mini|Denkmal zur Erinnerung an die Opfer des 3. Februar 1953

Das Batepá-Massaker (, Bate-Pá) war ein Massaker an hunderten eingeborenen Kreolen am 3. Februar 1953 in São Tomé. Die so genannten „Forros“ wurden in Batepá durch Angehörige der Kolonialverwaltung und portugiesische Landbesitzer niedergemetzelt. Die Forros hatten ein Gerücht vernommen, wonach die Regierung plante, sie mit Zwang zu Arbeitsdiensten heranzuziehen, wogegen sie protestierten. Im Gegenzug machte der Gouverneur Kommunisten für die Unruhen verantwortlich und befahl dem Militär, Verdächtige auszuheben. Er ließ für Zivilisten die Parole ausgeben, sich selbst zu schützen. Die Aktionen steigerten sich schnell zu einem Blutbad, bei dem Hunderte der Forros ums Leben kamen. Kommunistische Verschwörungen konnten niemals nachgewiesen werden.

Hintergrund Carlos Gorgulho wurde 1945 Gouverneur. Zu der Zeit war São Tomé einer der größten Kakaobohnen-Produzenten weltweit. Große Plantagen, so genannte „roças“, beanspruchten den größten Teil der landwirtschaftlichen Fläche des Landes. Die roças funktionierten wie quasi-feudale Systeme und holten gewöhnlich ihre serviçais (Tagelöhner) vom Afrikanischen Kontinent und von Kap Verde. Die Forros hatten sich immer gegen die schwere Landarbeit auf den Plantagen verwehrt, da sie sie als Sklavenarbeit betrachteten. Gorgulhos Politik, die sich an den Modernisierungsbestrebungen der portugiesischen Estado Novo-Diktatur orientierte, erforderte jedoch, dass São Tomés Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften aufgebrochen wurde.Alexander Keese: Early Limits of Local Decolonization in São Tomé and Príncipe: From Colonial Abuses to Postcolonial Disappointment, 1945—1976. In: The International Journal of African Historical Studies. 2011, vol. 44, 3: 389. Dazu erleichterte es Gorgulho den serviçais, nach Hause zurückzukehren. Gleichzeitig verbesserte er die Arbeitsbedingungen auf den roças, wodurch er auf eine höhere Attraktivität der Arbeit hoffte.Seibert 2006: 66–67. Gleichzeitig führte er Maßnahmen ein, welche die Lebensbedingungen der Forros betrafen. So wurde der Verkauf von Palmwein und von selbst hergestelltem Gin verboten und die Steuern von 30 auf 90 Escudos angehoben; Gorgulho hoffte, dass diese Maßnahmen dazu führen würden, dass Forros Lohnarbeit in den Plantagen aufnehmen würden.Seibert 2006: 66–67.

Darüber hinaus fehlten Gorgulho Arbeiter, um seine öffentlichen Aufgaben und Bauprojekte durchzuführen. Die Kolonialadministration missbrauchte Polizeieinsätze, um Menschen zu kidnappen und zur Zwangsarbeit einzuteilen, um diese Arbeiten durchzuführen.Seibert 2006: 70.

Krise 1952 wurden die Arbeitskräfte besonders knapp. Die Kolonialadministration schlug vor, 15.000 Arbeiter von Kap Verde nach São Tomé zu holen. Im Januar 1953 verbreiteten sich Gerüchte, dass die Regierung das Land der Forros beschlagnahmen würde, um es den neu angekommenen Arbeitern von den Kap Verden zu geben und die Forros in die Arbeit als Lohnarbeiter zu zwingen.Seibert 2006: 71–72 Am 2. Februar 1953 tauchten in São Tomé handgeschriebene Flugblätter auf, in denen Morddrohungen gegen diejenigen ausgesprochen wurden, welche die Forros als Lohnarbeiter beschäftigen würden. Die Regierung antwortete mit einer offiziellen Erklärung:

Protestdemonstrationen versammelten sich am 3. Februar, und die Polizei tötete einen der Demonstranten, Manuel da Conceição Soares. Sein Tod löste einen größeren Protest am nächsten Tag in dem kleinen Ort Batepá bei Trindade aus.Seibert 2006: 72.

Die Massaker Gorgulho informierte die Kolonisten und die Verwaltung, dass eine kommunistische Rebellion im Entstehen sei, und erließ einen Aufruf an alle weißen Kolonisten, sich zu bewaffnen, damit sie sich selbst und ihre Frauen schützen könnten.Seibert 2006: 73–74. In aller Eile wurden Milizen gebildet, und auch einige Kapverdier reagierten auf den Ruf zu den Waffen. Außerdem mobilisierten die Kolonisten angolanische und mosambikanische Arbeiter. In wenigen Tagen töteten die Milizen und die Kolonialregierung hunderte Forros. Allein 28 Personen wurden erstickt in einer Zelle der örtlichen Corpo de Polícia Indígena–Polizei (CPI, Eingeborenen Polizei Corps); auf einer Plantage wurden zwanzig Personen lebendig verbrannt.Seibert 2006: 73–74. Die Behörden wendeten in den Gefängnissen elektrische Foltermethoden an und viele Gefangene starben nach Folter, Schlägen und Zwangsarbeit. Die Behörden warfen viele Leichen ins Meer. Gorgulho wird mit der Anweisung zitiert: „Schmeißt diesen Scheiß ins Meer, um Schwierigkeiten zu vermeiden!“Seibert 2006: 78.

Auswirkungen Am 4. März landeten Mitglieder der portugiesischen Polícia Internacional e de Defesa do Estado (PIDE) in São Tomé an und führten eine Untersuchung zu der angeblichen kommunistischen Verschwörung durch. Schnell stellten sie fest, dass es keine gegeben hatte, und im April beorderte Manuel Sarmento Rodrigues, der Minister des portugiesischen Ministeriums für die Überseeterritorien (Ministério do Ultramar), Gorgulho nach Lissabon zurück.Seibert 2006: 81–825. Er wurde in den Rang eines Generals befördert und vom Armeeminister, General Abranches Pinto, für sein Handeln ausgezeichnet. Sieben Forros wurde der Prozess gemacht und sie wurden für die Tötung von zwei Polizisten verurteilt.Seibert 2006: 81–825. Das Massaker markierte jedoch auch die Entstehung der Unabhängigkeitsbewegung im portugiesischen São Tomé und Príncipe. Das Datum wird jedes Jahr am 3. Februar als Feiertag begangen (Dia de Mártires da Liberdade).São-Tomé e Príncipe recorda mais um 3 Fevereiro, o 65º aniversário do Massacre de 1953.

Literatur

Weblinks Gerhard Seibert: Le massacre de février 1953 à São Tomé. Raison d'être du nationalisme santoméen, Universität Leiden, 1996–97 (französisch).

Einzelnachweise

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