#RingFrei ist eine seit Oktober 2015 aktive Bürgerinitiative, die sich erfolgreich für eine bessere und damit sichere Mobilität für Fußgänger und Radfahrer sowie eine höhere Aufenthaltsqualität an den Kölner Ringen einsetzt. Sie ist inzwischen weit über Köln hinaus bekannt und wurde mit dem Deutschen Fahrradpreis 2019 ausgezeichnet.

Schwerpunkt der Forderungen, die in einem 10-Punkte-Plan zusammengefasst wurden, ist die Verlagerung des Radverkehrs vom Gehweg auf die jeweils rechte Spur der Fahrbahn, eine eigenständige und durchgängige Radspur (Radfahrstreifen) – vom Bayenturm bis zur Bastei –, die Neuordnung des Parkens zugunsten von Ladezonen und Fahrradabstellplätzen und die Beschränkung der Geschwindigkeit auf 30 km/h.

#RingFrei initiierte und begleitete als breites Bündnis aus Geschäftsleuten, Nachbarschaft, Bürgern aus dem Bereich Fuß- und Radverkehr den Transformationsprozess des fast 7,5 Kilometer langen Boulevards, wobei die Zusammenarbeit mit Planenden, Verwaltungsebene und Politik als vorbildlich gilt. Die Forderungen von #RingFrei wurden 2016 unter diesem Namen Bestandteil des Radverkehrskonzepts für die Kölner Innenstadt.

mini|hochkant|Umgesetzte #RingFrei-Maßnahme am Sachsenring in Richtung Ulrepforte/Chlodwigplatz mini|hochkant|Der 95 Zentimeter breite Radweg auf dem Hohenstaufenring in Höhe der Stadtbahn-Haltestelle Zülpicher Straße in Richtung Rudolfplatz, der bis zum 4. Oktober 2018 benutzungspflichtig war

Inzwischen (2019) wurden wesentliche Forderungen, wie Tempo 30 (in weiten Teilen), die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht sowie zwei Abschnitte und eine Pilotstrecke umgesetzt. Eine nahezu vollständige Umsetzung ist für 2020 geplant.

Geschichte Der Initiative #RingFrei gingen zu Beginn der 2000er Jahre mehrere Versuche voraus, zentrale Abschnitte der Kölner Ringe durch eine Umverteilung der Verkehrsflächen, insbesondere durch Verlagerung des baulichen Radweges, attraktiver und sicherer zu gestalten.

Vorläufer „Ring frei“ – Fahrraddemonstration (1993) Am 8. Mai 1993 fand die zweite große Kölner Fahrraddemonstration mit 2.000 Teilnehmern unter dem Motto „Köln aufs Rad - Ring frei für Radfahrer“ und thematisierte die damals bereits für Radfahrende konfliktträchtigste Strecke im Kölner Stadtgebiet, die Kölner Ringe.

Verkehrsversuch: Sperrung der Ringe an Wochenenden „Ring frei“ (2002) Infolge des tragischen Todes des Sohnes des damaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma an der Pilgrimstraße am 31. März 2001 – er wurde Opfer eines illegalen Straßenrennens –, beschloss 2002 nach langen politischen Diskussionen der Bau- und Verkehrsausschuss der Kölner Stadtrates eine Sperrung der Ringe an Wochenende zwischen Rudolfplatz und Friesenplatz.

Ab dem 7. Juli 2002 wurde dieser Abschnitt dann jeweils von Freitag 21:00 Uhr bis Samstag 05:00 Uhr und Samstag von 21:00 Uhr bis Montag 05:00 Uhr gesperrt. Hierüber informierte die Verwaltung mit einer Broschüre mit dem Titel Ring frei.

Der Verkehrsversuch war zwar auf ein Jahr ausgelegt, wurde dann bereits drei Monate später aufgrund von Beschwerden von Anliegern und Geschäftsleuten gestoppt, dies obwohl das Unfallgeschehen sich deutlich verringerte und Schleichverkehre ausblieben. Fritz Schramma zitierte 2005 in einer Rede diese Untersuchung der Technischen Hochschule Aachen, dass mit der Sperrung „der Imponierverkehr und die Straßenrennen wirkungsvoll unterbunden wurden“.

Verkehrsversuch „Ringe“ – Einspurigkeit zwischen Rudolfplatz und Ehrenstraße (2004–2012) Am 16. August 2004 wurde dort versuchsweise der Radweg auf eine Länge von 200 Metern auf den damaligen Parkstreifen verlegt und damit die Gehweg- bzw. Aufenthaltsfläche vergrößert. Zudem wurde die jeweils rechte Fahrspur in diesem Abschnitt in einen „Mehrzweckstreifen“ umgestaltet: In den Hauptverkehrszeiten diente er als Fahrspur und außerhalb zum Laden, Liefern sowie zum Parken.

Diesem Versuch ging eine weitgehende Bürgerbeteiligung voraus und er verlief letztendlich ohne die von Kritikern prognostizierten Staus. Die Ergebnisse flossen in eine bundesweite Untersuchung zum Laden und Liefern ein, veröffentlicht von der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Geplante Umgestaltung des Hohenzollernrings (2005–2008) Mit dem „Ring-Symposium – Die Zukunft der Ringe als Brücke zwischen Alt-, Geschäfts- und Wohnstadt“ am 17. März 2005 begann ein weitergehender Prozess unter Beteiligung der Interessensgemeinschaft IG Ring e. V., Anliegern, Geschäftsleuten, Politik und Verwaltung.

Er brachte einen Entwurf für die Umgestaltung des Hohenzollernrings hervor, der Fußgängern wie Radfahrern mehr Raum wie Aufenthaltsqualität schaffen sollte. Der Radweg sollte im Gegensatz zum Verkehrsversuch „Ringe“ auf voller Länge nicht mehr auf dem Gehweg, sondern im Bereich des Parkstreifens geführt und auf zwei Meter verbreitert werden. Zudem sollten die Kreuzungen Rudolfplatz und Friesenplatz umgestaltet werden – insbesondere sollten hier die freilaufenden Rechtsabbieger zurückgebaut werden. Den Entwurf dafür entwickelte der Stadtplaner Dieter Prinz.

Um diesen Entwurf umzusetzen, wurde seitens der Politik eine 50-prozentige Beteiligung der ca. 30 Anlieger an den Kosten vorausgesetzt, die letztendlich auf über 1,6 Millionen Euro geschätzt wurden. Voraussetzung hierfür wäre die Gründung einer Immobilien- und Standortgemeinschaft gewesen. Sie scheiterte, so der damalige Beigeordnete für Stadtentwicklung, Planen und Bauen, Bernd Streitberger, da die Mindestquote der Anlieger hierfür nicht erreicht wurde.

Programm „Umgestaltung Ringe“ (2010–2011) Am 20. April 2010 wurde die bauliche Umgestaltung analog zu dem 2004 gestarteten Verkehrsversuch beschlossen und letztendlich 2011 realisiert. Allerdings wurde nicht der vollständige Abschnitt des Radweges auf dem baulichen Hochbord vom Rudolfplatz bis Ehrenstraße bzw. ab der Flanderischen Straße in Richtung Rudolfplatz erneuert und von 0,95 auf 1,6 Meter auf einer Länge von 100 Metern aufgeweitet, sondern die ersten und letzten 20 Meter verblieben jeweils im bisherigen, schmaleren Zustand. Dies entsprach damit nicht den aktuellen und verbindlichen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010).

Interdisziplinäre Planungswerkstatt Kölner Ringstraßen (2011–2013) mini|Hier wurden die nach der ERA 2010 verpflichtenden Breiten für Radwege (1,6 bzw. 2,5 Meter) im Abschnitt Hansaring dargestellt.

Im Rahmen des Masterplans für die Kölner Innenstadt wurde die Erarbeitung einer Gesamtkonzeption zur weiteren Entwicklung der Kölner Ringstraßen empfohlen. Hierzu wurde von April bis September 2011 eine interdisziplinäre Planungswerkstatt durchgeführt, an der Teams aus Städteplanern, Architekten, Landschaftsarchitekten und Verkehrsplanern teilnahmen. Im Weiteren wurde dazu ein Verkehrsgutachten erstellt, das den ÖPNV, die Fußgängerbereiche, das Radverkehrskonzept sowie der Abwicklung der Lieferverkehre untersuchte. Dieser Prozess mündete in die „Leitlinie Kölner Ringstraßen“ und dokumentierte, dass die Verkehrsflächen zugunsten des Fuß- und Radverkehrs neu geordnet und mit ausreichenden Breiten ausgestattet werden müssen.

Gründung von #RingFrei (2015) Das Aktionsbündnis #RingFrei gründete sich im Vor- und Umfeld der Demonstration „Stoppt das Töten von Radfahrern“, zu der am 7. Oktober 2015 alle Kölner Radverkehrsverbände und -gruppen von ADFC, Agora Köln, Fahrradsternfahrt, Radkomm, REWK und VCD sowie der Ortsverband der Bündnis 90 Die Grünen und die Wählergruppe Deine Freunde aufriefen.

Vorausgegangen war eine Woche tragischer Unfälle durch rechtsabbiegende LKW. Eine Radfahrerin wurde dabei getötet, eine weitere wurde schwerst verletzt, nachdem sie ein Lastwagen an der Kreuzung Hohenzollernring/Beethovenstraße erfasst hatte. Zudem wurden weitere Radfahrer und eine Fußgängerin verletzt.

Ebenfalls unter dem Eindruck dieser Ereignisse stehend, erstellte der Kölner Reinhold Goss eine Online-Petition, die sich an den Rat der Stadt Köln richtete, damit sich als Konsequenz die Situation für Radfahrende an den Ringen entscheidend verbessert. Diese fand letztendlich über 2.000 Unterstützer. Gleichzeitig leitete Goss die zur Petition gehörige Anregung dem Ausschuss für Anregungen und Beschwerden des Kölner Stadtrat zu.

Am 26. Oktober 2015 lud die Initiative, unterstützt vom ADFC Köln, zu einer öffentlichen Veranstaltung ein und dort wurde der bis heute gültige 10-Punkte-Plan erarbeitet. Dessen Umsetzung, so hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung von ADFC und VCD, „ermöglicht allen Radfahrern von 8 bis 80 Jahren das sichere Fahren auf der Straße. […] ‚Durch den Abbau des alten Radwegs bekommen aber auch die Fußgänger eine Flaniermeile mit großzügiger Außengastronomie nach Pariser und Wiener Vorbildern, wie es Albert Speers Masterplan für die Stadt Köln bereits vorsieht‘.“

Wirken, Vernetzung und Aktionstag Mediale Aufmerksamkeit wirkt auf Politik und Verwaltung Aktivitäten der Initiative zeigten Wirkung in der Politik. Nur einen Tag nach der Verabschiedung des 10-Punkte-Plans, am 27. Oktober 2015, forderte der Verkehrsausschuss des Kölner Rates in einem Eilantrag einstimmig die Verwaltung auf, die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht in Köln voranzutreiben, dies schnellstmöglich an den Ringen. Diese Maßnahme soll Radfahrende besser in das Sichtfeld der Autofahrenden bringen.

Am 16. Dezember 2015 zeigte die Initiative im Kölner Kino Odeon den Film BIKES vs CARS. Dem schloss sich eine Diskussion unter Teilnahme von Heike Aghte (EUGENT Europäische Gesellschaft für Entschleunigung), Dr. Ulrich Soénius (stellv. Geschäftsführer der IHK Köln), Hans-Günter Grawe (dem damaligen Einzelhändler und Sprecher der Einrichtungsmeile Kölner Ringe) und Christoph Schmidt (Vorstand des ADFC Köln) an. Die Diskussion leitete Helmut Frangenberg (Redakteur beim Kölner Stadt-Anzeiger).

Diese Veranstaltung, wie die mediale Berichterstattung hierzu führte dazu, dass – wiederum nur einen Tag später, am 17. Dezember 2015 – der Leiter des Straßen- und Verkehrsamtes Klaus Harzendorf in einem Zeitungsartikel die Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an den Ringen für Ende 2016 ankündigte.

Allerdings dämpften Politik und Verwaltung die damit verbundenen Erwartungen und die Initiative intensivierte ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Politik stellt die Weichen mit einem #RingFrei-Workshop, Eklats Am 21. April 2016 beauftragte die Bezirksvertretung der Innenstadt in einem Dringlichkeitsantrag die Verwaltung, einen Workshop zur verkehrlichen Verbesserung und Aufwertung im Sinne einer nachhaltigen Verkehrsplanung der Ringe durchzuführen. Der Verkehrsausschuss beschloss am 14. Juni 2016, dass die Ergebnisse dieses Workshops in das Radverkehrskonzept für die Kölner Innenstadt einfließen sollten.

Der Workshop tagte dann am 5. Juli 2016 zum ersten Mal unter Beteiligung des ADFC, VCD, den verkehrspolitischen Sprechern der Bezirksvertretung Innenstadt und des Verkehrsausschusses, den Vertretern der Polizei Köln und des Ordnungsamts, der IHK Köln, des Teams des Fahrradbeauftragten um Jürgen Möllers, sowie der Amtsleitung. Im Vorfeld dieses Termins kam es zu einem Eklat: Die Verwaltung forderte von der Initiative in einer E-Mail die Übernahme der Workshop-Kosten in Höhe von 5.000 Euro.

Nur wenige Wochen später wurde von der Verwaltung überraschend am Hansaring ein Schutzstreifen aufgebracht, der in seiner Ausführung weder dem 10-Punkte-Plan entsprach, noch im Rahmen des Workshops abgestimmt worden war. Dieses Vorgehen löste große Empörung bei der Initiative und dem ADFC Köln aus. Auch wurde die neu markierte Verkehrsführung an der Kreuzung Bremer Straße/Hansaring/Adolf-Fischer-Straße aufgrund ihrer verwirrenden Vielzahl an unterschiedlichen Abbiegemöglichkeiten für Radfahrer („Schnittmuster des Grauens“) sowie eine verdeckte Ampel kritisiert.