach, Steinheid (= Naturpark Thüringer Wald. Wanderkarte mit Radrouten und Skiloipen. Nr. 15). Maßstab 1:30.000. Grünes Herz, Ilmenau u. a. 2009, ISBN 978-3-86636-004-4.

Geschichte Die heutigen Grenzen des Ortes entstanden durch die Eingemeindung des Nachbarortes Oelze am 1. Juli 1950.Herbert Kühnert, Rudolf Ruhe: Die geschichtliche Entwicklung der Landkreise Rudolstadt und Neuhaus a. R. In: Rudolstädter Heimathefte. Bd. 2, Heft 3/4, 1956, , S. 90–101. Bei ihrer Entstehung hatte sie etwa 3800 Einwohner. Seit der Zusammenlegung ist die Einwohnerzahl stark zurückgegangen. Die Gemeinde Katzhütte zählte Ende 2004 nach amtlichen Angaben noch 2197 Einwohner und 2012 nur noch 1486.

Am 23. Dezember 1565 erhielt eine Leipziger Saigerhandelsgesellschaft von den Schwarzburger Grafen Günther und Hans Günther die Erlaubnis, an einer bis dahin noch unbesiedelten Stelle im Rosenthal, an der Einmündung der Katze in die Schwarza, eine Saigerhütte mit Wohnhäusern und Kohlenschuppen zu errichten. Zu den Gesellschaftern gehörten die Handelsherren Wolf von Lindenau der Ältere, Arnt Preun, Theobald Preun und Markus Merten. Mit dem Bau der ersten Gebäude wurde im April 1566 begonnen. Die „Hütte an der Katze“ oder auch „Katzenhütte im Rosenthal“ führte später zur Namensgebung des Dorfes Katzhütte.Thüringer Staatsarchiv Rudolstadt, Kanzlei Rudolstadt, Nr. E XI Nr. 87, Privilegium über eine Saigerhütte von den Grafen Günther und Hans Günther erteilt. Noch ältere Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern der Gemeinde Meuselbach bezeichnen die Gegend als Gräntzhaus. Das Hüttenwerk verarbeitete aus den Mansfelder Kupfergruben angeliefertes Schwarzkupfer. Im Saigerverfahren entstand daraus Garkupfer und zudem auch ein Anteil Silber. Nach Verfall des Hüttenwerkes 1576 sicherte vor allem der neue Eisenhammer den Bewohnern ihren Lebensunterhalt.

Die ausgedehnten Wälder boten noch im 14. Jahrhundert Unterschlupf für Braunbären, Hirsche und anderes Getier, daher befand sich am Wurzelberg ein fürstliches Jagdhaus. 1786 nisteten noch Steinadler in der Nähe und 1810 wurde der letzte Luchs und 1820 ein letzter Wolf geschossen. Anlässlich einer Hofjagd im Jahr 1581 wurden in einer Woche 266 Hirsche, davon 161 Hirschkälber und 63 Spießhirsche erlegt.

Der Wald lieferte den Waldbauern das Heu und Einstreu, Handwerkern die benötigte Holzkohle, während Flößer das Holz zu Tal beförderten. Holzfäller, Köhler und Flößer waren daher weit verbreitete Berufe. Auch wurden hier die ersten Versuche zur Porzellanherstellung gemacht (etwa um 1759). Dies stand im Zusammenhang mit dem Besitzer des Eisenwerkes Johann Wolfgang Hammann. Hammann verlegte die Produktion aber später nach Wallendorf. Die Produktion erlangte dort als Wallendorfer Porzellan überregionale Bekanntheit. Das Herrenhaus wurde 1760 von Hammann erbaut. Erst im 19. Jahrhundert kamen weitere Fabriken in Katzhütte hinzu, insbesondere die 1864 errichtete Porzellanfabrik Hertwig & Co., deren Produkte bis heute begehrte Sammlerobjekte darstellen.

Vor der ständigen Besiedlung der Landschaft waren einige Wasserläufe als Orientierungs- und Grenzpunkte bekannt. Erstmals erwähnt wurden im Jahr 1229 die Oelze (Ulsna)Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Band 3: (1228–1266). Gustav Fischer, Jena 1925, S. 17, Nr. 81., 1366 Wenigen Wolgast (Kleine Wulst) und die Weiße SchwarzaHerbert Kühnert: Flurnamen des Oberen Schwarzagebietes im Jahre 1366. In: Schwarzburgbote. Nr. 2, vom 24. Januar 1930, .. Der Ort Katzhütte erstreckt sich kilometerweit in den Tälern von Katze, Oelze, Masse und Schwarza. Die kleinen, mit Schiefer gedeckten Häuser ziehen sich in geschlossener Reihe am Berghang im oberen Schwarzatal hin. Bis 1918 gehörte Katzhütte zur Oberherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 52 Arbeitskräfte aus Polen und der Sowjetunion, die in „Ostarbeiterlagern“ von Katzhütte und Oelze untergebracht waren, Zwangsarbeit verrichten.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945. Band 8: Thüringen. VAS – Verlag für Akademische Schriften, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 234.

Einwohnerentwicklung

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 31. Dezember):

1756: 533 1794: 701 1812: 836 1824: 891 1829: 1134 1858: 1076 1890: 1553 1902: 1819 1933: 2113 1939: 1913 1950: 3800 1976: 3022 1987: 2600 1994: 2156 1995: 2106 1996: 2151 1997: 2157 1998: 2196 1999: 2221 2000: 2223 2001: 2234 2002: 2244 2003: 2226 2004: 2201 2005: 2162 2006: 2119 2007: 1897 2008: 1801 2009: 1750 2010: 1657 2011: 1511 2012: 1486 2013: 1435 2014: 1410 2015: 1373 2016: 1358 2017: 1317 2018: 1293 2019: 1293 2020: 1291 2021: 1267 2022: 1232 2023: 1206 2024: 1170 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

Verlorene Orte mini|250px|Der 1740 erbaute Jagdsalon war vollständig aus Holz und überdauerte in der extremen Witterung bis Ende der 1890er Jahre.

ehemaliges achteckiges Jagdschloss (Jagdsalon) der Grafen und Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt auf dem Wurzelberg (erbaut 1740, Abriss ca. 1900 wegen Baufälligkeit). Zur Anlage auf Goldisthaler Gemarkung gehörten weiterhin ein Wohnhaus für Jäger und Dienerschaft (Jägerhaus oder Wurzelberghaus genannt), Pferdestall, Kutschenremise und Kohlenschuppen.Paul Liebmann: Die Geschichte des Jagdhauses auf dem Wurzelberg. In: Thüringer Monatsblätter. Jg. 22, Nr. 4, 1914, , S. 75–80. Betriebsgelände des ehemaligen Eisenwerkes, später VEB KEFAMA. Die Gebäude wurden bis auf wenige Ausnahmen in den 1990er Jahren abgerissen. Betriebsgelände der ehemaligen Porzellanfabrik Hertwig und des späteren VEB Zierkeramik (liquidiert Ende der 1990er Jahre, abgerissen Mitte 2005). Farbenfabrik zu Neuwerk bei Oelze (geschlossen 1990 und in der Folge abgerissen). Das frühere Hotel Kieslerstein, später „Haus des Volkes“, mit Gaststätte, Bar und zwei Sälen wurde Anfang 2015 abgerissen. Es stand seit 1990 leer und verfiel nach der Privatisierung zu einer Ruine. Damit verschwand die größte kulturelle Einrichtung des Ortes, die Heimstatt des „Karneval im Schwarzatal“, der Ort für zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und die Urlauberbetreuung. Gasthaus „Zum Rosenbaum“ – Sitz der Bürgerwehr im Revolutionsjahr 1848. Später Wohnhaus und abgerissen für einen Einkaufsmarkt nach der Wiedervereinigung Deutschlands. (Standort neben der heutigen Sparkasse) früherer Sommergarten und Sommerpavillon der Familie Hertwig. Während der DDR bis Anfang der 1970er Jahre Haus der Jungen Pioniere. Danach dem Verfall preisgegeben Hertwigsvilla (ehemalige Villa der Fabrikantenfamilie Hertwig). Die Villa wurde nach 1945 als Wohnhaus genutzt, stand aber nach 1990 lange Zeit leer. Da die Gemeinde Katzhütte das Gebäude nicht erhalten konnte, verfiel es zusehends. Im Frühjahr 2011 musste die Ruine abgerissen werden. Königstanne auf Goldisthaler Gemarkung – Einst die mächtigste Tanne Deutschlands mit 44 m Höhe und einem Fußumfang von 8,75 m. In Brusthöhe hatte sie einen Durchmesser von 2,20 m. Die Holzmasse wurde rechnerisch ermittelt und betrug 66 Festmeter. Über 500 Jahre stand die Königstanne auf dem Wurzelberg, als sie im September 1947 während eines Sturmes zu Boden stürzte, daher nicht in Liste der dicksten Tannen in Deutschland genannt.

Politik Wappen Blasonierung: „Über goldenem Schildfuß, darin ein schwarzer Kamm unter einer liegenden schwarzen Gabel, gespalten und halb geteilt von Rot, Silber und Blau überdeckt durch einen schräglinken von Silber und Blau gestückten Stabbalken.“

Bedeutung: Die Farben vom Hauptschild deuten auf die Schwarzburger hin (Blau und Weiß), sowie auf Thüringen (Weiß und Rot). Die Leiste soll als verbindendes Element die Zugehörigkeit des Ortsteiles Oelze (ehemals Schwarzburg-Sondershausen) zu Katzhütte (ehemals Schwarzburg-Rudolstadt) symbolisieren. Der Schildfuß zeigt das Amtswappen der Schwarzburger (beide Linien), die kaiserliche Erbstallmeister waren.

Das Wappen wurde von Ernst Henklein entworfen und am 19. März 1991 in die Quedlinburger Wappenrolle eingetragen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Michaeliskirche, erbaut 1756 im Bauernbarock mit einer Orgel von Johann Michael Wagner aus Schmiedefeld am Rennsteig Bergkirche Oelze mit Sauer-Orgel Franzosengrab auf Neuhauser Gemarkung. Im Oktober 1813 starb bei einem Köhlermeister in der Nähe des Mittelbacher Teiches ein französischer Grenadier, der vermutlich nach der Völkerschlacht bei Leipzig auf der Flucht war. Der Soldat wurde an Ort und Stelle begraben. Als der Köhler nach einigen Wochen in sein Heimatdorf Katzhütte zurückkehrte, teilte er dem Pfarrer den Vorfall mit. Dieser trug den Sterbefall unter der Rubrik „Merkwürdigkeiten“ in das Kirchenbuch von Katzhütte ein.Eduard Kühne: Chronik von Katzhütte im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt. Heinrich, Gehren 1891.H. B. Müller: Das Rätsel des Franzosengrabes. In: Schwarzburgbote. Nr. 25, vom 24. Dezember 1931. Rohrbachvilla (ehemalige Villa des Eisenwerkbesitzers Rohrbach), im Volksmund auch „Tränenvilla“ genannt. Nach 1945 Landambulanz Katzhütte, heute renommiertes Ärztehaus, u. a. mit Hausarztpraxis, Schmerztherapiezentrum und Physiotherapiepraxis. Herrenhaus, erbaut 1760, nach 1945 Sitz der Forstverwaltung, in den 1990er Jahren aufwändig renoviert und heute Sitz der Gemeindeverwaltung. mini|Ehemaliges Lindigforsthaus mit Heimatstube Heimatstube Katzhütte, entstanden aus dem ehemaligen Lindigforsthaus. Sie zeigt in zahlreichen Räumen und auf dem Freigelände einen repräsentativen Überblick über die Ortsgeschichte, das Handwerk, das Leben und Treiben in Katzhütte und Oelze.