mini|Schema: Ungarn-Operation (1849) mini|Schema: Buchara-Operation (1920) mini|Karte zur strategischen Operation „Uran“ 1942 (Schlacht um Stalingrad) mini|Schema zur Operationslage (1944) Gegenoffensive in den Ardennen
Die Operation im militärischen Sinn bezeichnet die nach Zielen, Aufgaben, Zeit und Ort koordinierten (Kampf-)Handlungen der Streitkräfte (Teilstreitkräfte) im operativen und/oder strategischen Maßstab nach einheitlicher Idee und nach einheitlichem Plan. Alternativ wird manchmal der Begriff Offensive synonym verwendet.
Ziel ist, gegnerische Gruppierungen zu zerschlagen, wichtige Räume (Abschnitte) von operativer bzw. strategischer Bedeutung zu besetzen und/oder zu behaupten.
Jede Teilstreitkraft ist in der Lage, selbstständig oder im Zusammenwirken mit anderen Teilstreitkräften Operationen durchzuführen.Lemma Operation. In: Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“, der Nationalen Volksarmee u. a.: Militärlexikon. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2. Auflage, Berlin 1973, S. 281.
Für die Theorie der Strategie und die Theorie der Operativen Kunst ist die Operation das Objekt und der Untersuchungsgegenstand.
Begriffsgeschichte Herkunft des Begriffs Operation Das Wort operieren ist vor dem 16. Jahrhundert als schwaches Verb entlehnt aus lateinisch operārī ‘arbeiten, verrichten, pflegen, bearbeiten’ und zu lateinisch opus ‘Werk, Arbeit, Beschäftigung’ nachgewiesen. Die zunächst medizinische Bedeutung folgte jener Auffassung, die im Chirurgen einen guten Handwerker sah. Daraus bilden sich lateinisch operatio (Genitiv operationis) mit der Bedeutung ‘Arbeit, Verrichtung, Gewerbe’ sowie das Abstraktum Operation und ein Nomen Agentis Operateur, gefolgt vom Adjektiv operativ sowie den Adjektiven der Möglichkeit (in)operabel. Mit allgemeinerer Bedeutung versehen sind etwa Kooperation ‘Zusammenarbeit’ und operationalisieren ‘standardisieren’. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch. 23., erweiterte Auflage. Bearbeitet von Elmar Seebold: Berlin/New York 1999, S. 602.
Entwicklung des Begriffs Operation Während der Begriff im medizinischen Zusammenhang schon seit dem frühen 16. Jahrhundert benutzt wurde, findet er sich in der Bedeutung einer zielgerichteten Bewegung eines militärischen Verbandes ab dem Ende des 17. Jahrhunderts.Wolfgang Pfeifer (u. a.): Etymologisches Wörterbuch des Deutschen Berlin 1993, S. 951.
Im umfassenderen Sinne etabliert sich der Begriff erst um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. In den Schriften Friedrichs des Großen ist er nicht zu finden. Sein Zeitgenosse Henry Lloyd gilt jedoch als Schöpfer der Bezeichnung Operationslinie für die Verbindungsstränge von der Armee im Felde zu ihren Versorgungsbasen im Hinterland.Rudolf Vierhaus: Lloyd und Guibert. In: Werner Hahlweg: Klassiker der Kriegskunst. Darmstadt 1960, S. 188. Das legt nahe, dass bereits um 1780, dem Entstehungsjahr von Lloyds Abhandlung über die allgemeinen Grundsätze der Kriegskunst, der Operationsbegriff so verbreitet war, dass sich die Ableitung der Operationslinie daraus anbot. Um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert findet sich der Begriff bei allen bedeutenden Denkern der Kriegskunst.
Erzherzog Karl überschreibt § 4 seiner Grundsätze der höheren Kriegskunst für die Generäle der österreichischen Armee bereits 1806 mit dem Titel Von dem Operationsplan.Erzherzog Karl: Grundsätze der höheren Kriegskunst für die Generäle der österreichischen Armee Wien 1806, In: Freiherr von Waldstätten (Hrsg.): Erzherzog Karl. Ausgewählte militärische Schriften Berlin 1882, S. 18.
Carl von Clausewitz verwendet die Begriffe Operationsbasis und Operationslinie in seinem in den 1820er Jahren entstandenen Buch Vom Kriege häufiger.Stichwort Operationsbasis und Operationslinie. In: Carl von Clausewitz: Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz. Verlag des MfNV, Berlin 1957, S. 163, 375–379, 659, 803, 807. Das fünfzehnte Kapitel des fünften Buches im zweiten Teil trägt sogar den Titel Operationsbasis.Vom Kriege, Hinterlassenes Werk des Generals Carl von Clausewitz, Bd. 1–3, bei Ferdinand Dümmler, Berlin 1832–1834, (Hrsg. von Marie von Clausewitz).
Dass ausgerechnet Scharnhorst, der von Tempelhoff, dem Übersetzer Lloyds, erheblich gefördert wurde, die Urheberschaft des Ausdrucks Operationslinie Jomini zuschreibtScharnhorst schreibt: Die “Précis de l’art de la guerre” fassen die aus der Kriegsgeschichte und den napoleonischen Feldzügen abgeleiteten Lehren zusammen. Es ist das Verdienst des “devin de Napoléon”, der Kriegswissenschaft einen starken Auftrieb verschafft und sie durch die Begriffe der “Initiative” und der “Operationslinien”, insbesondere der “inneren” und “äusseren Linien”, bereichert zu haben. (Gerhard Johann David von Scharnhorst: Nutzen der militärischen Geschichte. Ursach ihres Mangels Ein Fragment aus dem Scharnhorst-Nachlass, Osnabrück 1973, ISBN 3-7648-0867-5)., ist vor diesem Hintergrund erstaunlich. Wobei Jomini, dessen Werk Précis de l’Art de la Guerre etwa zehn Jahre nach Clausewitz’ Vom Kriege entstand, den Begriff und das Verständnis davon beträchtlich weiterentwickelte. Er baute um den Operationsbegriff ein ganzes Gebäude neuer Termini, die sich auf diesen bezogen oder von ihm abgeleitet waren.Jomini: Précis de l’Art de la Guerre Paris 1994; in englischer Übersetzung: The Art of War London 1992. „Jomini suchte das Wesen der Strategie in den Operationslinien und prüfte die Vorzüge der inneren Operationslinie und der äußeren.“Hans Delbrück: Geschichte der Kriegskunst 4. Teil, 4. Buch, 4. Kapitel, Hamburg 2006, ISBN 3-937872-42-6, S. 597. Scharnhorsts Irrtum mag sich also auf diesen Umstand gründen.
Operation und Entstehung einer Operativen Kunst Die bedeutendste Weiterentwicklung für die Kriegskunst fällt in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Mit dem Begriff Operation waren vordem bereits frühzeitig eine Vielzahl anderer Begriffe (beispielsweise Operationslinie, Operationsbasis) verbunden.
Die zentrale Bedeutung, die er heute besitzt, erhielt er jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als man von ihm in Deutschland das Adjektiv operativ ableitete, mit dem eine völlig neue Führungsebene zwischen Strategie und Taktik geschaffen wurde, die operative Ebene. mini|links|hochkant|Helmuth von Moltke Ob bereits Moltke in Anlehnung an den Begriff der Operation die operative Kriegskunst oder operative Führungsebene zwischen Taktik und Strategie einschob, oder erst sein Nachfolger Schlieffen, ist unbekannt. Es steht jedoch fest, dass dieser neue Führungsbegriff noch vor 1900 in Deutschland entstand. Von dort wurde er zunächst in Russland als Оперативное искусство Operatiwnoje iskusstwo aufgenommen.Edward Luttwak: Strategie, Die Logik von Krieg und Frieden. Lüneburg 2003, S. 156.
Außer in Russland, wo das Konzept der Operativen Führung zwischen 1923 und 1937 von Tuchatschewski und Triandafillow weiter ausgearbeitet wurde (vgl. Tiefe Operation), tat man sich außerhalb Deutschlands schwer die neue Idee zu übernehmen. Das war und ist zum großen Teil der ablehnenden Haltung gegenüber einer Wehr- oder Militärwissenschaft geschuldet.
Nach Boris Michailowitsch Schaposchnikow wurde an der russischen Generalstabsakademie vor dem Ersten Weltkrieg operative Kunst nach Sigismund von Schlichting, Louis Loyzeau de Grandmaison und Heinrich Antonowitsch Leer gelehrt.
Wesensmerkmale der Operation Bestandteile der Operation Die Operation ist für die Kriegskunst – genauer, ihre Bestandteile (Militär-)Strategie und Operative Kunst – eine Grundform (Hauptform) der Handlungen der Streitkräfte.
Die Operation im militärischen Sinn bezeichnet die Gesamtheit der nach Zielen, Aufgaben, Ort und Zeit abgestimmten und miteinander verbundenen Schlachten, Schläge, Gefechte und Manöver verschiedenartiger Truppen (Kräfte), die gleichzeitig oder aufeinanderfolgend nach einheitlicher Idee und nach einheitlichem Plan, zur Erfüllung von Aufgaben auf dem Kriegsschauplatz (den Kriegsschauplätzen), in einer strategischen Richtung oder Operationsrichtung (in einem bestimmten Raum / einer bestimmten Zone) und in einer festgelegten Zeit durchgeführt werden. Für die Theorie der Operativen Kunst ist sie das Objekt und ein Untersuchungsgegenstand.
Neben den Kampfhandlungen gehören also auch alle anderen militärischen Maßnahmen dazu, zum Beispiel Verlegungen (Märsche, Transporte, Manöver) oder Versorgung von Kräften (Mitteln) und sonstige Maßnahmen jeder Art und jeden Umfangs. Operationen setzen keinen fest bestimmten Kräfteumfang voraus. Operationen werden grundsätzlich von verschiedenen Truppengattungen und gewöhnlich von verschiedenen Teilstreitkräften gemeinsam durchgeführt.
Ziele, Ausmaß, Kennziffern der Operation Ziel der Operation kann sein: die gegnerischen Gruppierungen zu zerschlagen, wichtige Räume (Abschnitte) von operativer bzw. strategischer Bedeutung zu besetzen oder zu behaupten.Autorenkollektiv der Militärakademie „Friedrich Engels“, der Nationalen Volksarmee u. a.: Militärlexikon. (Hrsg.) Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik: 2. Auflage, Berlin 1973, S. 192–193.
Jede Operation wird durch ihre spezifischen Hauptkennziffern – das Ausmaß der Operation – charakterisiert. Dazu gehören: die Anzahl der an der Operation teilnehmenden Kräfte (Mittel); die Breite und Tiefe des Handlungsstreifens (der Handlungsräume); (in der Angriffsoperation) die Tiefe und das mittlere Tempo der (Angriffs-)Handlungen; die Dauer der Operation; die vorherige und laufende Auffüllung mit materiellen Mitteln und Reserven (Militärlogistik); die Möglichkeiten zur Sicherstellung der (Kampf-)Handlungen; der Charakter des Geländes und andere Lagebedingungen wie Wetter.
Arten der Operation Einteilung nach Kriterien Nach dem Maßstab und Umfang der beteiligten Kräfte (Mittel) können unterschieden werden: die Strategische Operation, die Frontoperation (Flotten-, Luftverteidigungsbezirks-, Armeegruppen-, Heeresgruppen-Operationen) sowie die Armeeoperation (Flottillen-, Korps-, Geschwader-Operation). Zu den Arten der Operation nach einbezogenen Teilstreitkräften zählen: die allgemeine Operation (der Landstreitkräfte), die allgemeine Flottenoperation und die gemeinsame Operation (von operativen Formationen mehrerer Teilstreitkräfte).
Außerdem können selbstständige Operationen der Teilstreitkräfte durchgeführt werden: die Luftoperation, die Luftverteidigungsoperation, die Seeoperation (ozeanische Operation).Lemma selbstständige Operation (ru– самостоятельная операция). In: Autorenkollektiv unter Leitung von S. F. Achromejew: Militärenzyklopädisches Wörterbuch (ru – Военный Энциклопедический Словарь – Wojennyj Enziklopeditscheskij Slowar). Moskau 1986, S. 653.
Arten der allgemeinen Operation (bei den Landstreitkräften / dem Heer) werden unterschieden nach dem Charakter der Kampfhandlungen in der Operation in (Offensiv-)Angriffsoperationen und (Defensiv-)Verteidigungsoperationen. Das Verständnis von offensiven Operationen überwiegt, weil diese auf die Erringung der Initiative gerichtet sind und darauf ausgerichtet sind, den Gegner zu schwächen oder in eine ungünstige Lage zu bringen, indem ihm Geländeräume (-abschnitte) operativer oder strategischer Bestimmung abgenommen und gegnerische Handlungsfähigkeiten beschnitten werden.
Nach der Zeit und Reihenfolge werden Operationen unterteilt in Erste Operation und Folgende Operation(en).
Nach der besonderen Geografie des Operationsraums werden der Wüstenkrieg, Dschungelkrieg, Gebirgskrieg und der Krieg in der Arktis sowie der Kampf in großräumigen urbanem Einsatzraum als Orts- und Häuserkampf unterschieden.
Luftoperation