Die Zerstörung der CDU ist ein politisches Webvideo, das am 18. Mai 2019 im Vorfeld der Europawahl 2019 vom deutschen Webvideoproduzenten Rezo auf der Plattform YouTube veröffentlicht wurde. Das Video hat eine Länge von knapp 55 Minuten und besitzt ein 13-seitiges Quellenverzeichnis.Rezo: Die Zerstörung der CDU. In: YouTube. 18. Mai 2019 (Video; 54:57 min). Hierin kritisiert er die damaligen deutschen Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sowie die AfD und die FDP. Besonders den Unionsparteien wirft er vor, „zur immer weiter auseinanderklaffenden Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland beizutragen, den Klimawandel mit voranzutreiben und die USA unhinterfragt in ihren kriegerischen Auseinandersetzungen zu unterstützen“. Zudem äußert er sich zu den Themenfeldern Bildung, Urheberrecht und Drogenpolitik.Rezo spitzt zu, verkürzt, pauschalisiert – sein Anti-CDU-Video ist trotzdem ein Lehrstück. In: Stern, 22. Mai 2019. Am Ende des Videos spricht er eine indirekte Wahlempfehlung für Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke aus. Seine Videografik zeigt zudem Volt, DiEM25 und ÖkoLinX als weitere Wahloptionen.Maria Fiedler: Abrechnung mit der CDU – Das Rezo-Video zeigt, was junge Menschen an der Politik nervt. In: Tagesspiegel. 23. Mai 2019.Die Zerstörung der CDU. YouTube (Video; 52:40–52:55 min), 18. Mai 2019.

Das Video, das innerhalb weniger Tage millionenfach abgerufen wurde, zog internationales Medieninteresse auf sich und war Teil der gesellschaftlichen Debatte. Es war das am meisten aufgerufene YouTube-Video im Jahr 2019 in Deutschland.

Am 24. Mai 2019 veröffentlichte Rezo ein weiteres Video mit dem Titel Ein Statement von 70+ YouTubernYoutuber: „Dies ist ein offener Brief, ein Statement“ – Rezo legt mit neuem Video nach. In: Handelsblatt. 24. Mai 2019, abgerufen am 2. Juni 2019. (später: Ein Statement von 90+ Youtubern), in dem diese ihre Unterstützung für Rezos Anliegen bekunden.

Bis zum Tag der Europawahl in Deutschland am 26. Mai 2019 verzeichnete das Video mehr als 10 Millionen Abrufe. Mit Blick auf die Verluste von SPD und CDU und den Erfolg der Grünen am Wahlsonntag sprach das ZDF von einem „Rezo-Effekt“.Auswirkungen auf Berliner GroKo – Der Rezo-Effekt zeigt Folgen. ZDF, 26. Mai 2019, abgerufen am 27. Mai 2019. Auch nach der Wahl blieb das öffentliche Interesse an dem Video hoch, das vier Tage später die Marke von 14 Millionen Abrufen erreichte.

Der Umgang der CDU-Führung mit dem Beitrag wurde als „zögerlich“„Die Zerstörung der CDU“. Dobrindt kritisiert Umgang der CDU mit YouTuber. In: faz.net vom 31. Mai 2019. und „arrogant“Umgang mit Rezo. Arroganz statt Inhalte. In: Süddeutsche Zeitung vom 3. Juni 2019. beanstandet. Zudem brachte die damalige CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer Regeln für Meinungsmache im Internet in Wahlkampfzeiten ins Gespräch und wurde dafür heftig kritisiert.

Im Vorfeld der Erstausstrahlung des Videos, am 13. Februar 2019, schrieb Rezo auf Twitter: „Warum hat eigentlich noch keiner ein ordentliches Zerstörungsvideo gegen die CDU gemacht?… So 41 Minuten lang oder so.“. Die 41 Minuten beziehen sich auf die Dauer des im selben Stil gedrehten und musikalisch ähnlichen kritischen Videos von Rezo über 2Bough aus Januar 2019. Dies war der erste Hinweis auf das spätere CDU-Video."Warum hat eigentlich noch keiner ein ordentliches Zerstörungsvideo gegen die CDU gemacht?… So 41 Minuten lang oder so.", 10:16 AM - 13 Feb 2019

Aufbau Rezo sagt in der Einleitung des Videos: „Das wird diesmal wirklich ’n Zerstörungsvideo. Nicht, weil ich aktiv versuche, jemanden zu zerstören,Rezo-Video - Youtuber Rezo will die CDU „zerstören“ – warum das schlimmer klingt, als es gemeint ist. Stern.de, 24. Mai 2019, abgerufen am 2. Juni 2019. sondern weil die Fakten und Tatsachen einfach dafür sprechen, dass die CDU sich selbst, ihren Ruf, und ihr Wahlergebnis damit selbst zerstört.“ Im Netzjargon drückt zerstören aus, „jemand mit Argumenten auseinanderzunehmen“Markus Beckedahl: Rezo vs. CDU – Wer ist hier alternativlos? netzpolitik.org, 24. Mai 2019. oder „argumentativ plattzumachen“. Das Video ist weiter in drei Themenblöcke gegliedert:

Im ersten Teil spricht Rezo die Themen Armut und Bildung an. Er wirft den Unionsparteien vor, nicht genug zu investieren, damit auch ärmere Kinder die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg hätten.

Im Mittelteil spricht er über den Klimawandel und verweist dabei wiederholt auf Studien und Einschätzungen von Wissenschaftlern. Hier kritisiert er die Energiepolitik der Regierung und fordert die Umsetzung der von Wissenschaftlern empfohlenen Maßnahmen gegen den Klimawandel einhergehend mit der Umorientierung auf erneuerbare Energien. „[…] Ja das Ding ist: Machen sie nicht!“, kommentiert Rezo.

Im dritten Teil wirft er der Bundesregierung vor, die USA bei ihrem Einsatz von Drohnen im Nahen Osten unkritisch zu unterstützen, die in Deutschland über die Ramstein Air Base die Planung und Steuerung von völkerrechtlich umstrittenen Kampfdrohnen-Einsätzen im Krieg gegen den Terrorismus bei Drohnenangriffen in Pakistan oder anderen Einsätzen in Afghanistan, Somalia, Jemen und im Irak koordinieren würden.

Hintergrund und Produktion Rezo betrieb bereits vor der Veröffentlichung von Die Zerstörung der CDU seit einigen Jahren die beiden YouTube-Kanäle „rezo“ und „Rezo ja lol ey“, von denen der Hauptkanal mehr als 1,5 Millionen Abonnenten zählte. Die darüber veröffentlichten Inhalte dienen hauptsächlich der Unterhaltung, richten sich an ein junges Publikum und umfassen größtenteils Musik- und Comedy-Videos, in denen teilweise auch andere bekannte YouTuber auftreten. Nach eigenen Angaben besteht die Zuschauerschaft beinahe zur Hälfte aus 18- bis 24-Jährigen; 11 Prozent seien minderjährig und der Rest über 24 Jahre alt. Als Influencer wird Rezo von der Tube One Networks GmbH in Köln vermarktet, die als Teil des Marketing-Konzerns Ströer Werbedienste von YouTubern in Verbindung mit klassischen Websites anbietet. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung sahen die Veröffentlichung seines politischen Videos als „lohnende Investition in seine Marke“, bei der Rezo das „unternehmerische Risiko“ für die Kosten der Videoproduktion mit seiner gestiegenen Bekanntheit abgewogen habe.

Rezo wies diese Darstellung zurück; er produziere Videos nicht, um Geld zu verdienen, sondern weil er „Bock darauf habe“. Er habe mit seinem Publikum etwas teilen wollen, das ihn schon seit langer Zeit beschäftige und das ihm „intrinsisch wichtig“ sei. Daher habe er sich bewusst gegen eine Monetarisierung des Videos entschieden, um die darin enthaltene Botschaft nicht mit „nervigen Werbeclips“ zu unterbrechen und den Vorwurf des Handelns aus wirtschaftlichen Interessen zu entkräften. Er habe vielmehr den Drang verspürt, sich in Themen einzuarbeiten, Aufklärung zu betreiben und „einen Diskurs […] unabhängig vom politischen Background“ anzuregen. Rezo versicherte, dass keine Unternehmen, Institutionen oder Parteien an der Konzeption oder Produktion des Videos beteiligt wären. Die Idee zu dem Video stamme von ihm selbst, und er sei bei der Quellenrecherche lediglich von seinem damaligen Produktionsleiter und Filmeditor Tim Jacken alias TJ unterstützt worden. Kleinere Beiträge wie Rückmeldungen und Fragen zu Quellen seien von Bekannten, Freunden, der Familie und einer weiteren Mitarbeiterin geleistet worden. Dies sei vor allem deshalb notwendig geworden, weil die Autoren durch die wochenlange Arbeit an dem Projekt stellenweise den Blick für Fehler verloren hätten. Rezo gab an, zusammen mit TJ hunderte von Stunden in die Produktion des Videos investiert und in den zwei Wochen vor dessen Veröffentlichung „quasi durchgearbeitet“ zu haben.

Den Zeitpunkt der Videoveröffentlichung habe er bewusst gewählt, da er wegen der bevorstehenden Europawahl ein höheres Politikinteresse in der Bevölkerung erwartet habe. Rezo beschrieb seinen Vortrag als einen „klaren politischen Standpunkt – vor allem gegen rechtere Parteien“. Seine Wahlempfehlung gegen CDU, SPD und AfD sei ein Resultat der unzureichenden Klimapolitik dieser Parteien und würde auf wissenschaftlichen und bequellten Erkenntnissen basieren. Rezo mahnte insbesondere die CDU und SPD, ihrem Anspruch als Volkspartei nur dann gerecht werden zu können, wenn sie sich stärker für die Belange der jüngeren Generation einsetzten, was bisher zugunsten der Vertretung einer älteren Wählerschicht vernachlässigt worden sei. Zudem ermutigte er die Parteien Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke zu einer noch intensiveren Umweltschutzpolitik.

Rezeption Politik Der Generalsekretär der CDU, Paul Ziemiak, bezeichnete Rezos Aussagen in einer ersten Stellungnahme als „Vermischung von ganz vielen Pseudofakten“. Der YouTuber habe „von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch“ gemacht. Journalismus sei das aber nicht.Sebastian Felser: Südwestrundfunk (SWR), 22. Mai 2019. Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte in ihrer ersten Stellungnahme zum Video: „Ich habe mich gefragt, warum wir nicht eigentlich auch noch verantwortlich sind für die sieben Plagen, die es damals in Ägypten gab.“ Dadurch löste die bekennende Katholikin wegen ihrer mangelnden Bibelkenntnis einen Shitstorm aus, weil sie die Sieben Plagen der Endzeit mit den Zehn Plagen der Ägypter verwechselt hatte.Die Plagen der Annegret Kramp-Karrenbauer. Zeit Online, 23. Mai 2019. Am 23. Mai 2019 folgte eine offizielle Reaktion der CDU. Dazu wurde ein Offener Brief auf der Internetseite mit zugehöriger PDF-Datei und inhaltlicher Auseinandersetzung mit der Kritik veröffentlicht.

Ursprünglich sollte ein von dem Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor aufgenommenes Video als Antwort der CDU auf Rezos Veröffentlichung dienen, dessen Veröffentlichung der Bundesvorstand der Partei aber nicht zustimmte. Das Video Amthors begann angeblich mit den Worten „Hey Rezo, du alter Zerstörer“, wie dieser in der Talkshow Markus Lanz verriet. Laut dem Buch Machtverfall (2021) des Journalisten Robin Alexander wurde das Video in einem improvisierten Studio im Konrad-Adenauer-Haus aufgenommen. Amthor sitzt darin vor einer Kreidetafel, auf der mathematische Gleichungen und chemische Formeln stehen. Es wird der Duden-Eintrag zum Wort „Propaganda“ eingeblendet. Amthor belegt die angeblich rundum positive Entwicklung während Angela Merkels Amtszeit anhand von zahlreichen Statistiken, unter anderem zu den Themen CO2-Emissionen und Jugendarbeitslosigkeit. Da die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer der Veröffentlichung nicht zustimmte, sei das Video unter Verschluss gehalten worden. Paul Ziemiak wandte sich am selben Tag in sieben persönlichen Tweets an Rezo, in denen er eine persönliche Einladung zum inhaltlichen Austausch vorbrachte.

Rezo beantwortete die Einladung am 29. Mai auf Twitter. Er wolle „kein Hauptbeteiligter in einer Diskussion sein“, da er ein Problem mit Stottern habe. Eine Unterhaltung mit ihm sei ohnehin nicht seine Absicht gewesen, er habe in dem Video lediglich „wissenschaftliche Erkenntnisse und Konsens“ vorgebracht, die nicht neu seien. Daher fände er „es nicht so wichtig, dass mit mir gesprochen wird, sondern über dieses Thema“. Es läge an den Parteien sich zu entscheiden, ob sie Bedarf für einen drastischen Kurswechsel sähen oder nicht. Dabei könne er jedoch „überhaupt nicht helfen“. Ansonsten zeigte sich Rezo enttäuscht über die ersten Reaktionen der CDU. „Selbst wenn ein Unterdreißigjähriger sich auf Wissenschaftler und Experten beruft, antwortet die CDU mit Lügen und geht inhaltlich gar nicht auf Argumente ein“, teilte er der Frankfurter Allgemeinen Woche mit.