mini|Großstädtisch: der freigestellte Dom auf axial ausgerichteten Plätzen mini|Umbauter Torso: Dom und Domhof im langen Kölner Mittelalter

Die Umgebung des Kölner Doms gehört zu den großstädtischen Stadträumen Kölns. Sie hat seit dem Mittelalter ihren Charakter grundlegend geändert. Der Torso des Domes war damals eng von Häusern und kleineren Kirchen umstanden. Mit Vollendung des Domes 1880 wurde er als nationales Denkmal auf großzügigen Flächen freigestellt; der Domhügel wurde zu einer vom Verkehr umflossenen Insel. 1970 verband die Domplatte den Dom stufenlos mit der Fußgängerzone. Bis heute gilt die Gestaltung der Domumgebung als Herausforderung der Kölner Stadtplanung.Das Wunder von Köln, Allmann Sattler Wappner und die runderneuerte Domplatte, in: Bauwelt 15.2017, S. 14–29

Baugeschichte der Domumgebung Domumbauung im Mittelalter mini|hochkant|Arnold Mercator – Domumgebung 1571 mini|hochkant|Wallrafplatz – Portal Dompropstei und Südturm des Doms (Zeichnung von Samuel Prout, 1824)

Im mittelalterlichen Köln standen Gebäude in unmittelbarer Domnähe ohne die heutige Distanz. Zeitgenössische Abbildungen belegen, dass der Dom von den Häusern des Bischofs und des Domkapitels und auch von Profangebäuden ohne bauliche Distanz umgeben war. Hierzu gehörten einerseits das erzbischöfliche Gefängnis „Hacht“ von 1165 sowie die 1363 entstandene Dompropstei und andererseits die 1596 für den Verleger Arnold Kirchhoff durch den Steinmetzmeister Johann von Winter neu errichteten Bingerhäuser in unmittelbarer Nähe zum Dom, die bereits 1382 als erzbischöfliches Lehen des Erbkämmerers bezeugt sind.Hans Vogts, Die profanen Denkmäler der Stadt Köln, 1930, S. 347 Die Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator zeigt, dass in unmittelbarer Domumgebung alle Himmelsrichtungen eine intensive Bebauung aufwiesen. Auf der Südseite (Am Hof) zeigte Mercator eine vollständige Bebauung, nur Am Domhof blieb die Sicht auf den Dom frei; die Westseite zeigte eine baulückenfreie Straße Unter Fettenhennen, die Nordseite war bebaut, die Ostseite war lediglich am Mariengarten unbebaut.

Der Dom zeigte sich noch um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert eng umbaut.Hugo Borger: Der Kölner Dom im Jahrhundert seiner Vollendung. 1980, S. 113. Am nächsten stand die an seiner Nordseite befindliche Dompropstei. Westlich davon die Domdechanei (ehemals Trankgasse 2), ein 1658 für den Domdechanten Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg fertiggestellter Bau, der nach 1890 abgerissen wurde. An Freiflächen gab es in seiner direkten Umgebung Frankenplatz, Domhof und Domkloster. Der Domhof war ein Marktplatz, auf dem sich Gaddemen (Verkaufsstände) und Krambuden befanden. An der Westseite des Domhofs gab es im Mittelalter mehrere große Gebäude. Dazu gehörten der „Kamp(f)hof“ (Domhof 7; später „Kamperhof“) und das Anwesen „zum Palast“ (Domhof 9; neben der Hacht). Der „Kamp(f)hof“ diente gerichtlich bestimmten Zweikämpfen und ist 1356 erstmals in den Schreinsbüchern erwähnt. Das Anwesen „zum Palast“ befand sich seit dem 4. November 1500 im Besitz der Buchdruckerfamilie Heinrich Quentell.Johann Jakob Merlo: Das Haus zum Palast auf dem Domhof zu Köln. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 42 (1884), S. 61–70, hier S. 63.

Die französische Verwaltung installierte am Domhof (Place Metropole genannt) am 16. Oktober 1798 eine Guillotine, durch die über 30 Personen in direkter Domumgebung zu Tode kamen. Blutgefärbte Sandhaufen, Menschenhaare und Lumpen zeugten in ihrer Umgebung von den Hinrichtungen und verbitterten den Gang auf dem Domplatz.Udo Bürger: Die Guillotine im Schatten des Domes. 2001, S. 100. Die Säkularisation von 1802 führte zur Enteignung und zum Abriss der hier vorhandenen Sakralbebauung.Jürgen Wilhelm: Das große Köln-Lexikon. 2008, S. 118.

Freistellung des Doms als nationales Denkmal Die ersten Planungen zur Gestaltung einer Dom-Terrasse beruhten auf Skizzen von Karl Friedrich Schinkel aus dem Jahre 1816. Schinkel wollte die alten Häuser rings um den Dom abreißen und einen Kranz von Grünanlagen mit Terrassen bis hinunter zum Rheinufer schaffen.Mario Zadow: Schinkel. Leben und Werk. 2003, S. 126. Zur Steigerung des Größeneindrucks der Kathedrale plante er neben der Freilegung auch die Anlage einer Terrasse. Der Höhenunterschied zwischen der Ebene des Domchores und dem damaligen, tiefer liegenden Frankenplatz wurde durch eine zweiflügelige Treppenanlage ausgeglichen. Von Osten her mündete hier die Rampe, die von der Dombrücke auf den Frankenplatz herabführte. Treppenanlage, Böschungsmauern und die Brunnenplattform des Petrusbrunnens waren Teil einer gartenarchitektonisch gestalteten Gesamtanlage. Mit dem Abriss der baufälligen Dompropstei im Juni 1830 und des Kölner Staatsgefängnisses „Hacht“ im August 1893 wurden die umfangreichen Abbrucharbeiten zur Freilegung des dicht umbauten Doms beendet, um den freien Blick auf den Dom nicht zu versperren.Carl Dietmar, Gérald Chaix: Chronik Köln. 1997, S. 282. Im November 1857 erfolgte der Abriss der Häuser Domhof 20 und 22. Um den Dom von weiteren Anbauten zu befreien, schenkten die Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft (Trankgasse Nr. 8) und die Colonia-Versicherung (Trankgasse Nr. 6) 1863 ihre Gebäude der Stadt.Hasso von Wedel: Heinrich von Wittgenstein 1797 bis 1869. Unternehmer und Politiker in Köln. 1981, S. 180. Die lange gewünschte Freilegung des Doms zielte auf den „Abbruch der zwischen dem Dom und den zunächst gelegenen Straßen und öffentlichen Plätzen befindlichen Gebäulichkeiten“ ab. Die Planungen, im Westen an der Burgmauer eine Kaiserstraße freizuräumen, die axial auf die Westfassaden des Domes zuläuft, ließen sich allerdings nur in einem sehr kleinen Stück verwirklichen; heute finden sich dort die Terrassen des Cafés Reichard.Judith Breuer: Die Kölner Domumgebung als Spiegel der Domrezeption im 19. Jahrhundert. 1981, S. 79.

Ein weiterer Plan zur Neugestaltung der Domumgebung vom 1. Oktober 1866 wurde nicht realisiert. Stadtbaumeister Josef Stübben legte im Oktober 1885 einen Plan zur Freilegung des Doms vor, den er in der Deutschen Bauzeitung vorstellte.Joseph Stübben: Die Freilegung des Domes zu Köln. In: Deutsche Bauzeitung, XIX (1885), S. 152–154. Der Einsturz des ersten Dom-Hotels am 31. Dezember 1885 förderte die Gestaltung der Domumgebung insbesondere im Westen vor den Portalen und im Süden vor dem Südquerhaus. Maßgeblich war dabei die Vorstellung, der Dom solle von einem Standpunkt aus als Ganzes zu erfassen sein.Sybille Fraquelli: Im Schatten des Domes. 2008, S. 218. Das im Februar 1886 wiedereröffnete Dom-Hotel wurde zurückversetzt als dritte Hotelgeneration neu gebaut. Dabei hielt man die Auflage des Dombauvereins ein, dass der – inzwischen vollendete – Dom durch den Hotelneubau weniger verdeckt werden durfte. Die Eröffnung des Neubaus fand am 15. April 1893 statt – hinter dem noch nicht niedergelegten Altbau. Zwischen 1826 und 1893 mussten zwei Kirchen und 69 Häuser den Freilegungsplänen weichen.Eduard Hegel, Wilhelm Neuss: Das Erzbistum Köln zwischen der Restauration des 19. Jahrhunderts und der Restauration des 20. Jahrhunderts, 1815–1962. 1987, S. 505. Damit wurden die umfangreichen Abbrucharbeiten zur Freilegung des dicht umbauten Doms beendet. Josef Stübben wies 1903 darauf hin, dass „die Freilegung eines Bauwerks bzw. die Vorbereitung der Freilegung durch Fluchtlinienfestsetzung hervorgehen kann aus dem Verkehrsbedürfnis oder ästhetischer Absicht.“

Bereits in der Gründerzeit sollte mithin eine domnahe Bebauung möglichst vermieden werden. Der Dom sollte als ein von aller Bebauung freigelegtes Denkmal präsentiert werden, das majestätisch auf dem 17 Meter über dem Rheinniveau befindlichen Domhügel thront. Zum Dom als bedeutendstem Kölner Sakralbauwerk hatten alle profanen Gebäude respektvolle Distanz zu halten. Das hielt jedoch nicht davon ab, die Domplatte für Veranstaltungen zu nutzen. So fand am 31. Januar 1926 anlässlich des Abzuges der britischen Truppen auf der Domplatte eine Großkundgebung statt, bei der Oberbürgermeister Konrad Adenauer eine emotionale Rede hielt.

Umgestaltung im 20. Jahrhundert

Bau der Domplatte Der internationale Ideenwettbewerb für die Domumgebung in Köln fand 1957 im Kontext der Bundesgartenschau statt. Er spiegelte den Geist der 1950er Jahre wider: Den Wunsch nach Wiederaufbau, Modernisierung und Internationalität, beeinflusst von Bewegungen wie dem Neuen Bauen und der Charte d’Athènes. Den ersten Preis gewann der Architekt Walter Fleck. Jedoch wurden die Wettbewerbsideen danach nicht umgesetzt – stattdessen wählte die Stadt Köln selektive Ansätze, wie den Bau der unterirdischen Stadtbahn (ab 1964) oder die schrittweise Fußgängerfreimachung (so auf der Domplatte 1970): Im Mai 1964 begannen die Bauarbeiten für die unterirdische Stadtbahn Köln in der Trankgasse/Komödienstraße. Der Bau der unterirdischen Stadtbahn erleichterte die Neuordnung der Domumgebung, zumal die oberirdisch verlaufende Straßenbahn wegfiel. 1967 begannen die Bauarbeiten für das Römisch-Germanische Museum (Eröffnung: 4. März 1974), das die letzte Baulücke auf der Domplatte schloss – allerdings durch eine Verkleinerung des ursprünglich gärtnerisch gestalteten Roncalliplatzes. Bereits 1971 war die 1969 begonnene zweigeschossigen Tiefgarage für 613 Kfz fertiggestellt worden (unterhalb der westlichen und südlichen Domplatte), in der die Fundamente des römischen Nordtors und die angrenzenden Reste der Stadtmauer mit dem Annostollen besichtigt werden können. Der 1,35 Meter breite und 2,50 Meter hohe Annostollen war ein vom Domkloster durch die Stadtmauer führender Gang, der 1074 Erzbischof Anno II. eine Fluchtmöglichkeit vor aufständischen Bürgern bot.

Um den Dom in das Stadtgefüge zu integrieren und aus der damals wahrgenommenen räumlichen Isolierung zu befreien, baute Fritz Schaller von 1968 bis 1970 die Domplatte. Er konzipierte eine Anhebung des Fußgängerterrains auf das Höhenniveau der Domportale, die bis dahin nur durch Treppen zugänglich waren. Dadurch musste der historische Domhügel entfallen. Die betonierte, mit mehrfarbigem Granitpflaster bedeckte Plattform umgibt den gesamten Dom, so dass die Treppen nunmehr – in größerer Entfernung vom Dom – an der Westseite zum Verkehrsamt oder an der Nordseite zum Bahnhofsvorplatz führen. Ein schwieriges Problem war die Gestaltung der Domplatte zum Hauptbahnhof hin. Hier überbrückt sie die Trankgasse, eine ehemals wichtige Straße für den Kraftverkehr, die als Ost-West-Achse den Durchgangsverkehr zum Rheinufer bewältigte. Eine skulpturale Treppe führte zum Bahnhofsvorplatz und überbrückte die Höhendifferenz.Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 306

1980 begann der Bau des Museums Ludwig, das am 6. September 1986 eröffnet wurde.Judith Breuer: Die Kölner Domumgebung als Spiegel der Domrezeption im 19. Jahrhundert. 1981, S. 10.

Städtebauliche Aufwertung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität