mini|hochkant|Ralph Röber, 2024

Ralph Röber (* 1959 in Bad Pyrmont) ist ein deutscher Mittelalter- und Neuzeitarchäologe.

Leben Ralph Röber studierte Ur- und Frühgeschichte, Alte und Mittlere Geschichte sowie Volkskunde an der Universität Münster und wurde dort 1987 bei Torsten Capelle mit einer Dissertation über „Die frühmittelalterliche Keramik aus Warendorf“ promoviert.

Von 1988 bis 1989 war Röber wissenschaftlicher Mitarbeiter am Westfälischen Museum für Archäologie – Fachreferat Mittelalter mit der Aufgabe das keramische Material des Klosters tom Roden bei Höxter zu publizieren. Im Anschluss war er bis 1991 in derselben Institution als wissenschaftlicher Volontär tätig und leitete in dieser Funktion Notbergungen und Grabungen in Westfalen.

Von Juli 1991 bis Mai 2025 war er Konservator für Mittelalter und Frühe Neuzeit am Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz. In dieser Eigenschaft betreute er seit 1995 im Auftrag des Landesdenkmalamtes Baden-Württemberg Grabungen im Stadtgebiet von Konstanz, von 2000 bis 2012 war er in Nebentätigkeit Leiter der Arbeitsstelle Konstanz des Landesdenkmalamtes. Aus diesen Tätigkeiten entwickelte sich ein von ihm geleitetes Forschungsprojekt mit dem Ziel, das Potential aktueller Konstanzer Grabungen deutlich zu machen. Es endete nach 20 Jahren mit der Herausgabe eines Sammelbands zur Grabung Obere Augustinergasse und einem abschließenden resümierenden Überblick.Ralph Röber: Stadtarchäologie in Konstanz. Ein Forschungsüberblick. In: Dorothee Ade u. a. (Hrsg.): Sachgeschichte(n). Beiträge zu einer interdisziplinär verstandenen Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Festschrift für Barbara Scholkmann zu ihrem 80. Geburtstag. Tübingen 2021, 425–442. Ein Fokus lag auf der Vernetzung mit anderen Disziplinen wie den verschiedenen Geschichtswissenschaften, Bauforschung, Botanik, Osteologie, Anthropologie, Bodenkunde und Numismatik. Sie entstand aus der Überzeugung, dass nur eine interdisziplinäre Herangehensweise zu weiterführenden Ergebnissen führen kann. Insgesamt ist aus den Händen diverser Autoren eine dreistellige Anzahl von Publikationen entstanden, dazu zählen auch Abschlussarbeiten an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, der Universität Konstanz und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau.

1997 trug er einem seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte Rechnung und gründete den internationalen Arbeitskreis zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks, dessen Leiter er bis 2023 war. Dieser hat unter seiner Ägide mittlerweile 19 mal getagt, etliche Tagungen konnten publiziert werden.Aufstellung bis 2008: Walter Melzer, Ralph Röber: Der Arbeitskreis zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks. In: Walter Melzer (Hrsg.): Archäologie und mittelalterliches Handwerk – Eine Standortbestimmung. Beiträge des 10. Kolloquiums des Arbeitskreises zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks. Soester Beiträge zur Archäologie Bd. 9, Soest 2008, 9-12. Walter Melzer (Hrsg.): Lebensmittel im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: Erzeugung, Verarbeitung, Versorgung. Beiträge des 16. Kolloquiums zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks. Soester Beiträge zur Archäologie 15. Soest 2018. Im Druck: Beiträge des 15. Kolloquiums 2014.

Im Jahr 2000 wurde parallel zur Eröffnung einer Abteilung zur Schifffahrt im Archäologischen Landesmuseum ein wissenschaftliches Projekt zur frühen Schifffahrt in Südwestdeutschland abgeschlossen.

Von 2005 bis 2017 war Röber im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Darüber hinaus war er Mitorganisator der interdisziplinären Tagung „Wandel der Stadt um 1200. Die bauliche und gesellschaftliche Transformation der Stadt im Hochmittelalter“, die 2011 in Esslingen abgehalten wurde.Karsten Igel, Michaela Jansen, Ralph Röber, Jonathan Scheschkewitz (Hrsg.): Wandel der Stadt um 1200. Die bauliche und gesellschaftliche Transformation der Stadt im Hochmittelalter. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg Heft 96, Stuttgart 2013. 2023 hat er zusammen mit den Historikern Fabio Crivellari und Harald Derschka ein zweitägiges interdisziplinäres Kolloquium unter dem Titel „Wetter im Wandel? Zur Klimageschichte des Bodenseeraumes“ organisiert.

Einem neueren Forschungsfeld trug er mit der Ausstellung „GlasKlar – Archäologie eines kostbaren Werkstoffes“ Rechnung, zu der ein umfangreicher Überblick über den Forschungsstand in Baden-Württemberg als Begleitband erschien. In der Folge konnten zusammen mit Bertram Jenisch und Jonathan Scheschkewitz die Beiträge von zwei Tagungen zu mittelalterlichem und neuzeitlichem Glas, 2014 in Konstanz und 2016 in Baiersbronn, vorgelegt werden. Darüber hinaus erschien ein Beitrag zu Thüringer Glasfunden sowie die Überarbeitung und Ergänzung eines Manuskripts von Ulrich Lappe zu Glasfunden aus Erfurt.R. Röber, Hohl- und Flachglas aus einer frühneuzeitlichen Erfurter Latrine. Neue Ausgrabungen und Funde in Thüringen 10, 2018/2019, 121-151; U. Lappe / R. Röber, Die Glasfunde des 13. bis 17. Jahrhunderts von Erfurt – Typologie und Chronologie. Weimarer Monographien zur Ur- und Frühgeschichte Bd. 49. Langenweißbach 2024.

Ein weiteres Projekt war eine Ausstellung über das Zusammenleben von Juden und Christen in der Bodenseeregion, das von Dorothea Weltecke, damals Lehrstuhl für vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Konstanz, angeregt und gemeinsam mit ihm geleitet worden war.

Röber gab 1994 und 1995 Lehrveranstaltungen an der Universität Konstanz, seit 1998 ist er an der Universität Tübingen in der Lehre tätig, 2005 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt. Er ist Gutachter für die Studienstiftung des deutschen Volkes, des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Röber hat zu fast allen Bereichen der mittelalterlich-frühneuzeitlichen Sachkultur publiziert. Daneben liegen Schwerpunkte auf der Archäologie des Handwerks sowie auf siedlungsarchäologischen Fragestellungen, insbesondere aber der Erforschung der mittelalterlichen Stadt. Sein besonderes Interesse fanden auch immer methodische Fragestellungen. Seine jüngste Monographie behandelte das Konstanzer Töpferhandwerk vom 11./12. bis 19. Jahrhundert.R. Röber, Häffelin, Schmalzbeckhen und Khindts Krüglin – Konstanzer Hafner und ihre Produkte in Mittelalter und Neuzeit. Likias Verlag Friedberg 2025. Hier wie auch sonst in letzter Zeit war er vor allem im Grenzbereich von Archäologie und Geschichtswissenschaft tätig.R.Röber, Wie baut man ein Renaissance-Schloss? Die Versorgung mit Baustoffen im Spiegel der Schriftquellen zu Schloss Horst, Gelsenkirchen. Burgen und Schlösser 2, 2024, 102-113; Andreas Haasis-Berner, Cornelia Kneppe, Hans-Werner Peine und Ralph Röber, Forschungen zu Haus Horst in Gelsenkirchen – Befunde und Fundmaterialien. Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Band 49.1. Münster 2025; Röber Ralph, Die Bauverträge von Schloss Horst: Eine unterschätzte Quelle für die Forschung. In: Julia Bruch, Eva-Maria Cersovsky und Andreas Lehnertz (Hrsg.) Von unbequemen Dominikanern, organisierten Handwerkern und gefertigten Dingen. Festschrift für Sabine von Heusinger zum 60. Geburtstag. Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte Beihefte (https://mittelalter.hypotheses.org/category/beihefte); Röber Monika und Ralph Röber, Sebastian Million, Oliver Nelle, ER(FASS)T – BE(FASS)T – VER(FASS)T. Fässer, Küfer und Kübler in archäologischen und schriftlichen Quellen aus Konstanz, Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 143, 2025, 3-39.

Zu seinem 65. Geburtstag wurde ihm von Freunden und Kollegen die Ehre einer Festschrift zu Teil.

Veröffentlichungen (Auswahl) Die Bedeutung von Münzfunden für die Datierung mittelalterlicher Keramik. In: T. Albrecht/A. Sander-Berke (Hrsg.): Festschrift für Peter Berghaus (Münster 1989) 107–113. Die Spinnwirtel der spätsächsischen Siedlung Warendorf, Kr. Warendorf. Zugleich ein Beitrag zur Rolle der Spinnwirtel in Tracht und Totenbrauchtum in Nordwestdeutschland und den rechtsrheinischen Niederlanden. In: Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 6b, 1991, 1–21. mit Peter Glüsing: Funde von der Wildburg und der Brunsburg. Ein Beitrag zur mittelalterlichen Keramikchronologie im Oberweserraum. In: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 61, 1992, 135–156. Kloster tom Roden: Das Fundmaterial und seine Aussagen zur Ausstattung der Anlage und zur Lebensweise ihrer Bewohner. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde Bd. 70, 1992, 143–181. mit Cornelia Kneppe und C. Syndikus, Beiträge zur Architektur mittelalterlicher Kirchen im Sauer- und Siegerland. In: Westfalen. Hefte für Geschichte, Kunst und Volkskunde 70, 1992, 42–92. mit Barbara Theune-Großkopf, Geweih, Knochen, Elfenbein im kultisch-christlichen Bereich. In: „Knochenarbeit“. Artefakte aus tierischen Rohstoffen im Wandel der Zeit. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 27 (Stuttgart 1994) 99–109. Das Mittelalter: Hauswerk, Handwerk, Hohe Kunst. In: „Knochenarbeit“. Artefakte aus tierischen Rohstoffen im Wandel der Zeit. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 27 (Stuttgart 1994) 110–120. Artefakte aus Knochen und Geweih. In: Die Latrine des Augustinereremiten-Klosters in Freiburg im Breisgau. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 31 (Stuttgart 1995) 329–334. Zur Verarbeitung von Knochen und Geweih im mittelalterlichen Südwestdeutschland. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 20, 1995, 885–944. Tonpfeifen aus Konstanz. In: Knasterkopf. Mitteilungen für Freunde irdener Pfeifen 8, 1996, 1–44. mit, B. Nagel, P. Oelze, Heilige vom Hinterhof. In: Glaube, Kunst und Spiel. ALManach 1 zusammengestellt von R. Röber (Stuttgart 1996) 18–140. Studien zur Ofenkeramik der Töpferei Vogler (ca. 1650–1683). In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 21, 1996, 579–618. Zur Topographie des Handwerks in der mittelalterlichen Stadt. In: ALManach 4, Von Schmieden, Würflern und Schreinern, zusammengestellt von Ralph Röber, Stuttgart 1999, 9–42. Zu Füßen des Bischofs. In: Im Schatten des Münsters, Geschichte eines Quartiers im Zentrum der Konstanzer Altstadt (Konstanz 1999) 19–31. Tonpfeifen des 17. und 18. Jahrhunderts aus Breisach, Freiburg und Konstanz. Zum Forschungsstand im südlichen Südwestdeutschland. In: M. Schmaedecke (Hrsg.), Tonpfeifen in der Schweiz. Beiträge zum Kolloquium über Tabakpfeifen aus Ton in Liestal am 26.3.1998. Archäologie und Museum Bd. 40 (Liestal 1999) 39–50. mit einem Beitrag von P. Oelze, Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Ofenkacheln aus dem Kreis und der Stadt Konstanz. In: Fundberichte aus Baden-Württemberg 22,1, 1999, 803–851. Viele Kaiser und ein Fürst – Die Kaisermedaillons von Schloß Horst in Gelsenkirchen. In: Schweizer Münzblätter Heft 194, 1999, 31–39. mit Ulrike Trepkas, Archäologische und historische Quellen zum städtischen Werkhof in Konstanz. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 117, 1999, 33–56. Konstanz und seine Häfen. Standort und Infrastruktur von der Antike bis in das 19. Jahrhundert. In: ALManach 5/6, Einbaum, Lastensegler, Dampfschiff. Frühe Schifffahrt in Südwestdeutschland, zusgest. von R. Röber (Stuttgart 2000) 185–214. mit Ulrike Trepkas, Konstanz „Am Gries“. Zur Entstehung und Bevölkerung eines Stadtviertels am Rand des Sees. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung 119, 2001, 1–58. Öfen und Feuerstellen in Handwerk und Gewerbe- mittelalterliche Realität und archäologischer Befund. In: Mittelalterliche Öfen und Feuerungsanlagen. Beiträge des 3. Kolloquiums des Arbeitskreises zur archäologischen Erforschung des mittelalterlichen Handwerks zusammengestellt von R. Röber. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 62 (Stuttgart 2002) 9–26.