Puente Genil ist eine spanische Gemeinde im Südwesten der andalusischen Provinz Córdoba. Die Einwohner und Einwohnerinnen nennen sich Pontaneses bzw. Pontanesas, in der Einzahl Pontanés bzw. Pontanesa.
Geografische Lage Puente Genil befindet sich in verkehrlich günstiger Lage im Zentrum von Andalusien. Die Großstädte der Region sind per Bahn und Auto rasch erreichbar: Córdoba liegt in 69 km entfernt, Málaga 110 km, Sevilla 120 km und Granada 150 km. Die Gemeindegrenze ist teilweise identisch mit der Provinzgrenze zur Provinz Sevilla.
Klima Puente Genil hat ein Mittelmeerklima mit kontinentalem Einschlag. Im Winter können die Tagestemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, während sie im Sommer 40° Celsius übersteigen können. 500px|links|Klima-Diagramm von Puente Genil
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte Verschiedene archäologische Fundstücke aus der Umgebung beweisen, dass der Ort schon in der Mittelsteinzeit bevölkert war. Gefunden wurden typische Steinwerkzeuge einer Jäger- und Sammlergesellschaft aus Feuerstein und Quarzit, beispielsweise Faustkeile, Schab- und Schneidwerkzeuge. Aus der Jungsteinzeit hingegen wurden relativ wenige Fundstücke entdeckt. Es handelt sich im Wesentlichen um bearbeitete Tierknochen und menschliche Gebeine aus der Höhle Cueva de los Vientos in der Sierra del Castillo.
Um 3000 vor Christus begannen die Menschen in der Region, Metalle zu bearbeiten. Die Kupfersteinzeit und die Bronzezeit sind in der Gegend in Lagerstätten wie Fuente del Lobo, Cerro del Ahorcado und Camorra de Puerto Rubio gut dokumentiert. In diesen Stätten wurden Überreste von Glockenkeramik gefunden sowie Materialien aus poliertem oder geschnitztem Stein, die als Messer, Äxte, Dechseln oder Sicheln verwendet wurden. Ferner fanden sich Werkzeuge der Metallverarbeitung, beispielsweise Tiegel und Gussformen, sowie eine Vielzahl von Werkzeugen und Waffen, beispielsweise Messer, Pfeilspitzen und Dolche.
Gegen Ende der Bronzezeit erfuhr die Region starke Einflüsse von anderen Gebieten der iberischen Halbinsel und des östlichen Mittelmeers. Das mittlere Geniltal gehört zum tartessischen Einflussbereich und zu seiner Nachfolgerin, der turdetanischen Kultur. Aus dieser Zeit stammen die Dörfer Castellares, Las Gaseosas und La Villeta de las Mestas. Im Heimatmuseum finden sich Fundstücke aus diesen Dörfern, beispielsweise polierte Keramik und Keramikfragmente mit Ritzdekoration, Metallobjekte wie Fibeln oder Pfeilspitzen und korinthische Keramiken aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Weitere Beweisstücke für die iberische Präsenz sind zoomorphe Kalksteinskulpturen aus Grabbeigaben.
Gründung und Vereinigung Ursprünglich hieß die Brücke über den Genil und der nach ihr benannte Ort Pontón de Don Gonzalo oder Puente de Don Gonzalo, nach dem damaligen Ortsadligen. Der Ort wurde zu Zeiten von König Ferdinand III. gegründet, befand sich auf der rechten Seite des Flusses und gehörte zur Provinz Córdoba. Das kleine Dorf Miragenil befand sich am gegenüberliegenden Ufer und gehörte damals zur Provinz Sevilla. Durch königliches Dekret von María Cristina de Bourbon im Dezember 1834 wurden die beiden Gemeinden vereinigt, und die Stadt erhielt ihren bis heute bestehenden Namen Puente Genil.
Verwaltung mini|hochkant|Rathaus (Casa Consistorial) Liste der Bürgermeister Periode Name Partei 1979–1983 Manuel García Cejas (1979–80), Miguel Salas Ariza (1980–83)20px PSOE 20px UCDListado de alcaldes 1979 de Andalucía. Ministerio de Administraciones Públicas. 1983–1987 Manuel Baena Jiménez20px PSOE-A 1987–1991 Miguel Vallejo Berral (1987–90), Joaquín Cortés García (1990–91)20px PSOE-A 1991–1995 Joaquín Cortés García20px PSOE-A 1995–1999 Miguel Vallejo Berral Unidad Genilense Independiente 1999–2003 Manuel Baena Cobos20px IU 2003–2007 Manuel Baena Cobos20px IU 2007–2011 Manuel Baena Cobos20px IU 2011–2015 Esteban Morales Sánchez20px PSOE-A 2015–2019 Esteban Morales Sánchez20px PSOE-A
Bevölkerung
650px|mini|links|Bevölkerungspyramide 2001
Quelle: INE-Archiv
Wirtschaft
Industrie Puente Genil ist eine der am stärksten industrialisierten Gemeinden der Provinz Córdoba. Dominanter Faktor ist die Agrar- und Lebensmittelindustrie, beispielsweise die Herstellung von Olivenöl, industriellem Gebäck, Obst- und Gemüsekonserven. Von großer Bedeutung sind auch Produkte für den Bau.
In den letzten Jahren hat die Stadt ein starkes Wachstum des Sektors für elektrische Beleuchtung erlebt. Auch andere Industriezweige wie Möbel- und Holzbau, Keramik, Elektromechanik, Herstellung von Handhabungs- und Hebezeugen, chemische Produkte und Seifen, Textilbetriebe, Vertriebs- und Logistikunternehmen sind vertreten. Auch Handwerksbetriebe für Bronzeguss, Holz- und Intarsienarbeiten, Töpferei und Stickerei konnten sich halten.
Weithin bekannt ist die Weinkellerei Bodegas Delgado. Sie wurde 1874 gegründet. Ihre Weine und Sherrys werden in amerikanischen Eichenfässern gelagert und unter der Herkunftsbezeichnung Montilla-Moriles gehandelt.
Landwirtschaft Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Oliven, Wein und Quitten. Die Gesamtfläche der Olivenhaine in diesem Gebiet beträgt 9.927 Hektar, was 64,73 % der gesamten Anbaufläche entspricht. Der überwiegende Teil der Produktion ist für die Gewinnung von Öl bestimmt. Die Fläche für Weinbau beträgt 366,08 Hektar, was etwa 2,3 % der in Puente Genil angebauten Fläche ausmacht. Das warme und trockene Klima und die Typologie der Böden begünstigen den Weinbau.
Verkehr mini|Alter Bahnhof von Puente Genil
Alter Bahnhof Der alte Bahnhof Estación de Puente Genil im Zentrum dient nur noch als Güterbahnhof.
Personenbahnhof Puente Genil – Herrera mini|links|Bahnhof Puente Genil – Herrera Der moderne Bahnhof Estación de alta velocidadBahnhof für hohe Geschwindigkeit befindet sich 4 km außerhalb der Stadt, zwischen Puente Genil und Herrera. Mehrmals täglich gibt es von dort Verbindungen nach Sevilla, Málaga, Córdoba, Madrid, Saragossa und Barcelona.
Äußeres Kennzeichen des modernen Bahnhofs ist das ausladende Dach. Darunter wurde das Fahrgastgebäude in Form einer erhöhten Passage mit Blick auf die Gleise errichtet. In dieser Passage mit 1.550 m² Grundfläche sind Dienstleistungen wie Reisezentrum, Cafeteria, Gewerbe und ein 410 m² großes Foyer untergebracht. Der Höhenunterschied zwischen den Bahnsteigen und der Passage beträgt etwa sechseinhalb Meter. Rolltreppen und Panoramaaufzüge führen hinunter zu den vier Gleisen. Der Bahnhof verfügt über vier Gleise, zwei durch das zentrale Gebäude und zwei durch seitliche auffällige Zeltbauten. Der Parkplatz mit einer Kapazität von 250 Stellplätzen ist von Vordächern überdacht, ähnlich wie die der Bahnsteige.
Gebäude und Monumente
Historische Bauten
Römische Villa von Fuente Álamo
mini|Mosaik Drei Grazien in der römischen Villa von Fuente Álamo
Die Villa wurde im 3. Jahrhundert nach Christus erbaut und bestand bis zum 6. Jahrhundert. Ihre Bauten verteilen sich zu beiden Seiten eines Bachs. Im 4. und 5. Jahrhundert erreichte sie ihren größten Glanz und Luxus. Möglicherweise diente einer der Räume vor der Christianisierung als Kultstätte für den orientalischen Gott Mithras. Falls dem so ist, handelt es sich um das beste erhaltene Mithras-Heiligtum der iberischen Halbinsel. Bei den jüngsten Ausgrabungen wurde zudem festgestellt, dass die Villa des 3. Jahrhunderts auf dem Gelände eines ehemaligen öffentlichen Bads begründet wurde. Aus dem ersten Jahrhundert datiert eine Anzahl von Becken, einige mit gekrümmtem Grundriss.
Einen großen Teil des Geländes nimmt ein System von Lagerräumen für Vorräte auf der Nordseite ein. Dort wurde Getreide gelagert, jedoch vermutlich kein Wein und kein Öl. Die Getreidespeicher waren in erhöhter Lage erbaut und mit Lüftungskanälen versehen, durch die warme Luft strömte, was den Weizen vor Verrottung schützte.
Der südliche Teil der Villa liegt auf der anderen Seite des Baches und ist außergewöhnlich gut erhalten. Er ist mit dem nördlichen Teil durch eine 38 Meter lange Galerie verbunden, die über den Bach führte. In diesem südlichen Teil befindet sich eine quadratische Aula mit Apsiden an allen vier Seiten. Den Fußboden bildet ein Mosaik, das in der Mitte den Nil als Flussgott darstellt und in den Vignetten einen Kampf zwischen Pygmäen und Kranichen. Daneben befinden sich die Bäder, deren Hypokaustum in recht gutem Zustand erhalten ist.
Der vornehme Teil der Villa ist für seine Fülle an Mosaiken bekannt. Diese bildeten den wichtigsten archäologischen Grund für die Ausgrabungen. Als Ausdruck der sozialen Stellung und des Reichtums des Besitzers galten sie als kostspieliges Luxusobjekt, zu dem nicht jeder Zugang hatte. Die Mosaike von Fuente Álamo gelten als einzigartig im gesamten Römischen Reich.
Während der Zeit des Kalifats von Córdoba wurde ein Teil der Bauten im Norden für eine Ölmühle genutzt. Andere Teile wurden von einer dörflichen Gemeinschaft besetzt, die die vorhandenen Strukturen teilweise bewohnte, zum Teil aber auch plünderte und zerstörte.
Castillo Anzur mini|Castillo Anzur Diese Burg befindet sich auf einer Höhe von 467 Metern auf dem nördlichen Ende eines Bergrückens. Von dort aus dominiert sie einen großen Teil der Landschaft von Córdoba und Sevilla, und besonders die Puente de Don Gonzalo, die Brücke, die zur Gründung von Puente Genil führte. Zu ihren Füßen fließt der Bach Navaluenga. Von Osten her muss sie wegen der Peñarrubia-Schlucht uneinnehmbar gewesen sein.
Die Ursprünge hängen wohl mit der islamischen Eroberung zusammen. Der Name ist jedoch vermutlich nicht arabisch, sondern scheint ein römischer Ortsname zu sein, Aranzuel, abgeleitet von Arienzo, was sich auf eine alte iberische Münze bezieht. Nach der Rückeroberung des Gebiets von 1241 durch Ferdinand III. bildete die Burg Anzur einen wichtigen Punkt der Verteidigungslinie an der muslimischen Grenze. Der Bau aus gotischer Zeit bestand aus einem Lehmgebäude nördlich der Festung, einer Wehranlage mit Türmen und einem großen zentralen Turm. Die Mauerumfriedung und der zentrale Turm entstanden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Zivile Architektur
Puente Genil besitzt mannigfache Beispiele bemerkenswerter Zivilarchitektur: von der Brücke, die die beiden historischen Viertel der Stadt verbindet, über Palastgebäude des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts bis hin zur Industriearchitektur des späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts, die von der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Zeit zeugt.
Brücke über den Genil
mini|Brücke über den Genil Die Brücke aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, an der sich die Ansiedlung gründete, war vermutlich ein einfacher hölzerner Ponton. Erst 1561 beauftragte der Stadtrat den Architekten Hernán Ruiz II aus Córdoba mit dem Bau eines steinernen Viadukts, das 1583 fertiggestellt wurde. Von ihm ist die große Rundsäule in der Mitte erhalten.
1684 stürzte der Bogen auf der Seite von Miragenil infolge einer Flut ein. 1703 entstanden unter dem Baumeister Matías Solano zwei neue Bögen auf dieser Seite, und 1728 wurde die andere Seite durch den Baumeister Juan Antonio Camacho erneuert. Heute sind die Bögen von Solano erhalten, denn der breite Ziegelbogen auf der anderen Seite wurde 1874 vom französischen Ingenieur Leopoldo Lemoniez errichtet.
Mayordomía der Herzöge von Medinaceli
Die Mayordomía der Herzöge von Medinaceli ist ein großzügig bemessener Palazzo aus dem 18. Jahrhundert. Die barocke Hauptfassade in der Calle Don Gonzalo ist mit Wappen und kunstvoll gestalteten Balkonen geschmückt. Rote Jaspissäulen verzieren den eleganten Innenhof. Im Inneren sind das Haupttreppenhaus und der goldene Saal mit seinen wertvollen Möbeln bemerkenswert.
Teatro Circo