mini|hochkant|Fré Cohen, 1920er Jahre Frederika Sophia Cohen (* 11. August 1903 in Amsterdam, Niederlande; † 14. Juni 1943 in Hengelo), genannt „Fré“, Künstlername „Freco“, Werksignatur „FC“, Pseudonym Connie Frederichs,Frederika Sophia Cohen, auf: biografischportaal.nl war eine niederländische Grafikerin, Typographin, Zeichnerin, Malerin, Illustratorin, Lithographin und Holzschneiderin. Ihre Arbeiten beeinflussten in den 1930er Jahren das niederländische Graphikdesign.R. G. Fuks-Mansfeld (Hrsg.): Joden in Nederland in de twintigste eeuw. Een biografisch woordenboek. Het Spectrum, Utrecht 2007, ISBN 978-90-274-5195-8, S. 47.
Familie mini|hochkant|Fré Cohen: Porträtzeichnung Levie Cohen, 13. Februar 1925 Sie war das älteste Kind des sozialdemokratischen DiamantschleifersHenk van der Meulen: Fré Cohen gaf typografisch gezicht aan het socialisme. In: Leeuwarder Courant, Culturele Bijlage, 25. Juni 1993, auf: delpher.nl Levie Cohen (* 15. März 1874 in Gouda, † 17. September 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau)Cohen, Levie, born 1874–03–15. In: Transportlisten des „polizeilichen Judendurchgangslagers Kamp Westerbork“, zitiert durch: Państwowe Muzeum Auschwitz-Birkenau, Oświęcim, auf: auschwitz.org und dessen Ehefrau Esther (* 2. Juni 1876 in Amsterdam; † 1. November 1942 in Amsterdam), geborene Sarlie.Frederika Sophia Cohen, auf: galeriewijdemeren.nlCohen, Fré (Frederika Sophia), auf: memoriart33–45.org Fré Cohen hatte zwei jüngere Geschwister, Sophie (18. März 1906–1949)Sophia Walthemathe-Cohen, 18–03–1906 in Amsterdam. In: United States Holocaust Memorial Museum (USHMM), Dutch Survivor Lists, auf: ushmm.org und Bernard Henri (21. Juli 1912 in Berchem, † 18. Februar 1945 im KZ Bergen-Belsen).Bernard Henri Cohen, 21-07-1912, A01232_0157_0637. In: Stadsarchief Amsterdam, Archiefkaarten van Persoonskaarten 1939–1994.Bernard Henri Cohen, 18–02–1945, Bergen-Belsen, Reg. A58, Akte 411, S. 70. In: Stadsarchief Amsterdam, Archief van de Burgerlijke stand, Registers van Algemene Akten, 1949–1961. Nach berufsbedingtem Wechsel nach Antwerpen kehrte die Familie nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 nach Amsterdam zurück.Cohen, Frederika Sophia (1903–1943). In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland, auf: knaw.nl Bereits im Kindesalter zeigte Fré Cohen Interesse am Zeichnen und äußerte den Wunsch, Karikaturistin zu werden.Ron Conijn: . In: Wendingen Platform voor de Amsterdamse School, auf: amsterdamse-school.nl Als Jugendliche wurde sie Mitglied der sozialistischen Jugendorganisation Arbeiders Jeugd Centrale (AJC) der Sociaal-Democratische Arbeiderspartij (SDAP). Diese Mitgliedschaft und ihr dortiges Engagement hatte für die Entwicklung ihrer graphischen Entwürfe große Bedeutung. Für ein Graphikstudium hatte die Familie kein Geld, so dass Fré Cohen mit Erreichen ihres 16. Lebensjahres von der Schule abging und zunächst in einem kaufmännischen Büro arbeitete. Daneben belegte sie abends an der Amsterdamse Grafische School Zeichenkurse,Femke Meijer, Christine van Eerd: Les met een echte Heidelbergpers – De Amsterdamse Grafische School 1918–2018 (PDF-Datei; 684 kB). In: Ons Amsterdam, Nr. 6/Juni (2018), 25. Mai 2018, S. 22–25 (Zitat: S. 22). wo sie u. a. von dem Maler Wim Schuhmacher (1894–1986) im Modellzeichnen unterrichtet wurde.Philip van Praag: Cohen, Frederika Sophia. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org, basiert auf der vorhergehenden Veröffentlichung in BWSA, 3 (1988), S. 27–28. Bei Lion Contran (1898–1958, eigentl. Lion Vleeschdrager) nahm sie Klavierunterricht und zeichnete diesen am Flügel.Ger Harmsen: Vleeschdrager, Lion. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org, basiert auf der vorhergehenden Veröffentlichung in BWSA, 3 (1988), S. 211–214.
Wirken 1921 arbeitete sie in der Hollandsche Draad & Kabel Fabriek in Amsterdam, für die sie Werbeanzeigen gestaltete. Als Autodidaktin orientierte sie sich zu dieser Zeit am Stil des Art déco und an der niederländischen Künstlervereinigung De Stijl. Ab 1923 wurde sie in der Verwaltung des sozialistischen Verlages N.V. Boekhandel en Uitgevers Maatschappij Ontwikkeling (= AG Buchhandels- und Herausgeber-Gesellschaft Entwicklung; später umbenannt zu De Arbeiderspers) beschäftigt,C. C.: Een teekenares vertelt: Hoe Fré Cohen toch haar roeping kon volgen – Bekende, populaire illustratrice. In: Het Joodsche Weekblad, Uitgave van den Joodschen Raad voor Amsterdam, 1. Jahrg., Nr. 12, 27. Juni 1941, S. 5. der mit der niederländischen Sociaal-Democratische Arbeiderspartij verbunden war. Dort führte sie neben ihrer regulären Büroarbeit graphische Entwürfe, darunter auch typographische, aus. Dabei freundete sie sich mit Maria Wilhelmina Vos (1897–1994) an, die beim AJC-Vorsitzenden Jacobus Jan „Koos“ Vorrink (1891–1955) im Sekretariat der Arbeiders Jeugd Centrale an Amsterdams Reguliersgracht beschäftigt war.Margot de Waal: Vos, Maria Wilhelmina. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org, basiert auf der vorangegangenen Veröffentlichung in: BWSA, 8 (2001), S. 312–315. Gedichte von deren Schwester Griet Vos (1891–1985), die als Margot Vos publizierte, inspirierten Fré Cohen zu Illustrationen.Margot de Waal: Vos, Grietje. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org, basiert auf einer vorangegangenen Veröffentlichung in BWSA, 7 (1998), S. 246–249. Für den größten Teil der zahlreichen Printprodukte, die von der Jugendorganisation Arbeiders Jeugd Centrale der SDAP herausgegeben wurden,Eric de Ruijter: Arbeiders Jeugd Centrale (AJC). In: International Institute of Social History, auf: iisg.nl war Fré Cohen als Designerin verantwortlich.De Meiroep, 1931 (Ontwerp Fré Cohen), Signatuur: Microfiche 2495:3, auf: iisg.nl Ihre Illustrationen finden sich beispielsweise in der von 1905 bis 1940 publizierten Frauenzeitung De Proletarische Vrouw (= Die proletarische Frau). Dadurch bekam sie Kontakt zur Druckerei Vooruitgang (= Fortschritt) der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Etwa zu dieser Zeit freundete sie sich mit Alice Emilie van Nahuijs (1894–1967, auch: Nahuys) an, die später für den Querido Verlag arbeitete. Als Designerin war sie mit den grundlegenden technischen Verfahren wie dem Satz vertraut, wurde jedoch als Frau von den diese Berufsgruppe dominierenden männlichen Kollegen zunächst skeptisch und distanziert betrachtet.
Ab 1924 belegte sie neben ihrem beruflichen Engagement Graphikkurse am neu eingerichteten Instituut voor Kunstnijverheid Quellinus. Dort war sie zu dieser Zeit die einzige Frau, die Typographie belegte. Dank eines Stipendiums war es ihr dann ab 1927 möglich, in vollem Umfang Graphik zu studieren und schloss 1929 am Institut für angewandte Graphik als Diplom-Graphikerin ab. Als Erste dieser Bildungseinrichtung wurde ihr die Verdienstmedaille für außergewöhnliche Leistungen verliehen. 1930 schloss sie einen Kurs Modellzeichnen erfolgreich ab.
mini|hochkant|Fré Cohen (links) mit Kollegen im Atelier, um 1930 mini|hochkant|Fré Cohen an dem Holzschnitt für den Buchtitel Het Joodsche Bruidje (nach dem Gemälde Rembrandts) von Sani van Bussum, 1933 mini|hochkant|Fré Cohen mit Palette vor einem ihrer graphischen Projekte für ein in Amsterdam ansässiges Import-Export-Unternehmen, das mit Waren aus bzw. nach Palästina handelte, 1936 mini|hochkant|Fré Cohen in ihrem Atelier in Amsterdam, 1937 Von 1929 bis 1932 war sie während der Weltwirtschaftskrise bei der Stadsdrukkerij van Amsterdam, der städtischen Zentraldruckerei, in Teilzeit beschäftigt. Aufgrund von Sparmaßnahmen entlassen, arbeitete sie von 1932 bis 1941 für dieses Unternehmen weiter als freie Mitarbeiterin und gestaltete für insgesamt mehr als ein Jahrzehnt nahezu alle Drucksachen für die Ämter und Dienste der niederländischen Hauptstadt – für die Energieunternehmen, die Wohnungsbauunternehmen, die Stadtsparkasse Gemeentegiro, die Stadtreinigung, das städtische Theater Stadsschouwburg, den Hafen von Amsterdam und für den Flughafen Schiphol. Dabei gelang es ihr, für diese städtischen Unternehmen eine eigene graphische Identität zu kreieren (Corporate Design, Corporate Identity). Aufgrund ihres hohen Arbeitstempos erhielt sie während dieser Zeit den Spitznamen „Saartje Wip“.
Daneben fand sie die Zeit, für Maarten Borsje (1880–1963), den Vorsitzenden der Nederlandsche Arbeidersreisvereeniging (= Niederländische Arbeiterreisevereinigung), Illustrationen für dessen Gids voor natuurvrienden (= Leitfaden für Naturfreunde) anzufertigen.Jannes Houkes: Borsje, Maarten. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org 1934 arbeitete sie in Ascona im schweizerischen Kanton Tessin.Fré Cohen, auf: rkd.nl 1935 begrüßte sie den New Yorker Theaterdirektor Maurice Schwartz, der anlässlich eines Gastspiels des von Israel Joschua Singer verfassten Bühnenstücks Yoshe Kalb mit seinem Yiddish Art Theatre von Paris nach Amsterdam gekommen war.Jiddisch Theater te Amsterdam. In: Algemeen Handelsblad, Avondblad van Woensdag 26. Juni 1935, S. 4.
Nebenbei illustrierte sie zudem Buchausgaben, so für den Verlag De Arbeiderspers, den Querido Verlag des Emanuel Querido und für De Wereldbibliotheek sowie für Gewerkschaften, das Instituut voor Arbeidersontwikkeling (IvAO),Alfred Adler, Fré Cohen, Heinz Jacoby, Sofie Lazarsfeld, Otto Rühle, Alice Rühle-Gerstel, P. Dijkema (Übers.): Het moeilijke kind. Twintig opvoedkundige studies. De Wereldbibliotheek, Amsterdam 1934. Unternehmen und jüdische Institutionen und Publikationen wie Het Joodsche Weekblad (= Das jüdische Wochenblatt, Ausgabe des Joodsche Raad voor Amsterdam), Ha’Ischa (Organ des Jüdischen Frauenrates in den Niederlanden), De Vrijdagavond (Jüdisches Wochenblatt) und Het Nieuw Israëlitisch Weekblad.Zwerftochten door klein-Jeruzalem, auf: joodsamsterdam.nl
Sie gestaltete beispielsweise Bücher der aus dem Deutschen Reich geflüchteten Autoren Lion Feuchtwanger, Leonhard Frank und Joseph Roth. Meijer Bleekrode studierte bei Fré Cohen Techniken des Graphikdesign.Carry van Lakerveld: Bleekrode, Meijer. In: Biografisch Woordenboek van het Socialisme en de Arbeidersbeweging in Nederland (BWSA), auf: socialhistory.org, basiert auf einer vorangegangenen Veröffentlichung in: BWSA, 3 (1988), S. 15–17.
Fré Cohen lieferte Entwürfe für Drucksachen aller Art, Gemälde, Porträts, Zeichnungen, Holz- und Linolschnitte. Ihre graphische Arbeit lässt sich in ihrer frühen, teils autodidaktisch geprägten Schaffensphase als dekorativ mit romantischen Aspekten charakterisieren, beeinflusst vom Jugendstil und dem Kubismus. Im Gefolge der Neuen Sachlichkeit entwickelte sie später einen eigenen ausdrucksstarken Stil, der auch im Ausland auffiel und ihr ab 1934 eine Reihe von Einladungen zu Vorträgen nach England bescherte.
Eine der von ihr entworfenen Schriften, die „Freco“, ist noch heute erhältlich.Freco, auf: myfonts.com Einige Beispiele ihrer graphischen und typographischen Arbeiten können online abgerufen werden.Cohen, Frederika Sophia. In: Stichting Het Rijksmuseum, auf: rijksmuseum.nlFré Cohen. In: Joods Cultureel Kwartier, auf: jck.nlCohen, F. S. (Fré, 1903–1943) . In: Stadsarchief Gemeente Amsterdam, auf: amsterdam.nl