Porträt einer jungen Frau in Flammen (Originaltitel Portrait de la jeune fille en feu, englischsprachiger Festivaltitel: Portrait of a Lady on Fire) ist ein französischer Spielfilm von Céline Sciamma aus dem Jahr 2019. Das Drama spielt im 18. Jahrhundert und stellt eine Malerin (Noémie Merlant) in den Mittelpunkt, die den Auftrag erhält, im Geheimen das Hochzeitsporträt einer Adeligen (Adèle Haenel) anzufertigen, die sich gegen ihre Vermählung sträubt. Je mehr Zeit die beiden jungen Frauen miteinander verbringen, desto stärker fühlen sie sich zueinander hingezogen.

Die Uraufführung des Films fand am 19. Mai 2019 im Wettbewerb des 72. Filmfestivals von Cannes statt. Der Kinostart in Frankreich erfolgte am 18. September 2019, in Deutschland am 31. Oktober 2019.

Handlung Frankreich im Jahr 1770: Die junge Malerin Marianne reist auf eine abgelegene Insel in der Bretagne. Sie hat von einer verwitweten italienischen Gräfin den Auftrag erhalten, ein Porträt von deren Tochter Héloïse anzufertigen. Diese soll mit einem Adeligen aus Mailand verheiratet werden; das Gemälde soll die Verbindung der beiden besiegeln. Die rebellische Héloïse, die nach dem mysteriösen Tod ihrer Schwester aus dem Konvent geholt wurde, um deren Stelle einzunehmen, möchte aber nicht mit einem ihr unbekannten Mann verheiratet werden und weigert sich daher, für ein Porträt Modell zu stehen. Nachdem der letzte Maler erfolglos abgereist ist, soll sich Marianne nun als Gesellschafterin ausgeben. Während gemeinsamer Spaziergänge am Strand und auf den Klippen soll sie Héloïse heimlich studieren und dann aus dem Gedächtnis auf die Leinwand bringen.

Sie versucht, genug von ihr zu sehen, um ihr Wesen in einem Bildnis erfassen und zum Ausdruck bringen zu können. Als das Porträt fertiggestellt ist, will Marianne es zunächst Héloïse zeigen und ihr damit auch persönlich den wahren Grund ihres Besuchs erklären. Die überraschte Héloïse äußert sich jedoch vernichtend über das konventionell gestaltete Gemälde und zweifelt daran, dass Marianne sie je richtig gesehen hat. Die zutiefst getroffene Marianne macht daraufhin das noch feuchte Ölbild unkenntlich. Als die von der erneuten Erfolglosigkeit frustrierte Gräfin beschließt, Marianne fortzuschicken, erklärt sich Héloïse überraschend bereit, doch für sie Modell zu sitzen. Die Gräfin willigt ein und verreist für einige Tage.

Ein zweites Mal nähern sich die beiden Frauen einander an und verbringen in Abwesenheit von Héloïses Mutter eine unbeschwerte Zeit miteinander. Sie entwickeln zudem eine Freundschaft zur Hausangestellten Sophie, die sie bei einer Abtreibung unterstützen.Michael Sennhauser: Cannes 19: 'Portrait de la jeune fille en feu' von Céline Sciamma. In: sennhausersfilmblog.ch, 19. Mai 2019 (abgerufen am 23. Mai 2019). Je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto stärker fühlen sich die beiden Frauen zueinander hingezogen. Héloïse erfährt derweil von Marianne, dass Malerinnen nicht an Männerakten üben dürfen. Daraufhin schlägt sie vor, die Abtreibungsszene mit Sophie nachzustellen, was Marianne mit Skizzen zu Papier bringt. Je näher sich die beiden Frauen kommen, desto stärker verändert sich auch Mariannes Darstellung der Geliebten.Peter Osteried: Porträt einer jungen Frau in Flammen. In: programmkino.de. Abgerufen am 13. September 2019. Es gelingt ihr sogar, Héloïses geheimnisvolles Lächeln auf die Leinwand zu bannen.Hannah Pilarczyk: Die schönsten Mädchen von Cannes. In: Spiegel Online, 20. Mai 2019 (abgerufen am 24. Mai 2019).

Am Ende müssen sich die beiden Frauen jedoch nach der Rückkehr der Gräfin und der Übergabe des fertiggestellten Gemäldes trennen. Héloïse wird wie geplant nach Mailand verheiratet, Marianne verdient sich ihren Lebensunterhalt später mit einer Stelle als Zeichenlehrerin für Frauen.Verena Lueken: An der Quelle männlicher Träume. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Mai 2019, Nr. 119, S. 13. Marianne sieht Héloïse noch einmal auf einem Gemälde im Rahmen einer Ausstellung, auf dem Héloïse mit einem (vermutlich ihrem) Kind und einem Buch in der rechten Hand dargestellt wird. Ihr Zeigefinger zeigt auf eine leicht geöffnete Stelle im Buch, auf dem der Maler die Zahl 28 gemalt hat. Marianne hatte am Tag vor dem Abschied ein Selbstporträt auf die Seite 28 des Buches, das sie Héloïse gegeben hatte, gemalt. Zuletzt sieht Marianne sie noch einmal allein auf dem Rang sitzend bei einem Konzert. Gespielt wird Vivaldis Vier Jahreszeiten, ein Stück, das sie ihr während ihrer gemeinsamen Zeit versuchte, auf einem Cembalo vorzuspielen. Héloïse ist von der Musik zu Tränen gerührt, bemerkt Marianne jedoch nicht.

Produktion Entstehungsgeschichte Mit Porträt einer jungen Frau in Flammen realisierte Céline Sciamma ihren vierten Spielfilm, für den sie auch das Drehbuch schrieb. In Vorbereitung auf das Skript beschäftigte sie sich zwei Jahre lang mit der Künstlerinnenbewegung im 18. Jahrhundert und konsultierte auch eine Kunstsoziologin, um die Figur der Marianne für die damalige Zeit möglichst authentisch zu zeichnen.Pavan, Benoit: Céline Sciamma, or the vicissitudes of love in the 18th century. In: festival-cannes.com, 19. Mai 2019 (abgerufen am 23. Mai 2019). Tatsächlich gab es zu der Zeit vor der Französischen Revolution über hundert Malerinnen, von denen aber nur die wenigsten heute noch bekannt sind.

Hatte Sciamma zuvor mit Water Lilies (2007), Tomboy (2011) und Mädchenbande (2014) an einer Jugendfilm-Trilogie gearbeitet,Véronique Cauhapé: L’esquisse d'un amour. In: Le Monde, 21. Mai 2019, S. 18. in der sie Fragen der Femininität und des Geschlechts nachgegangen war, wollte sie mit ihrem neuen Film ein „erwachsenes Gefühl“ einfangen. Als größte Herausforderung beschrieb Sciamma, den „intimen Aspekt“ der Geschichte einzufangen.

Nachdem Sciamma bei ihren vorherigen Filmen vor allem mit Laien- und Nachwuchsdarstellern gearbeitet hatte, setzte sie bei Porträt einer jungen Frau in Flammen erstmals auf eine professionelle Besetzung. Die Rolle der Héloïse übernahm Adèle Haenel, die bereits 2007 in Sciammas Water Lilies gespielt hatte und mit der Regisseurin zeitweise in einer Beziehung war. Sciamma gab an, Haenel und ihren schauspielerischen Qualitäten die Rolle auf den Leib geschrieben zu haben. Neben den zwei Hauptfiguren und zwei wichtigen Nebenfiguren erscheinen andere Charaktere nur am Rande, männliche Figuren sprechen gar nur wenige kurze Sätze.

Der Film erhielt eine Produktionsförderung von der Région Île-de-France in Höhe von 380.000 Euro und eine weitere Förderung vom Centre national de la cinématographie.

Dreharbeiten, Szenenbild und Kostüme mini|Die Dreharbeiten fanden auf der Halbinsel Quiberon statt, an der Côte sauvage Der Film wurde innerhalb von 34 Tagen im Herbst 2018 auf der Halbinsel Quiberon in der Bretagne im Département Morbihan abgedreht.Clap de fin de tournage en Bretagne pour le prochain long métrage de Céline Sciamma. In: tournagesbretagne.com. Abgerufen am 29. Mai 2019. (französisch) Hier entstanden unter anderem Aufnahmen an der Côte sauvage, auf der Atlantikseite mit kleinen Sandstränden zwischen den felsigen Buchten Port Blanc und Port Bara.Quiberon. Cinéma : Céline Sciamma et Adèle Haenel tournent sur la presqu’île. In: Le Télégramme, 24. Oktober 2018. (französisch) Das Schloss, in dem die Innenszenen gedreht wurden, steht in einem Pariser Vorort und ist seit dem 18. Jahrhundert vergleichsweise unverändert geblieben.

Die Filmcrew bestand mehrheitlich aus Frauen, was bei Filmproduktionen nach wie vor sehr ungewöhnlich ist. Der Kamerafrau Claire Mathon kam eine besonders wichtige Aufgabe zu, da der Film viel durch die Blicke der beiden Hauptfiguren lebt und das Thema von Maler (bzw. Kamera) und Subjekt aufgriff. Mathon und Sciamma studierten zusammen die Filme von Ingmar Bergman, da dieser meisterhaft Nähe und Intimität inszenieren konnte. Sie stimmten sich bei jeder einzelnen Szene genau ab, wie diese gefilmt werden sollte. Das Szenenbild schuf Thomas Grézaud, mit dem Sciamma bereits für Tomboy und Mädchenbande zusammengearbeitet hatte. Bewusst hielt man sich damit zurück, die Räume – wie ansonsten oft im Historienfilm üblich – mit Dekor auszustaffieren. Als Kostümdesignerin fungierte Dorothee Guiraud,Leslie Felperin: 'Portrait of a Lady on Fire' ('Portrait de la jeune fille en feu'): Film Review. In: The Hollywood Reporter, 19. Mai 2019. die jeweils ein Hauptkostüm für jede Figur entwarf. Sie achtete darauf, dass die Kostüme realistisch für das 18. Jahrhundert waren, aber verzichtete beim Entwurf auf zeittypische Details an den Kleidern wie etwa Stickereien, um eine Einfachheit und symbolische Lesbarkeit der Kostüme zu erzielen.

Die Porträts schuf die Malerin Hélène Delmaire, die auch als Handdouble für Noémie Merlant fungierte. Merlant wiederum beobachtete Delmaire bei ihrer Arbeit genau, um Blicke und Verhaltensweisen aufzufangen, die sie in ihre Figur einfließen lassen konnte.

Filmmusik und Sounddesign Die Filmmusik komponierten Jean-Baptiste de Laubier, der auch die Musik für Tomboy und Mädchenbande schuf, und Arthur Simonini, der ebenfalls an der Arbeit von letzterem beteiligt war. Leslie Felperin von The Hollywood Reporter bemerkt, dass im Film zwei Musikstücke strategisch verteilt auftauchen, um eine Klanglandschaft zu intensivieren, die ansonsten nur aus natürlichen Geräuschen, Stille und dem Seufzen von Liebenden besteht. Eines ist eine seltsame A-cappella-Version, die von den Frauen zunächst fast atonal gesungen wird und dann in ein intensives Chorwerk übergeht. Das andere ist ein Ausschnitt aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten, der einmal in der Mitte des Films von Marianne an einem Cembalo gespielt wird, um Héloïse zu erfreuen. Dieses werde am Ende wiederholt, so Felperin, wo es mit einer langen Kamerafahrt verschmelze, die Héloïse in ihren Bann zieht, als sie einen Sturm von Emotionen erlebt, der dem musikalischen Sturm folgt, den sie hört. Dies sei buchstäblich ein richtiger Knalleffekt und zeige in einem Moment, wie eine Frau kathartische Gefühle erlebt, während sie klassische Musik hört.

Veröffentlichung und Filmrechte