Der Bocksbach (selten Boxbach, im Oberlauf auch Klettenbach) ist ein 14,4 Kilometer langer Bach im Landkreis Karlsruhe, der bei Karlsbad-Ittersbach entsteht und bei Pfinztal-Kleinsteinbach von links in die Pfinz mündet.
Geographie Verlauf Der Bocksbach entsteht rund 500 Meter nördlich einer namenlosen, rund hohen Erhebung am Ortsrand von Karlsbad-Ittersbach. Zunächst Richtung Norden fließend, folgt der Bach in etwa dem Ostrand eines Waldgebietes, an das sich ein Wiesengelände mit einer kleinen Pferderennbahn anschließt. Nach rund 800 Meter tritt der Bocksbach in den Wald ein und wendet sich nach Nordosten. Hier liegt der Tornadostein, der an die Zerstörung von 110 Hektar des Ittersbacher Gemeindewaldes bei einem Tornado im Juli 1968 erinnert. Am Ittersbacher Industriegebiet Im Stockmädle mündet von rechts der Klettenbach, ab hier bis Langensteinbach wird der Bocksbach auch als Klettenbach bezeichnet.
Auf dem kurzen nördlichen Lauf am Rand des Industriegebiets unterquert der Bach die Landesstraße 622, die dem Gewässer bis Langensteinbach folgt, und die Bahnstrecke Busenbach–Ittersbach. Die normalspurige Bahnstrecke, ein Teil des Karlsruher Stadtbahnnetzes, wurde in heutiger Form 1975 eröffnet; eine zwischen 1899 und 1964 bestehende schmalspurige Bahn verlief etwas weiter nördlich. Der Bocksbach begleitet diese alte Bahntrasse auf rund 800 Meter in westnordwestliche Richtung. Dieser Abschnitt des Bachs ist relativ naturnah erhalten, hat ein nur geringes Gefälle und verläuft teilweise in einem Erlenbruchwald. Oberhalb des Hermannsees, eines kleinen Weihers, mündet von links der Häslichbach.
Unterhalb des Hermannsees wendet sich der Bocksbach nach Norden und erreicht in einem sich zunehmend eintiefenden Tal Langensteinbach, wobei er anfänglich noch von einem Wiesenstreifen begleitet wird und später vollständig im Wald liegt. Am südlichen Ortsrand von Langensteinbach liegen links die Ruine der Barbarakapelle und rechts das SRH Klinikum. Langensteinbach, im Kern eine straßendorfartige Siedlung im Bocksbachtal, passiert der Bach in einer über zwei Kilometer langen Verdolung.
Von Langensteinbach bis Kleinsteinbach folgt die Landesstraße 563 dem Bocksbachtal. Gut einen Kilometer nördlich des Ortsrandes von Langensteinbach mündet von links der Darbach. Knapp unterhalb der Bachmündung liegt das Hochwasserrückhaltebecken Mutschelbach. Vorübergehend in nordöstliche bis östliche Richtung fließend, unterquert der Bocksbach die Bundesautobahn 8 (Karlsruhe–Stuttgart) und erreicht Mutschelbach, einen weiteren Ortsteil von Karlsbad. Ähnlich wie in Langensteinbach durchfließt der Bocksbach in einer knapp einen Kilometer langen Verdolung den straßendorfartigen Siedlungskern von Untermutschelbach, das 1936 mit Obermutschelbach zusammengeschlossen wurde.
Nördlich von Mutschelbach quert der Bocksbach die rund 60 Meter lange Grenze zwischen den Gemeinden Karlsbad und Pfinztal. Die kurze Grenze ist die einzige Verbindung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil des Landkreises Karlsruhe; im Westen liegt der Stadtkreis Karlsruhe, im Osten grenzt der Enzkreis an. Die Gemeindegrenze liegt an einer engen Stelle des Bocksbachtals, das hier rund 40 Meter tief ist. Beidseits des Tals liegen Wälder; der Bocksbach wird von einem teilweise recht schmalen Wiesenstreifen begleitet.
Am Nordrand des Waldes fließt von links der rund drei Kilometer lange Windelbachgraben zu, der nördlich des Karlsruher Stadtteils Stupferich entspringt. Am rechten Talhang liegt das Werksgelände des Schmiedeunternehmens Edelstahl Rosswag. Wenig später beginnt das bebaute Gebiet von Kleinsteinbach, das der Bocksbach durchfließt, wobei er sich – teilweise von einer Grünanlage begleitet – von anfänglich nördlicher Fließrichtung nach Ostnordosten wendet. Kurz vor der Mündung in die Pfinz unterquert der Bocksbach die Bundesstraße 10 und die Bahnstrecke Karlsruhe–Mühlacker, die beide dem Pfinztal folgen.
Der Bocksbach durchfließt drei verschiedene Landschaftsschutzgebiete: Ein Teil des Oberlaufs liegt im Landschaftsschutzgebiet Karlsbader Bachlandschaften. Zum Landschaftsschutzgebiet Bocksbachtal gehören Gebiete oberhalb und unterhalb von Mutschelbach, die 1939 als noch weitgehend in natürlichen Zustand erhaltenes Tal unter Schutz gestellt wurden. Das Landschaftsschutzgebiet Pfinzgau umfasst Flächen in der Gemeinde Pfinztal.
Einzugsgebiet Der Bocksbach hat ein 31,3 km² großes Einzugsgebiet, das sich als anfangs nur zwei Kilometer breiter Schlauch, der sich unterhalb Langensteinbachs durch das Teileinzugsgebiet des größten und linken Zuflusses Windelbachgraben auf etwa doppelte Breite verdickt, in erst etwa nördlicher, dann nordnordöstlicher bis nordöstlicher Richtung bis zur Mündung in Langensteinbach erstreckt, die in Luftlinie etwa 12 km vom südlichsten Punkt am Ortsrand von Ittersbach entfernt ist.
Naturräumlich gesehen gehört das obere Einzugsgebiet bis hinunter in den Talwald abwärts von Mutschelbach zum Unterraum Pfinz-Alb-Platte, der andere Teil einschließlich des gesamten Windelbachgraben-Teileinzugsgbietes zum Unterraum Westlicher Pfinzgau des westlichen Kraichgaus. Der höchste Punkt beim Wasserreservoir und Sportplatz am Westrand von Ittersbach erreicht . Das Gebiet hat große Waldanteile, die sich in drei Riegeln vor Langensteinbach, zwischen Langensteinbach und Mutschelbach und zwischen Mutschelbach und Kleinsteinbach übers Tal legen. Die offene Flur besteht im Süden fast nur aus Wiesen, gegen Norden zu nimmt der Feldanteil zu.
Reihum umgeben ist dasjenige des Bocksbachs von den Einzugsgebieten folgender Nachbargewässer: Von der Mündung südwärts bis auf die Breite von Mutschelbach ist im Osten die aufnehmende Pfinz selbst das nächste Gewässer; im mittleren und südlichen Bereich der östlichen Wasserscheide zwängt sich der Auerbach, ein höherer linker Zufluss der Pfinz, zwischen die beiden Gewässer; im Südsüdosten bei Ittersbach liegt das Quellgebiet der Pfinz selbst an; im Südsüdwesten konkurriert der Katzenbach, ein Zufluss der Alb, im Südwesten weitere und kleinere rechte Zuflüsse von ihr, nämlich ein Bach durch die Etzenroter Klamm und der Hetzelbach; der Abfluss hinter der westlichen Wasserscheide erreicht letztlich über den Scheidgraben ebenfalls noch die Alb; die Alte Bach im Westnordwesten entwässert sehr weit abwärts in die Pfinz; der Dürrbach im Nordnordwesten ist wieder ein linker Pfinz-Zufluss, ebenso der Hirschbach im Norden.
Geologisch gesehen ist das Gebiet weithin von Lösssediment aus quartärer Ablagerung bedeckt, auf den Höhen meist in Gestalt von Löss und Lösslehm, im oberen Tal auch als lösshaltige Fließerde. Schon dort an einer Stelle und am Unterlauf unterhalb von Langensteinbach liegt auf dem Grund des Tals und an den Flanken dann Plattensandstein des Oberen Buntsandsteins, der an ein paar Stellen früher abgebaut wurde. Auf den Höhen in diesem Bereich liegen zuoberst Schichtinseln des Unteren Muschelkalks.
Zuflüsse und Seen Hierarchische Liste der Zuflüsse und class=noviewer|10px Seen von der Quelle zur Mündung. Gewässerlänge, Seefläche, Einzugsgebiet und Höhe nach den entsprechenden Layern auf der Onlinekarte der LUBW. Andere Quellen für die Angaben sind vermerkt.
Bocksbach, am Oberlauf nach dem Zufluss des Klettenbachs bis etwas vor Langensteinbach auch Klettenbach, entsteht auf etwa nordwestlich von Ittersbach nahe der Pferderennbahn. Klettenbach aus dem Hasenschlag, von rechts und Süden auf knapp am Westrand des Ittersbachers Industriegebietes Im Stockmädle, 1,0 km und ca. 0,8 km². Entsteht auf etwa am Südrand des Hasenschlags zum Flurgewann Erlach nahe der Rennbahn. Häslichbach, von links und Südwesten auf etwa am Waldaustritt in die Kühlbrunnwiesen, 1,3 km und 0,7 km². Entsteht auf etwa im Birkenhau nördlich der geschlossenen Deponie auf dem Hagbuckel. class=noviewer|10px Passiert zwei Kleinteiche auf etwa im unteren Mündungskeil, zusammen wenig über 0,1 ha. class=noviewer|10px Durchfließt auf etwa gleich nach dem vorigen den Hermannsee, über 0,1 ha. class=noviewer|10px Passiert zwei Teiche am Hamberg in einer linken Nebentalmulde zwischen 315 und , zusammen 0,3 ha. (Bach aus dem Kohlplatt), von links und Westen auf etwa am Ortsende von Karlsbad-Langensteinbach, 0,8 km und ca. 1,1 km². Entsteht auf etwa im Kohlplatt an der Gemeindegrenze von Waldbronn und durchquert das Gewerbegebiet im Nordwesten von Langensteinbach verdolt (Waldklingenbach aus dem Fasanenschlag), von rechts und Ostsüdosten auf knapp nach Langensteinbach, 0,5 km und ca. 0,4 km². Entsteht auf etwa an einem Waldweg. (Waldklingenbach aus dem Rappenbusch), von rechts und Ostsüdosten auf etwa , 0,7 km und ca. 0,6 km². Entsteht auf etwa im Rappenbusch. class=noviewer|10px Passiert einen Teich rechts am Lauf auf etwa , etwas über 0,1 ha. Darbach oder Darsbach, von links und insgesamt Westen auf etwa vor einer Waldenge und dem Damm des Hochwasserrückhaltebeckens Mutschelbach, 1,6 km und 2,7 km². Entsteht auf etwa südlich der Aussiedlerhofreihe im Steinich/Steinig. Durchfließt auf etwa das nicht dauereingestaute Hochwasserrückhaltebecken Mutschelbach Wolfsgraben, von links und Westnordwesten auf etwa am Talende der Palmbachstraße in Karlsbad-Untermutschelbach, 0,7 km und ca. 0,8 km². Entsteht auf etwa im Gewann Am Wolfsgraben. (Bach aus der Klinge Kleinsteinbach) , von rechts und Ostsüdosten auf etwa aus dem Beinhölzle vor Kleinsteinbach, über 0,4 km und ca. 0,3 km². Entsteht auf etwa am oberen Rand des Waldes Schwalmes. Windelbachgraben, von links und Westen auf etwa unter dem Wanderheim vor Kleinsteinbach, 2,8 km und 6,9 km². Entsteht auf etwa am Nordwestrand von Karlsruhe-Stupferich am Ortsaustritt der Windelbachstraße. Zeilgraben, von links und Nordwesten auf etwa wenig nördlich von Stupferich, 0,4 km und ca. 1,0 km². Entsteht auf etwa am Schmierofenbuckel nördlich von Stupferich. (Bach im Gewann Hässlingen), von rechts und Westen auf knapp kurz vor der Mündung des Zeilgrabens, 0,6 km und ca. 0,4 km². Entsteht auf etwa neben der L 9654 Thomashof–Stupferich. Zennerklammgraben, von rechts und Südwesten auf etwa Am Gewann Weiher neben der K 9653 Stupferich–Kleinsteinbach kurz vor dem Waldeintritt, 2,2 km und ca. 3,3 km². Entsteht auf etwa wenig oberhalb von Stupferich an der K 9653.
Mündet von links und Südsüdwesten auf etwa in Pfinztal-Kleinsteinbach in die Pfinz, 14,4 km und 31,4 km².
Geschichte Ein älterer Name des Bocksbachs war Steinbach. Er wird zuletzt in einem Berain des Klosters Gottesaue von 1535 erwähnt. Der Name Steinbach wird einerseits gedeutet als „Bach voller Steine“; anderseits wird vermutet, er könnte auf mögliche römische Steinbauten hinweisen, die für Germanen ungewohnt waren. Die Ortsnamen Kleinsteinbach (ursprünglich Niedersteinbach) und Langensteinbach bilden ein Gegensatzpaar und leiten sich vom alten Namen des Bocksbachs ab. Der Ortsname Mutschelbach wird als Hinweis auf zahlreiche Muscheln im Dorfbach gesehen.
Bocksbach wird das Gewässer erstmals 1564 genannt. Der Name ist vermutlich herleitbar von den bereits 1535 erwähnten Bockswiesen und dem Bocksbrunnen, deren Namen wiederum auf den benachbarten, südlich von Kleinsteinbach liegenden Buchwald verweisen.
Wichtigste Brücke über den Bocksbach war die der Straße von Karlsruhe nach Pforzheim (heutige Bundesstraße 10) in Kleinsteinbach. Sie bestand bereits im 16. Jahrhundert als dreibogige Steinbrücke. 1739, 1747 und 1758 wurde die Brücke oder benachbarte Ufermauern durch Hochwässer beschädigt. 1747 wurde in den Akten vermerkt, der Bocksbach pflege „bey Entstehung eines großen Gewässers sehr wild zu tun“. 1782 wurden die Brückenbrüstungen erhöht, nachdem wiederholt Pferde und Rindvieh in den Bach gestürzt waren. Von weiteren Überschwemmungen zeugten Hochwassermarken vom 24. Oktober 1824 und vom 7. Mai 1931, die an der Brücke angebracht waren. Beim Ausbau der Bundesstraße wurde die Brücke 1958/59 durch eine Stahlbetonbrücke ersetzt.