Pelzhaus, historisch Peltz-Haus, auch Kürschnerhaus oder allgemeiner Schauhaus wurden im Mittelalter und noch erheblich später die Verkaufsstellen genannt, in denen die Kürschner, vor allem zu Messezeiten, zusammen ihre Pelzwaren anboten. Anfangs dienten sie hauptsächlich als offizielle gemeinsame Handelsstätten, an denen der Käufer die gleiche Ware in größerer Auswahl fand und wo der Verkauf überwacht werden konnte. Mit dem Ansehen und der Macht der Zünfte wuchs dann das Bedürfnis nach eigenen Zunfthäusern, die für gewerbliche Versammlungen, Morgensprachen, Wahlen usw., aber auch für Geselligkeit ausreichend Raum boten. Auch wurde hier das Besitztum der Corporation, wie Lade, Banner, Kriegsgeräte, Tafelzeug usw. aufbewahrt.Paul Larisch: Die Kürschner und ihre Zeichen. Selbstverlag, Berlin 1928, S. 86.

Die Pelzhäuser Weitaus nicht alle Städte oder Orte verfügten über eine solche Einrichtung, da sie nicht reichseinheitlich festgelegt war. In Quedlinburg im Landkreis Harz war um 1134 während der Märkte zu Ostern und Martini auf dem Boden des Rathauses ein „Pelzhaus“ eingerichtet. Die Verkäufer von Wollenwaren (Gewandschneider) und Leinenwaren (Leinwandweber) waren von Abgaben für ihre Marktstände befreit, ebenso die Kürschner.Paul Schöps: Von Zünften und Innungen – Mittelalter bis 20. Jahrhundert. (Originalschrift), 2. unüberschriebenes Kapitel, beginnend mit „In frühester Zeit […]“, S. 3. Sekundärquelle: Quedlinburgische Geschichte zur Tausendjahrfeier der Stadt Quedlinburg vom Magistrate der Bürgerschaft gewidmet: Quedlinburg, Im Selbstverlage des Magistrats der Stadt, Band 2, S. 103.

Die Pelzer besaßen in Hamburg bereits 1265 einen ihnen von der Stadt überlassenen Platz beim alten Schlachthaus an der Alster, in der Gegend des heutigen Rathauses (1975), in der früheren Gerberstraße, die ab 1527 Hinter dem breiten Giebel hieß. Hier ließen sie für Geschäftszwecke ein „Weißbeutelei“ genanntes Gebäude errichten. Erst im Jahr 1817 wurde das frühere Amtshaus abgerissen. Es scheint jedoch unsicher, ob das Haus 1269 nicht durch die Pelzer, sondern im Auftrag der Beutler und Weißgerber errichtet wurde.600 Jahre Kürschnerhandwerk in Hamburg. In: Rund um den Pelz Heft 11, 1975, S. 59-60. Anmerkung: Primärquellen sind M. Wichmann (1863), F. H. Neddermeyer: Hamburgische Statistik, 1847.

In Münster während des Sends nach Michaelis veranstaltete die dortige Pelzer-Gilde auf dem „Schohus“ eine Ausstellung ihrer Ware. Fremde Kürschner durften ihre Erzeugnisse in dieser Zeit ebenfalls anbieten, jedoch nur auf dem Send.C. Schmitz: Die Organisation des Kürschnerhandwerks. In: Der Kürschner, Berufsbildungsausschuss des Zentralverbandes des Kürschnerhandwerks (Hrsg.), Verlag J. P. Bachem, Köln, 2. Auflage 1956, S. 22.

mini|Das ehemalige Zunfthaus der Kürschner in Frankfurt am Main im Jahr 1915 Die Kürschner in Frankfurt am Main erwarben 1524 für 100 Gulden das Haus Zeilsheim in der Schnurgasse, der damals bedeutendsten Straße der Stadt, Ecke Trierische Gasse. Anstelle des baufälligen Gebäudes ließen sie hier ein stattliches Zunfthaus errichten. Die jahrelang dafür angesparten Mittel reichten nicht; um den daher benötigten Kredit zu tilgen wurde das Eintrittsgeld für neu sich selbständig machende Meister mit dem Einverständnis des Stadtrats erheblich erhöht. Das schöne Haus wurde erst 1944, gegen Ende des letzten Weltkriegs, zerstört.Franz Lerner: Aus der Geschichte des Frankfurter Kürschnerhandwerks. In: Die Pelzwirtschaft Nr. 4, April 1962, nach S. 43.

Als in München Anfang des 15. Jahrhunderts die Stadt das Impler'sche Haus am Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, ankaufte und zu einer Stadttrinkhalle umgestalten ließ, erhielten die Kürschner in dem Gebäude ein eigenes Gewölbe zum Verkauf ihrer Waren.Jürgen Grothe: Die Kürschner in München. In: Die Pelzwirtschaft, Heft 8, 1972, S. 50.

Das Peltz-Haus von Wien befand sich bis 1357 in der Krebsgasse, mit der Rückseite an den „Berghof“ stoßend. Die Krebsgasse mündete vom Hohen Markt in die Stern- und Pressgasse und ist vor langer Zeit bereits verbaut worden. Sie befand sich in der heutigen Gegend der Salvatorgasse und Fischerstiege. 1677 erhielt die Wiener Zunft in der Wipplingerstraße die Bewilligung, in einem eigenen Hause, das auch den Namen Beizhaus führte, das Gerben und Zurichten der Felle vornehmen zu dürfen. Wo genau sich dieses Beizhaus befand, ist nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Berichtet wird jedoch von strengen Auflagen wegen des stark verschmutzten Abwassers und der erheblichen Geruchsbelästigung.www.modewien.at, Johann Malus: Die Geschichte des Kürschnerhandwerkes. Erstellt auf Basis des Werkes Pelloni, Kursener und Wildwerker. Wien 1898. Zuletzt abgerufen am 30. Mai 2019.

In Paris boten die Pelletiers, die Pelzhändler, ihre Waren in den Hallen feil. Ein Parlamentsbeschluss vom 23. Dezember 1367 bestimmte, dass die Pelletiers jede Woche, mittwochs und samstags, zur Halle gehen und nicht in ihrem Hause verkaufen sollten.

In Prag bestanden im Jahr 1362 die ersten gemeinsamen Verkaufsläden der Kürschner, „Kotce“ (Kotzen) genannt. Zusammen kaufte die Zunft das Rohmaterial ein und verteilte es nach Los an die Mitglieder. Die Anfertigung der Pelzgegenstände war streng überwacht und Löhne und Verkaufspreise gleichmäßig geregelt. Der Verkauf der fertigen Ware durfte nur in diesen Kotzen geschehen, die ebenfalls durch Los für die Dauer eines Jahres an die Mitglieder verteilt wurden. Die Prager Kürschner waren in zwei Zünften vereinigt, die erste Zunftordnung der Kürschner der Altstadt entstand im Jahr 1418, sie entsprach im Wesentlichen der Neustädter Ordnung. Im 16. Jahrhundert entstand eine weitere Kürschnerzunft für die Kleinseite und die Kürschner der Stadt Hradschin. In den Kotzen, die sich die Kürschner unter anderem mit den Tuchmachern teilten, waren in dieser Epoche 102 Stellen für Kürschner vorhanden. Auch auf dem Tandlermarkt, auf dem zweitklassige Ware verkauft wurde, durften die Kürschner nicht anbieten, es war ihnen untersagt, minderwertige Ware zu produzieren.Paul Schöps: Die Kürschner-Innungen zu Prag. Nach Quellen des Stadtarchivs zu Prag (Dr. J. Čarek). In: Das Pelzgewerbe Nr. 2, 1962, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Wien u. a., S. 74–77.

Im türkischen Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, hatten die Kürschner ihre Verkaufslager im großen Bazar „Kapalı Çarşı“ und im „Kürktschi-Han“ in Stambul. Der riesige Komplex des großen Basars mit etwa 400 Räumen, erbaut im griechisch-orthodoxen Stil, mit Torbögen und anderthalb Metern dicken Mauern war ehemals ein Kloster, er ist immer noch eine Sehenswürdigkeit der Stadt.Francis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 2 (von 2) (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. „206“ . (englisch). In der Abteilung der Kürschner waren die Magazine, wie bei den meisten der orientalischen Verkaufsläden, mit ihren Auslagen nach der Straße zu offen. Der Verkauf fand häufig auf der Straße statt. Eine Schilderung aus dem Jahr 1902: „Der »usta« (Meister) bringt die Sachen, meist aus Stücken zusammengesetzte Pelzfutter herbei und legt sie schlauerweise stets so, dass der Blick des Käufers über das Haar und nicht gegen dasselbe hinwegfällt. Im Hintergrunde der Bude hocken auf einer Art Estrade mit untergeschlagenen Beinen, die Gesellen, und arbeiten ohne Mass und Werkzeug an dem Einfüttern eines Kleidungsstückes; dabei muss Mangels eines Arbeitstisches der Fussboden herhalten. In der von diesen Kürschnerbuden gebildeten, mit einem Glasdach überdeckten Strasse herrscht reges Leben Hier auch bringen die Makler durch lautes Ausrufen, getragene Pelzsachen, darunter oft Wertobjekte, zur Versteigerung.“

mini|Im Edika Kastorian Fur Center, Kastoria „In der Nähe dieser Strasse befindet sich das »Rubic-Haus«, in dessen Hof und erstem Stock ebenfalls Pelzwarenlager sich befinden, jedoch mit besserem Vorrat. Die Besitzer sind Armenier und Karamanlie (Leute aus der Landschaft Karamanien in Kleinasien), die neben dem Detailgeschäft auch Engros-Handel betreiben. Auch das in der Nähe gelegen »Jagdschi-Han« beherbergt einige Pelzhändler.“

„In Kürktschi-Han“ (Han bedeutet Warenniederlage), befinden sich auf beiden Seiten des Tores, Pelzmagazine; im Hofe, und auf der, diesen umgebenden Galerie, Kürschnerwerkstätten. In den meisten dieser niedrigen, nichts weniger als reinlichen Räume, befassen sich griechische und bulgarische Kürschner mit dem Zusammenstellen von Futtern, aus Lamm- und Schaffellen. Rechts im zweiten Hofe, befindet sich die Abteilung der Zurichter. Ihre Kunst ist ebenfalls eine sehr primitive. Wie in der ganzen heimischen Industrie wird immer nach »Art der Väter« gearbeitet. […]

Die aus der Provinz Kastoria nach Konstantinopel gekommenen Griechen hatten ihr Handwerk in ihrer Heimat erlernt. Der Hauptort Kastoria und das in der Nähe gelegene Siatista sind noch heute Zentren der Pelz- und Pelzresteverarbeitung, ehemals gehörte noch der nordmazedonische Ort Ohrid dazu. Als das alte Edika-Gebäude, in dem die Pelzmesse Kastoria bisher abgehalten wurde, nicht mehr ausreichte, wurde als Ausstellungsraum der Kürschnergemeinschaft „Prophet Elias“ ein Ausstellungszentrum errichtet. Nach vierjähriger Bauzeit wurde das Gebäude mi 13.000 m² Fläche anlässlich der 38. Internationalen Pelzmesse der Öffentlichkeit übergeben. Es war beabsichtigt, es auch für andere Messen zu nutzen.Neues Ausstellungszentrum des „Prophet Elias“ in Kastoria. In: Pelzmarkt, Newsletter des Deutschen Pelzverbandes, Oktober 2012, S. 8–9.Commons: Fotos des Edika Kastorian Fur Center. Bei ausreichender Nachfrage wird die kaufkräftige Kundschaft aus den arabischen Ländern und aus Russland eingeflogen, bei entsprechendem Einkauf war der Flug kostenlos.

Leipzig mini|hochkant|Hauptbuch der Kürschner von Leipzig des Jahres 1524

Im Jahr 1419 hatte der Leipziger Rat mit den Schuhmachern wegen des von ihnen erbauten Schuhhauses einen Vertrag geschlossen, dass die Schuhmacher in den Messen, auf dem Markt feilhalten sollen und während dieser Zeit den „korsener oder ander luten“, den Kürschnern oder anderen Leuten, die Räumlichkeiten ihres Hauses überlassen werden könnten. Das Haus trug seitdem den Namen „Pelz- und Schuhhaus“.Ohne Autorenangabe: Die Entwicklung des Leipziger Rauchwarenhandels im Zusammenhang mit der Leipziger Messe. In: Der Rauchwarenmarkt, Nr. 16, Leipzig, 17. April 1936, S. 2. 1772 wurde berichtet, dass es nur noch von den Kürschnern genutzt wurde.Johann Samuel Heinsius: Pragmatische Handlungs-Geschichte der Stadt Leipzig … Leipzig 1772. Zuletzt abgerufen am 4. Mai 2019.

Durch Lattenverschläge waren auf dem obersten Boden Stände hergerichtet worden, die der Obermeister verloste. Es gab Möglichkeiten, in der Werkstatt Handel zu treiben, doch beschränkte sich dies auf einige wenige Artikel, der Verkauf musste zuvor im Pelzhaus abgeschlossen werden. Die älteste erhaltene Leipziger Pelzhaus-Ordnung scheint verloren gegangen zu sein, eine an einen früheren Beschluss erinnernde Ratsorder vom 3. Januar 1542 ist jedoch erhalten: „Ein Erbar Ratt tutt Ordnung mit dem feil haben uff dem kurschner hausse virnewen (erneuern), und entpfielt denen kurschnern und denen Jenigen, die machte Rauchwerg feil haben. Sie sint allhier in der Stadt wohnhaftig oder anders woher die diese Jahrmerckte besuchen, das sie auf den nechist kunftigen und alle volgende Merckte Ire gemachte ware. Es sein Peltze, Mitzen, Kurschen oder was es wolle ufne kurschner hause feil haben sollen, vo man Inen auch die stende geburlich und unurweislich verordnen wird et.“

Das Hauptbuch von Johann Georg HerttelHauptbuch Vor E. Ehrsames Handwerck der Kürschner worinnen In Drey abgefassten Theilen beschrieben ist, was sich anno 1524 In bemeldeter Innung zugetragen hat. Beschrieben und Zusammen getragen von Johann George Herttel als Handwercks-Schreiber. Leipzig 1737 (→ Titelblatt). von 1524 erwähnt das Leipziger Peltz-Haus: