Originals ( für Originale) ist das zweite posthum erschienene Studioalbum von Prince, das am 7. Juni 2019 bei NPG Records in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Records veröffentlicht wurde. Es enthält 15 von Prince selbstgeschriebene Songs in ihren Originalversionen, die er nicht selbst veröffentlichte, sondern anderen Künstlern wie Apollonia 6, Jill Jones, Kenny Rogers, Martika, Sheila E., The Bangles, The Time und Vanity 6 überließ.

Alle Songs wurden von Prince – teils unter Pseudonymen – in den Jahren 1981 bis 1991 arrangiert, komponiert und produziert. Stilistisch ist das Album dem Contemporary R&B, Dance-Pop, der elektronischen Popmusik und dem Funk zuzuordnen; die Liedtexte thematisieren Einsamkeit, Liebe, Spiritualität, Sex und Wollust.

Als Gastmusiker wirkten der Saxofonist Eric Leeds, Jesse Johnson, Jill Jones, Morris Day, Sheila E. und Susannah Melvoin mit. Originals erhielt von Musikkritikern teils sehr positive Bewertungen, erreichte jedoch aus kommerzieller Sicht weder Gold- noch Platinstatus.

Entstehung Alle 15 Songs komponierte Prince zwischen 1981 und 1991, veröffentlichte seine eigenen Versionen jedoch nicht. Zehn Stücke überließ er sechs seiner damaligen Protegés – Apollonia 6, Jill Jones, Sheila E., The Family, The Time und Vanity 6 –, für die er jeweils mindestens ein Studioalbum produzierte. Die übrigen fünf Songs schrieb Prince für Kenny Rogers, Martika, Mazarati, Taja Sevelle und The Bangles.

Ende April 2019 gab The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) per Pressemitteilung bekannt, am 7. Juni – Prince’ 61. Geburtstag – das Album Originals veröffentlichen zu wollen. Die Auswahl der 15 Songs trafen Troy Carter (* 1972), damals Berater von The Prince Estate, und Jay-Z, der 2015 den Musikstreamingdienst Tidal übernommen hatte.Lizie (2020), S. 318.

Michael Howe, damaliger Kurator von The Prince Estate, erklärte in einem Interview, die von Prince auf Tonbandgerät aufgenommenen Versionen seien klanglich aufpoliert worden; schwieriger habe sich hingegen die Bearbeitung von auf Kompaktkassette aufgenommenen Songs gestaltet, da diese stark nachbearbeitet werden mussten, jedoch originalgetreu zur Vorlage. Aus diesem Grund sind alle Songs auf Originals Faksimiles; die Abmischung der meisten Stücke übernahm der Musikproduzent und Toningenieur Niko Bolas. Zudem betonte Howe, viele Titel seien zuvor nicht als Bootleg kursiert, sodass auch für langjährige Prince-Sammler Überraschungen enthalten seien.

Aufnahmen 1981 mini|hochkant|Das Haus (2017) der Familie Anderson, in dem Prince 1976 Wouldn’t You Love to Love Me? aufnahm Wouldn’t You Love to Love Me? Prince’ erste Aufnahme des Stücks entstand 1976.Lizie (2020), S. 291 Zu dieser Zeit lebte er vorübergehend bei der Familie Anderson seines Schulfreundes André Cymone in Minneapolis (Minnesota) und nahm den Song dort mit einem Kassettenrekorder auf. Nach seinem Umzug im Sommer 1978 in sein erstes eigenes Haus in Edina überarbeitete er das Stück. Unter anderem entstand eine Version mit der Sängerin Sue Ann Carwell (* 1962), die den Leadgesang übernahm; diese blieb jedoch unveröffentlicht. Carwell ist die Schwester von Rapper T. C. Ellis, der auf dem Album Graffiti Bridge (1990) mitwirkt.Nilsen (1999), S. 43–44. Die auf Originals enthaltene Fassung nahm Prince im Juni 1981 in den Hollywood Sound Recorders in Los Angeles auf. Im September 1986 lehnte Prince eine Anfrage von Quincy Jones ab, den Titelsong zu Bad (1987) von Michael Jackson im Duett zu singen und im Musikvideo aufzutreten, bot stattdessen jedoch Wouldn’t You Love to Love Me? an, was Jackson ablehnte. Schließlich gab Prince das Stück an Taja Sevelle (* 7. Januar 1962 in Minneapolis) weiter, die es im September 1987 auf ihrem gleichnamigen Album veröffentlichte.Nilsen (1999), S. 215. Make-Up Prince nahm den Song im Sommer 1981 in seinem damaligen privaten Tonstudio Kiowa Trail Home Studio in Chanhassen (Minnesota) auf. Zunächst war das Stück für das Debütalbum seines Nebenprojekts The Hookers vorgesehen,Nilsen (1999), S. 262. einer von ihm gegründeten Girlgroup mit Jamie Shoop, Susan Moonsie und deren Schwester Loreen. Shoop war Prince’ damalige persönliche Assistentin und Susan Moonsie (* 21. Januar 1964 in Minneapolis) seine damalige Freundin. Nach der Auflösung der Gruppe im Januar 1982 gründete Prince Vanity 6, bei der Shoop und Loreen Moonsie nicht mehr beteiligt waren.Lizie (2020), S. 107. Make-Up erschien schließlich auf dem im August 1982 veröffentlichten Album von Vanity 6 und diente zudem als B-Seite der ausgekoppelten Singles He’s So Dull (Juli 1982) und Drive Me Wild (März 1983). mini|hochkant|Prince, 1981

Aufnahmen 1982 Gigolos Get Lonely Too Am 11. Januar nahm Prince den Song im Tonstudio Sunset Sound in Los Angeles auf, den er im August 1982 auf dem Album What Time Is It? von The Time veröffentlichte. Obwohl er das Stück vollständig selbst geschrieben hatte, schrieb er die Credits offiziell Morris Day zu, dem Leadsänger von The Time. You’re My Love Dieses Stück nahm Prince im März im Kiowa Trail Home Studio auf; das genaue Aufnahmedatum ist nicht bekannt. Am 25. September 1985 überarbeitete er den Track im Sunset Sound. 1986 erhielt er eine Anfrage aus dem Management von Kenny Rogers, einen Song für dessen Album They Don’t Make Them Like They Used To beizusteuern, und entschied sich für You’re My Love. Im Mai 1986 beauftragte Prince Clare Fischer mit der Ausarbeitung von Arrangements für Blas- und Streichinstrumente. Anschließend übergab er das Stück an Rogers, der es mit eigenen Musikern neu bearbeitete und eine eigene Version einspielte.Tudahl (2021), S. 221.Uptown (2004), S. 457. Diese erschien im Oktober 1986 auf Rogers’ Album They Don’t Make Them Like They Used To; zudem wurde You’re My Love als B-Seite der im Juni 1987 veröffentlichten Single Make No Mistake, She’s Mine verwendet, einem Duett von Kenny Rogers und Ronnie Milsap aus dem Album I Prefer the Moonlight. Baby, You’re a Trip Am 8. Juli nahm Prince den Song im Sunset Sound auf und übergab ihn an Jill Jones. Ihre von Prince komponierte Version erschien jedoch erst im Mai 1987 auf dem Album Jill Jones; zudem wurde das Stück als B-Seite der im Februar 1988 ausgekoppelten Single For Love veröffentlicht.Tudahl (2021), S. 313.

Aufnahmen 1983 Jungle Love Den Rhythmus entwickelte der damalige The-Time-Gitarrist Jesse Johnson bereits 1982 und nahm ihn auf einer Tascam-8-Spur-Kassette auf. Johnson übergab die Kassette Prince, der am 26. März 1983 im Sunset Sound sowohl eine Melodie ergänzte als auch den Liedtext schrieb. Bei der Einreichung des Copyrights im Mai 1984 war Johnson zunächst in den Credits genannt; nach seinem Ausscheiden aus The Time wurde sein Name jedoch bei der Veröffentlichung des Songs im Juli 1984 auf dem dritten Studioalbum Ice Cream Castle aus den Credits entfernt. Im Film Purple Rain (1984) ist Jungle Love in einer Darbietung von The Time zu sehen, die auf einem Liveauftritt vom 4. Oktober 1983 im Musikklub First Avenue basiert, im Film jedoch im Playback wiedergegeben wird.Tudahl (2018), S. 47–48. Sex Shooter Prince nahm das Stück am 30. April 1983 im Kiowa Trail Home Studio auf und sah es zunächst für das zweite Album von Vanity 6 vor. Nach dem Ausstieg der Frontsängerin Vanity sagte er die Veröffentlichung jedoch ab. Sex Shooter erschien schließlich im August 1984 als Vorab-Single des im Oktober 1984 veröffentlichten Albums von Apollonia 6.Tudahl (2018), S. 77–78. Zudem ist der Song im Purple-Rain-Film zu hören. The Glamorous Life Am 27. Dezember nahm Prince den Track im Tonstudio Sunset Sound auf. Ursprünglich für Apollonia 6 vorgesehen, entschied er sich im Februar 1984 während der Zusammenarbeit mit Sheila E., das Stück für sie aufzunehmen. Sheila E. ergänzte am 8. Februar 1984 das Schlagzeug und Ende März den Gesang. Anschließend überarbeitete Prince den Song erneut und mischte ihn neu ab, wodurch eine 9:04 Minuten lange Fassung entstand, die im Juni 1984 auf Sheila E.’s Album The Glamorous Life erschien; bereits einen Monat zuvor war der Titel in einer gekürzten Edit-Version als Vorab-Single veröffentlicht worden.Tudahl (2018), S. 198.

Aufnahmen 1984 mini|hochkant|The Bangles, 1984 Manic Monday Prince nahm den Song am 4. Februar im Sunset Sound auf und sah ihn zunächst für das Album von Apollonia 6 vor. Seine damalige Toningenieurin Peggy McCreary äußerte später Unverständnis darüber, da Prince’ Gesang aus ihrer Sicht besonders gelungen gewesen sei; Gründe für seine Entscheidungen seien jedoch grundsätzlich nicht hinterfragt worden.Tudahl (2018), S. 252–255. Im Februar 1985 traf Prince auf einem Flug nach England Susanna Hoffs, Frontsängerin von The Bangles. Nachdem er gebeten worden war, Songs für ein Album beizusteuern, entschied er sich für Manic Monday, das er zuvor vom Apollonia-6-Album (1984) gestrichen hatte. The Bangles veröffentlichten den Titel im Dezember 1985 als Vorab-Single ihres zweiten Albums Different Light und erzielten damit ihren kommerziellen Durchbruch. Einen weiteren angebotenen Song, Jealous Girl, lehnte die Band ab;Uptown (2004), S. 456. dieser erschien erst im September 2020 auf Sign o’ the Times Super Deluxe, gesungen von Prince. Noon Rendezvous Prince nahm den Song am 13. Februar im Sunset Sound auf. Er schrieb das Stück gemeinsam mit Sheila E., die einen kommerziell ausgerichteten Titel mit Radiotauglichkeit anstrebte, wovon Prince „begeistert“ gewesen sei.Tudahl (2018), S. 267–268. Noon Rendezvous erschien im Juni 1984 auf Sheila E.s Debütalbum The Glamorous Life und wurde im Februar 1985 als Single ausgekoppelt. 100 MPH Prince nahm den Song am 24. Juni im Flying Cloud Drive Warehouse in Eden Prairie (Minnesota) auf. Tony Christian (bürgerlich Bruce DeShazer), Rhythmusgitarrist der Band Mazarati, erklärte, Prince habe das Stück gezielt für die Gruppe geschrieben. Zwar bestätigen offizielle Dokumente diese Aussage, dennoch zog Prince zeitweise auch sein Nebenprojekt The Family in Betracht. Jerry Hubbard, 1984 Bassist von The Time und 1985 Mitglied von The Family, berichtete, Prince habe ihm 100 MPH vorgespielt und gefragt, ob der Song „etwas für The Family“ sei, was er bejahte. Letztlich entschied sich Prince jedoch für Mazarati,Tudahl (2018), S. 340–342. die das Stück im März 1986 auf ihrem Debütalbum veröffentlichten. Die Band war 1982 von Prince’ damaligem Bassisten Brown Mark gegründet worden, der mit Ausnahme von 100 MPH sämtliche Songs des Albums komponierte; 1989 löste sich Mazarati auf. Nothing Compares 2 U Die auf Originals veröffentlichte Version nahm Prince am 15. Juli im Flying Cloud Drive Warehouse auf und ergänzte drei Tage später Saxophon-Overdubs.Tudahl (2018), S. 357–359. Zuvor hatte er das Stück auf dem im August 1985 erschienenen Album von The Family veröffentlicht. Internationale Bekanntheit erlangte der Song 1990 durch die kommerziell sehr erfolgreiche Coverversion von Sinéad O’Connor.

Aufnahmen 1985 Dear Michaelangelo Prince nahm den Track am 5. oder 6. Januar im Tonstudio Master Sound in Atlanta auf, als er dort während der Purple Rain Tour Anfang Januar für fünf Konzerte im The Omni gastierte. Anschließend übergab er das Stück Sheila E., die ihren Gesang am 20. Januar im 5th Floor Recording Studio in Cincinnati aufnahm. Dear Michaelangelo erschien im August sowohl als B-Seite der Single Bedtime Story als auch auf ihrem Album Romance 1600. Holly Rock Prince nahm den Song am 24. April im Sunset Sound auf, während er an seinem Album Parade arbeitete. Auch dieses Stück übergab er Sheila E., die es im September 1985 auf dem Soundtrack zum Film Krush Groove veröffentlichte.Tudahl (2021), S. 107–108. Die Credits zu Dear Michaelangelo und Holly Rock schrieb Prince Sheila E. zu, obwohl Art und Umfang ihrer Beiträge nicht näher definiert sind.

Aufnahmen 1991 Love … Thy Will Be Done