Der Gewöhnliche Odermennig (Agrimonia eupatoria), auch Gemeiner Odermennig (kurz auch Odermennig), Ackerkraut, Ackerblume und Kleiner Odermennig genannt, ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie der Rosoideae innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist in Eurasien weitverbreitet.

Beschreibung

mini|Stängel mit Indument und gefiederte Laubblätter mini|Illustration miniatur|Junge Früchte mini|Reife Klettfrüchte

Vegetative Merkmale

Der Gewöhnliche Odermennig wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von meist 15 bis 150, selten bis zu 180 Zentimetern. Er hat tief im Boden verwurzelte Rhizome, denen die Stängel entspringen. Sowohl die Sprossachse als auch die Blätter sind behaart (Indument). Der Stängel ist im oberen Bereich sowohl mit kurzen als auch langen Deckhaaren besetzt.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind unpaarig typisch unterbrochen gefiedertHagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis: Folgeband 2: Drogen A-K, herausgegeben von Wolfgang Blaschek, Rudolf Hänsel, Konstantin Keller, Jürgen Reichling, Horst Rimpler, Georg Schneider. Springer-Verlag 2013, Seite 45. ISBN 978-3-642-63794-0. An der Basis stehen die Blätter rosettenähnlich dicht beieinander. Der Abstand voneinander nimmt nach obenhin zu. Die sitzenden Fiederblättchen sind alternierend zu größeren und kleineren elliptisch-rhombischen Fiederblattpaaren angeordnet, wobei ihre Größe in Richtung Blattende zunimmt. Das relativ große Endblättchen ist gestielt. Auf der Unterseite sind sie grau-grün gefärbt, gewöhnlich dicht graufilzig.Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, S. 413. ISBN 978-3-8274-1606-3 Im Filz versteckt befinden sich wenige sitzende Drüsenhaare. Der Blattrand zeigt sechs bis zwölf grob stumpfliche Zahnpaare. Die Laubblätter auf halber Stängelhöhe sind 10 bis 30 Zentimeter lang und besitzen 5 bis 9, selten bis zu 13 größere sowie 6 bis 10 kleinere Fiederblättchen.

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Die kurzgestielten Blüten sind in einem langgestreckten, traubigen Blütenstand angeordnet.

Die Blüte besitzt einen krugförmig gewölbten Blütenbecher, dessen oberer Rand mit mehreren Reihen weicher, hakenförmig gekrümmter Borsten besetzt ist. Die Länge der Borsten variiert zwischen 1 und 4 Millimetern. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig. Ein Außenkelch ist nicht vorhanden. Eingeleitet wird die Blüte von 5 Kelchblättern. Zu diesen stehen 5 gelbe, abgerundete Kronblätter in Lücke. Die Kronblätter sowie die fünf bis 20 Staubblätter entspringen dem Rand des Blütenbechers. Die zwei freien Fruchtblätter sind – typisch für den mittelständigen Fruchtknoten – in den Blütenbecher eingesenkt, jedoch nicht mit ihm verwachsen.

Die verkehrtkegelförmigen Sammelnussfrüchte sind fast bis zum Grund tief und eng gefurcht. Die oberen Stacheln sind hakig, die untersten aufrecht bis gerade abstehend.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 bei einer Chromosomengrundzahl von 7. Es handelt sich demnach um eine tetraploide Pflanze.

Ökologie

Beim Kleinen Odermennig handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Blütenökologisch besitzt er einfach gestaltete Scheibenblumen, die mit ihrem reichlichen Pollenangebot Schwebfliegen, Fliegen und Westliche Honigbienen zur Bestäubung anlocken.

Die Klettfrüchte bleiben am Fell vorbeistreifender Tiere hängen und werden, da es sich aufgrund der Größe der Pflanze überwiegend um Rinder, Schafe und Damwild sowie Wildschweine handelt, über eine große Strecke verbreitet. Diese Ausbreitungsstrategie wird als Epichorie bezeichnet.

Vorkommen Der Kleine Odermennig ist in Europa und im nördlichen Asien mit Ausnahme der arktischen Zone weitverbreitet., er ist in Mitteleuropa winterhart. Er wächst gerne auf besonnten Magerwiesen und Waldrändern von den Ebenen bis in die mittleren Gebirgslagen, bis in Höhenlagen von etwa 1600 Metern. In den Allgäuer Alpen steigt er im Tiroler Teil am Anstieg von Elbigenalp zum Bernhardseck bis zu einer Höhenlage von 1200 Metern auf. Der Gemeine Odermennig verträgt keine sauren Böden und nur wenig Schatten.

Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Klee-Odermennig-Saums (Trifolio-Agrimonietum), der zum Verband der mesophilen Krautsäume (Trifolion medii) gehört. Namensgebend hierfür ist die Verbandskennart Mittlerer Klee (Trifolium medium). Weitere typische Arten sind Oregano, Gemeiner Wirbeldost, Bärenschote, Schmalblättriger Arznei-Baldrian und Sichelklee. Der Saum kommt vor allem in den Mittelgebirgen auf Kalkböden vor.Joachim Schmitz: Eintrag Klee-Odermennig-Saum auf Schmitzens Botanikseite - Rheinische Pflanzengesellschaften, aufgerufen am 4. März 2018 Weitere Vorkommen des Kleinen Odermennig finden sich in Gesellschaften der Verbände Mesobromion, Cirsio-Brachypodion sowie in der Ordnung Prunetalia (Hecken und Gebüsche).

Systematik

Die Erstveröffentlichung von Agrimonia eupatoria erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 448. Synonyme für Agrimonia eupatoria sind Agrimonia bracteosa und Agrimonia nepalensis .Vgl. auch Henricus Dacus (Henrik Harpestreng), De Simplicibus medicinis laxativis. Hrsg. und kommentiert von John W. S. Johnsson. In: Janus. Band 22, 1917, S. 27–55 und 61–114, hier: S. 84 (epatorium = Eupatorium vulgare als Synonym für Agrimonia eupatorium ).

Der vom griechischen Pflanzennamen argemōnion abgeleitete lateinische Gattungsname Agrimonia (woraus das deutsche Wort „Odermennig“ über mittelhochdeutsch odermenie bzw. mittelniederdeutsch odermenighe und althochdeutsch avermonia entstellt istFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 520.) ist ein aus dem Griechischen stammender latinisierter Name für Feldbewohner. Das Artepitheton eupatoria (von griechisch eupatoría) geht angeblich auf den König von Ponthus Mithridates Eupator zurück. Der Gemeine Odermennig wurde früher auch als Eupatorium graecorum oder „das recht Eupatorium der alten“Walther Ryff: Confect Büchlin und Hausz Apoteck. Frankfurt am Main 1544, a.2 recto. (im Gegensatz zum Eupatorium Mesue, der Leberbalsam-Schafgarbe) bezeichnet.Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 132 und 142.

Galerie

Verwendung

Verwendung als Heilpflanze

Die wirksamen Inhaltsstoffe sind in den blühenden Sprossspitzen sowie in den Blättern enthalten. Die wichtigen Inhaltsstoffe sind Gerbstoffe des Catechintyps sowie Corilagin (Gallotannin), Bitterstoffe, Ätherische Öle, Flavonoide (v. a. Quercetin und Apigenin), Triterpene, Pflanzensäuren sowie Kieselsäuren. Als Droge dienen die während der Blüte gesammelten und getrockneten Sprosse (Agrimoniae herba).

Auf Grund ihres Gerbstoffgehalts hat die Droge eine milde adstringierende und entzündungshemmende Wirkung. Innerlich wird die Pflanze eingesetzt zur Therapie von Durchfallerkrankungen, zur Behandlung von Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, sowie allgemein bei Magen-, Darm- und Galleleiden.Gunter Steinbach (Hrsg.), Bruno P. Kremer u. a.: Wildblumen. Erkennen & bestimmen. Mosaik, München 2001, ISBN 3-576-11456-4, S. 70. Äußerlich kommen bei Entzündungen der Haut Umschläge zum Einsatz. Volkstümlich wird die Pflanze auch noch zur Therapie von Bettnässen, Nieren- und Blasenentzündungen sowie bei Diabetes eingesetzt, ohne dass die Wirksamkeit für diese Anwendungen bisher wissenschaftlich bewiesen werden konnte.

Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat eine Monographie zum Odermennigkraut veröffentlicht. Darin werden traditionellen Indikationen für verschiedene Zubereitungen bestätigt, zum Beispiel leichter Durchfall, Entzündungen im Mund- und Rachenraum und auf der Haut sowie oberflächliche Wunden.

Verwendung als Färberpflanze

Mit den unterirdischen Pflanzenteilen oder der ganzen Pflanze des Gemeinen Odermennigs wird auf mit Alaun vorgebeizter Wolle ein gelber Farbton erzielt. Die Licht- und Waschechtheit dieses Farbtons auf Wolle und Baumwolle werden als mittelmäßig bezeichnet. Je später im Herbst die Pflanze geerntet wird, desto dunkler wird die erzielte Gelbfärbung.

Die Hauptfarbstoffgruppe sind die Flavonoide und Hauptfarbstoffe sind Quercetin, Catechingerbstoff sowie Ellagengerbstoff.

Weitere Trivialnamen

Der deutsche Name Odermennig (über mittelhochdeutsch odermenie bzw. mittelniederländisch odermenighe und althochdeutsch avermonia/avarmonia) ist eine Entstellung aus lateinisch agrimonia (über argemoniaOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 154.) von griechisch argemōnion.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka, De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 520. Neben der entstellten Form ist auch die Ableitung Agrimonie belegt.Vgl. etwa Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 155.Vgl. auch Wouter S. van den Berg (Hrsg.): Eene Middelnederlandsche vertaling van het Antidotarium Nicolaï (Ms. 15624–15641, Kon. Bibl. te Brussel) met den latijnschen tekst der eerste gedrukte uitgave van het Antidotarium Nicolaï. Hrsg. von Sophie J. van den Berg, N. V. Boekhandel en Drukkerij E. J. Brill, Leiden 1917, S. 197 (Agrimonie).

Einige Volksnamen sind: Leberklee, Klettenkraut, Brustwurz, Schafklette, Magenkraut, Königskraut, Lebenskraut, Steinkraut, Kirchturm, Milzblüh. Die im Volksmund verwendete Bezeichnung Kirchturm verdankt der Gemeine Odermennig seinem langen Pflanzenstiel. Die Bezeichnungen Leberklee oder Milzblüh werden im südlichen deutschen Sprachraum verwendet und geben die dortigen Heilanwendungen für Leber, Galle oder Milz wieder.