Li zite ’ngalera (deutsch etwa: ‚Die Mädchen auf der Galeere‘ oder ‚Die Verlobten auf der Galeere’) ist eine Commedia per musica (komische Oper, neapolitanische Originalbezeichnung: „Commeddeja“) in drei Akten von Leonardo Vinci (Musik) mit einem Libretto von Bernardo Saddumene. Sie wurde am 3. Januar 1722 im Teatro dei Fiorentini in Neapel uraufgeführt.
Handlung
Die folgende Inhaltsangabe basiert im Wesentlichen auf der gekürzten Fassung des Librettos in der Beilage zur CD von Antonio Florio. Die Szenennummern beziehen sich auf das gedruckte neapolitanische Libretto von 1722. Die in der CD-Beilage verwendeten abweichenden Nummern sind in eckigen Klammern angegeben. Die darin fehlenden Szenen sind der Vollständigkeit halber mit den auftretenden Personen anhand des Original-Librettos aufgeführt.
Vorgeschichte
Die Handlung spielt in einer Straße in Vietri, einer kleinen Hafenstadt in der Nähe von Neapel. Der Edelmann Carlo Celmino ist vor zwölf Jahren aus Sorrent hierhergezogen, nachdem er seiner Geliebten Belluccia den Laufpass gegeben hatte. Inzwischen hat er sich in Ciommetella (Ciomma) Palummo verliebt. Belluccia allerdings hat ihn nicht aufgegeben. Sie ist von zu Hause geflohen und als Mann verkleidet unter dem Namen Peppariello ebenfalls in Vietri angelangt. Dort wohnt sie im Haus des Barbiers Col’Agnolo.
Kurzfassung
Erster Akt. Sowohl Ciomma als auch die alte Meneca lieben Peppariello, die verkleidete Belluccia. Menecas Sohn Titta hat sich ebenso wie Carlo in Ciomma verliebt. Da Carlo ihm einst das Leben gerettet hat, muss Titta ihm notgedrungen den Vortritt lassen. Ciomma weist Carlo jedoch ab, als sie von seinem früheren Verhältnis mit Belluccia erfährt. Der Barbiergehilfe Ciccariello treibt einen Streich mit seinem Herrn und Menecas altem Diener Rapisto und schneidet letzterem bei der Rasur in die Wange.
Zweiter Akt. Ciomma weist auch Titta zurück. Ciccariello gibt Meneca einen Ring, mit dem sie Peppariello angeblich für sich gewinnen kann. Zugleich macht er seinem Herrn weis, dass Meneca in ihn verliebt sei und ihm einen Ring schenken wolle. Ciomma muss feststellen, dass sie in Col’Agnolo (neben Carlo und Titta) einen dritten ungeliebten Verehrer hat. Sie selbst liebt jedoch weiterhin nur Peppariello. Belluccia/Peppariello versucht vergeblich, Carlo zu einer positiven Aussage über seine frühere Geliebte zu bewegen. Aufgrund der von Ciccariello eingefädelten Intrige kommt es zum Streit zwischen Meneca und Col’Agnolo.
Dritter Akt. Um Carlo zurückzugewinnen, plant Belluccia, in einer Komödie aufzutreten. Darin will sie selbst in Frauenkleidern seine Geliebte spielen und sich ihm zu erkennen geben. Eine Galeere mit vermeintlich türkischen Sklavinnen trifft im Hafen ein. Um ihre Verehrer loszuwerden, erklärt Ciomma jedem einzelnen ihre Liebe. Sie erkennen die Wahrheit kurz darauf. In der (nicht auf der Bühne gezeigten) Komödienaufführung versöhnen sich Carlo und Belluccia wieder, und Carlo verspricht ihr die Ehe. Titta hofft, dass Ciomma jetzt seine Liebe erwidern kann. Da sich herausstellt, dass die Sklavinnen in Wirklichkeit entführte Italienerinnen sind, lässt der Galeerenkapitän Federico Mariano sie frei. Kurz darauf erkennt er in Belluccia seine eigene entlaufene Tochter. Er will sie und ihren abtrünnigen Verehrer zunächst streng bestrafen, vergibt ihnen jedoch, als er von der Versöhnung erfährt.
Erster Akt
Szene 1. Vor seinem Laden wetzt Col’Agnolo sein Rasiermesser. Sein Diener Ciccariello kehrt unterdessen singend den Boden (Ciccariello: „Vorria addeventare sorecillo“), und Ciomma stickt vor ihrer Tür. Col’Agnolo ist gereizt wegen des unentwegten Gesangs Ciccariellos. Carlo geht im Hintergrund unruhig hin und her und überlegt, wie er Ciomma für sich gewinnen könnte. Sie hat jedoch kein Interesse an ihm, da sie sich in Peppariello (die verkleidete Belluccia) verliebt hat. Sie bittet Col’Agnolo um Kupplerdienste (Ciomma: „Va’, dille ch’è ’no sgrato…“).
Szene 2. Als Col’Agnolo Belluccia die Botschaft Ciommas überbringt, entgegnet diese, dass sie grundsätzlich nicht fähig zur Liebe sei (Belluccia: „So’ sciore senz’addore“).
Szene 3. Der junge Titta, der Ciomma unglücklich liebt, beschuldigt Col’Agnolo, ihn zu hintergehen. Ciccariello beendet den Streit, indem er seinen Herrn fortführt.
Szene 4. Titta und Carlo treffen zusammen. Die beiden sind alte Freunde, und Carlo hat Titta einst das Leben gerettet. Als er Titta bittet, sich bei Ciomma für ihn einzusetzen, kann dieser das nicht ablehnen (Carlo: „Mme sento allegrolillo“).
Szene 5. Titta ist verzweifelt über diese Wendung des Schicksals (Titta: „Ammore dimme tu“).
Szene 6a [–]. Rapisto, dann Belluccia.Das gedruckte Libretto von 1722 enthält im ersten Akt zwei Szenen mit der Nummer 6.
Szene 6b . Als Ciomma auf ihrem Balkon Platz nimmt, rät Col’Agnolo ihr, Peppariello zu vergessen und sich lieber ihm selbst zuzuwenden. Er preist die Vorzüge der reiferen Männer (Col’Agnolo: „N’ommo attempato“).
Szene 7. Die alte Meneca schickt Ciomma unter einem Vorwand fort und fragt Ciccariello, warum Peppariello ihre Liebe nicht erwidert, denn auch Frauen im fortgeschrittenen Alter wünschen sich noch junge Männer (Meneca: „Ll’ommo e commo“).
Szene 9 .Eine Szene 8 des ersten Akts fehlt im gedruckten Libretto von 1722. Menecas Diener Rapisto möchte von Col’Agnolo rasiert werden. Ciccariello behauptet, sein Meister sei schwerhörig. Daher müsse Rapisto laut schreien, wenn er mit ihm spreche (Ciccariello: „Sà comm’è no peccerillo“).
Szene 10 . Nachdem Col’Agnolo eingetroffen ist, behauptet Ciccariello dasselbe von seinem Kunden Rapisto.
Szene 11 . Belluccia/Peppariello beneidet Ciomma um ihr Liebesglück (Belluccia: „T’aggio mmideja“). Ciomma will ihm „alles geben, was ihm fehlt“.
Szene 12 . Beim Anblick ihres ungetreuen Liebhabers Carlo fällt Belluccia in Ohnmacht. Ciomma bemüht sich liebevoll um sie/ihn, bis sie aufwacht. Auf Belluccias/Peppariellos Drängen gibt Carlo zu, dass er einst eine Liebesbeziehung hatte. Ohne ihre Identität zu verraten, reagiert Belluccia äußerst wütend. Sie behauptet, es habe sich um eine enge Freundin von ihr gehandelt, die seitdem ihr Leben in Tränen verbringe (Belluccia: „Passa da la matina na nsi à la sera“). Nachdem Belluccia gegangen ist, will auch Ciomma nichts mehr von Carlo wissen (Ciomma: „Da me che buò“).
Szene 13 . Der abgewiesene Carlo ergibt sich verzweifelt seinen Gedanken (Carlo: „Si ll’arme desperate“).
Szene 14 . Rapisto erscheint erneut zur Rasur bei Col’Agnolo. Dieses Mal teilt Ciccariello ihm mit, dass der Meister anwesend sei, und erinnert Rapisto daran, laut mit ihm zu sprechen. Beide betreten den Barbierladen.
Szene 15 . Ciccariello kommt mit dem Rasierbecken aus dem Laden und stößt dabei mit Meneca zusammen (Meneca: „Ora vide, che taluorno“). Er macht sich über sie lustig.
Szene 16 . Durch den Lärm aufgeschreckt, schaut Ciomma aus ihrem Fenster. Auch Rapisto kommt eingeseift und halb rasiert aus dem Laden. Ciccariello soll ihn zu Ende rasieren, während Col’Agnolo versucht, die keifende Meneca zu besänftigen.
Szene 17 . Wütend kommt Rapisto wieder aus dem Laden, denn Ciccariello hat ihm in die Wange geschnitten. Alle streiten miteinander (Ciccariello/Ciomma/Meneca/Rapisto/Col’Agnolo: „Jammoncenne“).
Zweiter Akt
Szene 1. Ciomma weist Tittas Werbung entschieden ab.
Szene 2. Carlo erwartet, dass Titta wie vereinbart bei Ciomma ein gutes Wort für ihn einlegt. Da Titta jedoch nur für sich selbst spricht, erkennt Carlo, dass er in ihm einen Rivalen hat (Carlo: „Và che terrana! che ngannatore!“).
Szene 3 [–]. Rapisto und dieselben.
Szene 4 . Col’Agnolo will Ciccariello für seinen Streich und Rapistos Verletzung verprügeln. Ciccariello fleht um Gnade (Ciccariello: „Si masto mio no mme vattite“ – „Che v’aggio fatto“). Nach Rapistos Fürsprache vergibt Col’Agnolo ihm vorläufig.
Szene 5 . Meneca erklärt Rapisto, das Ciomma grundsätzlich nicht heiraten wolle. Rapisto glaubt ihr nicht (Rapisto: „Quanno siente a na femmena dire“).
Szene 6 . Ciccariello plant einen neuen Streich, um sich an seinem Meister rächen. Er gibt Meneca einen Ring, den sie Peppariello überreichen soll, und behauptet, dass der sie dann mit Sicherheit erhören werde.
Szene 7 . Meneca beklagt das Verhalten der Männer den Frauen gegenüber (Meneca: „Negre chelle, che stanno soggette“).
Szene 8 . Ciccariello teilt Col’Agnolo mit, dass Meneca nach ihm schmachte und ihm einen Ring schenken wolle.
Szene 9 [–]. Rapisto versucht, Col’Agnolo das Kapitel der Erminia aus Torquato Tassos Epos Das befreite Jerusalem vorzulesen. Das misslingt ihm derartig, dass Belluccia/Peppariello eingreift und es ihm vormacht (Belluccia: „Qual doppo lunga e faticosa caccia“).
Szene 10 [–]. Titta, Rapisto schlafend, Ciccariello (Titta: „Oh Dio pecce, pecce?“).
Szene 11 . Col’Agnolo erklärt der widerstrebenden Ciomma seine Liebe (Col’Agnolo: „Nenna mia non saje, ca il’ommo“).
Szene 12 . Ciomma ist verzweifelt: Peppariello lehnt sie weiterhin ab, und nun muss sie sich auch noch gegen diesen Alten zur Wehr setzen (Ciomma: „Negramene sà ncappata“).
Szene 13 . Belluccia/Peppariello rät Carlo, seine Ambitionen auf Ciomma aufzugeben (Belluccia: „Ncoccia lo Cacciatore“).
Szene 14 [–]. Titta, dann Carlo.
Szene 15 . Belluccia/Peppariello versucht, Carlo zu einer positiven Aussage über seine frühere Geliebte zu bewegen. Er beharrt jedoch darauf, nichts mehr von dieser wissen zu wollen. Selbst wenn sie vor ihm stünde, würde er sie fortschicken. Belluccia zieht wütend ihren Dolch. Carlo wehrt sich und verletzt den vermeintlichen Peppariello leicht.
Szene 16 . Ciomma tritt zwischen die Streitenden und bemüht sich liebevoll um die Verwundung Peppariellos. Obwohl dieser Ciomma zurückweist, ist Carlos Eifersucht geweckt (Belluccia/Carlo/Ciomma: „Fortura, cana, o Dio!“).
Szene 17a .Das gedruckte Libretto von 1722 enthält im zweiten Akt zwei Szenen mit der Nummer 17. Meneca wendet sich an Col’Agnolo, damit der ihr hilft, Peppariello zu erobern. Sie gibt ihm den von Ciccariello erhaltenen Ring. Da Col’Agnolo glaubt, die hässliche alte Frau wolle sich an ihn selbst heranmachen, weist er sie grob ab. Sie zieht sich unter wütenden Beschimpfungen in ihr Haus zurück.
Szene 17b . Um Meneca zu ärgern, will Col’Agnolo ihr Schminkkästchen stehlen. Er klettert mit einer Leiter auf den Balkon ihres Hauses. Dabei bleibt die Leiter hängen, und er muss Rapisto zu Hilfe rufen. Auch Meneca erscheint auf dem Balkon. Meneca und Col’Agnolo streiten sich mit ihren Dienern (Meneca/Col’Agnolo/Rapisto/Ciccariello: „Che barviero arroinato“)
Dritter Akt
Szene 1. Belluccia und Col’Agnolo vertreiben sich die Zeit beim Kartenspiel.
Szene 2 [–]. Ciomma und Carlo kommen hinzu.
Szene 3 [–]. Titta gesellt sich zu den anderen.
Szene 4 . Meneca tritt auf ihren Balkon (Meneca: „Hoje co sti sbarvate“). Die Streitereien vom Ende des zweiten Akts gehen unverändert weiter.
Szene 5 . Belluccia/Peppariello verheißt Carlo, dass seine Liebesqualen bald beendet seien (Carlo/Belluccia: „Che buò che spera“). Sie will als Frau „verkleidet“ in einer Komödie auftreten, in der Carlo ihren Liebhaber spielt. Sie hofft, ihn dadurch zu einer Reaktion zu bewegen.
Szene 6 . Im Hafen trifft eine Galeere ein, die von zwei Sklaven vertäut wird. Anschließend geht der Kapitän Federico Mariano von Bord, gefolgt von einer Gruppe Sklaven, die auf einem türkischen Schiff festgenommen worden waren (Kapitän: „Or più non mi fa guerra“).
Szene 7 . Meneca befürchtet, dass die Türken gekommen sind, um die hiesigen Frauen in ihr Serail zu entführen. Col’Agnolo beruhigt sie damit, dass sie alt und hässlich sei. Als Marianos Sklave Assan nach einer Unterkunft für den Kapitän fragt, nutzt Ciomma die Gelegenheit, ihn um einen türkischen Tanz zu bitten. Alle sind begeistert von seiner Darbietung.
Szene 8 . Ciccariello hat für die Aufführung ebenfalls Frauenkleider angezogen. Er will Ciomma bitten, ihm bei den Haaren zu helfen (Ciccariello: „Na femmena ch’è bella“).