mini|Karte der Operation Bagration mini|Zerstörte deutsche Fahrzeuge während der Operation Bagration mini|Die Beresina bei Hochwasser mini|Landschaft in Weißrussland mini|hochkant|Sommerlandschaft in Weißrussland mini|Flusslandschaft in Weißrussland
Die Rollbahn ist ein Kriegs- und Liebesroman von Heinz G. Konsalik aus dem Jahr 1959, der in den Jahren 1944 und 1945 an der Ostfront spielt.
Inhalt Klappentext
Handlung Die Handlung beginnt im Frühsommer des Jahres 1944 in Weißrussland. Der Kompanietrupp der 5. Kompanie befindet sich in der Etappe im Dorf Dubrassna am Dnjepr, südlich der Rollbahn in der Nähe von Orscha. Während der Rest der Kompanie an der Hauptkampflinie steht, genießen Kompanieführung und Tross alle Annehmlichkeiten des rückwärtigen Gebietes. Vorne stehen die Schützenzüge in ihren Gräben der Roten Armee gegenüber. Die großen Autobahnschlachten des Jahres 1943 sind vorbei. Bis auf gelegentlichen Beschuss durch Scharfschützen und Artillerie ist es auffällig ruhig.
Die Kompanie bekommt Personalersatz. Neben jungen und vollkommen frontunerfahrenen Soldaten kehren auch die beiden Heimaturlauber Leskau und Strakuweit zu ihrer Stammeinheit zurück. Leskau hatte sich zuvor in Königsberg von seiner Verlobten Inge Hellwag verabschiedet und Strakuweit hat erfahren, dass er Vater wird.
Dem Bataillonsstab kommt es sonderbar vor, dass die Rote Armee die guten Wetterbedingungen nicht für eine Offensive nutzt, so wie sie es in Vergangenheit gewohnt waren. Auch Aufklärungsergebnisse geben keinerlei Anhaltspunkte, dass der Feind einen Angriff planen könnte. Beiderseits der Rollbahn nach Smolensk herrscht eine trügerische Passivität. Leutnant Vogel möchte ein Stoßtruppunternehmen, um russische Gefangene nehmen und diese dann verhören zu können.
Leskau und Strakuweit erreichen den Bahnhof von Orscha. Sie haben bereits bei Borissow erfahren, dass der Krieg wieder ganz nah ist. Noch bevor sie über die Frontleitstelle bei ihrer Truppe eintreffen, bedienen sie sich ungeniert an den Versorgungsdepotsdamals übliche Selbstbedienungsmentalität an Versorgungsgütern, um die oft unsichere Nachschubslage auszugleichen. Auf Plünderung stand gem. Wehrmachtsrecht die standrechtliche Erschießung.
Weiter weg, im Feldlazarett Sczynno, am Fluss Wkra, in der Nähe der polnischen Stadt Nasielsk und der Festung Modlin, verliebt sich der San-Unteroffizier Walter Heinrich in die Lehrerin Elsbeth Holzer, die in Polen volksdeutsche Kinder unterrichtet. Es gibt sehr viel zu tun, da jetzt Lazarettzüge aus den Schlachtfeldern Weißrusslands, aus Borissow und Baranowitschi, eintreffen und jede Menge Schwerverletzte bringen, die dringend versorgt werden müssen.
In Dubrassna wird der Tod des Kölner Gefreiten Schmitz, der bei einem Artillerieüberfall auf tragische Weise ums Leben kam, auf Veranlassung Vogels mit militärischen Ehren begangen. Dabei müssen sie in einem unpassenden Moment widerwillig Lieder wie „Guter Kamerad“, „Es ist so schön Soldat zu sein“, „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ und andere Soldatenlieder singen. Während sich Hauptfeldwebel Kunze an der Brust seiner Geliebten Tamara tröstet, treffen endlich Leskau und Strakuweit bei ihrer Einheit ein.
Im ostpreußischen Königsberg wird Inge Hellwag in das Erfassungsamt für Kriegsarbeitseinsatz befohlen. SD-Personalchef Hubert Burger, der sich von ihr sexuell stark angezogen fühlt, befragt sie. Er genießt sein Machtgefühl über andere Menschen. Insbesondere über Frauen. Ihr Vater, ein Reichsbahnrat, wurde 1933 des Defätismus angeklagt und wäre beinahe im KZ Buchenwald gelandet. Hubert droht Inge mit Zwangsarbeit in einer unterirdischen Munitionsfabrik. Die Unterredung endet damit, dass Inge nach Berlin versetzt wird, wo gerade der Bombenkrieg tobt. Sie ist außer sich, denn in Königsberg lebt ihr alter Vater, den sie pflegt. Sie will es ihrem Fritz schreiben, dass man sie hier unbedingt klein kriegen und in die Betten zwingen will, doch dann entscheidet sie sich dagegen, da ein solcher Brief ihr sicheres Todesurteil wäre.
Die 5. Kompanie liegt in ihren Stellungen. Es ist ein verwinkeltes Grabensystem aus Laufgräben, Horchposten und MG-Stellungen. Kompaniechef Oberleutnant Faber telefoniert aus dem Kompaniegefechtsstand mit dem Bataillon. Mit Leutnant Vogel, der für die Nacht den angekündigten Stoßtrupp befiehlt. Es wird befürchtet, dass der Russe demnächst mit einer großen Sommeroffensive beginnen wird. Dafür sollen sich acht Freiwillige melden. Strakuweit und Leskau führen das Stoßtruppunternehmen an. Mit ihnen noch sechs weitere Kameraden. Zur Feuerunterstützung geht der Gefreite Lönne mit dem MG mit. Außerdem Kampfmittel in Form von geballten Ladungen. Da es ein Himmelfahrtskommando wird, sollten Familienväter wie Strakuweit zuerst ausgenommen werden. Die angespannte Personallage an der Front lässt diese Sentimentalitäten jedoch nicht zu.
Weiter hinten in Dubrassna macht ein durchlöcherter Kochkessel dem Tross und vor allem Hauptfeld Kunze, der sich außer um seinen Geschlechtstrieb und ständigen Hunger nach Erbsensuppe um kaum etwas kümmert, Sorgen. Außerdem soll der Bataillonskommandeur, der heute erscheinen wird, wenn der Stoßtrupp mit den russischen Gefangenen eintrifft, anständig bewirtet werden. Es soll Rindergulasch mit Nudeln anstatt Erbsensuppe geben.
Um 23:30 Uhr erscheint Major Schneider mit den Essensträgern an der HKL. Sie gehen anhand einer aus Luftaufnahmen zusammengesetzten Karte den Operationsplan durch. Einsatzgebiet ist ein 7 km langes und 4 km breites Waldstück (Wald von Bajewo), in dem der Russe vermutlich mit Panzern und Artillerie untergezogen ist. Luftangriffe hatten keinen Erfolg gezeigt. Jetzt müssen von der gegenüberliegenden sowjetischen Kompanie Gefangene genommen werden, die über fundierte Feindlagekenntnisse besitzen. Uhrenvergleich, Verpflegen und der Stoßtrupp bricht ins Niemandsland auf. Dabei müssen sie durch Drahtverhau und Minengassen. Sie müssen sich teilweise kriechend und gleitend fortbewegen. Vom Erdbunker III aus beobachten Major Schneider und Oberleutnant Faber mit einem Nachtglas die Bewegungen des Stoßtrupps in einer Bodenwelle. Mittlerweile haben sie das sowjetische Minenfeld und deren Drahtverhaue erreicht. Da entdecken sie eine Gruppe von Funkern der Roten Armee, die in der Bodenwelle ihren Horchposten einrichten wollen. Der Handstreich des Stoßtrupps geht schief, da der Schütze Brehm niesen muss. Sofort bricht ein nächtliches Feuergefecht mit Leuchtspurmunition aus. Brehm erhält einen Lungensteckschuss. Im weiteren Verlauf wird auch Mörser- und leichtes Artilleriefeuer mit einbezogen. Das Stoßtruppunternehmen zieht einen sowjetischen Gegenangriff der Infanterie nach sich. In letzter Minute gelangen Strakuweits Männer wieder ins eigene Stellungssystem zurück. Sie schleppen den schwerverletzten Schützen Brehm und einen Russen, dem der Schädel nach einem Hieb mit dem Klappspaten aufklafft, mit. Mithilfe von Artilleriesperrfeuer und Major Schneider höchstpersönlich hinter dem MG kann der sowjetische Angriff noch abgewehrt werden. Der Gefreite Karl Lönne wird jedoch von Granatsplittern zerfetzt.
Major Schneider ist außer sich. Der Auftrag, einen vernehmungsfähigen Gefangenen beizubringen, wurde nicht erfüllt. Anstatt dessen nur ein schwer verwundeter Russe, der zuerst noch versorgt werden muss und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Für Brehm, der dabei ist zu verbluten, ist kein Platz auf dem Sanitätsfahrzeug. Der Russe hat höhere Priorität. Im Bataillonsgefechtsstand angekommen, kümmert sich der Bataillonsarzt Dr. Wensky um die Kopfverletzung des gefangenen Russen. Major Schneider ist ungeduldig. Er will unbedingt die Nummer der russischen Truppen im Wald von Bajewo wissen. Außerdem hätte er sich bis hoch zur Division blamiert, sollte der Russe vorzeitig versterben. Mit seiner „aktiven Truppe“von der ein Großteil jedoch auf den Schlachtfeldern Frankreichs und der Ostfront fiel oder als Kriegskrüppel nach Deutschland heimkehrte wäre ihm ein solcher Patzer nicht passiert. Über den Krieg hat er sogar den 13. Hochzeitstag mit seiner Frau vergessen. Der Russe stirbt qualvoll, ohne dass man ihn noch einmal verhören kann. Auch Brehm überlebt die Nacht nicht. Er stirbt unter fürchterlichen Umständen, da man ihm die ärztliche Versorgung verweigert hatte.
23. Juni 1944Die schwerste Niederlage der deutschen Geschichte. Die Landung in der Normandie im Juni 1944 hat die Erinnerung an die Großoffensive der Roten Armee verdrängt. Dabei übertrafen die Verluste durch die „Operation Bagration“ Stalingrad bei weitem. Die Welt. 23. Juni 2014. Das OKW berichtet von der Großoffensive der Roten Armee. Bei Witebsk haben sich schwere Kämpfe entwickelt.
Auch im Gefechtsabschnitt des 2. Bataillons beginnen Luftangriffe und ein Artillerieüberfall, welche die Stille abrupt beenden. Der Feuerschlag vernichtet das Grabensystem der 5. Kompanie. Die Überlebenden werden von den Jagdfliegern mit Bordwaffen bekämpft. Die Feuerstellungen der gegnerischen Artillerie sind überwiegend im Wald von Bajewo. Die Feuerwalze der Roten Armee dauert vier Stunden und trifft das Gebiet von Witebsk bis Bobruisk schwer. Das Vernichtungsfeuer liegt auf der gesamten Front der Heeresgruppe Mitte. Auch der Bataillonsgefechtsstand von Major Schneider wird völlig überrascht. Die Verbindungen zur HKL sind unterbrochen. Funksprüche der übergeordneten Führung bestätigen, dass die Offensive für das gesamte Areal der Heeresgruppe gilt. Es setzt ein beispielloses Inferno ein.
Im Befehlsstand von Molodetschno beraten sich ein namenloser GeneralDie Person kann nicht näher eingeordnet werden. Gemeint ist vermutlich nicht Generalfeldmarschall Ernst Busch, da dieser in einem anderen Zusammenhang auftaucht und Oberst von Bennewitz über die fatale Lage ihres Großverbandes. 38 Infanteriedivisionen, davon 34 an der Front. Drei Reservedivisionen und eine Panzerdivision, die keinen Kraftstoff hat, um an einen Schwerpunkt verlegt werden zu können. Die beiden Stabsoffiziere sind verzweifelt. Denn anstatt die Front hinter dem Dnjepr zurückzunehmen und zu verkürzen, befiehlt Hitler das starre Halten. Das ist das sichere Todesurteil für die gesamte Heeresgruppe Mitte.
Leskau und Strakuweit liegen noch immer im Graben an der HKL und warten auf den Angriff der T-34-Panzer. Dann entscheiden sie sich für eine Flucht nach hinten.