mini|Rheintal bei Vaduz mini|Topographische Karte von Liechtenstein

Die Flora und Vegetation des Fürstentums Liechtenstein ist aufgrund der naturräumlichen Vielfalt für dieses relativ kleine Gebiet sehr abwechslungs- und artenreich.

Naturraum des Fürstentum Liechtenstein Die Landesfläche des Fürstentum Liechtenstein beträgt etwa 160 km².

Landschaftsgliederung mini|Zusammenfluss von Malbunbach (vorne) und Valünerbach in Steg, Liechtenstein mini|Samina mini|Der Weiler Gnalp liegt im spätglazialen Triesenberger Bergsturzgebiet

Die Vegetationshöhenstufen reichen in Liechtenstein von den Tieflagen bis zu den alpinen Hochlagen. Hypsografisch reicht das Gebiet vom Alpenrhein-Talgrund mit dem tiefsten Punkt in der nördlichen Rheintalebene bei Ruggell bei einer Höhenlage von 430 Metern bis zur Grauspitz an der Südgrenze zur Schweiz bei einer Höhenlage von 2599 Metern. Etwa ein Viertel der Landesfläche liegt im Talgebiet. Zwei Fünftel der Landesfläche entfallen auf die rheintalseitigen Hanglagen vom Hangfuss des Rheintals bis zum Ausläufer des Rätikonmassivs bis in Höhenlagen von über 2000 Metern. Etwa ein Drittel der Landesfläche liegt hinter der Rheintalwasserscheide im inneralpinen Raum, mit seinem tiefsten Punkt in Höhenlagen von etwa 890 Metern im Saminatal und dessen Bergspitzen Höhenlagen von etwa 2500 Metern erreichen.

Die Gliederung Liechtensteins zeigt deutlich drei Räume, die sich in Klima, Exposition und Nutzung unterscheiden mit einer grossen landschaftlichen Vielfalt auf diesem kleinen Raum:

Der inneralpine Raum Liechtensteins besteht aus verschiedenen Geländekammern, die überwiegend den Einzugsgebieten der drei Hauptgewässer Valünabach, ab Steg Samina genannt, Malbunbach und Valorschbach entsprechen. Die Samina sammelt den überwiegenden Teil des inneralpinen Oberflächenwassers und führt es in die Vorarlberger Ill ab.

Auch die rheintalseitigen Hanglagen sind reich gegliedert. Vom Norden zwischen den Steilwänden des Drei Schwestern-Massivs bis zum Süden mit dem vom Falknismassiv dominierten Lawenatal schiebt sich das sanfte, spätglaziale Triesenberger Bergsturzgebiet. Südlich und nördlich davon dominiert der Wald das Landschaftsbild. Dieser Wald wird auf halber Höhenlage nur von einzelnen landwirtschaftlich genutzten Terrassen unterbrochen. Vertikal folgen auf eine Vielzahl von Rüfeschuttfächern am Hangfuss schroffe Felswände oder tiefe Einschnitte in grösseren Höhenlagen (sehr deutlich bei den Drei Schwestern).

Der Talraum gliedert sich in mindestens zwei Bereiche. Ein schmales, durch die umgebenden Berge klar eingefasstes Tal erstreckt sich von Balzers bis Schaan, dessen Ebene an der schmalsten Stelle – an der südlichen Landesgrenze – kaum mehr als 1,5 km breit ist. Die Berge treten trichterähnlich nördlich von Schaan zurück und es erstreckt sich eine breite Ebene.

Das Bergsturzgebiet weist im Übergang zum Talboden viele strukturierte Kleinräume mit Hecken, Gehölzen sowie Obstbäumen auf. Beispielsweise ist in den Rüfen ein klarer Übergang vom bewaldeten Teil zu dem Bachbett, das der Dynamik des Wildwassers unterliegt. Ein weiteres Beispiel ist die Talebene des Liechtensteiner Unterlandes, die durch den Eschnerberg deutlich landschaftlich aufgeteilt ist.

Im Rheintal entlang des Flusses und in der südlichen Landeshälfte befinden sich vorwiegend Alluvialböden über Lehm und/oder Kies und im nördlichen Landesteil gibt es reine Moorböden. Die Auenwälder des Rheins wurden weitgehend gerodet und nehmen nur noch als nicht mehr überschwemmte Galeriewälder nur fast 3 % der Talebene ein. Die früher typischen einmahdigen, artenreichen Streuwiesen sind stark auf nur noch auf etwa 160 ha zurückgegangen.

In den Gebirgen überwiegen als Untergrund Kalkgestein sowie Dolomitgestein, zudem gibt es den karbonatischen Bündner Schiefer. Nur vereinzelt und lokal begrenzt gibt es silikatische Gesteine (beispielsweise Buntsandstein, Glauconit).

Klima Die Rheintalebene und die westexponierten Hänge sind dem submontan/montan-mitteleuropäischen Klimatyp zuzuordnen. Bei diesen Klimabedingungen bildet die Rotbuche auf geeigneten Lagen die Klimaxwälder. Vermutlich würde die Rotbuche etwa 70 % der Waldfläche bilden. Auf liechtensteinischem Gebiet wird der Übergang zwischen dem atlantisch getönten, feuchtkühlen Klima des Bodenseegebietes und dem kontinentaleren, trockenwarmen Klima der inneralpinen Trockeninsel um Chur spürbar (beispielsweise markante Verbreitungsgrenze der Europäischen Stechpalme (Ilex aquifolium) an der Südgrenze des Fürstentum Liechtenstein). Die Jahresdurchschnittstemperatur des Talraumes liegt bei etwa 9 °C. Im Regenschatten des Säntismassives ist der Hauptort Vaduz mit etwa 1000 mm Jahresniederschlag eine relative Trockeninsel; nördlich und südlich angrenzend erhalten die Gebiete 1100 mm. Einen wesentlichen Anteil an der relativen Klimagunst mit dem Vorkommen ausgesprochen xerothermophiler Pflanzenarten und -gesellschaften hat der Föhn mit etwa 40 Föhntagen im Jahr.

Pflanzengesellschaften mini|Landschaft um Oberschan mit Wechsel von Wald-, Acker- und Weidenutzung

Auf Grund seiner naturräumlichen Voraussetzungen (siehe oben) ist im Fürstentum Liechtenstein die natürliche Vegetation potentiell sehr differenziert. Besonders in der anthropogen stark beeinflussten Intensivlandschaft des Alpenrheintales ist ein Verlust an Primärbiotopen und an Biodiversität vorhanden. Neben der intensiven, technisierten Landwirtschaft führen Bautätigkeit im Verkehrs- und Siedlungsbereich sowie die Regulierung und Verbauung der Gewässer zum Hochwasserschutz und zur Entwässerung zum Verlust an naturnahen Lebensraum. Es erfolgt eine Uniformierung der Landschaft mit einer Dominanz der anthropogen beeinflussten, konkurrenzstarken Pflanzengemeinschaften in einer stark gestörten Kulturlandschaft. Im Talraum kommt auf meist kleinen Flächen eine Vielzahl an unterschiedlichen Pflanzengesellschaften vor. Fast die Hälfte dieser Pflanzengesellschaften ist degradiert, dies sind vor allem Ruderal- und Segetalgesellschaften. Mit zunehmender Höhenlage nimmt diese negative Situation ab. Seit Ende des Weltkrieges können Neophyten und wärmeliebende Pflanzenarten im klimabegünstigten Talraum mit den schnellen Veränderungen am besten mithalten und verbreiten sich zunehmend in Biotopen wie Streuwiesen und Röhrichten. Die ursprünglichen Pflanzenverbände kommen nur noch vereinzelt oder in Schutzgebieten vor. Dies gilt besonders für Pflanzengesellschaften der Gewässer oder Feuchtgebiete, die unter veränderten hydrologischen Verhältnissen durch Flussverbauungen und Drainagierung leiden. Die Anzahl der Arten der Rote Liste gefährdeter Pflanzen ist in diesen Biotopen weitaus am höchsten. Auch die mageren Wiesenflächen werden im Bergland zu Brachland und im Talraum immer intensiver genutzt. Weitgehend verschont von der Industrialisierung und den volkswirtschaftlichen Veränderungen blieb der Raum der Berge. Trotz der anthropogenen Veränderungen der höhergelegenen Flächen trägt dort die halbextensive bis halbintensive Bewirtschaftung zum Erhalt der Biodiversität bei. Die Gefahren der Verbrachung und der Auswirkungen des Tourismus sind im Bergraum höher zu bewerten als die Gefahren der Intensivierung.

Es gibt Waldgesellschaften und viele weitere Pflanzengesellschaften.

Die Hauptvorkommen von Waldgesellschaften liegen in der montanen Stufe. Insgesamt wurden von Schmider & Burnand 1988 40 Waldgesellschaften beschrieben (dabei wurden die speziellen Ausformungen, beispielsweise Pulmonario-Fagetum caricetosum albae, nicht extra gezählt). Die Höhenverteilung der Waldgesellschaften entspricht 7 % im Tal, 70 % in der montanen Stufe, 3 % im Übergangsbereich zum subalpinen Gebiet und 17,5 % in der Zone der Waldgrenze.

Vegetationseinheiten in waldfreien Gebieten gibt es im Fürstentum Liechtenstein 185, sie sind 22 Klassen zugeteilt. In unterschiedlicher Häufigkeit sind diese auf die vier wichtigsten Naturgrossräume verteilt: 92 Assoziationen und Pflanzengesellschaften kommen im Talraum vor, in der montanen Stufe der rheintalseitigen Berghänge in Höhenlagen von 500 bis 1600 Metern sind es 30, im Gebirge über 1600 Metern 37 und an den verschiedenen Gewässern kommen 27 Pflanzengesellschaften vor.

Vegetationseinheiten mini|Auwald-Rest und Mühlebach im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet mini|Stark gedüngte Wiese mit Löwenzahn als Hauptblühaspekt

Es gibt in Liechtenstein 185 Assoziationen und Pflanzengesellschaften.

Vegetationseinheiten aus Mühlbauer 2008: Segetal- und Ruderalgesellschaften, Mitteleuropäische Wirtschaftsgrünländer (anthropogen) Klasse Therophytenreiche synanthrope Ackerwildkrautgesellschaften Stellarietea mediae Unterklasse Violenea arvensis Ordnung Bodensaure Getreideunkrautgesellschaften = Sperguletalia arvensis Verband Fingerhirsen und Borsthirsengesellschaften = Panico-Setarion Assoziation Borstenhirsen Knopfkraut Gesellschaft = Setario-Galinsogetum parviflorae Assoziation Fingerhirsengesellschaft = Digitaria sanguinalis Gesellschaft Assoziation Hühnerhirsengesellschaft = Spergulo-Echinochloetum crus-galli Assoziation Quirlige Borstenhirse Gesellschaft = Setaria verticillata Gesellschaft Assoziation Panicum capillare Gesellschaft Assoziation Panicum dichotomiflorum Gesellschaft Assoziation Möhrenhirse Gesellschaft = Sorghum halepense Gesellschaft Assoziation Amaranthus hybridus Gesellschaft Assoziation Senecio inaequidens Gesellschaft Assoziation Amaranthus blitoides Gesellschaft Verband Knöterich-Spörgel-Gesellschaften Polygono-Chenopodion polyspermi Assoziation Vielsamengänsefuss – Sauerkleegesellschaft = Chenopodio-Oxalidetum fontanae Ordnung Basiphile Ackerunkrautgesellschaften Papaveretalia rhoedias Verband Ehrenpreis-Sonnenwolfsmilch-Gesellschaften Vernico-Euphorbion Assoziation Bingelkraut-Flur = Mercurialietum annuae Assoziation Ackerehrenpreis-Gesellschaft = Soncho-Veronicetum agrestis Assoziation Mohnflur = Papaveretalia Fragmentgesellschaft Unterklasse Einjährige Ruderalgesellschaften Sisymbrietea Ordnung Raukengesellschaften Sisymbrietalia Verband Wegeraukengesellschaften Sisymbrion officinalis Assoziation Regenschutz-Hühnerhofscheisse-Wegmalvengesellschaft = Urtico urentis-Malvetum neglectae Assoziation Kompasslattichflur = Conyzo-Lactucetum serriolae Assoziation Sophienraukengesellschaft = Agropyro-Descurainietum sophiae Assoziation Mäusegersten Gesellschaft = Hordetum murini Assoziation Einjähriges Berufkraut-Gesellschaft = Erigeron annuus Gesellschaft Assoziation Acker-Doppelrauke-Gesellschaft = Diplotaxis muralis Gesellschaft Klasse Einjährige Trittfluren Polygono-Poetea annuae Ordnung Einjährige Trittgesellschaften Polygono-Poetalia annuae Verband Vogelknöterich Trittgesellschaften Matricario matricarioides-Polygonion arenastri Assoziation Vogelknöterich-Verband Polygono arenastri-Matricarietum discoideae Assoziation Eragrostis minor-Polygonum aviculare Gesellschaft Assoziation Polygonum calcatum Gesellschaft Assoziation Einjähriges-Rispengras-Trittrasen = Poa annua Gesellschaft Verband Mastkraut-Trittgesellschaften Saginion procumbentis Assoziation Mastkraut-Silbermoos Gesellschaft = Sagino procumbentis-Bryetum argentei Verband Lägerrispengras-Gesellschaften Alchemillo-Poion supinae Assoziation Bergspitzgras-Pfad = Alchemillo-Poetum supinae Klasse Wirtschaftsgrünländer Molinio-Arrhenatheretea Ordnung Mesophile Trittrasen und -fluren der Waldwege Plantagini Prunelletalia Verband Feuchte bis nasse Trittrasen Plantagini-Prunellion Assoziation Gesellschaft der Zarten Binse = Juncetum tenuis Assoziation Wegwarten-Wegrand-Gestrüpp = Cichorium intybus Gesellschaft Assoziation Flache Quellsimse-Trittrasen = Blysmus compressus Gesellschaft Ordnung Kriechrasengesellschaften Potentillo-Polygonetalia Verband Flutrasen Potentillion anserinae Assoziation Gesellschaft des Kriech-Straussgrases = Agrostis stolonifera – Potentilla anserina Gesellschaft Assoziation Gesellschaft des Platthalm-Rispengrases = Poa compressa Gesellschaft