mini|300px|Die Länder, deren Staatsoberhäupter an den jährlichen informellen Treffen der deutschsprachigen Staaten teilnehmen: Österreich, Belgien, Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg und die Schweiz Die Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder sind ein- bis zweitägige informelle Zusammenkünfte der Staatsoberhäupter jener europäischen Länder, die Deutsch auf gesamtstaatlicher Ebene als eine ihrer Amtssprachen führen. Der Gipfel findet seit 2004 alljährlich im Sommer oder Herbst statt. Der Konferenzort wechselt turnusmäßig zwischen den Teilnehmerländern.
Bezeichnung und Konzept Die Treffen haben bisher keinen offiziell festgesetzten Titel. Neben „Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder“ wurden von den Teilnehmern sowie von der Presse auch „Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter“, „Gipfel der deutschsprachigen Staatschefs“, „Treffen der deutschsprachigen Länder/Staaten“ oder andere Formulierungen verwendet.Staatsoberhäupter-Treffen in Linz: „Respekt“ für Van der Bellen. www.nachrichten.at, 4. Juni 2019.
Bei den Gipfeln der deutschsprachigen Länder handelt es sich ausdrücklich nicht um eine formalisierte Sprachorganisation wie etwa die Frankophonie, sondern um informelle, doch regelmäßige, ein- bis zweitägige Arbeitstreffen auf Einladung eines Staatsoberhaupts. Die teilnehmenden Repräsentanten werden in der Regel von ihren Ehepartnern oder Lebensgefährten begleitet, welche, ähnlich wie auf den G7-Gipfeln, parallel zum Treffen ein sog. „Damenprogramm“ verfolgen. Neben einem Kulturprogramm werden auch politische Themen besprochen, ohne jedoch bindende Erklärungen zu verabschieden. Aufgrund der quantitativen Dominanz Deutschlands (es stellt fast 75 % der etwa 112 Millionen Einwohner der sechs Länder, welche auf den Treffen repräsentiert werden) wurde von Beginn an Wert auf einen gleichberechtigten sowie nicht bindenden Austausch gelegt. Zum Ausdruck gebracht wird dies unter anderem durch den Verzicht auf wirtschaftliche Vertreter und die Beschränkung auf repräsentative Teilnehmer (Staats- anstelle von Regierungschefs).Zu viel Germanofonie schadet dem Geschäft. Neue Zürcher Zeitung, 24. Oktober 2014.
Unabhängig von den Treffen der Staatsoberhäupter finden regelmäßige Arbeitstreffen auf Ministerebene statt. So treffen sich nach Ressorts getrennt die Ministerinnen und Minister der deutschsprachigen Länder für Inneres, Außenpolitik, Finanzen, Justiz und Umwelt in der Regel ebenfalls jährlich. Allerdings nehmen keine Vertreter Belgiens daran teil.siehe z. B. Arbeitstreffen der deutschsprachigen Innenminister in Krems Bundesministerium des Innern, 29. April 2025.
Geschichte und Kontroverse Politische Arbeitstreffen bestimmter Regierungsminister der deutschsprachigen Länder gab es bereits vor 2004 je nach Bedarf, jedoch keine medienwirksamen Zusammenkünfte auf höchster Ebene. Der Vorschlag eines solchen Treffens kam 2004 vom österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer, nachdem sein Schweizer Kollege Joseph Deiss den Wunsch nach mehr Austausch mit der Europäischen Union im Rahmen der deutschsprachigen Staaten geäußert hatte („Bodensee-Format“). Nach einer ersten Zusammenkunft in St. Gallen vereinbarte man Folgetreffen sowie die Einladung des liechtensteinischen Erbprinzen Alois für das nächste Jahr.Beim Deutschen Bund in Eupen. d’Lëtzebuerger Land, 2. September 2016. Seit 2014 nehmen neben den Staatsoberhäuptern Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins auch die Belgiens und Luxemburgs teil.
Während der Vorsitzende der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Karl-Heinz Lambertz, die Teilnahme des nur wenig Deutsch sprechenden Königs Philippe an den Treffen als historische Anerkennung der Vielsprachigkeit Belgiens ansah, gab es in Luxemburg auch kritische Stimmen. Da Vertreter Luxemburgs ihr Land zuvor als luxemburgischsprachiges und nicht deutsch- oder französischsprachiges Land einordneten, führte die Teilnahme Großherzog Henris an den Treffen zunächst zu einer gewissen Kontroverse, mit positiven wie auch negativen Stimmen in der luxemburgischen Presse sowie der grundsätzlichen Frage, wie der Begriff „deutschsprachig“ zu definieren sei. Nach ausdrücklicher Befürwortung der Teilnahme durch die luxemburgischen Premier- und Außenminister sowie wegen des inoffiziellen Charakters und der eher geringen politischen Bedeutung der Treffen klang die Kritik jedoch ab. Aufgrund einer angeblich ähnlichen geografischen Ausdehnung sowie als historischer Seitenhieb auf die gefühlte Dominanz Deutschlands wurde das Treffen auch als „Deutscher Bund“ bezeichnet.Polémique autour de la présence du Grand-Duc à un sommet germanophone. Le Quotidien, 7. September 2016.
Die Abwesenheit von Vertretern solcher Gebiete mit ähnlich vielen oder gar noch mehr Deutschsprachigen als Liechtenstein oder Belgien, namentlich Südtirols (Region Trentino-Südtirol, Italien) und Polens, wurde auch in Frage gestellt und unter anderem mit historisch bedingter politischer Brisanz erklärt. Darüber hinaus ist in Italien im Gegensatz zu Belgien Deutsch nur in Trentino-Südtirol Amtssprache, nicht aber auf nationaler Ebene. Da es sich bei dieser Region nicht um einen souveränen Staat handelt, hat sie kein repräsentatives Staatsoberhaupt, das entsprechend dem Konzept der Treffen teilnehmen könnte. Bei allen anderen Ländern mit anerkannten deutschsprachigen Minderheiten, z. B. Ungarn, Rumänien, Polen, Namibia oder Dänemark, ist der Sachverhalt ähnlich.
Liste der Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder JahrDatumGastgeberTagungsortTeilnehmerThemenschwerpunkt(e) 2004 20. November Bundespräsident Joseph Deiss St. Gallen „Beziehung der Schweiz zur Europäischen Union, Strukturreformen des Sozialstaats, Irak und Naher Osten“ 2005 24. Oktober Bundespräsident Heinz Fischer Salzburg 2006 6. November Bundespräsident Horst Köhler Meersburg 2007 29. Oktober Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein Vaduz 2008 25. November Bundespräsident Pascal Couchepin Rapperswil 2009 28. Oktober Bundespräsident Heinz Fischer Eisenstadt Erbprinzenpaar nimmt am Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter in Eisenstadt teil. PressePortal, 28. Oktober 2009. 2010 1. November Bundespräsident Christian Wulff Lübeck „Integration und Förderung der deutschen Sprache“Treffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder. Der Bundespräsident, 1. November 2010. 2011 26. September Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein Vaduz „Bildung“ 2012 11. Juni Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf Chur 2013 9. September Bundespräsident Heinz Fischer Innsbruck 2014 18. September Bundespräsident Joachim Gauck Bad Doberan, Rostock „Die friedliche Revolution vor 25 Jahren und der demografische Wandel“Michaela Kreyenfeld hält Vortrag bei Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter. Max-Planck-Institut für demografische Forschung, 19. September 2014. 2015 17. September Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein Vaduz „Digitaler Wandel auf dem Arbeitsmarkt“Treffen der deutschsprachigen Staaten in Vaduz. BRF.be, 17. September 2015. 2016 8. September König Philippe Brüssel, Eupen „Jugendarbeitslosigkeit, Beschäftigung und Bildung“Fotoalbum: Gipfeltreffen der deutschsprachigen Staaten in Eupen. BRF.be, 8. September 2016. 2017 27. September Großherzog Henri von Nassau Luxemburg „Einwanderung und Integration“Staatsoberhäupter aus sechs Ländern treffen sich in Luxemburg. www.volksfreund.de, 27. September 2017. 2018 5./6. September Bundespräsident Alain Berset Sils im Engadin „Kulturelle Teilhabe“Sechsertreffen der Staatsoberhäupter der deutschsprachigen Länder findet dieses Jahr am 5. und 6. September in der Schweiz statt. Generalsekretariat EDI, 10. August 2018. 2019 3./4. Juni Bundespräsident Alexander Van der Bellen Linz „Demokratie und digitale Gesellschaft, EU nach den Europawahlen und die Klimakrise“Staatschefs tagen kommende Woche in Linz. OÖNachrichten, 31. Mai 2019. 2020 Entfiel aufgrund der COVID-19-Pandemie 2021 28. Juni Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Potsdam „Gesellschaftlicher Zusammenhalt nach der Corona-Pandemie und Klimawandel“Treffen deutschsprachiger Staatsoberhäupter. Der Bundespräsident, 28. Juni 2021. 2022 12./13. September Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein Vaduz, Schaan „Philanthropie und Gemeinwesen – Rahmenbedingungen für ein effizientes Zusammenwirken von Politik, Wirtschaft und Philanthropen“ 2023 11./12. September König Philippe Brüssel, Eupen „Neue Impulse für Europas Weltraumexploration“ und „Kreislaufwirtschaft“ 2024 16./17. September Großherzog Henri von Nassau Colmar-Berg, Esch an der Alzette „Desinformation als Herausforderung für Demokratie und Wissenschaft“ 2025 4./5. September Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter Bad Ragaz, St. Gallen „Europäische Wettbewerbsfähigkeit“ 2026 1./2. September Bundespräsident Alexander Van der Bellen Innsbruck, Neustift im Stubaital, Alpbach „How Europe Wins“
Aktuelle Staatsoberhäupter Staat AmtAmtsinhaber AmtsantrittBemerkung König87x87px Philippe von Belgien21. Juli 2013 Bundespräsident87x87px Frank-Walter Steinmeier19. März 2017 Erbprinz87x87px Alois von und zu Liechtenstein15. August 2004Regent von Liechtenstein, Stellvertreter für Hans-Adam II. Großherzog 87x87px Guillaume von Nassau3. Oktober 2025 Bundespräsident87x87px Guy Parmelin1. Januar 2026Die Schweiz kennt kein einzelnes Staatsoberhaupt. Der Bundespräsident übernimmt Primus inter pares die Rolle eines Staatsoberhauptes. Bundespräsident87x87px Alexander Van der Bellen26. Januar 2017
Siehe auch Rat für deutsche Rechtschreibung
Einzelnachweise
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