Schweitenkirchen ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm.
Geografie Lage Die Gemeinde liegt in der Planungsregion Ingolstadt in der Hopfenbauregion Hallertau und ist im Regionalplan als Grundzentrum eingestuft. Von Ingolstadt und München ist sie jeweils gut 30 Kilometer entfernt.
Gemeindegliederung
Es gibt 42 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Aufham (mit Güntersdorf), Dürnzhausen, Eberstetten, Geisenhausen, Schweitenkirchen und Sünzhausen.
Geschichte Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts Schweitenkirchen soll bereits bei der Stammesbildung der Bajuwaren, also zwischen 550 und 600 gegründet worden sein. Für das Jahr 837 ist in Freisinger Urkunden festgehalten, dass eine Frau namens „Suidmuot“ hier eine Kirche erbaute und sie mit Grund und Boden ausstattete. Im Jahre 972 wird der Ort „Suidmuotochirihun“ genannt, der ab 1315 gebräuchliche Name „Sweitmarschirchen“ ähnelt schon dem heutigen Namen. Schweitenkirchen gehörte im 17. Jahrhundert zum Rentamt Landshut und zum Landgericht Moosburg des Kurfürstentums Bayern. 1660 wurde im Gemeindeteil Dietersdorf die Kapelle St. Magdalena errichtet. Das romanische Gotteshaus in Schweitenkirchen erhielt 1740 (und 1854) Anbauten, die als nicht sehr kunstgerecht gelten.
19. bis 21. Jahrhundert Im Zuge der ersten bayerischen Landesvermessung wurde der Ort aufgrund seiner erhöhten Lage als Hauptdreiecksnetzpunkt ausgewählt und 1806 vermessen.Adrian v. Riedl: Hauptdreiecksnetz zum topografischen Atlas des Königreichs Bayern, 1831, Bayerische Staatsbibliothek, Mapp. XI, 57ge, München 1806 zerstörte auch ein großer Brand den Ort. Brandstifter soll ein gewisser Franz Dobmayr gewesen sein, der am 27. Juni 1811 auf der Richtstätte in Pfaffenhofen als letzter Delinquent mit dem Schwert vom Münchener Scharfrichter hingerichtet wurde. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 entstand die politische Gemeinde Schweitenkirchen. Im Jahr 1841 wurde sie dem Landgericht Pfaffenhofen zugeteilt. Am 5. November 1972 erschoss im Ortsteil Niederthann ein Bewohner in seinem Haus die vor ihm fliehende schwangere 18-jährige Romni Anka Denisov. „Ob die Tat rassistisch motiviert war,“ ist sich der Historiker Hans Woller nicht sicher, findet jedoch: "Blanker Rassismus zeigte sich aber im Umgang mit der Tat."Hans Woller: Jagdszenen aus Niederthann. Ein Lehrstück über Rassismus. C. H. Beck, München 2022, ISBN 978-3-406-79315-8 zitiert nach Moritz Baumstiegen: Nach den Schüssen. SZ, 5./6. November 2022, S. 47. Im Jahr 1998 wurde Schweitenkirchen in den Regionalplan 10 als Kleinzentrum aufgenommen.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1884 wurde der Gemeindeteil Schaching der aufgelösten Gemeinde Dietersdorf eingegliedert. Am 1. April 1971 kam Frickendorf von der Gemeinde Eberstetten hinzu. Dürnzhausen folgte am 1. Juli 1971. Die Eingemeindungen wurden am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung von Aufham (mit dem im Jahr 1884 eingegliederten anderen Teil von Dietersdorf), Geisenhausen und Sünzhausen abgeschlossen.
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 3665 auf 5242 Einwohner bzw. um 43 %. mini|400px|Einwohnerentwicklung von Schweitenkirchen von 1961 bis 2017 1961: 2724 Einwohner 1970: 2717 Einwohner 1987: 3586 Einwohner 1991: 4185 Einwohner 1995: 4437 Einwohner 2000: 4667 Einwohner 2005: 4931 Einwohner 2010: 5000 Einwohner 2015: 5184 Einwohner 2020: 5385 Einwohner
Politik Gemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile bzw. Sitzverteilungen: +Partei/Liste20202014%SitzeSitzeBürgerblock Schweitenkirchen (BBS)28,965Freie Unabhängige Bürger (FUB)21,242Freie Wählergemeinschaft Schweitenkirchen/Wählergemeinschaft Schweitenkirchen (FWG/WGS)32,4 67SPD/Freie Wähler12,532AfD5,11–Gesamt1002016
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 2020 Josef Heigenhauser (CSU). Davor war Albert Vogler (* 1959), ebenfalls von der CSU, von Mai 1996 bis 2020 Erster Bürgermeister.
Wappen
Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft 2018 gab es in der Gemeinde 1693 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze; von der Wohnbevölkerung standen 2474 Personen in einer versicherungspflichtigen Tätigkeit. Damit überwog die Zahl der Auspendler um 781 Personen. 47 Einwohner waren arbeitslos. 2016 gab es 113 landwirtschaftliche Betriebe, die insgesamt eine Fläche von 3626 Hektar bewirtschafteten. 2018 waren 1004 Hektar (18,9 %) der Gemeindefläche bewaldet.
Verkehr Der Westen von Schweitenkirchen wird von der Autobahn A 9 von Nord nach Süd durchquert. In Ost-West-Richtung kreuzt die Staatsstraße 2045 (Auffahrt Pfaffenhofen, AS 66). Die Hallertauer Hopfentour, ein Radweg durch die Hallertau, verläuft durch die Gemeinde.
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Schweitenkirchen, 1906 vergrößert Filialkirche St. Nikolaus in Aufham aus dem 14. Jahrhundert Pfarrkirche St. Dionysius in Niederthann Kirche St. Georg in Dürnzhausen, gotischen Ursprungs mit Glocken von 1443 Pfarrkirche St. Josef in Güntersdorf Filialkirche St. Peter und Paul in Ampertshausen Pfarrkirche St. Emmeram in Geisenhausen mit Plastiken aus dem 15. Jahrhundert Filialkirche St. Valentin und St. Martin in Gundelshausen Filialkirche St. Ulrich in Holzhausen Kirche St. Koloman in Sünzhausen, nach Brand 1722 neu erbaut Kapelle St. Magdalena in Dietersdorf Feldkreuz zwischen Güntersdorf und Dietersdorf Autobahnbrücke Holledau
Persönlichkeiten Georg Kronawitter (1928–2016), geboren in Oberthann, Politiker (SPD) und Oberbürgermeister von München Hans Eisenmann (1923–1987), geboren in Ampertshausen, Politiker (CSU), Staatsminister für Landwirtschaft und Forsten in Bayern Gerhard Vilsmeier (* 1958), deutscher Journalist und Historiker, seit 2004 erster Vorsitzender des Sportvereins FC Schweitenkirchen
Literatur Josef Brückl: Eine Reise durch den Bezirk Pfaffenhofen, Verlags-Druckerei Udart, Pfaffenhofen 1950, S. 17–19 Martin Sedlmeier (Gesamtredaktion): Gemeinde Schweitenkirchen, anlässlich der Dorferneuerung, Herausgeber: Gemeinde Schweitenkirchen 1992
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm Kategorie:Ort in der Hallertau Kategorie:Ersterwähnung 837 Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp)