Jan Udo Holey (* 22. März 1967 in Dinkelsbühl) ist ein deutscher Buchautor. Unter dem Pseudonym Jan van Helsing wurde er als Autor von Verschwörungsmythen sowie geschichtsrevisionistischer und rechtsesoterischer Bücher bekannt. Wegen der antisemitischen Ausrichtung seiner Theorien geriet er wiederholt in die öffentliche Kritik. Wissenschaftler und der deutsche Verfassungsschutz bezeichnen ihn in diesem Zusammenhang als rechtsextremistischen Esoteriker.

Leben Herkunft Holey wurde als zweites von drei Kindern geboren und wuchs in einer Familie auf, in der esoterisches Gedankengut eine zentrale Rolle spielte.Arnon Hampe, Holey, In: Werner Bergmann, Brigitte Mihok, Wolfgang Benz (Hrsg.), Handbuch des Antisemitismus: Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Band 2 Personen, Walter de Gruyter 2009, S. 375 f. Seine Mutter, Luise Holey, bezeichnet sich als „Seherin“, sein Vater, der ehemalige Unternehmer Johannes Holey, ist ein „traditioneller Gnostiker“.

In seiner Jugend stand Holey der Punk-Szene nahe. Auf dem Rathausplatz in Crailsheim sorgte er für Aufsehen, als er dort eine Deutschlandflagge verbrannte. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Raumausstatter.Friedrich Paul Heller, Anton Maegerle: Die Sprache des Hasses: Rechtsextremismus und völkische Esoterik: Jan van Helsing und Horst Mahler. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-89657-091-9, S. 126. Nachdem er mehrere Jahre in der Punk-Szene verbracht hatte, kam er mit RAF-Sympathisantenkreisen in Berührung. Dabei will er erkannt haben, dass die „dritte RAF-Generation“ lediglich ein „Killerdienst“ sei, der im Auftrag der Bilderberger „Politiker entsorgt“. Holey beschreibt sich als in die Sexualmagie initiiert. Er glaubt, sexuelle Energie sammeln und lenken zu können, dass Orgasmen ab dem 42. Lebensjahr die Restlebenskraft schmälern, und präferiert den Vollzug des Geschlechtsakts nur mit Partnern gleicher geistiger Reifestufe. Wie nach seiner Auffassung jeder Hellseher bestätigen könne, verunstalte und disharmonisiere Homosexualität die Aura, weshalb sie mit seinem sexualmagischen Weltbild nicht vereinbar ist. Zur Untermauerung seiner Art der Sexualkunde beruft er sich auf Mönche und Priester im alten Germanien und die Kelten.Hubert Michael Mader: Studien und Berichte. Politische Esoterik – eine rechtsextreme Herausforderung. Wien: Landesverteidigungsakademie 1999. S. 85f und S. 104f.

Publizistische Aktivitäten Mit 14 Jahren las Holey Bram Stokers Roman Dracula, der ihn inspirierte, das Pseudonym „van Helsing“ für seine Veröffentlichungen zu nutzen. Zur Begründung führt er an, dass der Illuminatenorden, gegen den sich mehrere seiner Bücher richten, ebenfalls aus „Blutsaugern“ bestünde.Birk Meinhardt: Arier im Mikrowellen-Krieg. In: Süddeutsche.de. vom 15./16. März 2008.

Ende der achtziger Jahre verfasste Holey sein erstes Buch Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert, das im März 1994 im Ewert-Verlag erschien und hauptsächlich in esoterischen Buchläden verkauft wurde.Chantal Magnin und Marianne Rychner: Strukturelle Gemeinsamkeiten zweier Weltdeutungen: Esoterik und antisemitische Verschwörungstheorie. In: Tangram. Bulletin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Nr. 6 (1999), S. 43. Bereits nach wenigen Monaten entwickelte es sich zum Bestseller. 1995 folgte die Veröffentlichung von Geheimgesellschaften 2. Das Pseudonym wurde im Juli 1996 durch kritische Berichte der Zeitschrift esotera und des Spiegels aufgedeckt. Bis 1996 eine Anzeige der jüdischen Gemeinde Mannheim wegen Volksverhetzung erfolgte, die den Ladenverkauf stoppte, wurden von beiden Büchern vermutlich mehr als 100.000 Exemplare verkauft.Verschwörungstheoretiker mit Verbindungen in die rechte Ecke ?, Artikel vom 7. April 2009 von Matthias Holzapfel auf Merkur.de Das Verfahren wurde „wegen mangelnder örtlicher Zuständigkeit“ vom Landgericht Mannheim eingestellt.Arnon Hampe: Holey, Jan Udo. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 375 (abgerufen über De Gruyter Online). Es folgte eine Anzeige in der Schweiz, woraufhin die beiden Bücher beschlagnahmt und sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Schweiz indiziert wurden.

Eine erstmalige Erwähnung von Holey in Verfassungsschutzberichten erfolgte im Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 1996 des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, wo unter der Rubrik Rechtsextremistische Einflußnahme auf die Esoterikszene über ihn berichtet wurde. Es folgten Erwähnungen im Verfassungsschutzbericht Österreichs 2000Verfassungsschutzbericht 2000 Österreich, 2001, S. 23 sowie durch das Bundesamt für Verfassungsschutz 2004 und 2005, wo Holey als „rechtsextremistischer Esoteriker“ bezeichnet wurde.Bundesamt für Verfassungsschutz: (PDF; 3,5 MB); S. 106; Verfassungsschutzbericht 2005, S. 118 Auch in den Sozialwissenschaften findet Holey Einzug als „rechtsextremer Esoteriker“.Thomas Fliege, Kurt Möller, Rechtsextremismus in Baden-Württemberg, Belchen-Verlag 2001, S. 99; Ines Aftenberger, Die Neue Rechte und der Neorassismus, Grazer Universitätsverlag 2007, S. 64;Johann Dolanski, Das Weltall, wie es wirklich ist: Dolan-Theorie : nach den neuesten technisch-wissenschaftlichen Forschungen dargestellt, Turia & Kant Verlag 2008, S. 125

Seit Ende der 1990er Jahre publiziert er seine Werke in dem 1998 von seiner Mutter gegründeten Amadeus-Verlag. Seit dem 31. Dezember 2009 ist er dort Geschäftsführer. Der Blick nach Rechts schrieb, er gelte mit seinem Verlag als „bekanntester Vertreter der braunen Esoterik“.Blick nach Rechts: , Rezension, abgerufen am 21. Mai 2014. Dieser Verlag betreibt auch die Internetseite dieunbestechlichen.com; das Impressum nennt Holey als Chefredakteur. Die Seite verheißt „unzensierte Nachrichten – politisch unkorrekt und kostenlos!“Matthias Pöhlmann: Rechte Esoterik. Wenn sich alternatives Denken und Extremismus gefährlich vermischen. Herder, Freiburg 2021, S. 94

Von 2007 bis 2010Bernd Merling: In: Antifaschismus2.de. 3. Januar 2010, abgerufen am 26. Januar 2014. betrieb er den Web-TV-Kanal Secret.tv, über den er seine esoterischen und verschwörungstheoretischen Thesen verbreitete.Bernd Hüttner, Handbuch Alternativmedien 2011/2012: Printmedien, Freie Radios, Archive & Verlage in der BRD, Österreich und der Schweiz, AG SPAK Bücher 2011, S. 65. Darüber wurde ein von Holey und Stefan Erdmann erstellter Film über die Cheops-Pyramide verbreitet. "Filmportal für braune Esoterik" nennt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen den Internet-Sender.EZW, , abgerufen am 20. März 2016 Das „Handbuch der Alternativmedien“ bezeichnet den Sender als „rechtsextremes Internet-TV“.G. Hooffacker / P. Lokk: Rechtsextremes Internet-TV. In: Bernd Hüttner (Hg.), Handbuch Alternativmedien 2011/2012. Printmedien, Freie Radios, Archive & Verlage in der BRD, Österreich und der Schweiz, AG Spak: Wasserburg 2011, S. 65.

In seinen Büchern knüpft Helsing an die Verschwörungstheorien der Autoren Gary Allen und Des Griffin und ihre Werke Die Insider (1970) und Wer regiert die Welt (1976) an. Insbesondere stützt er sich auf den amerikanischen Ufologen Milton William Cooper, den er auch persönlich kannte und aus dessen Werk Behold a Pale Horse er ausführlich zitiert.Nicholas Goodrick-Clarke: Black Sun. Aryan Cults, Esoteric Nazism, and the Politics of Identity. NYU Press, New York 2002, S. 297. Holey behauptet eine weltweite Verschwörung der Illuminaten, zu denen er Freimaurer und Juden zählt. Er vertritt die Ansicht, Hitler sei durch Bulwer-Lyttons Buch The Coming Race (1871) und Ossendowskis Titel Tiere, Menschen und Götter inspiriert worden, wofür es keinerlei Belege gibt. Holey bedient mit diesen Behauptungen jedoch Neonazi-Klischees, da viele Passagen der Autoren Bulwer-Lytton und Ossendowski neben theosophischen Quellen zur Bildung von Neonazi-Legenden beigetragen haben.Martin Brauen: Traumwelt Tibet: westliche Trugbilder. Verlag Paul Haupt Berne, Bern; Stuttgart; Wien 2000, ISBN 3-258-05639-0. S. 73.

Im Oktober 2011 erschien im Internetportal Kopp-Online des Kopp-Verlages ein langes Interview zu seinem neuen Buch Hitler überlebte in Argentinien. Am 23. Dezember 2011 erschien dort ein Vorwort Holeys in Originallänge.

Juristische Auseinandersetzungen 1996 wurden beide Bücher Geheimgesellschaften auf Antrag der Jüdischen Gemeinde Mannheim nach einem Beschlagnahmebeschluss des Amtsgerichts Mannheim wegen Volksverhetzung vom Markt genommen.Stefan Meining: Rechte Esoterik in Deutschland. Ideenkonstrukte, Schnittstellen und Gefahrenpotentiale, in: Politischer Extremismus als Bedrohung der Freiheit (59 Seiten, pdf; 2,2 MB), Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz, Erfurt 2003, Seite 45–84.

Trotz der 1998 aus formalen Gründen erfolgten Einstellung des Strafverfahrens gegen Holey wegen Volksverhetzung waren beide Bücher verboten, weil der Inhalt „hochgradig antisemitisch war“.Katharina Nocun, Pia Lamberty: Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen Quadriga, Berlin 2020, ISBN 978-3869950952, S. 115.

In der Schweiz waren Holeys Bücher wegen des Verstoßes gegen das Anti-Rassismus-Gesetz von 1995 verboten worden.Nicholas Goodrick-Clarke: Im Schatten der Schwarzen Sonne. Marix Verlag Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-86539-185-8, S. 563.

Infolgedessen war der Autor bemüht, in der Einleitung und im ersten Teil seiner Schrift das Verbot seiner Bücher als verfassungsrechtlich bedenklich hinzustellen.Wolfgang Bittner: Satans verschworene Brüder – Angriffe und Antithesen gegen die Deutsche Freimaurerei 1970–2000. 453 S., Bodem Verlag, ISBN 3-934215-01-7. Seite 132–133. Auf Seite 14 des ersten Teils schrieb er dazu seine Rechtsauslegung:

2001 hob das Landgericht Mannheim den Beschlagnahmebeschluss wieder auf.Bundesministerium des Innern: Verfassungsschutzbericht 2004, Bundesamt für Verfassungsschutz, Berlin 2004, ISSN 0177-0357, S. 106. Die Indizierung in beiden Ländern wurde nicht aufgehoben.

Rezeption und Bewertung der Veröffentlichungen Hubert Michael Mader von der österreichischen Landesverteidigungsakademie zufolge ist Holey mit seinen Bestsellern der wohl bedeutendste Coup des Rechtsextremismus nach 1945 gelungen. Er verarbeite verschiedene Themen, die in der esoterischen Szene seit längerem geläufig seien und unspektakulär rezipiert würden. Diese, und das sei das Neue, spitze er mit ungewöhnlich zahlreichen rechtsextremen Ideen zu und vermische sie mit auf seinen Verschwörungstheorien basierenden Interpretationen, wonach der Welt, insbesondere Deutschland, die Vernichtung durch Geheimgesellschaften drohe. Juden seien bei dieser Verschwörung federführend. Dazu habe er im Wesentlichen die rechtsextremen Schriften der Holocaustleugner und Ufologen Miguel Serrano, Wilhelm Landig und des britischen Anthroposophen Trevor Ravenscroft mit einigen Originalquellen vermischt. Holey befürworte autoritäre Staats- und Gesellschaftsvorstellungen, beschönige den Nationalsozialismus und leugne die Kriegsschuld Deutschlands.Hubert Michael Mader: Studien und Berichte. Politische Esoterik – eine rechtsextreme Herausforderung. Landesverteidigungsakademie, Wien 1999. S. 38–39 und S. 47. Holey unterstelle seinen Kritikern von vornherein, sie hätten Angst vor (mentaler) Veränderung. Er beteuere zwar, niemanden manipulieren zu wollen, seine Veröffentlichungen erweckten jedoch immer wieder den Eindruck, als beabsichtige er, seine Leser mental „umprogrammieren“ zu wollen.Hubert Michael Mader: Studien und Berichte. Politische Esoterik – eine rechtsextreme Herausforderung. Wien: Landesverteidigungsakademie 1999. S. 107f und S. 131.