mini|hochkant=2.0|Gluckhennentaler der Stadt Basel, um 1645 geprägt, mit Signum F. – F. des Stempelschneiders und Medailleurs Friedrich Fecher; Kupferstich aus Köhlers Historischer Münzbelustigung, XIX, S. 209 (Durchmesser 43 mm)
Der Gluckhennentaler ist ein meist als Schautaler der Stadt Basel bezeichnetes Gepräge ohne Jahreszahl. Die Vorderseite zeigt die Stadtansicht von Basel, die Rückseite eine Glucke mit Küken. Im Abschnitt befindet sich der Spruch «Alit et protegit» (lat. = sie ernährt und beschirmt).Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 117 Der um 1645 geprägte Gluckhennentaler sollte die Fürsorge des Basler Rates um die Bürger der Stadt versinnbildlichen.Landesmuseum Württemberg, Münzkabinett Medaille des Rats von Basel, um 1645 (Variante)
In den meisten Nachschlagewerken ist jedoch als Anlass für die Prägung der 1690 ausgebrochene Streit zwischen Rat und Bürgern Basels angegeben. Demnach hat die Stadt 1691 als Ausdruck der Versöhnung den Gluckhennentaler prägen lassen. Die Signatur F. F. auf den ersten Stücken ist jedoch ein Nachweis dafür, dass er bereits um 1645 geprägt wurde.
Münzgeschichte Die ersten Gluckhennentaler wurden um 1645 mit den Stempeln des Medailleurs und Münzstempelschneiders Friedrich Fecher (* um 1588, † um 1660) geprägt, der von 1640 bis 1653 in Basel tätig war.Basel und seine Münzgeschichte (2008): Von den Münzschneidern. Friedrich Fecher, Stempelschneider ab 1640 in Basel. Die Glucke mit ihren Küken auf der Rückseite sollte ein Sinnbild der Fürsorge der Stadt Basel um ihre Bürger darstellen. Eine andere Theorie besagt, dass der Gluckhennentaler auf die Mutterliebe geprägt wurde.Künker Auktion 247, 2014, S. 234
Da dem Historiker und Numismatiker Johann David Köhler (* 1684, † 1755) die Signatur F. F. auf dem undatierten Gluckhennentaler unbekannt war, datierte er ihn auf das Jahr 1691, das Ende des Streits zwischen Rat und Bürgern der Stadt Basel.
Im Jahr 1690 beschwerten sich Mitglieder des Grossen Rates über ihr geschmälertes Ansehen und die Unordnung in der Verwaltung. Das führte zur grossen inneren Zerrüttung zwischen Rat und Bürgern. Als Ausdruck der Versöhnung liess, wie Köhler annahm, die Stadt Basel 1691 den Gluckhennentaler prägen.Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 209/216
Dieser von Köhler genannte Prägeanlass wurde von den Autoren des 18. bis 20. JahrhundertsDavid Samuel von Madi (Hrsg.): Vollständiges Thaler-Cabinet …, 1766, S. 695, Nr. 4639: Signiert mit F. F., sonst bezogen auf J. D. Köhlers Abbildung und Beschreibung.Johann Georg Krünitz: Oeconomische Encyclopädie ..., 1781Carl Cristoph Schmieder: Handwörterbuch der gesammten Münzkunde, 1811Friedrich von Schrötter, N. Bauer, K. Regling, A. Suhle, R. Vasmer, J. Wilcke: Wörterbuch der Münzkunde, Berlin 1970 (Nachdruck der Originalausgabe), S. 199Heinz Fengler, Gerd Gierow, Willy Unger: transpress-Lexikon Numismatik, Berlin 1976, S. 117 übernommen und wird zum Teil noch aktuell angegeben.Helmut Kahnt: Das große Münzlexikon von A bis Z. H. Gietl Verlag, Regenstauf 2005, S. 160: Gluckhennentaler der Stadt Basel von 1691 (Köhlers Vermutung) Hier zeigt es sich, dass die Signatur auf einer undatierten Münze oder Medaille für die Bestimmung der Prägezeit von Bedeutung sein kann. Obwohl die Ausführung des Schautalers und die Ereignisse in Basel in den Jahren 1690/1691 im Zusammenhang erscheinen, ist die Übereinstimmung Zufall. Die Stücke wurden jedoch auch nach der Revolte in Basel ohne Jahreszahl und meist unsigniert in Varianten weiterhin geprägt.Johann August Donndorff: Geschichte der Erfindungen …, Sechster Band, Quedlinburg und Leipzig 1821: Darin S. 165 «Gluckhennentaler, ein seltener Schautaler der Stadt Basel vom Jahre 1697» Der Zeitunterschied zwischen der ersten Prägung um 1645 bis zu den 46 Jahre später wirklich eintretenden Ereignissen ist nur bei den signierten ersten Stücken nachweisbar.
In der nachfolgenden Anmerkung sind deshalb auch die von Köhler genannten Ereignisse in Basel bezüglich des von ihm vermuteten Prägeanlasses zusammengefasst genannt.
Anmerkung Nach Johann David Köhlers historischer Münzbelustigung (1747) ist die Verfassung des Stadtregiments von Basel eine
In seiner historischen Erklärung sind Ursache, Verlauf und Ende der neun Monate andauernden Streitigkeiten zwischen Rat und Bürgern in Basel bis ins Detail erläutert. Das ist die Revolte, die er als Prägeanlass vermutete und die in Nachschlagewerken der Numismatik noch aktuell als Prägeanlass benannt ist.
Die Revolte im Jahr 1690 konnte der Magistrat erst nach blutiger Niederschlagung beenden. Nach der blutigen Niederschlagung der Bewegung musste er aus Basel fliehen.
«Zur Steurung alles ferneren Unfugs», so Köhler, «wurde auf Obrigkeitl. Befehl […] viele von den ärgsten Tumultuanten […] in die Gefängnüsse geworfen, D. Fazio auf den Esels-Thurm geführet, gütlich und peinlich befraget […].» Er wurde «als Aufwiegler, Friedensstöhrer und Rädelsführer nebst seinen Schwager und Johann Müller, als seinen […] Mithelfern, den 28. Sept. auf den Kornmarckt enthauptet und dessen Kopf zum Abscheu auf das Rhein-Thor gestecket.» Die übrigen Verhafteten wurden, so Köhler, «theils des Landes verwiesen, theils mit Zuchthauß, theils mit Geld- und anderen Strafen belegt […]». Der Jurist D. Petri, der nicht gefasst werden konnte, wurde als Hauptinitiator der Unruhe «mit der Achts Erklärung verfahren […] Vogelfrey gemacht und 400 Reichs-Thaler auf seinen Kopff gesetzet.»
Nachbildungen des Gluckhennentalers Das grosse Interesse an dem meist als Medaille ausgeführten Gluckhennentaler beruht wahrscheinlich nicht zuletzt auf die von Köhler genannten historischen Ereignisse in Basel, ein düsteres Stück Justizgeschichte, dessen Ende er als Prägeanlass vermutete. Das mag wohl auch ein Grund dafür sein, dass Nachbildungen bis ins 20. Jahrhundert hergestellt wurden.Münzversand Hardelt: Späterer Abguss Nachbildung 1967
Beschreibung des Schautalers Der sogenannte Schautaler wurde von Johann David Köhler unter der Bezeichnung «Der schöne Gluck-Hennen-Thaler der freyen Eydgenoßischen Stadt Basel» als Kupferstich veröffentlicht. (Siehe dazu auch das bildgleiche Foto des dort als Medaille bezeichneten Originals.NumisBids: SINCONA AG Auction 9/2012, darin: Silbermedaille (um 1645), Stempel von Friedrich Fecher. Stadtansicht mit aufgehender Sonne. // Gluckhenne mit Küken. 23,43 g. Winterstein 121b. Diese Prägung ist mit J. D. Köhlers Kupferstich des Gluckhennentalers bildgleich.) Der hier abgebildete silberne Gluckhennentaler wiegt etwa 23,4 Gramm, hat einen Durchmesser von 43 Millimeter und wurde um 1645 in Basel geprägt.
Vorderseite Auf der Vorderseite sind unter der aufgehenden Sonne und einigen Wolken die beiden Seiten der durch den Rhein geteilten Stadt Basel zu sehen. Die Stadtseiten Grossbasel und Kleinbasel sind im Prägebild mit einer, lt. Köhler, 250 Schritt langen Brücke verbunden. Im Abschnitt befindet sich zwischen Palmen- und Lorbeerzweig das Stadtwappen von Basel mit dem Baselstab.Johann David Köhler: Im Jahr 1747 wöchentlich herausgegebenen Historischen Münz-Belustigung. Neunzehnter Theil, S. 209: 250 Schritt lange Brücke Die geteilte Signatur F. – F. Friedrich Fechers befindet sich zu beiden Seiten des Wappens.David Samuel von Madi (Hrsg.): Vollständiges Thaler-Cabinet … (1766), S. 695, Nr. 4639: Signiert mit F. F., bezogen auf J. D. Köhlers Abbildung und Beschreibung.
Rückseite Am Ufer des Rheins und im Prospekt der Stadt Basel sitzt eine «Gluckhenne» mit sieben Küken. Drei davon sind im Federkleid sichtbar. Darüber befindet sich der strahlende Name Gottes, darunter im Abschnitt der Spruch ALIT ET PRO/TEGIT (lat. = sie ernährt und beschirmt).
Varianten Der Gluckhennentaler ist auch als «Viertel-Gluckhennentaler» bekannt.Katalog Leo Hamburger (Hrsg.), Frankfurt, Main 1924: S. 34, Nr. 851, «Viertel-Gluckhennentaler. Henne und Küchlein unter d. strahl. Gottesnamen» Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass zumindest einige Gepräge Münzen, wahrscheinlich Guldentaler sind. Meist sind die Stücke als Medaille erfasst. In einigen Varianten wird das Basler Wappen durch zwei Basilisken gehalten.Künker Auktion 247, 2014, S. 234: Silbermedaille, «sogenannter Gluckhennentaler», Durchmesser 43 mm, Gewicht 24,6 gAuktion 27 und 28, Basel, 1942: Nr. 478, Medaille «Gluckhennentaler» von Fecher mit von zwei Basilisken gehaltenem Wappen, Durchmesser 43 mm, 34,5 g Andere sogenannte Gluckhennentaler wurden in Gold zum Beispiel zu 8- und 10 Dukaten, also umlauffähig ausgeprägt.sixbild: Gluckhennentaler zu 8 Dukaten
Siehe auch Bockstaler der Stadt und des Kantons Schaffhausen
Einzelnachweise
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